Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaBurn-out - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Neue Studie Stress treibt Arbeitnehmer in die Frührente

Zur Großansicht
Corbis

Kaputt und reif für die Rente - mit nur 49 Jahren: Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung, besagt eine neue Studie. Gewerkschafter beklagen den deutlich gestiegenen Druck am Arbeitsplatz.

Immer mehr Arbeitnehmer sind so gestresst, dass sie krank werden und ihren Job aufgeben müssen. 75.000 Menschen sind im vergangenen Jahr wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gegangen, das sind 25.000 Menschen mehr als vor zehn Jahren. Das geht aus einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer hervor. Sie hat die Statistiken der Kranken- und Rentenversicherungen zur Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung für das Jahr 2012 ausgewertet.

Im Durchschnitt sind die Frührentner, die ihren Job wegen einer psychischen Erkrankung aufgeben mussten, erst 49 Jahre alt - und mehr als ein Viertel gilt als arm. Eine Erwerbsminderungsrente beträgt durchschnittlich rund 600 Euro. "Psychisch kranke Frührentner werden praktisch abgeschrieben", sagt Kammerpräsident Rainer Richter. Dabei könne vielen Kranken geholfen werden - mit besserer Behandlung, Therapien und Trainings.

Laut Studie sind psychische Erkrankungen für 42 Prozent aller Frührentner der Grund für die vorzeitige Pensionierung - wobei die Zahlen nicht klar verraten, ob wirklich die Zahl solcher Erkrankungen so stark geklettert ist oder ob es sich teils auch um eine Diagnosewelle handelt. Vor allem die Anzahl der diagnostizierten Depressionen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen hat seit 2001 deutlich zugenommen.

Steilvorlage für Gewerkschaften

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sind die Ergebnisse der Studie eine Steilvorlage, nach seinen Erkenntnissen hat vor allem am Arbeitsplatz der Stress zugenommen. "Die Beschäftigten sind nicht etwa plötzlich Weicheier geworden, sondern leiden nachweisbar unter einem steigendem Druck bei der Arbeit", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Fast zwei Drittel der Beschäftigten müssen immer mehr in der gleichen Zeit leisten, mehr als die Hälfte arbeitet gehetzt und mehr als ein Viertel muss permanent erreichbar sein." Die meisten Arbeitgeber setzten sich mit dem Problem noch immer nicht genug auseinander, so Buntenbach.

Am Arbeitsplatz ist fast alles gesetzlich geregelt: Wie laut darf es sein, wie hell oder dunkel? Aber bei psychischen Erkrankungen wird es schwierig. 70 Prozent der Unternehmen setzten die laut Arbeitsschutzgesetz geltenden Vorschriften, die psychische Belastungen verhindern sollen, nicht richtig um, sagt Buntenbach. Bei nur neun Prozent der Beschäftigten würden beim Arbeitsplatz-Check auch psychische Belastungen berücksichtigt.

Zunehmend haben Arbeitnehmer auch Probleme mit Alkohol und anderen Suchtstoffen, wie mehrere Krankenkassen in ihren jüngsten Gesundheitsreports dargestellt hatten.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Stress im Job sei der Auslöser für die vielen Frühverrentungen. Tatsächlich kommt dafür jede Art von Stress in Frage. Wir haben dies korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

dpa/vet

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. lieber spiegel....
imlattig 28.01.2014
sie schreiben ueber fruehrentner die anschliessend ihre pensionierung geniessen. rentner bekommen keine pensionen, die bekommen rente. pensionen bekommen beamte. beamte gehen nicht in rente und bekommen auch keine. haben sie nun ueber rentner oder pensionaere geschrieben?
2. Machtkämpfe/Mobbing
Europa! 28.01.2014
Zitat von sysopKaputt und reif für die Rente - mit nur 49 Jahren: Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung, besagt eine neue Studie. Gewerkschafter beklagen den deutlich gestiegenen Druck am Arbeitsplatz. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/psychostress-im-job-macht-arbeitnehmer-krank-a-945932.html
Das Problem ist nicht wirklich der "Arbeitsdruck". Denn eigentlich arbeiten die meisten Menschen ja gern. Viel schlimmer sind vielmehr die sinnlosen Machtkämpfe und das Mobbing, mit dem sich Vorgesetzte von ungeliebten Mitarbeitern zu trennen versuchen. Der Kündigungsschutz wird dabei zum Bumerang. Immer häufiger werden Leute, denen man nicht (ohne größere Abfindung) kündigen kann, durch systematische Demütigungen "rausgeekelt". Am Ende sind die Menschen dann fertig und auch für einen anderen Job nicht mehr zu gebrauchen. Erstaunlicherweise haben die Arbeitnehmer in anderen Ländern, wo es keinen Kündigungsschutz gibt (USA) ein viel stärkeres Selbstbewusstsein als bei uns.
3. Damals, bei der V2...
thomweb 28.01.2014
Mann, Mann, Mann, ich kann dieses Gerede nicht mehr hören! Seit 15 Jahren mache ich nun Webseiten, mehrere Jahre als Angestellter in der IT. Schon vor dem Einstieg ins aktuelle Jahrtausend waren die Bedingungen, wie sie im Artikel beschrieben werden, der absolute Normalfall! Nur ist in den letzten Jahren die EDV weiter in den Arbeitsbereich vorgedrungen. Also haben Sesselfurzer, DAUs und andere Hirnamputierte nun auch Zugang zu einer Arbeitswelt, mit denen Menschen wie ich seit Jahren kämpfen. Wer z. B. in einer Internetagentur beschäftigt ist, der wundert sich nicht über 7-Tage-Wochen und 16 Arbeitsstunden am Tag. Electronic Arts war ein schönes Beispiel: Jeden Tag von 9:00 bis 22:00 Uhr arbeiten. Wer genug geschafft hat, der durfte, wenn es der Chef erlaubte, am Samstag (!) schon um 20:30 nach Hause! SO ist das Leben in der IT. Dank der Technisierung der Arbeitswelt kommen nun auch Andere in den Genuss dieser Welt. Letztens lief auf PHOENIX der Raketenmann über Wernher von Braun. Die Arbeitsbedingungen in Mittelbau-Dora erinnern mich immer wieder an die in der IT. Und was im Artikel noch fehlt: Wer in der IT arbeitet, ist immer der letzte Dreck. Alle IT-ler sich Abschaum, Müll, Kostenfaktoren. Das man als unfähiger Dreckshaufen beschimpft wird, der nicht in der Lage ist zu arbeiten und nur Dreck im Hirn hat, bekomme ich seit Jahren ca. 1.000x am Tag zu hören. Dieser extrem freundliche Umgangston gegenüber dem Abschaum von Sklaven, der alleine dafür sorgt, dass DAUs arbeiten können, fehlt völlig im Artikel.
4. Altes Lied
karlsiegfried 28.01.2014
Es gab noch nie eine Zeit ohne Druck am Arbeitsplatz. Ausnahme Beamte und öffentlicher Dienst. Die verlassen pünktlich ihren Arbeitsplatz und der Rest wird morgen erledigt. Ausnahme davon Feuerwehr, Polizei, Lokführer und einige andere. Ich kenne Lehrer und andere die wegen 'Druck am Arbeitsplatz' frühpensioniert oder frühverrentet sind. Seitdem sind die ohne Arbeit, aber mit Pension oder Rente oder auch Nebenbeschäftigung, richtig quietschfiedel. Ohne zynisch sein zu wollen, psychische Erkrankungen sind in Mode gekommen. Frage: Was haben denn die Soldaten in den Weltkriegen gemacht? Oder die Menschen in den Fabriken in den Zeiten des Kapitalismus des 19. und 20. Jahrhunderts? Waren die stabiler als heute, haben die sich nicht so angestellt oder was? Dieses Thema sollte wirklich mit allergrößter Vorsicht behandelt werden.
5.
asdfred 28.01.2014
Solange der Rest schön artig weiter buckelt ist die Welt doch in Ordnung. Immer dran denken Michel, dein Chef, Mutti und Europa müssen finanziert werden. Werde jetzt erstmal schön ausgiebig mein Mittagessen verdauen. Diese Woche keine Maßnahme und heute ist erst Montag. Das Leben ist schön.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Berufe-Ranking: Die stressigsten und lässigsten Berufe
Verwandte Themen

Fotostrecke
Voll- und Teilzeit: Deutsche sind mit Arbeitszeiten unzufrieden


Social Networks