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Abgehoben Ein Schleudersitz fürs Büro

Büromöbel: Heiße Öfen auf fünf Rädern Fotos
motoart

Das Büro, der ödeste Ort der Welt - aber nicht mit den "Racechairs" von US-Designern. Sie motzen Bürostuhle mit Ferrari-Sitzen auf oder montieren Flugzeugteile zu Schreibtischen um. Auch eine deutsche Firma mischt mit. Ihr Spaßprodukt: Spielesessel mit Schütteleffekt.

Wer arbeitet schon gern auf dem Schleudersitz? Einige Chefs schon. Sie zahlen sogar viel Geld dafür. Knapp 10.000 Dollar kostet der "F4 Ejection Seat", der einst in einem Kampfjäger der US Air Force installiert war. Die Designfirma Motoart aus dem kalifornischen Segundo hat ihn aus einer McDonnell F-4 Phantom II ausgebaut und aufgemöbelt; sie verkauft ihn an Chefs im Höhenrausch.

Das US-Unternehmen verwertet so ziemlich alles, was aus alten Flugzeugen herauszuholen ist: Aus den Höhen- und Seitenrudern eines B-25-Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg - oder dem, was davon übrig ist - bauen die Kalifornier Designerschreibtische. Unter der gläsernen Tischplatte des "B-25 Bomber Airplane Desk", wie das Modell ehrfürchtig heißt, glänzt das polierte Aluminium der Maschine, getragen von einer Massivholzkonstruktion in Metalloptik. Das sieht bombig aus - und kostet.

27.500 Dollar müssen Luftfahrtfans für den Schreibtisch berappen. Acht bis 14 Wochen dauert die Herstellung. "Die meisten unserer Kunden sind erfolgreiche Geschäftsleute, die sich mit einem unserer Möbel belohnen", sagt Motoart-Chef Dave Hall. Gerade beim B-25 spiele auch "der historische Aspekt" eine Rolle.

25.000 Dollar für einen Stuhl

Ein Bomber im Büro ist ein Statement und mag martialisch anmuten. Deshalb tischt Motoart auf Wunsch auch das Seitenruder einer Fairchild C-119 oder die Flügelklappen einer Lockheed C-130 auf - beides Transportflugzeuge der Air Force. Doch auch Freunde der zivilen Luftfahrt kommen auf ihre Kosten.

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Aus den Seitenteilen von Jumbo-Jets sägt, schweißt und schraubt Motoart ebenfalls Schreibtische - und zwar für Chefs. Entsprechend cheffige Features sind an Bord: In das Seitenteil, die Tischplatte des "Jumbo Jet Executive Desk", sind vier Fenster eingelassen. Sie können mit iPads bestückt werden für Präsentationen direkt am Schreibtisch - oder für ein Wolkenvideo zwischendurch. Der Preis: 13.500 Dollar.

Ein derart in Höhenrausch versetzter Vorgesetzter könnte seinen Angestellten einen "Fuselage Desk" spendieren wollen - einen Schreibtisch, montiert an ein Seitenteil mit Fenstern. So weht Kabinenluft durchs Großraumbüro. Besonders gefragt bei Motoart sind übrigens Konferenztische. "Sie brechen das Eis in jedem Vorstandsmeeting", sagt Hall. Und sie bescheren der Firma Umsatz: 75.000 Dollar kostete bislang der teuerste Tisch, ein "1929 Waco Wing Conference Table".

Höhenangst ist übrigens keine Ausrede, wenn es um ein cooles Büro geht: Die Firma Racechairs aus Perkasie im US-Bundesstaat Pennsylvania montiert Sportwagensitze auf Bürostuhlgestelle. "Meinen ersten Stuhl habe ich aus dem Sitz eines Ferrari F40 gebaut", sagt Racechairs-Chef Ron Hansen. Ein Ferrari-Federsessel ist denn auch sein teuerstes Stück.

Luxusstühle aus Autowracks

Rot wie eine Warnung leuchten Rückenlehne, Sitz und Gestell des "Ferrari Scuderia 16M". Mit 25.000 Dollar ist er der teuerste Bürostuhl, den Racechairs im Angebot hat - und Hansens ganzer Stolz. Kein Wunder, hier passt jedes Detail: Das rote Leder hat schwarze Nähte, das schwarze Leder rote. Die Rückenlehne lässt sich verstellen, die Schale ist aus Kohlefaser. Genau einen gibt es noch bei Racechairs, der zweite ist verkauft.

Kunden kauften den Sitz, den sie im Wagen haben, sagt Hansen. "Sie lieben das Statement eines maßgeschneiderten Stuhls aus einem Sportwagen und das hohe Maß an Komfort und Qualität, das ein Bürostuhl von der Stange einfach nicht bietet."

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Ob Ferrari, Lamborghini, Maserati oder Porsche - die Sitze bekommt Hansen, der über ausgezeichnete Kontakte in die Auto- und Zuliefererindustrie sowie zu diversen Rennställen verfügt, oft erst nach wochenlanger Recherche. Oder überhaupt nicht. Zur Not nimmt Hansen Sitze aus Unfallwagen. "Will ein Kunde etwa einen Sitz aus einem Ferrari 360 in rotem Leder mit weißer Naht, bleibt uns oft nichts anderes übrig, als auf ein Wrack zurück zu greifen. Bei Händlern ist da meistens nichts mehr zu machen", sagt Hansen.

Arbeiten auf dem Schleudersitz

Weniger stilvoll, dafür deutlich rasanter geht es zu mit dem "DXRacer" von Need For Seat. Der Bürostuhl ist mit Kunstleder überzogen und kostet den Bruchteil eines Racechairs - dafür ist der Spaßfaktor höher. Das sagt schon der Name der Firma aus Vellmar in der Nähe von Kassel: Need For Seat ist angelehnt an die Rennspielserie "Need For Speed".

Büro-Boliden, die mal eine Pause brauchen, können auf dem DXRacer eine Runde zocken. "Unsere Kunden stammen in erster Linie aus dem Gaming-Bereich", sagt Need-For-Seat-Chef Marco Wörenkämper. "Aber mittlerweile werden unsere Stühle auch immer mehr in Firmen eingesetzt."

Das System "SeatQuake" macht aus dem Stuhl einen Spiele-Sessel mit Schütteleffekt. Unter der Sitzfläche ist eine fünf Millimeter dünne Aluminiumplatte mit Vibrationsmodul verschraubt. Über einen Verstärker, angeschlossen an den Computer, bringen die Bassfrequenzen den Stuhl bei jeder Bewegung auf dem Monitor zum Vibrieren.

Die Designrollen mit Feststellbremse für den DXRacer sorgen für den nötigen Halt - auch wenn es in der virtuellen Welt noch so hoch her geht. Besonders cool für Racing-Fans: Die Rollen sind mit Alufelgen versehen - zwar aus Kunststoff, dafür wahlweise auch in schwarz.

Torben Schultz ist Autor bei manager magazin online. Dort erschien der Beitrag zuerst.

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