Von Margarete Hucht
Dr. Martina Henn-Sax, 41 - selbständig mit einem Institut zur Abiturvorbereitung, zwei Kinder (4 und 9), lebt in Göttingen
"Ja, mein zweites Kind war geplant, allerdings wollte ich direkt weiterarbeiten. Beim ersten Kind hatte ich ungeplant eine 15-monatige Auszeit. Das wollte ich so nicht wiederholen.
Letztlich habe in dem Jahr mit meinem zweiten Baby mehr gearbeitet als je zuvor. Meinem Mann ging es ähnlich. Im Nachhinein war das eine nicht so kluge Entscheidung. Es war wie bei einem Computer-Akku, der immer gut funktioniert, egal wie lange er geladen wird. Der dann aber ganz plötzlich nicht mehr zu laden ist. Diesen Zustand hatte ich, als mein kleiner Sohn zweieinhalb Jahre alt war.
Dennoch denke ich, dass man mit zwei Kindern 40 Stunden und mehr pro Woche arbeiten kann. Organisationsgeschick ist allerdings ein Talent, das man haben sollte. Sicherlich braucht man auch einen Partner, der mitzieht. Manchmal musste ich meinen Mann an seine 50-Prozent-Verpflichtung erinnern.
Kinder sind zudem extrem gute Lehrmeister. Ich glaube, durch sie bin ich eine bessere Arbeitgeberin und mit Sicherheit eine bessere Lehrerin und Dozentin geworden. Auch effizient zu arbeiten lernt man mit Sicherheit besser, wenn man den Druck einer 'Kindergarten-Abholzeit' spürt oder damit leben muss, dass plötzlich eine Woche aufgrund kranker Kinder 'weg' ist.
Man sollte aber auch nicht vergessen, dass der eigene Körper mal Ruhe braucht. Das ist bei schlaflosen Nächten nicht zu unterschätzen. Wenn das Adrenalin im Körper weiterpowert, obwohl man erschöpft ist, kommt die Abrechnung für den Raubbau irgendwann.
Generell denke ich, dass meine Kinder glücklich sind, so wie ihre Betreuung läuft. Ein permanent schlechtes Gewissen der Mutter hilft ihnen nicht. Also genieße ich die Zeit mit ihnen und konzentriere mich in der Arbeitszeit auf meinen Job. Es gibt dabei bestimmte Regeln: Zwischen 17 und 20 Uhr ist Kinderzeit. Das heißt: Keine Anrufe, keine E-Mails, keine Meetings."
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