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Schlechte Vorträge "Schluss mit dem Powerpoint-Massaker!"

Powerpoint-Vorträge: Die Welt zerlegt in Folien und Charts Fotos
Corbis

Na, wieder aufgewacht? Vortragscoach Gerriet Danz hat schon viele schlechte Powerpoint-Präsentationen gesehen. Im Interview erzählt er, worauf es wirklich ankommt.

Zur Person
  • Gerriet Danz
    Gerriet Danz (Jahrgang 1965) veranstaltet als Kommunikationstrainer Vortrags- und Rhetorik-Seminare und lebt in Hamburg. Früher arbeitete er als Kreativdirektor bei der Werbeagentur BBDO.
KarriereSPIEGEL: Herr Danz, Sie haben ein Buch geschrieben mit Powerpoint-Präsentationen über Hänsel und Gretel oder die Erfindung des Rads. Haben Sie diese bizarren Vorträge schon gehalten?

Danz: Ja, um auf komödiantische Weise über Powerpoint-Präsentationen zu reden. Deswegen gibt es auch eine über die Bergpredigt. Denn Menschen, die wirklich was zu sagen haben, brauchen dieses Format nicht. Der Herr Jesus hat es ja auch ohne hingekriegt.

KarriereSPIEGEL: Das klingt, als würden Sie am liebsten ohne alles vortragen.

Danz: Ich habe kein Problem mit der Software an sich. Aber je mehr man auf Powerpoint-Massaker verzichtet, desto überzeugender ist man als Redner: Wer präsentiert, braucht Präsenz. Aber mir reicht auch ein Flipchart.

KarriereSPIEGEL: Flipchart? Ganz schön old school.

Danz: Damit steigt die Aufmerksamkeit, weil ich live und leibhaftig mein Wissen teile. Bei einer Powerpoint-Präsentation ist das Einzige, das sich bewegt, der Daumen des Redners.

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KarriereSPIEGEL: Wozu braucht man dieses Powerpoint dann überhaupt?

Danz: Es kann den Redner unterstützen. Aber jeder muss sich klarmachen: Die Zuschauer kommen, um mir zuzuhören, nicht um irgendwelche Worttapeten hinter mir anzuschauen. Studien zeigen: Sobald dort an der Wand ein Wort steht, ist der Ofen bei den Zuschauern aus.

KarriereSPIEGEL: Wie hat sich die Vortragsrhetorik dadurch verändert?

Danz: Früher standen Menschen vorne und haben gesagt, was sie wissen. Schon in den Sechzigern hat man mit Diaprojektoren gearbeitet - in der US-Serie "Mad Men" gibt es da eine tolle Szene. Heute wird Powerpoint häufig als Teleprompter missbraucht.

KarriereSPIEGEL: Wie viele Präsentationen haben Sie sich denn zur Vorbereitung angeschaut?

Danz: In meinem Leben habe ich sicher Zehntausende gesehen. Fast jeder öffnet zu Beginn seines Vortrags erst mal dieses Programm, das ja auf Milliarden Rechnern installiert ist. Irgendjemand hat ausgerechnet, dass pro Sekunde 350 Präsentationen irgendwo in der Welt starten.

KarriereSPIEGEL: Und garantiert nickt in jeder Sekunde ein Zuschauer ein. Was ist denn das Wichtigste, damit das nicht passiert?

Danz: Jede Folie, die der Präsentator überspringt, lässt ihn strahlen. Ich erlebe das häufig bei meinen Workshops: In der ersten Version zeigt der Vortragende in fünf Minuten 20 Slides, in der zweiten nur zwei. Der Aha-Effekt ist enorm. Und es macht natürlich einen Unterschied, ob ein Reifenhersteller seine Umsätze als normales Säulendiagramm zeigt oder in Form von Reifenstapeln.

KarriereSPIEGEL: Wovon sollte man am besten die Finger lassen?

Danz: Auf die erste Folie "Herzlich Willkommen" zu schreiben. Ich frage mich immer: Wieso steht das da? Oh, und genauso schlimm: das "Danke für Ihre Aufmerksamkeit" am Schluss.

KarriereSPIEGEL: Aha, und was machen Sie am Ende?

Danz: Ich zeige eine schwarze Folie. Die programmiere ich mir übrigens immer zwischen jedes einzelne Slide, so dass ich mit jedem Klick eine schwarze Fläche hinter mir habe. So konzentrieren sich alle nur auf den Typen da vorne.

KarriereSPIEGEL: Haben Sie eigentlich einen dieser Laserpointer?

Danz: Das Ding habe ich mal despektierlich das Laserschwert des modernen Managers genannt. Wenn man es benutzt, ist das ein Zeichen dafür, dass die Folie nicht funktioniert, weil sie überfrachtet ist.

KarriereSPIEGEL: ...und man merkt dummerweise auch immer, wenn jemand vor Aufregung zittert.

Danz: Ja, und dann trifft er nicht auf Anhieb, was er eigentlich zeigen wollte.

KarriereSPIEGEL: Was geht Ihnen noch auf die Nerven?

Danz: Zum Beispiel die ganzen Animationen, diese Worte, die reinfliegen und sich überschlagen! Es gibt in jeder Version noch mehr Möglichkeiten - aber wer will das schon?

KarriereSPIEGEL: Wenn Sie einen Vortrag vorbereiten: Welche Folie gestalten Sie zuerst?

Danz: Gar keine. Der Laptop bleibt zu. Ich nehme ein Blatt Papier und schreibe auf, welches der Satz ist, der hängen bleiben soll. Drumherum baue ich den Rest. Erst wenn das steht, mache ich den Rechner an, baue an zwei, drei Stellen eine Grafik oder ein Bild ein.

KarriereSPIEGEL: Und wie bereiten Sie sich vor Ort vor?

Danz: Ich bin ein Kontrollfreak. Ich bin grundsätzlich eine Stunde vorher da, stelle mich in den Zuschauerraum und schaue mir alles aus jeder Perspektive an, prüfe die Lichtstimmung.

KarriereSPIEGEL: Nicht zu dunkel, damit keiner einschläft?

Danz: Es gibt zum Glück heute so lichtstarke Beamer, dass man nicht aus jedem Vortrag eine Kinovorführung machen muss. Zuschauer nehmen den hellsten Punkt immer als den wichtigsten wahr. Wenn das nur die angestrahlte Wand ist und nicht der Redner, ist das schlecht. Aber ich mache jedes Zwei-Tage-Seminar völlig ohne Technik, um zu zeigen: Schaut, das geht! Und die Veranstalter sind einem so dankbar.

KarriereSPIEGEL: Wie das?

Danz: Weil man auf ihre Frage, was man an Technik braucht, antwortet: nichts! Und sie wissen: Es ist ein Qualitätsmerkmal, wenn einer in der Lage ist, das Ding ohne all das zu rocken.

  • Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978), freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 105 Beiträge
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    Seite 1    
1. oha
bimbambum 02.04.2014
Zitat von sysopCorbisNa, wieder aufgewacht? Vortragscoach Gerriet Danz hat schon viele schlechte Powerpoint-Präsentationen gesehen. Im Interview erzählt er, worauf es wirklich ankommt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/powerpoint-experte-gibt-tipps-fuer-bessere-praesentationen-a-961789.html
er programmiert sich eine schwarze slide rein, krasser hacker :) ansonsten ist das alles richtig, nur leider werden mMn die meisten Präsentationen nicht gehalten um irgendwelche Softskills darzustellen, zu trainieren oder zu workshoppen, sondern häufig genug um Fakten, Produkte und ähnliches zu präsentieren, ansonsten bin ich beim Experten was Animationen u.ä. angeht, da ist weniger (oder gar nichts)immer mehr.
2. Egoproblem?
stefanmargraf 02.04.2014
Nicht ich bin am wichtigsten (solange es keine Show ist) sondern die Information. Und wenn die nicht mindestens 20 Fakten und/oder Zahlen enthält, brauche ich keinen Vortrag zu halten. Alles andere ist Politiker oder Werbegeschwafel. Gehen sie mal zu einem medizinischen Kongress!
3. Power Point ist Spielerei
dr.abs-law 02.04.2014
2 Antrittsvorlesungen an der Uni Hannover Jura: der erste Redner versuchte Hilflos mit schlechter Rethorik eine Power Point Show hinzulegen. Niemand hörte mehr zu und niemand verstand etwas. Der 2. Redner verteilte Kopien einer Graphik und redete frei , ansprechend und witzig. Alle hörten zu und verstanden. Geschehen im Jahr 2001 . Power Point Präsentationen sind etwas für kompetenzlose Redner, die es nicht im Kopf haben.
4. Schön für ihn...
clausde 02.04.2014
.. wenn er Zwei-Tages-Seminare ohne PPT "rocken" kann. Aber geht es darum was der Vortragende kann oder was sich im Gedächnis der Zuhörenden/Zusehenden einprägt? Gegen eine auf das wesentliche konzentrierte PPT ist nichts zu sagen. Denn letztendlich bleibt das Visualisierte länger im Gedächnis als das gesprochene Wort. Wer sich vor dem Aufstellen seiner Präsentation Gedanken über die Kernbotschaft macht und sich an dieser orientiert, wird keine große Präsentation benötigen. Übrigens kann man auch ohne PPT visualisieren. Doch bei vielen Präsentationen geht es um CI/CD welches als Anforderung der Unternehmen im Rahmen einer Präsentation gewahrt werden sollte. "Reduce to the max" und man ist immer auf der richtigen Seite.
5. Personality-Karaoka
jan.dark 02.04.2014
Wenn man keine Inhalte hat und nur die rhetorischen Fähigkeiten des Redners verkaufen will, reicht sicher eine schwarze Folie. Da braucht man nicht mal ein Flipchart. Man kann aber auch gleich zur Meditation in die Kirche gehen. Die kommen auch ohne Powerpoint aus und der Content ist bekannt. Für den Fall, dass der Inhalt im Vordergrund steht und nicht die Personality-Karaoke, könnte es sein, dass ein anderer Präsentationscoach besser auf den Punkt kommt. Für einen Kreativdirektor in einer Werbagentur, wo es darum geht,mit der Werbung sonst schwer marktgängige Güter zu verkaufen, mag der Mann hervorragend geeignet sein. Selbst wenn die Werbung für ihn ungekennzeichnet im redaktionellen Teil läuft.
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