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Okularist Schau mir ins Glasauge, Baby

Glasaugenhersteller: Allein mit tausend Augen Fotos
DPA

Sie sind nur bei genauem Hinschauen zu erkennen, kosten rund 400 Euro und werden für jeden individuell angefertigt: Glasaugen. Mit der Prothese erhalten Menschen, die ein Auge verloren haben, ihre Gesichtssymmetrie zurück - und ihre Würde.

Jeden Tag schauen Ferdinand Förster 4000 Augen an. Augen in allen möglichen Schattierungen. Grün, blau, braun. In Reihen liegen sie vor ihm. Ferdinand Förster stellt Glasaugen her. Dafür bläst er aus Kryolithglas eine weiße Kugel, formt einen Hohlkörper und arbeitet Iris und Äderchen heraus.

Jedes Auge ist bei ihm ein Unikat und wird der Augenhöhle des Patienten genau angepasst. Das dauert mindestens eine Stunde. "Es ist nicht ein Produkt wie im Zahnlabor, das wir herstellen und dann abgeben. Wir arbeiten am Patienten", sagt Förster. "Die Augenhöhle verändert sich ständig. Deshalb kann man nur bedingt mit einem Abdruck arbeiten."

Viele Betroffene kämpfen mit ihrem Schicksal - vor allem, wenn sie ein Auge etwa durch einen Unfall oder eine Krankheit verloren haben. Oft komme das Geschehen wieder hoch, wenn er Patienten ein neues Kunstauge anpasse, sagt Förster. "Da hängen Schicksale dran." Der 59-Jährige aus Saarbrücken ist einer von bundesweit rund 80 Okularisten. Sechs Jahre dauert die Ausbildung.

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Epithetik: Die Kunst, ein Gesicht zu modellieren
Rund 20 Institute stellen nach Angaben der Deutschen Ocularistischen Gesellschaft Glasaugen her - vom kleinen Zwei-Mann-Betrieb bis zur Firma mit 15 Beschäftigten. Das Augenlicht können sie den Betroffenen zwar nicht wiedergeben, aber sie können die Symmetrie des Gesichts wiederherstellen und so den Menschen ihr Schicksal erleichtern. Ein Auge aus Glas ist oft nur bei sehr genauem Hinschauen zu erkennen.

Die Okularisten raten ihren Patienten, sich jedes Jahr ein neues Glasauge einsetzen zu lassen, weil eindringender Staub die Oberfläche zerkratzt und Entzündungen hervorrufen kann. Betroffene gönnen sich nach den Erfahrungen des Hamburger Okularisten Christoph Weidner aber nur etwa alle zwei Jahre eine neue Prothese.

Für die Anfertigung müssen rund 400 Euro pro Auge bezahlt werden. Die Kunstaugeninstitute in Deutschland verwenden für die Augenprothesen mittlerweile auch vermehrt Kunststoff. Dieser ist nicht so zerbrechlich wie Glas. Eine gläserne Oberfläche nutzt sich aber kaum ab, und das Lid gleitet besser darüber.

Die wenigen Okularisten sind nach eigenen Angaben voll ausgelastet. "So lange wir Leute finden, die verrückt genug sind, eine so lange Ausbildung zu machen, wird das weitergehen", ist Weidner überzeugt. Er schwärmt von der Brillanz und der Natürlichkeit des Materials: "Zeigen Sie mir einen Franzosen, der Rotwein aus einem Plastikglas trinkt!"

kha/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
citizengun 24.03.2013
Respekt - ein wirklich erfüllender Job. Ich wollte/könnte das nicht machen.
2. Das Gesicht zurück bekommen
dean_reed 24.03.2013
Mit sechs Jahren habe ich als Kind beim Spielen mein rechtes Auge verloren, das heist das Auge ist noch da, nur geschrumpft. Meine Erfahrung: Am besten sind immer noch die Aus Glas gefertigten Protesen. Habe mir einmal in München für 1800€ eines aus Kunststoff fertigen lassen und war damit nicht zufrieden. Die Anpassung dauerte ewig, war schmerzhaft und das Ergebnis auch optisch nicht zufriedenstellen. Man sollte sich welche aus Glas anschaffen und wenigstens ein altes als Ersatz aufbewahren. Dann darf auch mal eines im Waschbecken zerbrechen ,)
3. Toller Beruf
SvenMeier 25.03.2013
Anspruchsvoll, kreativ und dabei auch noch anderen Menschen helfen.
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