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Rollentausch Wollen Sie mal Kinder, Herr Müller?

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Corbis

Wie wäre es, wenn Männer und Frauen für einen Tag die Rollen im Berufsleben tauschen? Das fordert Buchautor Martin Wehrle. Er ist sicher: Der Arbeitsalltag einer Frau wäre für jeden Mann ein Skandal.

Zum Autor
  • Martin Frommann
    Martin Wehrle (Jahrgang 1970) war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Er ist Autor der Bücher "Lexikon der Karriere-Irrtümer", "Bin ich hier der Depp?" und "Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?!".
Was wäre los im Land, wenn ältere Managerinnen in ihren Vorzimmern leichtbekleidete Jünglinge als Chefsekretäre hielten? Wenn deutsche Männer mit 22 Prozent weniger Gehalt als Frauen nach Hause gingen, dem Minus-Rekord in Europa? Und wenn jeder zweite berufstätige Mann unter 32 Stunden pro Woche arbeitete und damit im Karriereabseits stünde - aber nur jede zehnte Frau?

Was wäre los, wenn jedes Bewerbungsgespräch nur für kinderlose Männer zum Polizeiverhör würde? Wenn die Gesprächspartner ihnen nicht in die Augen, sondern nur auf den Bauch schauten? Und wenn Männer dasselbe gefragt würden wie gerade eine junge Architektin: "Aus welchen Räumen würde Ihr persönliches Traumhaus bestehen?" Beim leisesten Verdacht auf Kinder(zimmer): Klappe zu, Bewerbung tot.

Die Hölle wäre los! Männer würden auf die Barrikaden gehen, Politiker neue Gesetze machen, Kommentatoren aufschreien. Aber dass Frauen jeden Tag so behandelt werden? Ganz normal.

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Managerinnen: Kinder statt Job
Wir Deutschen haben es geschafft, die Berliner Mauer einzureißen, aber eine andere Mauer steht noch und zerschneidet die Berufswelt in zwei Hälften: das Land der beruflichen Selbstverwirklichung (für ihn), und das Land der beruflichen Einschränkung (für sie). Wer als Frau die Seite wechseln will, muss mit offenem Feuer rechnen.

Feuer droht durch Journalisten, wenn sie jede Managerin fragen: "Wie vereinbaren Sie Beruf und Kinder?" Leiden die Kinder? Oder leidet der Beruf? Dagegen wird der Manager, der stolz das gerahmte Kinderfoto präsentiert, gefragt: "Woher nehmen Sie auch noch Zeit für Ihre Familie?" Worauf er, selbst wenn er die Kinder nur noch vom Hörensagen kennt, die rührende Geschichte vom frühen Feierabend am Freitag erzählt.

Stark oder verbissen? Eine Frage des Geschlechts

Feuer droht durch eine Gesellschaft, voller Geschlechterklischees: Ein frisch gebackener Vater, der seine Arbeitszeit steigert, gilt als guter Versorger; eine solche Frau als Rabenmutter. Ein Mann, der für seine Ziele kämpft, gilt als durchsetzungsstark; eine solche Frau als verbissen und zickig.

Feuer droht durch Firmen, in denen man Forderungen mit der verbalen Pistole stellen muss - kein Problem für viele Männer. Aber wer Erstklassiges leistet und hofft, von alleine belohnt zu werden, wie viele Frauen, erlebt Märchenhaftes: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute.

Und nicht zuletzt droht Feuer, das Frauen auf sich selbst eröffnen. Was tut ein Mann, wenn er eine Absage auf seine Bewerbung bekommt? Er schimpft auf den Entscheider. Was tut eine Frau? Sie fragt sich, was sie falsch gemacht hat. Aus einem internen Bericht von Hewlett-Packard geht hervor: Eine Frau bewirbt sich auf Stellenausschreibungen nur, wenn sie 100 Prozent der Kriterien erfüllt; ein Mann schickt seine Mappe schon bei 60 Prozent los. Und eine Studie der FU Berlin ergab: Wenn Bewerber fünf Minuten für ihre Selbstpräsentation bekommen, sprechen Männer im Schnitt eine Minute länger als Frauen - und werden als kompetenter wahrgenommen.

Aber das Land wird von einer Frau regiert, oder?

Nun könnte man einwenden: "Aber immerhin wird das Land von einer Frau regiert!" Stimmt. Doch wahr ist auch, dass erschreckend viele Berichte über Angela Merkel von einem fröhlichen Landleben mit ihrem hausgemachten Apfelkuchen handeln (Rezept streng geheim!). Zog nicht das ganze Land den Hut vor der wichtigsten Personalentscheidung ihrer Karriere, dem Friseurwechsel zu Beginn? Und wenn die Medien einen Steckbrief im Fußballstadion aushängen, fahnden sie stets nach einem gewissen Professor Sauer, ihrem Ehemann: Warum weigert er sich bloß, die Frau an Merkels Seite zu spielen?

Aber deshalb von Klischees, Rückständigkeit oder gar Frauenfeindlichkeit zu sprechen - nur weil man Gerhard Schröder nicht hätte "Papi" nennen können, ohne selbst als infantil zu gelten -, ginge natürlich zu weit! Denn Angela Merkel hat den größtmöglichen Aufstieg hingelegt: von "Kohls Mädchen", leibeigen, zu Deutschlands "Mutti", volkseigen.

Die amerikanische Linguistikprofessorin Deborah Tannen schreibt: "Warum empfinden es so viele berufstätige Frauen als erniedrigend, wenn man sie als 'mütterlich' kennzeichnet? Ein Grund dafür mag sein, dass Mütter mit einem Leben im Hause assoziiert werden, denn die berufstätigen Frauen versuchen ja gerade der Erwartungshaltung zu entkommen, wonach die Frau 'ins Haus gehört'."

65.000 Euro am Tag für die Sekretärin

Dabei weisen Studien nach, dass Organisationen mit überdurchschnittlich vielen Mangerinnen effektiver arbeiten. In Europa erzielen sie im Schnitt 48 Prozent mehr Rendite, in den USA 53 Prozent.

Schluss mit der Männerwirtschaft, bessere Chancen für Frauen! Als Auftakt schlage ich einen Tag des Perspektivenwechsels vor, an dem Männer und Frauen überall im Land Aufgaben und Gehälter tauschen. Die Sekretärinnen erobern die Chefsessel und diktieren ihren Vorgesetzten die Briefe. Die Arzthelferinnen lassen sich von den Ärzten Rezepte ausdrucken. Die Reinigungsfrauen schicken die Hoteldirektoren zum Kloputzen. Maschinenbauer und Airlines müssen die Arbeit leider einstellen, mangels ausgebildeter Frauen.

Die Männer erfahren so am eigenen Leib, dass die Arbeitswelt nach heutigem Zuschnitt für jede Frau ein Skandal ist. Und die Frauen erleben, dass sie in verantwortlichen Positionen bestehen können - und trauen sich mehr zu als bislang. Laut einer internationalen Studie sagt nur jede 14. Frau von sich, sie stünde gerne an der Spitze einer Firma, aber jeder vierte Mann.

Diskussionsstoff verspräche auch der Gehaltstausch: Martin Winterkorn hätte am Abend etwa 200 Euro verdient. Dagegen dürfte sich seine Sekretärin für einen einzigen Arbeitstag als VW-Chefin auf 65.000 Euro freuen.

Dieser Text ist ein bearbeiteter Auszug aus Martin Wehrles neuem Buch: "Herr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?! - Warum das Berufsleben einer Frau für jeden Mann ein Skandal wäre." (Mosaik, 2014)

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Buhmann Baby: Schon wieder schwanger - zwölf Mütter erzählen

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insgesamt 153 Beiträge
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1.
großwolke 29.09.2014
Lieber Herr Wehrle, dieses Geschreibe ist so unsäglich, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, von daher lasse ich es gleich. Nur soviel: Diese vermeintliche Generalbrechnung, die sie da abliefern, ist so typisch männlich-deutsch, dass von vornherein klar ist, dass sie damit viel eher Wasser auf die Mühlen der Gender-Gegner geben als irgendetwas für Ihre Sache zu tun. Wenn sie etwas ändern wollen, gehen Sie in die Schulen und setzen sie den Mädels dort, irgendwie, die Idee in den Kopf, dass sie was aus sich machen können, dass es keine Schande ist, einen beruflich weniger erfolgreichen Partner zu haben, dass Maschinenbau am Ende auch nur ein Studiengang ist, den man schaffen kann, dass zum Erfolg eben auch die Verantwortung gehört, der Familienernährer zu sein. Und dann gehen Sie weiter in die nächste Schule und die nächste und die nächste, für die nächsten 20 bis 30 Jahre, und sehen Sie dann, ob die Saat aufgeht, die sie gesäht haben. Die Debatte um Frauengleichberechtigung wird nicht durch Gebrüll und Gegengebrüll gewonnen, sondern durch konkrete kleine Schritte. Und noch eine Hausaufgabe für Sie: nehmen Sie sich mal Ihren Text vor und versuchen Sie, für jede Idee, für jedes Argument, dass sie hier aufführen, aus dem Gedächtnis dass Stammtisch-Gegenargument zu bringen. Sie werden überrascht sen, wie leicht Sie selbst Ihre Arbeit zerpflücken können. Was Sie nicht schaffen werden, ist, schneller zu sein als die Foristen hier...
2. In welchem Land lebt der Autor des Beitrages?
h-i-2224 29.09.2014
Stadtverwaltung - die Mehrheit der Mitarbeiter, Frauen. Die Mehrheit der prekären Jobs innerhalb der Stadtverwaltung (Bauhof etc.), Männer. Finanzamt - die absolute Mehrheit der Mitarbeiter, Frauen. Landratsamt - Die Mehrheit der prekären Jobs innerhalb des Landratsamtes (Fahrdienst etc.), Männer. Klinik - die mit Abstand überbordende Mehrheit der Mitarbeiter, Frauen. Wasserwirtschaft, Schulen, Altenheime, die Banken vor Ort, Kindergärten, Kindergrippen, Ärztehäuser, Supermärkte etc. ? Richtig, die Mehrheit der Mitarbeiter, Frauen und die meisten Männer in diesen Einrichtungen arbeiten in prekären Jobs, wie Hausmeister, Sicherheitsdienst etc. Und wenn es geht, sind diese Jobs auch noch ausgelagert.
3. Immer das gleiche unsinnige Geschwurbel
schwiegermutter 29.09.2014
Ich bin Erzieher und verdiene in Teilzeit weniger als eine Vorzimmerdame bei VW. Hilfe hilfe ich werde unterdrückt! Ich habe zwar keine Lust auf Studium und 60 Wochenstunden im Stahlwerk aber dick bezahlt werden will ich trotzdem! Ich habe mir eine Arbeit gesucht die meinen Fähigkeiten entspricht und so tun das warscheinlich die meissten anderen auch. Wenn man zur Wertschöpfung beiträgt verdient man idR mehr. Entweder reisst man sich zusammen und sucht sich einen entsprechenden Beruf oder man lässt es eben sein. Aber sich nen lauen Job zu suchen und dann noch zu jammern ist echt asozial! Meine Frau arbeitet Vollzeit und verdient dabei NATÜRLICH genau so viel wie ihre männlichen Kollegen. Im Moment überlegen wir uns wie wie ihr ein Studium finanzieren können weil sie mit ihrer Stellung unzufrieden ist. Vielleicht leiht Alice uns ja ein wenig Geld? Wenn sie das tut werde ich jedenfalls meine Arbeitszeit noch weiter runterschrauben und in den ersten 3 Jahren ganz zuhause bleiben. Kleinkinder brauchen verlässlichkeit und Bezugspersonen die IMMER da sind. Das kann eine professionelle Kraft nicht leisten und ich will das auch garnicht. Haben wir nicht genug arbeitslose die gerne für Eltern einspringen? In meinem Beruf habe ich jedenfalls die Freiheit einfach zu kündigen und jahre später in einem völlig anderen Betrieb wieder anzufangen. Karrierechancen die ich mir damit versauen könnte habe ich nämlich nicht. Das ist ein Grund für die Entscheidung, dass ich es sein werde der zuhause bleibt. Btw wird die Welt sicher nicht gerechter, wenn es 200 Frauen mit Millionengehalt mehr gibt. Gerechter wird sie wenn wir aufhören auf Nebelkerzen reinzufallen und uns gemeinsam und solidarisch dafür einsetzen, dass jeder Arbeiter einen fairen Anteil an der Wertschöpfung bekommt und die großen Absahner sich zurück nehmen. Kann die Arbeitszeit eines Menschen wirklich so wert voll sein, dass er mehr als 50.000 im Monat verdient? bzw gibt es so wenige befähigte Manager, dass ihre seltenheit den Wert so steigert?
4. Lustig wäre das
MediTomSin 29.09.2014
Ja das wäre bestimmt lustig. Es ist allerdings fraglich, ob diese Skandalisierung tatsächlich eintritt. Was zwangshafte Frauenversteher gerne übersehen sind eben auch die Vorteile des Frauseins, die ich oft bei uns erlebe: Berechtigte Kritik kann man schnell als Sexismus abstempeln, bei manchen Vorgesetzten darf man sich im Ton vergreifen solange man mit den Augen rollt usw. Apropos, für die Genderexperten, kann es sein, dass Frauen deswegen auch weniger Einkommen haben, weil viele in Teilzeit arbeiten?
5. Oh man,
lew111 29.09.2014
lernt ihr nie dazu? In diesem Bericht werden wieder die alten wiederlegten Fakten aufgewärmt. Angefangen damit das die Frauen 22% weniger verdienen als die Männer. Es liegen mehrer Studien vor das die Unterschied zwischen Männer und Frauen bei gleicher Tätigkeit, Erfahrung und Leistung minimal und kaum existent sind. Wir in meiner firma haben gerade die Gehaltsrunden durch. Die Frauen erhalten dieses Jahr mehr Geld als die Männer. Etwa weil die Leistungen besser sind? Nein weil Sie Frauen sind. Es gibt sogar ein Feld in dem Gehaltserhöhungantrag bei Begründungen, das diejenige eine Frau ist. Dabei verdienen die Frauen in meiner Abteilung bereits mehr als die Männer. Das ist Diskriminierung heute. Ich würde heute gerne mit einer Frau heute tauschen. Ich kann mir dann erlauben in den Nieriglohnsektor zu arbeiten und die Schuld den Männern zuzuschieben oder in einem "Männerberuf" arbeiten und Gehaltserhöhungen und Karrierechancen erhalten von denen Männer nur Träumen können.
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