Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaBrust oder Keule - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Kochbuchautoren Nie wieder Waffeln

Kochbuchautoren: "70 neue Waffelrezepte", "99 Nudelsaucen" Fotos
Sabeth Stickford

Ihre Bücher haben eine Millionenauflage, doch ihre Namen kennt kaum jemand. Wer Kochbücher schreibt, brutzelt meist im Stillen vor sich hin - und muss zusehen, wie für die eigenen Rezepte Promis gelobt werden, die gar nicht kochen können.

An eines ihrer erfolgreichsten Bücher mag Rose Marie Donhauser nur ungern erinnert werden. "Zum Glück haben meine Kinder damals noch zu Hause gewohnt", sagt sie. Das Buch heißt "70 neue Waffelrezepte".

Die gebürtige Bayerin arbeitet hauptberuflich als Kochbuchautorin. Ein Dutzend Bücher schreibt sie jedes Jahr, und das seit einem Vierteljahrhundert. Gerade hat sie einige Monate vegan gelebt und gekocht, danach war die Landfrauen-Kochschule dran. Dabei geht es nicht um Haute Cuisine, sondern um Gerichte für jedermann, so wie die "70 neuen Waffelrezepte" oder "99 Nudelsaucen".

Auch Cornelia Schinharl hat sich mit ihrem allerersten Buch nachhaltig den Appetit verdorben. Das Thema war "Köstliche Keime und feine Sprossen". "Die kann ich jetzt nicht mehr sehen", sagt sie. Die 53-Jährige ist eine der erfolgreichsten deutschen Kochbuchautoren. Mehr als 100 Bücher hat sie geschrieben, zum Beispiel viele Titel der erfolgreichen "Basic"-Reihe aus dem Sachbuchverlag Gräfe und Unzer. Doch den Namen der heimlichen Bestsellerautorin kennen selbst Koch-Freaks nicht.

Fotostrecke

11  Bilder
Foodstylist bei der Arbeit: Immer ran ans junge Gemüse
In Deutschland gibt es etwa 20 bis 30 professionelle Kochbuchschreiber. Fast alle sind weiblich und arbeiten freiberuflich von zu Hause aus. "Die großen Köche sind meist Männer, Frauen sind für den Alltag zuständig", sagt Donhauser, 55.

Wenn Sterneköche die Formel-1-Piloten sind, sind Kochbuchautoren die Fahrlehrer. Das weiß jeder zu schätzen, der schon einmal versucht hat, mit gutem Willen, aber ohne Profiausbildung ein Rezept aus den Hochglanzkochbüchern von Sterneköchen wie Dieter Müller oder Christian Jürgens nachzukochen. Ellenlange Einkaufslisten, langwierige Vorbereitung und Zutaten, die man in keinem Supermarkt bekommt, machen nur den ambitioniertesten Hobbyköchen Spaß.

Dampfgarer oder Teppanyaki-Grill sucht man in der Küche von Cornelia Schinharl im schweizerischen Bern vergebens. Ihre Mutter und eine gute Freundin lässt sie probekochen: "Ihrem Urteil kann ich vertrauen." Erst wenn die Mixtur aus bewährten Rezepten und neuen Zutaten stimmig ist, schreibt Schinharl die Arbeitsschritte auf. Beim Fotografen, der das Buch bebildert, muss das Rezept dann die Feuerprobe bestehen: Er kocht alles nach. Und was nicht funktioniert, kommt zu ihr zurück.

Der vermeintliche Hobbykoch wählt nur aus einer Liste aus

Eine Ausbildung zum Kochbuchschreiber gibt es nicht. Schinharl ist nach dem Praktikum bei einer Journalistin beim Thema Kochen hängengeblieben. Donhauser ist in einem Landgasthof aufgewachsen, hat eine Kochlehre gemacht und wechselte in der Schwangerschaft von der Profiküche an den Schreibtisch. Auch einige Foodblogger schaffen es mit Witz und geschickter Selbstvermarktung aus dem Internet in den Buchhandel.

Die Lage auf dem Kochbuchmarkt ist gut, heißt es bei den Verlagen. Sie profitieren von der aktuellen Lust am Selbermachen. Basteln, Stricken und eben auch Kochen und Backen liegen im Trend. Der Umsatz mit Kochbüchern ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr zweistellig gewachsen. Das liegt allerdings vor allem daran, dass die Bücher immer aufwendiger gestaltet werden - und damit immer mehr kosten.

Bei den Kochbüchern werde gerade Masse durch Klasse abgelöst, sagt Kochbuch-Bloggerin Katharina Höhnk von Valentinas-Kochbuch.de: "Kochen ist Lebensgefühl und ein gutes Kochbuch muss das vermitteln." Schöne Bilder, unterhaltsame Texte und leichte, frische Zutaten seien gefragt.

Von den vielen mehr oder weniger prominenten Schauspielern oder TV-Moderatoren, die gerne mal vom Cover eines Kochbuchs lächeln, haben die wenigsten das gute Stück selbst geschrieben. Wenn es hoch kommt, haben sie einige Rezepte beigesteuert. Rose Marie Donhauser weiß das, sie arbeitet auch als Ghostwriterin und kennt Fälle, in denen die vermeintlichen Hobbyköche nur aus einer Liste mit Vorschlägen ein paar Rezepte ausgesucht haben.

Vielleicht ist das auch besser so. "Viele denken ja, es sei das Einfachste von der Welt, Rezepte zu schreiben", sagt Schinharl. "Dabei braucht es schon ein bisschen Überblick, die Abläufe in die richtige Reihenfolge zu bringen." Die Zubereitung der einzelnen Bestandteile muss richtig verzahnt sein, schließlich sollen Braten, Gemüse und Soße gleichzeitig fertig sein.

Festschmaus für die Mülltonne

Fehler bei den Mengenangaben sind mindestens genauso tückisch. Eine Null zu viel bei den Gewürzen kann aus einem Festschmaus einen Fall für die Mülltonne machen. Schinharl nimmt das gelassen: "So etwas passiert, wird aber bei der zweiten Auflage sofort korrigiert."

Rose Marie Donhauser schimpft am meisten über ausländische Kochbücher. Bei der Übersetzung von Cups und Ounces kämen manchmal Rezepte mit 165 Gramm Fleisch und 35 Gramm Mehl heraus. "Das gibt es bei mir nicht, zur Not muss es auch ohne Waage gehen", sagt sie. Ihr Anspruch: Aus möglichst wenigen Zutaten soll etwas Originelles entstehen.

Wenn es ihr in der Küche ihrer Altbauwohnung in Berlin-Friedenau mal wieder zu einsam ist, fährt sie zu Pino. In der Küche seiner Trattoria probiert sie ihre Rezepte aus und genießt die Gesellschaft von Pinos Mama Angela. Die walzt dort jeden Morgen den Pastateig für die Ravioli durch die Nudelmaschine. Ein Kochbuch hat die 80-Jährige dafür noch nie gebraucht.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Julia Graven (Jahrgang 1972) ist freie Wirtschaftsjournalistin in München.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
gfh9889d3de 16.07.2014
Zitat von sysopSabeth StickfordIhre Bücher haben eine Millionenauflage, doch ihre Namen kennt kaum jemand. Wer Kochbücher schreibt, brutzelt meist im Stillen vor sich hin - und muss zusehen, wie für die eigenen Rezepte Promis gelobt werden, die gar nicht kochen können. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/rezept-zum-nachkochen-kochbuch-schreiben-ist-ein-lukrativer-job-a-980938.html
Mich hätte ja mal interessiert, wie die Sachen schmecken, deren Rezepte die Damen zu Papier bringen. Aber bei Büchern wie "70 Waffelrezepte" ist wohl zu erwarten, dass deren Niveau auf einer Höhe mit dem Artikel ist...
2. Schon wieder...
chuckal 16.07.2014
Die Promis schreiben die Bücher nicht selbst....? oh mein Gott. Ich bin fassungslos. Lug und Trug, wo man hinguckt.
3. mir wird schon schlecht, wenn -.-.
paulsen2012 16.07.2014
ich beim zappen seit Jahren die sich ewig gleichenden Schmierlöffelsendungen mit dem ewiggleichen "Gelaber" höre und dabei nie eine entsprechend vorgeschriebene Kopfbedeckung gegen Schuppen-, Haar- u. sonstigen Ausfall in die Speisen, geschweige denn Steril-Hanschuhe beim anmixen z.B. von Salaten. Der Oberschnierlöffel war der (un-)merkwürdige Biolek- (m.a.A:)
4. Dekadenz de luxe
deglaboy 16.07.2014
Diese ganze Fernsehkocherei und das sinnlose Gelabere Drumherum, ist doch nur ein untrügliches Zeichen fortgeschrittener Dekadenz. Gut die Protagonisten stopfen sich auf Kosten des dummen Volkes die Taschen voll.Das immerhin macht Sinn.
5. Ein gutes Kochbuch...
Sibylle1969 16.07.2014
...erfüllt für mich folgende Kriterien: 1. Kein Rezept ohne Bild 2. Beim Durchblättern im Buchladen finde ich spontan mindestens 2-3 Rezepte, die mich sofort interessieren 3. Alle Zutaten sind in einem normalen Supermarkt erhältlich, nicht außergewöhnliches, das man nur schwer kaufen kann. 4. Mengenangaben beziehen sich auf Standard-Maßangaben (g, ml, Stück) und nicht so vage Angaben wie "1 Packung". 5. Keine Verwendung von Convenience-Produkten 6. Die Anleitung ist leicht verständlich und beinhaltet keine Fachausdrücke, die der Kochlaie nicht versteht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Pralinen vom Ex-Manager: Gesprenkelte Pyramiden, bunte Herzchen
Verwandte Themen

Fotostrecke
Ausbildung zum Eishersteller: So wird ne Kugel draus

Fotostrecke
Currywurst, Yoga, Gottesdienst: Mittagspausen in aller Welt

Social Networks