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Akademie für Fußballlehrer Die Schule der Champions

Hennes-Weisweiler-Akademie: Die Schule der Champions Fotos
AFP

Bayern-Coach Jupp Heynckes ist Spitze in seinem Job - gerade ist er mit seinem Verein Deutscher Meister geworden. Wer bei einem deutschen Proficlub Trainer werden will, muss aber erst auf der Hennes-Weisweiler-Akademie bei Frank Wormuth büffeln. Und dort den berüchtigten "heißen Stuhl" überstehen.

Frank Wormuth wird sich freuen: Ein ehemaliger Schüler seiner Akademie hat am Samstag in seinem Job großen Erfolg gehabt. Mal wieder. Der Schüler heißt Jupp Heynckes und ist am Samstag mit dem FC Bayern München Deutscher Fußball-Meister geworden. Und die Schule ist die Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef bei Köln. Ausbildungsleiter Wormuth und seine Dozenten formen hier die Meistertrainer von morgen.

Nahezu jeder deutsche Star-Coach hat in der Fußballakademie schon die Schulbank gedrückt - egal ob Joachim Löw, Jürgen Klopp, Christoph Daum oder Jürgen Klinsmann. Tina Theune, die Weltmeistertrainerin von 2003 bei den Damen, war 1985 die erste Frau in der Trainerschmiede. Auch Heynckes hat hier gebüffelt. Bevor er einer der erfolgreichsten Fußballlehrer weltweit wurde, ging der ehemalige Stürmer 1978 auf die Schule - damals allerdings noch auf den Campus der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Gerade erst wurden die 22 Absolventen des 59. Jahrgangs verabschiedet - sie dürfen sich nun Fußballlehrer nennen und haben die höchste Trainerlizenz erhalten, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vergibt. "Irgendwann landen sie wohl alle mal in der ersten, zweiten oder dritten Liga. Wenn die alten Trainer weggehen, ist es doch ganz logisch, dass unsere Absolventen nachrücken", sagt Wormuth.

Garantie auf Fußballkönnen

Klassenprimus war dieses Jahr Frank Kramer. Der ehemalige Mittelfeldspieler bei Bayern Münchens zweiter Mannschaft hatte schon vor dem Ende der Schulzeit einen Job sicher. Er trainiert seit dem 12. März das Bundesliga-Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth. Ein Abschluss an der Hennes-Weisweiler-Akademie ist mittlerweile Bedingung für ein Engagement im deutschen Profifußball. Ausnahmen waren lange die Regel. Inzwischen aber darf ein Trainer ohne Fußballlehrerschein nur noch 15 Werktage lang bei einer Profimannschaft arbeiten. "Damit helfen wir den Vereinen und Managern ein bisschen, mehr Garantie auf Können zu erhalten", sagt Wormuth. Nur wer einen echten Fußballlehrer engagiert, erhält auch Qualität.

Der Weg zum Traumjob ist aber lang und kostet 9000 Euro Lehrgangsgebühren plus Nebenkosten wie Anreise und Unterkunft. Dazu ist das Aufnahmeverfahren für die zehn Monate lange Ausbildung kompliziert und schwierig: Nur wer die A-Lizenz des DFB hat, darf überhaupt zur Zulassungsprüfung an die Akademie in Hennef kommen. Dazu muss er ein Jahr lang eine Mannschaft in der Regional- oder Oberliga trainiert haben. Drei Tage lang prüfen Wormuth sowie zwei weitere Fußballlehrer und zwei Psychologen die Bewerber dann - schriftliche Prüfung, Lehrprobe und eine 20-minütige Fragerunde inklusive. "Da polarisieren wir auch schon mal und setzen die Bewerber unter Druck, um zu sehen, wie sie damit umgehen", sagt Wormuth.

64 von 80 Bewerbern sind für die 24 Plätze des Ende Mai beginnenden Ausbildungsjahrs 2013/2014 übrig geblieben. Reichlich Erfahrung als Profikicker ist übrigens kein Freifahrtschein für einen Platz an der Akademie. Auch ein Mann mit über 400 Bundesliga-Spielen wird schon mal für ein weiteres Lehrjahr im Amateurbereich wieder nach Hause geschickt, wenn die Trainererfahrung fehlt. Wormuth will am Ende der zehnmonatigen Ausbildung keine 24 Freunde, sondern 24 gut ausgebildete Trainer.

Schwitzen auf dem "heißen Stuhl"

Dass der Weg dorthin nicht einfach ist, hat im vergangenen Jahr auch der ehemalige Nationalspieler Christian Wörns erlebt. "Wenn ein Ex-Spieler denkt, er wüsste schon alles, ist er auf dem Holzweg", sagt er. Tausende Folien gebe es zu verstehen und lernen, die Ausbildung sei extrem breit gefächert und gebe erst den Feinschliff für angehende Top-Trainer. Wörns ist mittlerweile Coach der U15 beim VfL Bochum und damit in einem der drei Einsatzbereiche für Fußballlehrer tätig: dem Profifußball, dem Leistungsfußball im Jugend- oder Verbandsbereich.

Auch der Umgang mit Computern ist inzwischen selbstverständlicher Teil der Ausbildung. Videoanalysen oder Powerpoint-Präsentationen fallen aber vielen angehenden Trainern schwer. Zudem werden neben den Basisbereichen Fußballlehre, Sportpsychologie und Trainingswissenschaft immer wieder die äußeren Gegebenheiten des Trainerjobs berücksichtigt. Denn wer bei einem Proficlub die Spieler nach seiner Pfeife schwitzen lassen will, steht in der Öffentlichkeit und muss sich kritischen Fragen stellen. Den Umgang damit lernen die angehenden Spitzentrainer auf dem berüchtigten "heißen Stuhl". Hier müssen die Kandidaten ihre Arbeit immer wieder selbst reflektieren oder sich von anderen analysieren lassen. Zudem hält Chefausbilder Wormuth seinen Absolventen bei der Arbeit ständig den Spiegel vor: "Das tut manchmal auch weh." Das mussten auch drei Kandidaten aus dem aktuellen Jahrgang feststellen. Sie müssen in die Nachprüfung.

joe/sid

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Lächerlich
emerson-ricochet 07.04.2013
Dieser Aufwand, diese Kosten und diese Masse an Lehrmaterialen, damit jemand vollmündige Profis trainieren darf. Ein Beispiel der unsäglichen Klinsmann-Ära, wo der DFB-Zirkel unter dem Guru Selbstbeweihräucherung zur Staatsräson erklärt hat. Wie lächerlich die so ausgelobten hohen Standards sind, wird der Fall Hypiää in Leverkusen zeigen, der allein mit der Anmeldung zur finnischen Lizenz dieses aufgebauschte Possenspiel umgeht. Meint man beim DFB wirklich, gestandenen Ex-Profis die 10 Jahre Erfahrung teils internatione mitbringen hier noch groß schleifen zu können? Diese Ausbildung wäre für Juniorenbereiche vollkommen in Ordnung, bei Profis, wo streckenweise Patriarche die Aufstellung diktieren wirkt dies doch eher müssig. Schlimm v.a., dass der DFB mit seinem Konzept ordentlich studierten bis promovierten Sportfachleuten damit die Möglichkeit entzieht, um den Markt Bundesliga ganz allein unter sich zu regeln und zu regieren.
2. Bei allem hier verbreitetem Selbstlob
Erich91 07.04.2013
Zitat von sysopBayerncoach Jupp Heynckes ist Spitze in seinem Job - gerade ist er mit seinem Verein Deutscher Meister geworden. Wer bei einem deutschen Proficlub Trainer werden will, muss aber erst auf der Hennes-Weisweiler-Akademie bei Frank Wormuth büffeln. Und dort den berüchtigten "heißen Stuhl" überstehen. Schule für Fußballlehrer: Die Lizenz zum Kicken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/schule-fuer-fussballlehrer-die-lizenz-zum-kicken-a-892709.html)
und ohne Namen zu nennen, scheinen doch einige ganz renommierte Ehemalige Profis, den Anforderungen nicht gewachsen gewesen zu sein, bzw. kann man die Ausbildung als gescheitert ansehen.
3. 15 Werktage
greatg 07.04.2013
Also muss Sepp Guardiola dann nach 15 Werktagen Bayern wieder verlassen? Ist das EU- und rechts-konform?
4. ... wahrhaft teutonisch!!!
tmhamacher1 08.04.2013
Diese Art, aus Profis Trainer zu machen, ist wahrhaft deutsch. Es ist eigentlich nicht falsch, weil ein guter Kicker noch lange kein guter Trainer ist (... warum fällt mir da der Name Lothar ein ...) Aber dieses fußballerische Preußentum ist trotzdem ... sorry ... ungeil. Ein bißchen cooler wäre ... cool!!!
5. Ich kenne es nur vom Basketball-Bereich
Dromedar 08.04.2013
da war die Aussage eines schon professionell agierenden Trainers, er muß halt ein paar Tage die Klappe halten, nett lächeln, bloß nichts kompetentes von sich geben und den anderen beim Saufen zuschauen. Grundsätzlich, so ab B-Lizenz aufwärts, bzw. ab dem Zeitpunkt, wo man als Trainer bezahlt wird, ist man normalerweise kompetenter als die Referenten. Ich meine, man macht ja schon nichts anderes, als den ganzen Tag Videos von anderen Spielen zu sehen, nur um sich Tricks oder einfach nur Spielsysteme hineinzuziehen. Oder sich in rechtliche oder psychologische Fachtexte einzuarbeiten. "Heißer Stuhl", klar ist Medientraining sinnvoll, aber das braucht man heutzutage deutlich früher, jedes kleine Kaff hat einen Lokal-Sender und Zeitungen. Das Fan-Projekt klopft auch ein paar mal die Woche an, und dass allesamt schon im semi-professionellen Bereich, also im Fußball so Landesliga oder Landesklasse herum. Diejenigen, die zu so einem Seminar gehen, kennen das eigentlich schon mehr als gut genug. Um es krass auszudrücken, wenn man schlecht aussieht, wird man halt Co-Trainer oder so. Disclaimer: kenne keinen Teilnehmer des Seminars, um die sich der Artikel dreht
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