Limits für Spitzeneinkommen "Was ein Manager verdient, geht keinen was an"
Die Schweiz bekommt eines der schärfsten Aktiengesetze der Welt, auch in Deutschland wollen viele die Managergehälter deckeln. Das ist falsch und eine Folge von Transparenzwahn, findet der Autor Reinhard K. Sprenger - der Staat dürfe nicht entscheiden, wer wie reich wird.
Meine Großmutter hat immer gesagt: Über Geld spricht man nicht. Früher galt das auch noch für die Bezüge von Managern. Niemand wusste so genau, was sie verdienen. Es war völlig irrelevant.
Erst durch den Transparenzwahn in den vergangenen zehn bis 15 Jahren wurden die Bezüge auseinandergenommen und bis ins kleinste Detail ans Tageslicht gezerrt. Nicht nur die Bürger wissen heute, was die Topmanager in ihrem Land kassieren. Auch andere Topmanager wissen, was ihre Konkurrenten verdienen. Und so ist ein Wettbewerb unter ihnen entbrannt, was insgesamt die Bezüge explodieren ließ.
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Aber weder andere Manager noch den normalen Bürger geht es etwas an, was der andere verdient. Und schon gar nicht den Staat. Es ist ein massiver Eingriff in die Eigentumsrechte der Bürger, wenn der Staat entscheidet, wie schnell Menschen wie reich werden dürfen. Ich halte den Volksentscheid in der Schweiz deshalb für ein Desaster. Es ist ein weiterer Schritt in einen Bevormundungsstaat. Wo führt das hin, wenn mein Nachbar per Abstimmung bestimmen kann, wie viel Geld ich verdiene?
Die Manager in der Schweiz haben doch kein Geld gestohlen
Die meisten Menschen, die die Abzocker zügeln wollen, würden sich wahrscheinlich selbst auch hohe Boni zahlen, wenn sie könnten. Der Mensch ist von Natur aus gierig. Die Manager in der Schweiz, die abgestraft werden, haben doch kein Geld gestohlen. Dass sie viel Geld bekommen, ist absolut legitim. Vielmehr haben sogar die Aktionäre ihnen die hohen Boni zugestanden, weil sie dachten, sie könnten damit selbst auch reich werden. Wären sie nicht einverstanden gewesen, hätten sie die Manager im Verwaltungsrat abwählen können. Das konnten sie schon vorher, dafür braucht es keinen Volksentscheid. Aber sie haben es nicht getan.
Wir brauchen ein völlig verführungsfreies Einkommen
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Auch wenn das Geld, das Managern gezahlt wird, niemanden etwas angeht, sehe ich Boni grundsätzlich kritisch. Die Kollateralschäden sind hoch: Belohnungssucht entsteht, Entscheidungen werden nicht mehr so getroffen, dass sie dem Unternehmen nutzen, sondern dem eigenen Einkommen. Besonders bei Bankern kommt oft hinzu, dass sie die Gewinne einstreichen, wenn es gut läuft, aber Verluste sozialisiert werden. Deshalb lehne ich Boni ab, sie haben zu große handlungssteuernde Wirkungen.
Andererseits leisten sie nicht, was sie sollen. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Managerbezahlung und Unternehmensperformance. Oft wird zudem argumentiert, der Wirtschaftsstandort Deutschland verlöre seine Manager, wenn die Vergütungen nicht ähnlich hoch wären wie in den USA. Wenn man die besten haben wolle, müssen man hohe Gehälter zahlen. Aber wo sind denn die abgewanderten Manager aus Deutschland? Wenn es wirklich so wäre, dann müsste es mehr deutsche Spitzenmanager im Ausland geben - im Moment sind es aber nicht mehr als etwa ein Dutzend.
Gegen hohe Gehälter ist nichts einzuwenden, aber Erfolgsprämien sind kontraproduktiv. Dass Leute ein Unternehmen erfolgreicher machen, weil sie aus irgendeinem Grund viel Geld bekommen, lässt sich wissenschaftlich nicht stützen. Was wir brauchen, ist ein völlig verführungsfreies Einkommen, gleich welcher Höhe.
Gehaltsreport 2013
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- Reinhard K. Sprenger (Jahrgang 1953) ist einer der prominentesten Autoren von Managementliteratur im deutschsprachigen Raum. Der promovierte Philosoph plädiert für eine Personalführung, die Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnet, anstatt sie mit Anreizen fernzusteuern.
Mareicke Foecking

Reinhard K. Sprenger:
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