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Tipps von der Karriereberaterin Wie finde ich als Selbstständige wieder einen Job? 

Wieder unten anstellen: Selbstständigen fällt der Weg zurück zum Arbeitnehmer-Dasein oft schwer Zur Großansicht
Corbis

Wieder unten anstellen: Selbstständigen fällt der Weg zurück zum Arbeitnehmer-Dasein oft schwer

20 Jahre lang selbstständig, als Chefin in der eigenen Firma - jetzt soll wieder eine Festanstellung her. Am liebsten als Sekretärin. Kann das gelingen? Ja, wenn man sehr tief stapelt, sagt Karriereexpertin Svenja Hofert.

Jeanette, 45 Jahre, war 20 Jahre lang Geschäftsführerin des eigenen Unternehmens. Sie glaubt nicht mehr an die Zukunft ihrer Firma und sucht deshalb nach einem einfachen Sachbearbeiter- oder Sekretariatsjob, der wenigstens ihre Kosten deckt. "Ich möchte meine potenziellen Arbeitgeber nicht als Geschäftsführerin erschrecken", schreibt sie. "Wie soll ich die Bewerbung angehen?"

Zur Autorin
  • Ann-Christine Krings

    Karriereberaterin Svenja Hofert hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Slow-Grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen" und "Am besten wirst du Arzt... Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen".

  • Haben Sie eine Frage an sie? Schicken Sie eine E-Mail.
Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:
Zunächst sollte Jeanette sich damit beschäftigen, was sie wirklich gut kann. Die eigenen Stärken spüren viele nach all den Berufsjahren gar nicht mehr. Viele ehemalige Geschäftsführer und Inhaber kleiner Unternehmer glauben, dass sie nichts können. Das stimmt nie.

Selbstständige sind oft viel kompetenter als sie denken, weil sie meist viel selbst gemacht haben: auch ohne BWL-Studium Bilanzen lesen und Produkte kalkulieren, Preise finden und verhandeln, Angebote schreiben und Kunden gewinnen. Manche beherrschen Projektmanagement, Suchmaschinenmarketing, Netzwerken, Kundenakquise und sind stark im persönlichen Kontakt und der Beratung.

Holen Sie die unsichtbaren Stärken an die Oberfläche. Das gelingt am besten, wenn Sie sich intensiv mit dem beschäftigen, was Sie gemacht haben - und von anderen Feedback einholen, wo das, was sie können, sonst noch gebraucht wird. Sprechen Sie mit möglichst vielen Leuten aus anderen Branchen. Finden Sie Parallelen.

Viele Rückkehrer aus der Selbstständigkeit kommen sich klein vor, wenn sie Stellenanzeigen lesen. Manche blicken auch den falschen Jobs hinterher. Sie bewerben sich zum Beispiel als Sachbearbeiter, obwohl sie eine Abteilung leiten und ein anderes Unternehmen führen könnten. Das wollen viele gar nicht wahrhaben. Aber auch für Arbeitgeber ist es oft glaubwürdiger, wenn ein Ex-Firmenchef, der zehn Mitarbeiter hatte, sich als Häuptling und nicht als Indianer bewirbt. Eine Alternative wäre der Vertrieb: Es ist normalerweise als Rückkehrer leichter, eine vertriebliche Tätigkeit zu ergattern als eine administrative oder überwiegend inhaltsbezogene Aufgabe.

Lieber nicht als erfolgreicher Top-Unternehmer auftreten

Wenn Jeanette sich nach ausführlichem Stärkencheck dennoch für Sachbearbeitung oder Sekretariat gewappnet fühlt oder dies als einzige Chance zum Geldverdienen erkennt, sollte sie ihren Unternehmer-Job so klein wie möglich machen. So lässt sich aus einer "Geschäftsführerin" eine Allround-Bürokraft machen oder aber eine Kundenberaterin, je nachdem, was der Schwerpunkt des Jobs war, und was es herauszuarbeiten gilt. Ergänzende Formulierungen wie "Kleinunternehmen mit drei Mitarbeitern" machen deutlich, dass der Kontext ein überschaubarer war.

Selbstständige, die in Projekten gearbeitet haben, können sagen "50% vor Ort im Unternehmen tätig, volle Einbindung ins Team". In der Aufgabenbeschreibung sollten nur die Tätigkeiten betont sein, die mit der gewünschten Aufgabe in direkter Verbindung stehen. Diese gilt es einfach und nicht zu erfolgsorientiert dazustellen. Also lieber "Abwicklung der Buchhaltung" als "kaufmännische Gesamtverantwortung".

In den letzten drei, vier Jahren habe ich es zunehmend mit Rückkehrern aus der Selbstständigkeit zu tun. Das hat auch mit dem generellen Klima zu tun, das aktuell wenig gründungs- und eher arbeitnehmerfreundlich ist. Sehr oft sind Rückkehrer Leute, die direkt nach dem Studium zufällig zum Unternehmer geworden sind. Besonders häufig findet man diese Zufallsgründer im Bereich IT, Architektur, Design, Text und Internet. Außerdem sehe ich viele Rückkehrer aus Branchen, die unter der Digitalisierung leiden. Dazu gehört Tourismus, aber auch klassische Werbeagenturen und kleine Dienstleistungsunternehmen.

Neuanfang als Hausdame

Oft handelt es sich bei den Rückkehrern nicht um Unternehmer aus Überzeugung. Viele haben die Weiterentwicklung der eigenen Firma kaum aktiv und innovativ vorangetrieben. Sie hätten genauso gut angestellt sein können und können sich auch gut integrieren, was ihnen manche Arbeitgeber gar nicht zutrauen. Diesen Aspekt gilt es im Vorstellungsgespräch herauszustellen. Also bei einer Bewerbung auf Nicht-Führungspositionen lieber nicht als erfolgreicher Top-Unternehmer darstellen, sondern als jemand, der seinen Job gut gemacht hat und viel Erfahrung hat, aber anpassungsfähig und flexibel ist.

Was Rückkehrern häufig fehlt, sind Qualifikationsnachweise. Selbstständige tun oft weniger für ihre Weiterbildung als Angestellte, weil sie Fortbildung auch aus eigener Tasche bezahlen müssten. Suchen sie dann den Weg zurück in ein Unternehmen, kann auch das ein Stolperstein sein. Welche Qualifikationen gilt es nachzubessern? Viele Selbstständige, die ich erlebt habe, sind sehr realistisch und nüchtern. Sie wollen gar keinen Traumjob, sondern schnell einen Job, der regelmäßig Geld bringt. In einem solchen Fall ist der pragmatische Blick richtig: Wo werden gerade Bewerber gesucht? Was kann gut auf die vorhandene Qualifikation aufgesetzt werden?

So habe ich ehemalige Unternehmer beraten, die dann als Handelsvertreter tätig wurden oder im Bereich Versicherung - auch, weil dort nicht so viele Einstiegshürden existieren. Andere schulten um auf Buchhaltung, Personaladministration, Krankenpflege oder Erzieher. Sprachlich gewandte Personen fanden eine Stelle in der Kundenberatung. Sogar an Neustarts als Hausdame und Tischler erinnere ich mich.


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insgesamt 37 Beiträge
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1. Sehr schwierig.
Irene56 05.01.2016
Selbst wenn sich ein Job findet, wird es sich zeigen, ob eine ehemalige Selbständige noch teamfähig ist, noch bereit, Weisungen und Aufgaben zu akzeptieren, ohne sofort alles und jedes in Frage zu stellen. Sehr oft findet man es gerade bei solchen Aussteigern, dass sie im neuen Arbeitsumfeld schnell vergessen, dass sich ihre Situation geändert hat und sie nun nicht mehr Chef sind.
2. @irene56
interessierter Laie 05.01.2016
Kommt sehr darauf an. Selbstständige IT-Berater müssen sich permanent in neue Teams und Aufgaben einfügen, arbeiten oft weisungsgebunden und können das demzufolge auch gut. Der Job unterscheidet sich kaum von einem Angestellten. Start-Up-Unternehmen werden oft von einem Team geführt. Für die anderen kann als Pluspunkt gelten, dass sie es gewohnt sind, Verantwortung zu tragen und Stress auszuhalten. Sie haben bei ihrer Arbeit eher das Ziel als den Prozess im Blick. Ein kluger Arbeitgeber lässt ihnen Freiheit und bekommt einen Arbeitnehmer, um den er sich wenig kümmern muss. Ein dummer versucht ihn völlig zu entmündigen. Das wird nicht gut gehen.
3. Nicht weisungsgebunden
muunoy 05.01.2016
Zitat von interessierter LaieKommt sehr darauf an. Selbstständige IT-Berater müssen sich permanent in neue Teams und Aufgaben einfügen, arbeiten oft weisungsgebunden und können das demzufolge auch gut. Der Job unterscheidet sich kaum von einem Angestellten. Start-Up-Unternehmen werden oft von einem Team geführt. Für die anderen kann als Pluspunkt gelten, dass sie es gewohnt sind, Verantwortung zu tragen und Stress auszuhalten. Sie haben bei ihrer Arbeit eher das Ziel als den Prozess im Blick. Ein kluger Arbeitgeber lässt ihnen Freiheit und bekommt einen Arbeitnehmer, um den er sich wenig kümmern muss. Ein dummer versucht ihn völlig zu entmündigen. Das wird nicht gut gehen.
Als IT-Freiberufler arbeitet man zwar meistens im Team beim Kunden, ist aber gegenueber dem Kunden nicht weisungsgebunden. Man einigt sich auf die Ziele des Einsatzes und auf den Weg dorthin. Aber weisungsgebunden ist man nicht. Es ist in diesen Zeiten wichtig, darauf hin zu weisen, weil man von der Sozialversicherungsmafia sonst sofort als Scheinselbstaendiger deklariert wird und dann Rentenbeitraege auch fuer die vergangenen 4 Jahre nachzahlen muss, ohne dieses Geld jemals aus dem betruegerischen Rentensystem wieder heraus zu bekommen. Ach ja, man zahlt dann Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, weil die Sozialversicherungsmafia einen zwar als Scheinselbstaendigen hin stellt, normalerweise aber keinen Arbeitgeber identifizieren kann. Im Artikel wurde richtig darauf hingewiesen, dass unser oekosozialistischer Politik- und Beamten-Apparat extrem Gruender- und Unternehmer-feindlich geworden ist (besonders extrem ist hier die SPD, nach deren Meinung wir alle in irgendwelche Industriekombinate gehoeren). Derzeit laeuft eine massive Hetzkampagne von der Nahles im Schulterschluss mit dem DGB gegen Selbstaendige. Einige geben daher schon auf bzw. verlassen das Land. Leider wird ueber diese diffamierende Hetzkampagne nur in der Fachpresse berichtet. Vermutlich erscheint auch dieser Post nicht, weil SPON ja nun ein sehr staatsnahes Medium ist. Inkonsequenterweise moechte der oekosozialistische Staat weiterhin exorbitant hohe Steuern von mir, bekaempft mit diesem Geld aber gleichzeitig meine Existenz. Aber so langsam formiert sich der Widerstand unter Gruendern und Selbstaendigen.
4.
plutinowski 05.01.2016
Zitat von muunoyAls IT-Freiberufler arbeitet man zwar meistens im Team beim Kunden, ist aber gegenueber dem Kunden nicht weisungsgebunden. Man einigt sich auf die Ziele des Einsatzes und auf den Weg dorthin. Aber weisungsgebunden ist man nicht. Es ist in diesen Zeiten wichtig, darauf hin zu weisen, weil man von der Sozialversicherungsmafia sonst sofort als Scheinselbstaendiger deklariert wird und dann Rentenbeitraege auch fuer die vergangenen 4 Jahre nachzahlen muss, ohne dieses Geld jemals aus dem betruegerischen Rentensystem wieder heraus zu bekommen. Ach ja, man zahlt dann Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, weil die Sozialversicherungsmafia einen zwar als Scheinselbstaendigen hin stellt, normalerweise aber keinen Arbeitgeber identifizieren kann. Im Artikel wurde richtig darauf hingewiesen, dass unser oekosozialistischer Politik- und Beamten-Apparat extrem Gruender- und Unternehmer-feindlich geworden ist (besonders extrem ist hier die SPD, nach deren Meinung wir alle in irgendwelche Industriekombinate gehoeren). Derzeit laeuft eine massive Hetzkampagne von der Nahles im Schulterschluss mit dem DGB gegen Selbstaendige. Einige geben daher schon auf bzw. verlassen das Land. Leider wird ueber diese diffamierende Hetzkampagne nur in der Fachpresse berichtet. Vermutlich erscheint auch dieser Post nicht, weil SPON ja nun ein sehr staatsnahes Medium ist. Inkonsequenterweise moechte der oekosozialistische Staat weiterhin exorbitant hohe Steuern von mir, bekaempft mit diesem Geld aber gleichzeitig meine Existenz. Aber so langsam formiert sich der Widerstand unter Gruendern und Selbstaendigen.
Naja ich bin auch selbständig; das Klima für Selbständige könnte schon besser sein, aber ich glaube, Sie übertreiben ein wenig. Ich sehe auch nicht, was das mit Ökologie zu tun hat. Aber zum Artikel: Vorurteile gegen "rückkehrende" Selbständige sind in der Tat vorhanden. Solche Leute werden mit einer komischen Mischung aus Emotionen bedacht (Neid, dass da mal einer selbst was gewagt hat; andererseits Loser-Image und Schadenfreide, dass es wohl nicht so geklappt hat). Ob man sich die Rückkehr in die Nichtselbständigkeit antut, muss jeder für sich entscheiden, aber ich würde mich da nicht künstlich kleinmachen. Wenn man sich verbiegt, wird man nicht glücklich. Lieber die Zähne zusammenbeißen und selbständig bleiben, eventuell - wie Sie vorschlagen - ins Ausland gehen.
5.
Wofgang 05.01.2016
Zitat von muunoyAls IT-Freiberufler arbeitet man zwar meistens im Team beim Kunden, ist aber gegenueber dem Kunden nicht weisungsgebunden. Man einigt sich auf die Ziele des Einsatzes und auf den Weg dorthin. Aber weisungsgebunden ist man nicht. Es ist in diesen Zeiten wichtig, darauf hin zu weisen, weil man von der Sozialversicherungsmafia sonst sofort als Scheinselbstaendiger deklariert wird und dann Rentenbeitraege auch fuer die vergangenen 4 Jahre nachzahlen muss, ohne dieses Geld jemals aus dem betruegerischen Rentensystem wieder heraus zu bekommen. Ach ja, man zahlt dann Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, weil die Sozialversicherungsmafia einen zwar als Scheinselbstaendigen hin stellt, normalerweise aber keinen Arbeitgeber identifizieren kann. Im Artikel wurde richtig darauf hingewiesen, dass unser oekosozialistischer Politik- und Beamten-Apparat extrem Gruender- und Unternehmer-feindlich geworden ist (besonders extrem ist hier die SPD, nach deren Meinung wir alle in irgendwelche Industriekombinate gehoeren). Derzeit laeuft eine massive Hetzkampagne von der Nahles im Schulterschluss mit dem DGB gegen Selbstaendige. Einige geben daher schon auf bzw. verlassen das Land. Leider wird ueber diese diffamierende Hetzkampagne nur in der Fachpresse berichtet. Vermutlich erscheint auch dieser Post nicht, weil SPON ja nun ein sehr staatsnahes Medium ist. Inkonsequenterweise moechte der oekosozialistische Staat weiterhin exorbitant hohe Steuern von mir, bekaempft mit diesem Geld aber gleichzeitig meine Existenz. Aber so langsam formiert sich der Widerstand unter Gruendern und Selbstaendigen.
Leider ist Ihr Posting sehr vergrämt, was den Diskurs nicht unbedingt fördert. Schon die Wortwahl ist nicht hilfreich. Deutschland ist speziell unter Nahles sehr Kleinunternehmerfeindlich geworden, das stimmt. Während das Arbeitsamt die ICH-AG nach wie vor fördert, wird sie von den Sozialversicherungen bekämpft. Eine Bürgerversicherung haben sie nicht auf die Reihe bekommen, die Rentenversicherung haben sie kaputt gemacht, was bleibt da noch... Was soll man sagen, eine Arbeitsministerin die nie gearbeitet hat, ein Wirtschaftsminister, der keine Ahnung von Wirtschaft hat, in einer GroKo mit einem Finanzminister, der keine Ahnung von Finanzen hat und deswegen im deutschen Volk unheimlich beliebt ist. Zur Rückkehr in die Angestelltentätigkeit muss auch berücksichtigt werden, dass 60% der Angestellten die innere Kündigung bereits durchgezogen haben. Es ist wirklich fraglich, ob das bessere Voraussetzungen sind, als eine Rückkehr aus der Selbstständigkeit.
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