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Preis für misslungene Stellenanzeigen Wir haben keinen Job für Sie!

Diese Stelle ist besetzt: Statt um gutes Personal zu kämpfen, verjagt manches Unternehmen mögliche Bewerber schon in der Stellenanzeige. Die seltsamsten Job-Angebote und peinlichsten Karriere-Videos wurden nun prämiert.

Es scheint, als hätte der Social-Media-Manager von "Call A Pizza" einen verdammt einfachen Job. Alle drei Tage postet er auf der Karriere-Facebookseite der Pizzalieferkette: ein neuer "Store" wurde eröffnet, schon fast 100 "Stores" eröffnet, wollen Sie einen neuen "Store" eröffnen? Geht's unkreativer?

Na klar: Exakt jeder zweite Beitrag auf der "Call a Pizza"-Seite ist identisch. Immer der gleiche Text, der um neue Franchisenehmer wirbt. Immer das gleiche Bild eines Bäckers, der eine Salamipizza aus dem Ofen holt. Pizzabäcker, anderer Post, Pizzabäcker, anderer Post - so ging das über Monate. Inzwischen ist die Seite "Call A Pizza - Karriere" offline.

Für dieses automatisierte Marketing erhält "Call a Pizza" die "Goldene Runkelrübe" in der Kategorie "Misslungenster Social-Media-Auftritt". Mit der Rübe prämieren die Personalexperten Henner Knabenreich und Jannis Tsalikis seit vergangenem Jahr die furchtbarsten Fehlschläge von Unternehmen auf der Suche nach Personal.

"Muss ein Unternehmen zwingend mit einer Karriereseite auf Facebook vertreten sein? Definitiv nicht", sagt Knabenreich und ergänzt mit Blick auf "Call A Pizza": "Schon gar nicht, wenn einem nichts einfällt und man regelmäßig ewig den gleichen Inhalt postet."

Für Christian Mundt, der die Seite betreut hat, ist das alles ein Missverständnis: Der Bereichsleiter der Lieferkette in Bayern wollte mit der Seite gezielte Anzeigen für Facebook-Nutzer in verschiedenen bayerischen Städten schalten. Die Beiträge sollten nur Nutzern in bestimmten Städten angezeigt werden. Dass jemand die Seite als Ganzes anschaut, sei gar nicht vorgesehen gewesen. "Aber ich gebe zu: So schaut sie natürlich blöd aus."

Zu wenig Inhalt ist bei der abschreckendsten Stellenanzeige nicht das Problem. Wirklich nicht. Das Europäische Patentamt wollte offenbar jede erdenkliche Information zu der ausgeschriebenen Stelle in die Anzeige packen: Auf fünf mächtige Textblöcke folgen 34 Bullet Points, überschrieben mit "Hauptaufgaben", "Ideales Profil", "Außerdem sollte der Bewerber mitbringen" und "Zusätzlich wären von Vorteil" überschrieben sind.

Dass ein attraktives Gehalt und ausgezeichnete Sozialleistungen winken, ist dem Patentamt zwei dürre Zeilen am Ende wert. Den "Direktor (m/w) Personaleinstellung und -entwicklung" braucht die Behörde offenbar ganz dringend.

Textwüste des Patentamtes: Der Ausschnitt lässt die wahre Länge kaum erahnen Zur Großansicht
Ralf Junge

Textwüste des Patentamtes: Der Ausschnitt lässt die wahre Länge kaum erahnen

Gar nicht dringend ist die Personalsuche dagegen beim Lasertechnik-Spezialisten Lase, der den Preis für die unattraktivste Karrierewebsite einheimste. Die Seite nutzt er nämlich, um Interessenten zu erklären, welche Jobs sie sich auf Brot schmieren können. Statt offene Stellen anzubieten brüllt sie Besuchern gleich mehrmals ein rotes "Besetzt!" ins Gesicht.

Wer sich in der Ansprache möglicher Bewerber an Autobahntoiletten orientiert, scheint sagen zu wollen: "Stopp! Hier ist jeder weitere Blick unanständig." Auch Jannis Tsalikis hält die Wahl der Jury für gerechtfertigt: "Ich habe lange keine Karrierewebsite gesehen, die so konsequent Bewerber ausgeladen hat."

Karriereseite von Lase: Botschaft wie auf einer Autobahntoilette Zur Großansicht
Ralf Junge

Karriereseite von Lase: Botschaft wie auf einer Autobahntoilette

Die Konkurrenz um das peinlichste Karriere-Video war hart: Bemüht jugendliche Filmchen ohne Aussage, singende Chefs im Bewerbungsgespräch und der tausendste "Supergeil"-Aufguss. Am Ende siegte aber die Volksbank Franken mit hölzernem Laientheater in GZSZ-Manier - und dem krönenden Satz "Die haben ja total viele Bankstellen".

"Wenn solche Videos dann für ein Unternehmen stehen, ist das keineswegs dienlich für die Reputation", sagt Runkelrüben-Initiator Tsalikis. Aber wer weiß? Bundesweite Aufmerksamkeit hätte eine regionale Bank nur mit einem sehr guten Spot bekommen - oder einem sehr schlechten. Und dass die Volksbank Franken ein "Top-Arbeitgeber" ist, für den man sogar seine Freundin verschmäht, das haben jetzt wohl ein paar mehr Leute mitbekommen.

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
hubidubi 02.12.2014
Und für den Artikel gibt's die "Goldene Erbse" für die schlechteste Media-Cross-Social-SPON-Cross-Media-Promotion? Oder so...
2. Noch ein schlimmeres Video
Erbentopf 02.12.2014
Naja ich fand das Video nicht so schlimm. Besser das hier: Der eine Schauspieler fränkelt sehr, die andere lispelt und der Geschäftsführer spricht auf einer Baustelle was. http://www.youtube.com/watch?v=SrBbhEi5F4c
3. nene auch wenn es sehr gute Kohle
WwdW 02.12.2014
beim europäischen Patentamt gibt, das Schmerzendsfgeld ist immer noch nicht hoch genug vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass dt. Arbeitsrecht dort nicht gilt - noch nichteinmal irgendein Arbeitsrecht. Ne, ne.
4. alter Trick
Paul Panda 02.12.2014
Das mit dem "Besetzt" ist doch ein alter Trick, den mir ein Vorgesetzter schon vor 25 Jahren verraten hat: Der Firma geht es gar nicht darum, Mitarbeiter zu finden, sondern darum, kostengünstige Werbung für sich selber zu machen. Wahrscheinlich ist ein Stellenanzeige billiger als eine gleich große Werbeanzeige. Die Anzeige mit dem vielen Text fand ich auch nicht schlimm: Wer lesen kann, ist hier klar im Vorteil - und wer beim Lesen dieses Textes bereits überfordert ist, sollte sich besser nicht dort bewerben. Und der Werbespot? Mein Gott: Da habe ich schon Schlimmere gesehen.
5. SPIEGEL kein Vorbild
sober 02.12.2014
Naja, der Redaktion des SPIEGEL wird die Runkelrübe sicher nie verliehen, denn sie wirbt ja erst gar nicht um Mitarbeiter. Auch Volontäre stellt der Verlag nicht ein. Alles schön abgeschottet. Da braucht's keine peinlichen Werbefilmchen, um irgendwie cool zu wirken für junge Menschen.
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