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Schräge Mitfahrgelegenheit Leichenwagen für zwischendurch

Schwarzes Hobby: Das ist meine Leichenwagensammlung Fotos
Jona Emanuel von Sydow

Elegant, schwarz und sehr geräumig - so sehen die Traumautos von Jona Emanuel von Sydow aus. Der Vertreter für Bestattungsbedarf sammelt Leichenwagen und vermietet seine Oldtimer sogar: Einen Sarg liefert er auf Wunsch gleich mit. Zu Deko-Zwecken, versteht sich.

Jona Emanuel von Sydow besitzt 13 Leichenwagen und zwei Bestattungskutschen. Dafür hat er einen alten Pferdestall gemietet. Ab und an zieht er von einem Auto die Schutzdecke ab, setzt sich ans Steuer, wischt mit einem Mikrofasertuch den Staub von den Armaturen. Und manchmal dreht er auch den Zündschlüssel um.

Sydow, 43, sammelt alte Bestattungswagen - und vermietet sie. Für Film- und Fernsehproduktionen, Messeausstellungen oder Firmenjubiläen von Bestattungsunternehmen. 500 bis 1500 Euro Miete verlangt er pro Tag, je nach Modell. Drei bis fünf Aufträge bekommt er pro Jahr. Davon allein kann der gelernte Industriekaufmann nicht leben. Aber sein Hauptberuf ist nicht weit davon entfernt: Sydow arbeitet als freier Handelsvertreter für Bestattungsbedarf. "Zu dem Job bin ich über mein Hobby gekommen, liegt ja nahe", sagt er.

Etwa einmal im Monat fährt Sydow mit einem seiner Lieblinge aus. "Natürlich ziehe ich damit immer die Blicke auf mich", sagt er. "Aber wenn ich den Leuten ein bisschen was über die Autos erzähle, sind sie meistens begeistert."

Der Sarg ist nur Dekoration

Sydow war 21 Jahre alt, als er sich den ersten Bestattungswagen gekauft hat, einen Opel Admiral. "Die Eleganz hat mich schon immer fasziniert", sagt er und streicht mit der Hand über die Motorhaube seiner neuesten Errungenschaft: ein dunkelgrauer Mercedes 220D, Baujahr 1970, mit italienischem Bestattungsaufbau. Auf dem Dach funkelt ein abnehmbares Edelstahlkreuz, im Innenraum liegt ein dunkelbrauner Sarg. "Nur Dekoration", versichert Sydow.

Wenn er die Autos vermietet, liefert er den Sarg im Kofferraum gleich mit - als authentische Ausstattung: "Ein Bestatter kann ja schlecht eine öffentliche Einsargung zelebrieren, also lockt er die Interessenten mit den Oldtimern in den Laden."

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5000 Euro hat der Münchner für den Mercedes bezahlt, die Hälfte des Budgets, das er jedes Jahr für sein Hobby ausgibt. Als Neuwagen sei der Mercedes einmal 30.000 Mark wert gewesen. Mit einem Tuch wischt er noch schnell über den verchromten Kühlergrill des Mercedes, dann befestigt er das rote Oldtimer-Wechselkennzeichen an der Stoßstange, atmet tief durch und lässt sich in den abgewetzten Ledersitz fallen: "Jeder Wagen hat seine ganz eigene Aura, seinen eigenen Duft, das Leder und die Materialien riechen anders."

Autos mit Seelen unter dem Dach

Sydows Bestattungswagen sind herkömmliche Pkw, die per Hand umgebaut worden sind. Jedes Fahrzeug sei ein Einzelstück, schwärmt der Sammler. 30 Jahre alt sind seine Autos im Schnitt. Bei seinem ersten Oldtimer habe er sich gefragt, "wie viele Seelen da wohl unter dem Dach hängen". Nach mehr als 20 Jahren Sammelleidenschaft sei er aber sicher, "dass es ein Stück Blech ist, wie jedes andere Auto auch".

Sydow zieht den Starterknopf am Armaturenbrett. Es dauert eine Minute, bis das rote Lämpchen leuchtet und er den Anlasser ziehen kann. Mit einem Wumms springt der Dieselmotor des Mercedes an. Nun sind Sydows Rangierkünste gefragt, den Wagen unversehrt aus der Halle zu fahren.

Kurz vor Halloween häufen sich die Anfragen von Event- und Party-Veranstaltern: Der Leichenwagen als besonderer Deko-Kick für Grufti-Partys liegt im Trend. Sydow will damit nichts zu tun haben: "In gewisser Weise gewähren wir ja auch den Bestattungswagen die letzte Ruhe."

Anreise mit Leichenwagen

Seit 2005 ist er Vorsitzender der Interessengemeinschaft für den Erhalt historischer Bestattungswagen (IGHB), die 1985 im Ruhrgebiet gegründet wurde und rund 20 Mitglieder hat. Es ist die einzige Vereinigung von Bestattungswagenfahrern im deutschsprachigen Raum.

Einmal im Jahr organisiert Sydow einen gemeinsamen Ausflug der Leichenwagenliebhaber. Die meisten Mitglieder nutzen ihre Oldtimer nicht im Alltag, doch zum Jahrestreffen reist jeder mit seinem Lieblingsstück an. Überall zieht der dunkle Leichenwagenkonvoi die Blicke auf sich. Ältere Leute schütteln den Kopf, Kinder verstecken sich hinter ihren Eltern.

"Dabei wollen wir ja nicht schockieren, sondern lediglich ein Stück Bestattungskultur erhalten", sagt Sydow. Die Mitglieder der IGHB seien "ganz normale Leute". Einige arbeiten in der Bestattungsbranche, andere als Beamte, auch ein Kindergärtner sei dabei.

Sydow sagt, seine Leichenwagensammlung erinnere ihn täglich an die Vergänglichkeit des Lebens und lasse ihn bewusster leben. Per Testament hat er festgelegt, wie seine eigene Bestattung einmal aussehen soll: mit einer Fahrt im Sargraum seines Mercedes S-Klasse.

  • Dirk Bader
    KarriereSPIEGEL-Autorin Kathrin Lucia Meyer ist freie Journalistin in München.

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insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1    
1. Auf der Straße
Achim 04.11.2011
Den muss Mike Krüger gekannt haben, als er "Mendocino" persiflierte: Auf der Straße, nach Hamburg-Ohlsdorf, da saß ein Girl ganz alleine wartend in der ha-eißen Sonne. Ich hielt an, fragte wohin, Sie sagte: Bitte nimm mich mit in Deinem schwarzen Wagen. ... O, o, o, o, Leichenwagen, Leichenwagen, oh Du mein süßer kleiner Leichenwagenfahrer. Komm bring mich nach Hause, wir machen ne Sause, so einen wie Dich hatte ich noch nie auf meinem Lager.
2. schönes Hobby
axelkli 04.11.2011
Leider gibt es ja immer weniger Bestatter, die ihre Kunden mit einer klassischen, geschmackvoll zum Bestattungswagen umgebauten Limousine befördern. Immer öfter kommen die Herren in schwarz im schnöden VW T5 vorgefahren. So möchte ich nicht meine letzte Reise antreten.
3. Das hat Stil...
sappelkopp 04.11.2011
...wer schon im Leben nur mit Golf & Co vorlieb nehmen musste, der kann auf der letzten Fahrt mal richtig auf die Sahne hauen.
4. Schon da gewesen
Mondaugen 04.11.2011
Harold and Maude lassen grüßen .. alles schon mal da gewesen!
5. Leichenwagen als erster Bus 1945
misr35 05.11.2011
Zitat von MondaugenHarold and Maude lassen grüßen .. alles schon mal da gewesen!
Ich erinnere mich, dass kurz nach der Kapitulation 1945 ein Evakuierter in dem Dorf (Semd, Kreis Dieburg) eine alten Leichenwagen der US-Army als Pendelbusdienst zu den beiden Staedten Dieburg und Gross-Umstadt eingerichtet hatte. War sofort akzeptiert worden.
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