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Spektakuläre Abschiede Kündigung mit Tschingderassabum

Davon träumen viele Angestellte: Einmal im Job auf alle Regeln pfeifen, es dem Chef so richtig hinreiben, zu einem Helden der Arbeit werden - diesen Paukenschlag soll keiner in der Firma je vergessen. Hier kommen fünf Abgänge, die es in sich haben.

  • Getöse auf YouTube: Joeys Ohren-Inferno

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Providence, August 2011: Der amerikanische Hotelangestellte Joe DeFrancesco, 23, hat seinen Job im Zimmerservice gründlich satt - schlechte Bezahlung, lange Schichten, willkürliche Rausschmisse. Nun will DeFrancesco es seinem Chef, den er "wirklich verabscheut", lautstark heimzahlen.

Also schleust er sieben Musiker seiner Brass Band ins Hotel und schleudert dem Vorgesetzten die Kündigung vor die Füße. Dann setzt das Ohren-Inferno ein: Die Band schmettert einen flotten Balkan-Song mit viel Pauken und Trompeten, unter "Joey quits!"-Rufen. Und Joe freut sich riesig, winkt zum Abschied, reißt die Arme hoch.

"Sie behandeln uns wie Dreck hier", sagt er im Video, das er danach bei YouTube hochlädt - über drei Millionen Menschen sehen es, eine halbe Million allein in der ersten Woche. Zuvor hat sich Joe einen anderen Job gesucht. Die Protestaktion sieht er als "eine Art Rache: Der Boss bekommt, was er verdient", sagt er in einem Interview mit sueddeutsche.de. "Als Unternehmen nehmen wir die Mitarbeiterzufriedenheit sehr ernst", heißt es in einer Stellungnahme der Hotelkette, "ein Gefühl von Gemeinschaft und Stolz zu schaffen, hat hohe Priorität."

  • Gesungene Kündigung: Charmanter Abschied mit Gitarre

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Seattle, April 2012: Auch die Programmiererin Karen X. Cheng wählt ein YouTube-Video zum Weggang - aber ohne nachzutreten, denn sie trennt sich von ihrem Arbeitgeber nicht im Zorn. Drei Jahre lang hat sie beim Software-Giganten Microsoft am Programm Excel gearbeitet, ihr erster Job nach dem Studium in Austin. Nun zieht es sie fort zu einem Start-up in San Francisco. Cheng schnappt sich ihre Gitarre und hinterlässt den umgetexteten Song "American Pie" von Don McLean als gesungenes Kündigungsschreiben.

"Ich bin glücklich, dass ich diese Chance hatte", singt die Hobbymusikerin, aber "nun ist es an der Zeit, dieses Kapitel zu schließen." In ihrem Blog erklärt sie die Gründe: Kollegen hätten ihr erklärt, es gehöre zu jedem Job, auch mal Dinge zu erledigen, die keinen Spaß machen. Und dass sie doch dankbar sein solle für den Job bei Microsoft. "Dankbarkeit darf aber nicht den Hunger ersticken, den man in sich spürt", entgegnet Cheng. In ihrem neuen Job als Designerin wache sie jetzt "jeden Tag mit einem neuen Feuer in mir auf".

  • Banken ohne Moral: Willkommen in der Muppet-Show

Banker Greg Smith: Wie bei einem "Rattenrennen" Zur Großansicht
AP

Banker Greg Smith: Wie bei einem "Rattenrennen"

New York, März 2012: Nach langem Aufstieg wählt Greg Smith einen krachenden Ausstieg. In zwölf Jahren bei der Investmentbank Goldman Sachs hat er sich hochgearbeitet vom Praktikanten zum Derivatehändler und verdient im mittleren Management über eine halbe Million Dollar jährlich. Bis zur spektakulären Kündigung - mit einem Artikel in der "New York Times".

"Why I Am Leaving Goldman Sachs", so auch der Titel des späteren Buchs, ist eine Abrechnung mit gierigen Bankstern an der Wall Street. Der Südafrikaner beobachtete vor allem moralische Verkommenheit: ein "vergiftetes und zerstörerisches" Arbeitsklima. Top-Manager, die gutgläubige Kunden auspressen und sie auch noch als "Muppets" verhöhnen, als Deppen. Zynische Mitarbeiter, die "nur ans Geldmachen denken".

"Kollegen sind die Pest"

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Im SPIEGEL schildert Smith seine Arbeit als "Rattenrennen" mit einer Atmosphäre wie in einer "Umkleidekabine beim Sport". Gewettet werde auf alles, worauf man setzen kann. "Ich habe Leute da reinkommen sehen, die wussten exakt nichts vom Finanzwesen", erzählt er, "aber sie waren charismatisch. Oder sehr aggressiv." Auch er selbst habe Finanzderivate nicht vollständig verstanden, räumt Smith ein.

Zwecks Schadensbegrenzung streut Goldman Sachs Details über angeblich nachlassende Leistungen und hohe Gehaltsforderungen eines frustrierten Mitarbeiters, der für eine Beförderung nicht in Frage gekommen sei. Doch die Enthüllungen werden zum PR-Alptraum für die Großbank.

  • Und Tschüs: Eine Moderatorin kündigt live im Radio

Oslo, September 2010: Nachrichtensprecherin Pia Beate Pedersen, 42, hat abgeschlossen mit ihrem Job. Seit eineinhalb Jahren arbeitet sie beim Norwegischen Rundfunk, einem staatlichen Sender für die Region um die Hauptstadt. Wie jeden Morgen soll Pedersen die News präsentieren. Diesmal tut sie es nicht.

Es sei "ohnehin nichts Wichtiges passiert", sagt Pedersen am Mikro. Dann hält sie eine zweiminütige Schmährede gegen ihren Arbeitgeber, schimpft über den enormen Druck durch das Management, über befristete Verträge. Zu ihrer Kündigung sagt Pedersen den Hörern, sie wolle künftig wieder "anständig essen und durchatmen". Dann verlässt sie das Studio.

  • Baywatch: Retter gefeuert, weil er retten wollte

Rettungsschwimmer am Hallandale Beach Zur Großansicht
AP

Rettungsschwimmer am Hallandale Beach

Hallandale Beach, Juli 2012: An einem Montag machen Badegäste den Rettungsschwimmer Tomas Lopez, 21, auf einen Ertrinkenden aufmerksam. Ein Vorgesetzter gibt ihm über Funk die Anweisung, auf seinem Posten zu bleiben und den Notruf zu wählen. Aber da ist doch ein Mann in Not! Lopez rennt gen Süden, vorbei am Schild, das den Übergang vom bewachten zum unbewachten Strandabschnitt markiert. Hier endet seine Zuständigkeit - er läuft weiter. Als er ankommt, haben Strandbesucher den Mann bereits aus dem Wasser gezogen. Lopez legt ihn in die stabile Seitenlage, versorgt ihn, bis der Krankenwagen kommt.

Hat der Strandwächter etwas falsch gemacht? Ja, sagt der Arbeitgeber: Die Firmenregeln sehen vor, dass die Mitarbeiter ihren Bereich nicht verlassen dürfen. "Wir sind keine Feuerwehr", sagt ein Manager des Unternehmens, "wir sind nur Rettungsschwimmer und beschränken unsere Arbeit auf die bewachten Bereiche, für die wir einen Auftrag haben."

Also wird Tomas Lopez bestraft - er verliert sofort seinen Job. Weil er getan hat, was Rettungsschwimmer tun müssen: Ertrinkenden zu Hilfe eilen. "Was wir im Prinzip machen sollen, ist, beim Sterben zuzusehen", sagt ein empörter Kollege.

Erst die weltweite Berichterstattung über die eiskalte Entlassung bringt die Firma zum Einlenken. Lopez soll seinen Job mit 8,70 Dollar Stundenlohn zurückbekommen. Aber er winkt ab: "ein weiteres Kapitel meines Lebens, das abgeschlossen ist". Er wolle sich nun auf seine Ausbildung konzentrieren und studieren.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Hund, Katze, Haus
criticalck 19.03.2013
Welches passt nicht in die Reihe? Haus. Und im Artikel? ... Richtig. 4 hättens doch auch getan.
2. Das Kreuz mit den Sprachen
kannitverstaan 19.03.2013
"Rattenrennen"? Bitte, bitte, liebe SPON-Schreiber: Auch wenn jeder mit Schulenglisch glaubt, "rat race" verstehen zu können - wer etwas übersetzt, das zur Publikation vorgesehen ist, sollte entweder das ein oder andere doch einmal in einem Wörterbuch nachschlagen oder einen Übersetzer beauftragen, der sein Handwerk versteht. Gehört zum sauberen und richtigen Arbeiten.
3.
mcbug 19.03.2013
Zitat von criticalckWelches passt nicht in die Reihe? Haus. Und im Artikel? ... Richtig. 4 hättens doch auch getan.
Richtig, und stattdessen hätte Spiegel den absoluten Held der Kündigung Steven Slater erwähnen sollen: Wütender Flugbegleiter: Ein Fluch, ein Bier - und ab über die Notrutsche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/wuetender-flugbegleiter-ein-fluch-ein-bier-und-ab-ueber-die-notrutsche-a-711056.html)
4.
ransom20 19.03.2013
Keine Kunst einen Job zu kündigen nachdem man bereits einenen neuen hat. Wer Rückgrat hat kündigt sofort. Ich komme aus der Gastronomie und habe schon weitaus kompromisslosere Kündigungen erlebt, inklusive meiner eigenen ;)
5. Sorry
NeueGedanken 19.03.2013
aber der Flugbegleiter, der sich erst ein Bier aus der Bordküche geholt hat und dann das Flugzeug über die Notrutsche verlassen hat ist ja wohl die nummero uno wie kann man den hier blos weglassen.
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