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Von Beruf Nixenfotografin Die Frau im Aquarium

Unterwasserfotografin: Einmal Nixe sein Fotos
Stefanie Ehl

Stefanie Ehl hat sich ihren Beruf quasi selbstgemacht: Als Fotografin macht sie Bilder von Frauen, die einmal Nixe sein wollen. Wenn sie nicht gerade in Restaurant-Aquarien taucht und dabei Heiratsanträge übermittelt.

Seit Haiko Witwer ist, hat er sich ziemlich zurückgezogen. Tagsüber zeigt er sich nur noch selten. Nur wenn Stefanie Ehl ins Wasser steigt, kommt er so gut wie immer heraus: "Der findet interessant, was ich so mache."

Haiko ist ein grundbewohnender Port-Jackson-Stierkopfhai, und Ehl ist eine Nixe und Nixen-Fotografin. Wer das seltsam findet, hat nie von Nixen-Clubs gehört, von Menschen, die am liebsten mit Flosse schwimmen, von Dienstleistern, die Nixen-Kinderpartys veranstalten und Nixen-Treffen, auf denen mitunter Hunderte zusammenkommen.

Unter Mädchen war das Meerjungfrauentum schon seit der Filmkomödie "Splash" (1984) und dem Trickfilm "Arielle" (1989) populär. Zum kleinen Tsunami wurde die Welle aber 2006 durch die Teenie-Serie "H2O - Plötzlich Meerjungfrau". Seitdem sind Nixenschwänze im Versandhandel zu haben.

Ehl hat aus dieser Leidenschaft fürs Fischige einen Beruf gemacht. Als Nixe springt sie in Restaurant-Aquarien, um durch die Scheibe Heiratsanträge zu überbringen. Als Fotografin lichtet sie Menschen ab, die einmal zum marinen Fabelwesen werden wollen - oder gleich unter Wasser heiraten. Auftraggeberinnen sind meist die fotografierten Frauen selbst, das Shooting kostet ab 179 Euro.

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8  Bilder
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Die Geschichten und Anekdoten sprudeln nur so aus ihr heraus. Sie erzählt von Frauen, die einmal ein Nixen-Shooting machen und danach nichts anderes mehr. Die derzeit bekannteste von ihnen ist Natalie Grande, die so etwas wie eine TV-Karriere damit macht: Nach ersten Auftritten ließ sie sich von Vox im "Reality"-Format "Goodbye Deutschland" vorführen, weil sie nach Teneriffa übergesiedelt war. Inzwischen überreicht sie als eine Art Nixen-Nummerngirl bei den "RTL Poolchampions" den Umschlag mit den Punkten. Wenn sie nicht gerade modelt - als Nixe arbeitet man in einem Nischenmarkt.

So wie auch Ehl. Das Schönste an ihrer Unterwasser-Fotografiererei, habe ihr Lebensgefährte einmal gesagt, mit dem sie ihr auf Unterwasser-Shootings spezialisiertes Atelier aufgebaut hat, "sei, dass ich dann mal ruhig bin".

Aqua-Hochzeit im Unterwasser-Restaurant

Jetzt ist sie ruhig, konzentriert. Sie gibt Andra Pukas letzte Instruktionen, die heute zum ersten Mal als Nixen-Model unter Wasser posieren will. Für Pukas ein Bruch mit dem Alltag: Sie ist sonst nicht Nixe oder Model, sondern Filialleiterin eines Schuhgeschäfts in Aachen. Jetzt stehen die beiden im gänzlich unglamourösen Technikraum des La Mer, laut Eigenwerbung das "größte Unterwasser-Restaurant Europas".

Das liegt nicht etwa an der Nordsee, sondern an den Hängen des Westerwalds im rheinischen Neuwied bei Koblenz: Betreiber Burkhard Weller leistet sich ein 150.000-Liter-Meerwasser-Aquarium, vor dessen tropischer Korallenriff-Szenerie man nicht nur essen kann. Stefanie Ehl sorgt dort mit Shootings, Heiratsanträgen und Aqua-Hochzeiten auch für Events anderer Art. Man muss sich ja etwas einfallen lassen, die Gastronomie ist ein hartes Geschäft.

Von wegen schwerelos

Der Aufwand, den Ehl für Nixenfotos treibt, ist enorm, je nach Location. Die meisten Bilder schießt sie im heimischen Pool in einem Dörfchen in der Nähe von Neuwied, das ist unproblematisch. Das Restaurant-Becken mit seinem aufregend exotischen Fischbesatz steht für Shootings nur an Ruhetagen zur Verfügung. Geht es, zum Beispiel in Tauchtürmen, tiefer hinab, braucht das Model sogar einen Tauchschein: Klar, denn Atemluft gibt es dann nur zwischendurch.

So leicht und spielerisch die Fotos am Ende wirken mögen, das Shooting selbst ist für Fotografin wie Model harte Arbeit. Vorsichtig lässt sich Ehl ins Aquarium hinab. Ihre Atemmaske ist über einen Schlauch mit einem Kompressor verbunden. Flossen trägt sie keine. Sie würden den Sand aufwirbeln, das glasklare Wasser trüben. Deshalb bewegt sie sich auch nur tastend, wie in Zeitlupe.

An der Wasseroberfläche versucht Model Andra, sich mit ihren in einer Art überdimensionalen Socke gefesselten Beinen zu bewegen. Sowohl der künstliche Meerjungfrauen-Schwanz, als auch die wilde Perücke, die sie trägt, machen das Tauchen schwierig. Immer wieder zieht sie sich selbst an Elementen der Aquarien-Deko hinab. Ihre Augen hält sie weit geöffnet. Jetzt, unter Wasser, ergibt auch ihr grelles Make-up einen Sinn, dass im Trockenen an die überzeichnete Bemalung in Stummfilm oder Oper erinnert. "Die Schminke", sagt Ehl, "mische ich selbst an. Die muss ja auch halten."

Nixen-Fotografie: Frauen unter sich

Die Idee zur Spezialisierung auf Unterwasser-Shootings kam Ehl 2010. Zuvor hatte sie unter anderem als Journalistin, Fotografin und Visagistin gearbeitet. Sie hatte ihren ersten Tauchurlaub in Ägypten gewonnen, bei einer "Charity-Aktion", wie sie sagt: Eine Wohltat war das auch in anderer Hinsicht. Sie machte den Tauchschein - und bald darauf die ersten Fotos.

Im Jahr darauf richtete sie ihr "Atelier4Foto" ganz auf die Nixen-Fotografie aus. Sie ist gut im Geschäft, sagt sie. Noch kann sie davon aber nicht leben: "Das ist ein zweites Standbein." Irgendwann soll daraus aber mal ihr erstes werden. Helfen könnte, dass sie seit einiger Zeit über einen großen Eventvermarkter promotet wird. Er beschert ihr Aufträge außerhalb der Region.

Frage zum Schluss: Was ist daran so interessant, die Nixe zu spielen? Model Andra und Fotografin Ehl sehen sich einen Augenblick ratlos an. Vielleicht eine Art Mädchentraum? Ja, sie nicken kräftig: "Ich habe schon Kinder fotografiert und Frauen über 50", sagt Ehl.

Die männliche Form von Nixe ist übrigens Nix. Merkt man, die sind echt selten.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Kurzsichtig unter Wasser
felisconcolor 29.07.2013
es gibt auch Taucherbrillen mit Sehstärkengläsern. Da ich leider nur selten tauche / schnorchel hab ich damals drauf verzichtet. Sind nicht ganz billigt. Aber als Profi in der Unterwasserfotografie sollte man sich diese Investition schon gönnen. Ausserdem macht es sicher mehr Spass wenn man Meer sieht
2. Hilft leider nicht!
vlado13 29.07.2013
Zitat von felisconcolores gibt auch Taucherbrillen mit Sehstärkengläsern.
Nur dass Nixen, soweit ich weiß, ohne Taucherbrillen unterwegs sind :-)
3. @felisconcolor
ohmeinsire 29.07.2013
Naja nicht die Fotografin ist kurzsichtig, sondern das Model. Da bringt eine Taucherbrille mit Stärke auch nicht viel ... weil sieht einfach blöd aus auf den Fotos ;-)
4.
thomas_hunger 29.07.2013
Entweder die zwei gezeigten Bilder stammen aus dem Ausschuss im Papierkorb oder diese "Nixen-Fotografin" kann nicht fotografieren. Bildkomposition? Schärfe? Weißabgleich? Stellt doch bitte Künstler vor, die was von ihrem Handwerk verstehen.
5. Nixenfotografie
atelier4foto 29.07.2013
@Thomas_Hunger: Schon mal auf die jeweilige Bildunterzeile geachtet? Das eine sind meine Bilder im Aquarium, die anderen hat der Reporter VOR der Scheibe gemacht. Deswegen werden die VOR der Scheibe immer blau wirken, da 8 cm Scheibe und ISO 800! Zudem hätten Sie doch schon anhand der Bilder erkennen können, dass ich mit einem Weitwinkel arbeite unter Wasser arbeite und der Reporter vor der Scheibe ein ganz anderes Objektiv hat.
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