Protokolliert von Steffen Daniel Meyer
Es gibt Lieblingsbeschäftigungen, die würden viele Menschen gerne zum Beruf machen. Meistens scheitert dieser Wunsch allerdings schon daran, dass niemand bereit ist, für persönliche Musiktipps oder Kneipenführungen zu bezahlen. Wer jedoch gerne einkaufen geht, dem bietet der Luxusjob des Personal Shoppers die Möglichkeit, genau damit sein Geld zu verdienen.
Die Idee des Personal Shoppers ist vor allem in den USA sehr beliebt, wo gestresste Geschäftsleute sich nicht auch noch Gedanken um einen eigenen Kleidungsstil machen wollen. Wie so oft ist bei diesen persönlichen Eins-zu-eins-Betreuungen dabei mehr die Frage der Einstellung als der Ausbildung von Bedeutung. Der Begriff ist in Deutschland nicht geschützt. Lediglich die Akademie Modestyling in München bietet eine staatlich geförderte Weiterbildung zum Modestylist und Personal Shopper an.
So können kommunikative Schneider oder meinungsfreudige Modeverkäuferinnen durchaus lukrativ ihre Fähigkeiten zur Farb- und Typberatung anbieten. Wer allerdings dauerhaft sein Geld mit der Kleidungsberatung verdienen möchte, der braucht neben einem guten Gespür für Menschen auch kaufmännische Fähigkeiten und eine Ahnung von den Kleidungsstilen der Zielgruppe.
Die möglichen Dienstleistungen reichen dabei von der Kleiderschrankanalyse über begleitete Einkaufstouren bis hin zu einem Notfallservice, der ein komplettes Business-Outfit zum Flughafen liefert.
Im KarriereSPIEGEL erzählen zwei Personal Shopper, worauf es bei ihren Einkaufsberatungen ankommt und was sie im Kleiderschrank ihrer Kunden gerne aussortieren würden.
"Ich habe einen Fernsehbericht über Personal Shopping in den USA gesehen und war sofort fasziniert. Neben meinem Job habe ich zunächst angefangen, Bekannte und Kollegen zu beraten, und es kamen immer mehr Leute dazu. Nach anderthalb Jahren hatte ich so viele Anfragen, dass ich mich selbständig gemacht habe.
Als Personal Shopper gehe ich mit Kunden in Düsseldorf, Köln, München, Hamburg, Berlin oder Mallorca auf Einkaufstour. Mein Stundenlohn ist 85 Euro, meine Kunden kommen daher meist aus der oberen Mittelschicht. Es sind Männer und Frauen, die sich oft einfach nicht für Mode interessieren und froh sind, wenn ihnen jemand die Kleidung aussucht. Auch Prominente gehören dazu.
Einige besitzen sogar noch ihre alten Studentenklamotten
Vor der Shopping-Tour treffe ich mich mit dem Kunden zu einem Gespräch, um den Typ einzuschätzen und schon einmal eine Vorauswahl der Geschäfte treffen zu können. Ich sehe mir an, welche Farben zu der Person passen und schaue in ihren Kleiderschrank. Manche Kunden haben da Stücke liegen, die schon über fünf Jahre alt sind. Dabei wechselt die Modesaison zweimal im Jahr.
Einige besitzen sogar noch ihre alten Studentenklamotten. Da hängt dann der Schlabberpulli im Schrank, und auf der Klingel steht der Name mit einem "Dr." davor. Oft sortiere ich die Hälfte der Kleidung aus. Manchmal erzählen mir die Kunden aber später, dass sie nicht alles ausgemistet haben. Die Begründung lautet dann: "Davon konnte ich mich einfach nicht trennen."
Für Besserverdiener biete ich außerdem VIP-Touren an: Dann miete ich einen Fahrer, der den Kunden und mich in einer Mercedes S-Klasse durch die Innenstadt chauffiert. Dazu gibt es Champagner. Einmal habe ich auch ein Model engagiert. Der Kunde konnte sich so die Kleidung schon mal getragen ansehen, bevor er sie selbst anprobieren musste. Einige meiner Kunden verbringen ihren Urlaub oft auf Mallorca oder leben dort. Für die biete ich dann auf der Insel eine Mischung aus Lifestyle, Sightseeing und Shopping an."
Tina Kramhöller, 36, ist staatlich geprüfte Fachkosmetikerin, Visagistin und Stilberaterin. Sie arbeitete in Köln für verschiedene Modelabels. Seit drei Jahren ist sie Personal Shopperin und lebt nun in Bischofsmais, einem Ort im Bayrischen Wald.
Der Stilbrecher: "Ich mache keine Tests mit Farbtypen"
"Ich will, dass Einkaufen wieder zu einem sinnlichen Erlebnis wird. Man sollte nie unvorbereitet losziehen. Denn für erfolgreiches Shopping braucht man Zeit und Planung. Wer zu mir kommt, möchte vor allem eine Art Feinschliff, möchte im Detail wissen, worauf es ankommt und wie er seinen persönlichen Stil entwickeln kann.
Neulich hatte ich zum Beispiel eine Kundin, die wunderschöne Beine hat, seit 30 Jahren aber nur lange Hosen trug. Ich habe ihr dann empfohlen, einen Rock anzuziehen - und als ihr Mann sie sah, meinte der nur: 'Endlich trägst du mal wieder einen Rock.' Und sie hatte jahrelang gedacht, er würde das nicht mögen.
Meine Kunden - etwa so viele Männer wie Frauen - sehe ich als beste Freunde an. Wenn ich mit ihnen shoppen gehe, bin ich ehrlich und lasse sie erst los, wenn ich zu eintausend Prozent zufrieden bin. Mittlerweile habe ich auch viele Stammkunden, die Auftragsshopping bevorzugen. Ich ziehe dann los, kaufe ein und präsentiere meine Auswahl daheim beim Kunden oder im Büro.
Es gibt mehr als Chanel-Frauen und C&A-Mädchen
Ich will den Leuten zeigen, dass es mehr gibt als die Chanel-Frau und das C&A-Mädchen. Heutzutage werden beide Stilrichtungen munter kombiniert. Denn Stil ist nicht modisch. Stil kann man nicht kopieren, aber man kann sich inspirieren lassen. Und einen eigenen Geschmack kann man nur entwickeln, wenn man an seiner Persönlichkeit arbeitet. Deswegen mache ich auch keine Tests, die Menschen bestimmten Farbtypen zuordnen.
Inzwischen gebe ich auch Styling-Tipps im Hessischen Rundfunk. Ich vermische dabei Neues mit Altem, Teures mit Günstigem. Denn gerade das prägt den persönlichen Stil besonders. Ich sage immer: Gekonnte Stilbrüche sind der Motor aller modischen Entwicklung."
Andreas Rose, 50, hat eine Ausbildung zum Textileinzelhandelskaufmann absolviert, war danach in seiner Wahlheimat Frankfurt 20 Jahre im Einzelhandel tätig und machte sich in Deutschland als einer der ersten als Personal Shopper selbständig.
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