• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Personal Shopper Wie sehen Sie denn aus?

Wer das Geld erübrigen kann, lässt sich beim Klamottenkauf helfen, von seinem Personal Shopper. Der Beruf ist dekadent, aber einträglich. Tina Kramhöller und Andreas Rose erzählen, wie sie bei der betuchten Kundschaft ausmisten. Oft gammeln da noch Schlabberpullis aus dem Studium im Schrank.

Es gibt Lieblingsbeschäftigungen, die würden viele Menschen gerne zum Beruf machen. Meistens scheitert dieser Wunsch allerdings schon daran, dass niemand bereit ist, für persönliche Musiktipps oder Kneipenführungen zu bezahlen. Wer jedoch gerne einkaufen geht, dem bietet der Luxusjob des Personal Shoppers die Möglichkeit, genau damit sein Geld zu verdienen.

Die Idee des Personal Shoppers ist vor allem in den USA sehr beliebt, wo gestresste Geschäftsleute sich nicht auch noch Gedanken um einen eigenen Kleidungsstil machen wollen. Wie so oft ist bei diesen persönlichen Eins-zu-eins-Betreuungen dabei mehr die Frage der Einstellung als der Ausbildung von Bedeutung. Der Begriff ist in Deutschland nicht geschützt. Lediglich die Akademie Modestyling in München bietet eine staatlich geförderte Weiterbildung zum Modestylist und Personal Shopper an.

So können kommunikative Schneider oder meinungsfreudige Modeverkäuferinnen durchaus lukrativ ihre Fähigkeiten zur Farb- und Typberatung anbieten. Wer allerdings dauerhaft sein Geld mit der Kleidungsberatung verdienen möchte, der braucht neben einem guten Gespür für Menschen auch kaufmännische Fähigkeiten und eine Ahnung von den Kleidungsstilen der Zielgruppe.

Die möglichen Dienstleistungen reichen dabei von der Kleiderschrankanalyse über begleitete Einkaufstouren bis hin zu einem Notfallservice, der ein komplettes Business-Outfit zum Flughafen liefert.

Im KarriereSPIEGEL erzählen zwei Personal Shopper, worauf es bei ihren Einkaufsberatungen ankommt und was sie im Kleiderschrank ihrer Kunden gerne aussortieren würden.

  • Die Kleiderschrank-Checkerin: "Oft sortiere ich die Hälfte aus"

Tina Kramhöller: "Die Modesaison wechselt doch zweimal im Jahr" Zur Großansicht
Marco Bußmann

Tina Kramhöller: "Die Modesaison wechselt doch zweimal im Jahr"

"Ich habe einen Fernsehbericht über Personal Shopping in den USA gesehen und war sofort fasziniert. Neben meinem Job habe ich zunächst angefangen, Bekannte und Kollegen zu beraten, und es kamen immer mehr Leute dazu. Nach anderthalb Jahren hatte ich so viele Anfragen, dass ich mich selbständig gemacht habe.

Als Personal Shopper gehe ich mit Kunden in Düsseldorf, Köln, München, Hamburg, Berlin oder Mallorca auf Einkaufstour. Mein Stundenlohn ist 85 Euro, meine Kunden kommen daher meist aus der oberen Mittelschicht. Es sind Männer und Frauen, die sich oft einfach nicht für Mode interessieren und froh sind, wenn ihnen jemand die Kleidung aussucht. Auch Prominente gehören dazu.

Einige besitzen sogar noch ihre alten Studentenklamotten

Vor der Shopping-Tour treffe ich mich mit dem Kunden zu einem Gespräch, um den Typ einzuschätzen und schon einmal eine Vorauswahl der Geschäfte treffen zu können. Ich sehe mir an, welche Farben zu der Person passen und schaue in ihren Kleiderschrank. Manche Kunden haben da Stücke liegen, die schon über fünf Jahre alt sind. Dabei wechselt die Modesaison zweimal im Jahr.

Einige besitzen sogar noch ihre alten Studentenklamotten. Da hängt dann der Schlabberpulli im Schrank, und auf der Klingel steht der Name mit einem "Dr." davor. Oft sortiere ich die Hälfte der Kleidung aus. Manchmal erzählen mir die Kunden aber später, dass sie nicht alles ausgemistet haben. Die Begründung lautet dann: "Davon konnte ich mich einfach nicht trennen."

Für Besserverdiener biete ich außerdem VIP-Touren an: Dann miete ich einen Fahrer, der den Kunden und mich in einer Mercedes S-Klasse durch die Innenstadt chauffiert. Dazu gibt es Champagner. Einmal habe ich auch ein Model engagiert. Der Kunde konnte sich so die Kleidung schon mal getragen ansehen, bevor er sie selbst anprobieren musste. Einige meiner Kunden verbringen ihren Urlaub oft auf Mallorca oder leben dort. Für die biete ich dann auf der Insel eine Mischung aus Lifestyle, Sightseeing und Shopping an."

Tina Kramhöller, 36, ist staatlich geprüfte Fachkosmetikerin, Visagistin und Stilberaterin. Sie arbeitete in Köln für verschiedene Modelabels. Seit drei Jahren ist sie Personal Shopperin und lebt nun in Bischofsmais, einem Ort im Bayrischen Wald.

Der Stilbrecher: "Ich mache keine Tests mit Farbtypen"

Andreas Rose: "Meine Kunden sehe ich als beste Freunde an" Zur Großansicht
Andreas Rose Style Coaching/Frank Röth

Andreas Rose: "Meine Kunden sehe ich als beste Freunde an"

"Ich will, dass Einkaufen wieder zu einem sinnlichen Erlebnis wird. Man sollte nie unvorbereitet losziehen. Denn für erfolgreiches Shopping braucht man Zeit und Planung. Wer zu mir kommt, möchte vor allem eine Art Feinschliff, möchte im Detail wissen, worauf es ankommt und wie er seinen persönlichen Stil entwickeln kann.

Neulich hatte ich zum Beispiel eine Kundin, die wunderschöne Beine hat, seit 30 Jahren aber nur lange Hosen trug. Ich habe ihr dann empfohlen, einen Rock anzuziehen - und als ihr Mann sie sah, meinte der nur: 'Endlich trägst du mal wieder einen Rock.' Und sie hatte jahrelang gedacht, er würde das nicht mögen.

Meine Kunden - etwa so viele Männer wie Frauen - sehe ich als beste Freunde an. Wenn ich mit ihnen shoppen gehe, bin ich ehrlich und lasse sie erst los, wenn ich zu eintausend Prozent zufrieden bin. Mittlerweile habe ich auch viele Stammkunden, die Auftragsshopping bevorzugen. Ich ziehe dann los, kaufe ein und präsentiere meine Auswahl daheim beim Kunden oder im Büro.

Es gibt mehr als Chanel-Frauen und C&A-Mädchen

Ich will den Leuten zeigen, dass es mehr gibt als die Chanel-Frau und das C&A-Mädchen. Heutzutage werden beide Stilrichtungen munter kombiniert. Denn Stil ist nicht modisch. Stil kann man nicht kopieren, aber man kann sich inspirieren lassen. Und einen eigenen Geschmack kann man nur entwickeln, wenn man an seiner Persönlichkeit arbeitet. Deswegen mache ich auch keine Tests, die Menschen bestimmten Farbtypen zuordnen.

Inzwischen gebe ich auch Styling-Tipps im Hessischen Rundfunk. Ich vermische dabei Neues mit Altem, Teures mit Günstigem. Denn gerade das prägt den persönlichen Stil besonders. Ich sage immer: Gekonnte Stilbrüche sind der Motor aller modischen Entwicklung."

Andreas Rose, 50, hat eine Ausbildung zum Textileinzelhandelskaufmann absolviert, war danach in seiner Wahlheimat Frankfurt 20 Jahre im Einzelhandel tätig und machte sich in Deutschland als einer der ersten als Personal Shopper selbständig.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Steffen Daniel Meyer (Jahrgang 1986) ist freier Journalist in Dortmund.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Becks0815 17.08.2012
"Manche Kunden haben da Stücke liegen, die schon über fünf Jahre alt sind. Dabei wechselt die Modesaison zweimal im Jahr." Alter Schwede, zweimal pro Jahr das komplette Kleidersortiment austauschen weil es die Mode so will? Was für eine verschwenderische Gesellschaft wir doch hane.
2.
zynik 17.08.2012
Zitat von sysopWer das Geld erübrigen kann, lässt sich beim Klamottenkauf helfen. Personal Shopper schlüpfen beim Bummel in die Rolle der besten Freundin. Tina Kramhöller und Andreas Rose erzählen, wie sie bei der betuchten Kundschaft ausmisten. Oft gammeln da noch Schlabberpullis aus dem Studium im Schrank. Personal Shopper professionalisieren den Einkaufsbummel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,850158,00.html)
Personal Shopper - Einer der exemplarischen "Berufe" des dekadenten Endzeitkapitalismus.
3. Es lebe die Dienstleistung
Dr.Knock 17.08.2012
Wie war das ? Wir werden noch dahin kommen uns gegenseitig unseren Doppelwhopper zu servieren. Scheiss auf Wertschöpfung. Dem Herren Andreas Rose könnte man ja mal versuchen das Thema Mathemetik noch näher zu bringen. Komplett zufrieden ist man bei 100%, mehr geht nicht. 1000% zufrieden zu sein ist vollkommener Blödsinn.
4. Gute Idee
3-plus-1 17.08.2012
Das klingt albern aber so etwas würde ich mir auch wünschen. Ätzend, wenn man als großgewachsener Mann ewig lang durch die Mode- und Schuhgeschäfte läuft, um etwas zu finden, dass ÜBERHAUPT passt. Da eine Vorfilterung von dritter Seite, die mir bspw. ausschließlich dahin führt wo es Schuhe in Größe 49/50 gibt und ich könnte mir was aussuchen ohne selber erfolglos rumgugurken, ja, das wäre schon großartig. Ach und dann noch ein Hinweis an die mitlesenden Frauen: Versucht es erst gar nicht, ihr könnte das nicht nachvollziehen. Die Ursache liegt einfach darin, dass Frauen gerne suchen, Männer aber gerne finden. Erfolglose Suche ist daher für Frauen unterhaltsam für Männer aber frustrierend vergeudete und nutzlose Zeit!
5. Optional
thinktanker 17.08.2012
Für Leute, die selber kein Stilempfinden haben, sicher eine tolle Dienstleistung. Besonders für Leute aus der Provinz, wo es keine Geschäfte (Herrenausstatter etc.) gibt, in denen man seriös beraten wird, Orte wo die Impulse von ausserhalb fehlen, wo man einfach nicht mitbekommt, was man trägt und was nicht. Solche Menschen lassen sich dann sicher auch von einem Herrn beraten, der 2012 noch einen Ohrring trägt bzw. von einer Dame, die einen Fellgürtel über einem absolut angsteinflössenden Kleid mit einer noch angsteinflössenderen Strumpfhose kombiniert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Im Dienst der Reichen - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Bilder einer Parallelwelt: Traumberuf Modedesigner?
Verwandte Themen

Fotostrecke
Modenschau backstage: 14-Zentimeter-Absätze und ein voluminöser Dutt



Social Networks