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Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche "Sie werden an dem Tumor sterben"

Jens Ahner

Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

Es ist der Moment, vor dem sich die meisten Ärzte fürchten. Wenn die Therapie keine Wirkung mehr zeigt, wenn das Leben des Patienten am seidenen Faden hängt und der Tod unausweichlich ist. Dann stehen Mediziner oft vor großen emotionalen Herausforderungen: Wie sage ich es am besten?

Christine Klapp will Ärzten diese Ängste nehmen. "Ich möchte die Unsicherheit ersetzen durch Struktur." Klapp, Oberärztin am großen Berliner Traditionskrankenhaus Charité, gibt Medizinern die Möglichkeit, Patientengespräche praktisch zu trainieren. Bei ihrem so genannten "Breaking Bad News"-Kurs an der Berliner Ärztekammer lernen sie, mit schwierigen Diagnosen umzugehen.

Oliver Delic ist einer von ihnen. Er ist Assistenzarzt im Krebszentrum des Vivantes-Klinikum in Berlin - der Tod gehört zu seinem Berufsalltag. Delic, 28, kommt gerade frisch von der Uni und steht noch am Anfang seiner Karriere. "Im Studium wurde ich nicht vorbereitet. Und jetzt, im Alltag, ist die Zeit eigentlich nie da - man nimmt sie sich einfach nicht", sagt er. "Dennoch, den Druck spürt man immer."

Die Botschaft ist so kurz wie hart

Vor ihm sitzt Beate Kampel. Die Schauspielerin schlüpft in die Rolle von Frau Hofmeister, zweifache Mutter. Krebs lautet ihre Diagnose. Die Nachricht, die Oliver Delic ihr nun überbringen muss, ist so kurz wie hart: Sie wird sterben. Delic spricht ruhig, lässt Pausen, stellt Fragen, erklärt noch einmal den letzten Stand der Therapie. Dann setzt er an: "Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich eine schlechte Nachricht für Sie habe. Dass der Tumor trotz der Therapie gewachsen ist." Es folgt eine lange Zeit der Stille. "Und was heißt das jetzt?" "Das heißt, dass Sie bald an dem Tumor sterben werden."

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"Bad News": Die Kunst, schlechte Nachrichten zu überbringen
Schauspielerin Beate Kampel hat sich lange und intensiv mit ihrer Rolle vertraut gemacht. Seit 2003 ist sie im Pool von rund 120 Simulationspatienten, die der Charité zur Verfügung stehen. In einer speziellen Anleitung ist ihre Rolle genau festgelegt - Krankheitsbild, Charakter, sozialer Hintergrund. Dennoch muss sie immer im Gesprächsverlauf improvisieren und auf den Arzt eingehen.

"Da kann man gar nichts machen? Oh Gott, ich habe doch zwei Kinder! Die kann ich doch jetzt nicht allein lassen. Bitte, ich tue alles!" Beate Kampel bricht in Tränen aus. Doch Assistenzarzt Oliver Delic bleibt ruhig, bietet ihr zunächst ein Taschentuch an, dann die Möglichkeit, dass er mit den Angehörigen spricht.

Nach den Gesprächen erfolgt die Auswertung in der Gruppe. "Das Tempo war sehr langsam. Und er hat mir Angebote gemacht, meine Situation zu verbessern. Dadurch konnte ich das Gespräch irgendwann annehmen", resümiert Beate Kampel.

Im Alltag die Nerven behalten

"Es ist sehr wichtig, dass der Arzt tröstet, aber auch, dass er Wege aufzeigt, wie es weitergehen kann - trotz der schwierigen Situation", erklärt Kursleiterin Christine Klapp. "Manche Kollegen versuchen, das Gespräch schnell hinter sich zu bringen, alles reinzupacken. Dabei sind Pausen und Zeit zum Durchatmen viel wichtiger als die Fakten." Gut vorbereiten, Fachbegriffe vermeiden, nicht mit der Tür ins Haus fallen, nicht ständig in der Krankenakte blättern - die Tipps von Christine Klapp sollen Ärzten helfen, im Alltag die Nerven zu behalten.

Unter den Kursteilnehmern ist auch Parwin Mani, 50. Die Ärztin arbeitet im Kinderhospiz der Berliner Björn-Schulz-Stiftung. "Kinder sind - im positiven Sinn - viel naiver als Erwachsene. Sie kennen noch nicht die wirkliche Bedeutung des Todes", so Mani. "Schwieriger ist es bei Jugendlichen. Sie sind ja in dem Alter, wo sie sich eigentlich von ihren Eltern abkoppeln wollen. Und dann kommt eine schwere Krankheit, und sie sind wieder völlig abhängig."

Parwin Mani hat im Breaking-Bad-News-Kurs Frau Schneider als Patientin. Die 63-Jährige leidet an Brustkrebs, hat nun Metastasen in den Lymphbahnen. Die Ärztin muss sie für eine Chemotherapie gewinnen. Keine einfache Aufgabe. Denn Frau Schneider, gespielt von Cornelia Buchrucker, steht laut Rollenanleitung der Schulmedizin sehr kritisch gegenüber. Während des Gesprächs wird Frau Schneider immer aufgewühlter, teilweise aggressiv.

"Meine Gefühle dürfen mich nicht überrollen"

Doch Parwin Mani schafft es, der Wut Raum zu geben und ihrer Patientin die Chancen einer Chemotherapie zu vermitteln: "Ich habe versucht, ihr klar zu machen, dass eine Chemo zwar Gift ist, der Krebs aber auch. Da will ich beim nächsten Gespräch ansetzen." Maximal 15 bis 30 Minuten dauert ein solches Gespräch. Dann werden weitere vereinbart.

Niemand überbringt gern schlechte Nachrichten, weiß Christine Klapp. "Dennoch muss ich meine Gefühle im Griff haben. Das heißt nicht, dass ich keine Gefühle zeigen darf. Ganz im Gegenteil. Sie dürfen mich nur nicht überrollen, denn dann kann ich meinem Gegenüber keinen Halt mehr geben. Und genau den braucht er ja", so die Charité-Oberärztin. Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient in kritischen Situationen - so zeigen Untersuchungen - hat einen großen Einfluss auf Lebensqualität und Gesundheit des Patienten. Experten nennen das "sprechende Medizin".

Zwei Tage dauert der Breaking-Bad-News-Kurs an der Berliner Ärztekammer. Danach können die Mediziner ihre neuen Erfahrungen im Klinikalltag einsetzen - mit echten Patienten. Parwin Mani hat vor allem gelernt, dass sie das Gefühl der Belastung akzeptieren muss: "Ich weiß, ich reiße jetzt gerade das Weltbild meines Patienten nieder. Aber ich muss es aushalten können."

Etwa 150.000 Patientengespräche führen Ärzte in ihrem Berufsleben. Onkologen werden fast täglich mit Tod und Leid konfrontiert, aber auch Polizisten oder Feuerwehrleute müssen bei Unfällen und Katastrophen den Angehörigen erklären, dass sie gerade einen wichtigen Menschen verloren haben.

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
klein-ida 19.04.2012
Zitat von sysopMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen. Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,827909,00.html)
Dieser Kurs ist wirklich eine gute Idee. Nachdem sich in unserer Familie die Brustkrebserkrankungen gehäuft hatten, beschloss ich, mich von einer Genetikerin und einem Frauenarzt beraten zu lassen. Dabei ging es darum, ob es sinnvoll wäre, mich auf einen entsprechenden genetischen Defekt testen zu lassen. Natürlich hatte ich mich vorher darüber informiert und wollte eigentlich nur triftige Gründe hören, wieso so ein Test keine gute Idee ist. Der Gynäkologe hatte meine Akte noch nicht vorliegen und kam gerade aus dem OP. Als ich meinte, so ein Test wäre in meinen Augen nicht sinnvoll, weil ich bei einem positiven Befund trotzdem keine Chance auf Prävention hätte, schaute er mich an und sagte: "Doch - so können sich die Brüste präventiv amputieren lassen. Oder Sie lassen sich nur eine Brust abnehmen, dann minimieren Sie das Risiko um 50 Prozent". Erstens war mir das bekannt, zweitens wird das in Deutschland im Grunde fast nie gemacht und drittens möchte man so was - auch wenn es medizinisch korrekt ist - mit nicht einmal 30 Jahren nicht hören. Bevor ich mich entschieden hatte, das Gespräch abzubrechen, hat er aber zumindest seine Taktlosigkeit bemerkt. Das Gespräch verlief dann noch ganz gut. Aber trotzdem ist und belibt dieser Arzt für mich das beste Beispiel dafür, dass solche Kurse dringend nötig sind.
2. .
frubi 19.04.2012
Zitat von sysopMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen. Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,827909,00.html)
Mir wurde, nachdem mir mit 16 im Krankenhaus gesagt wurde, dass ich Krebs hätte (was sich nach 3 Monaten als falsch herausgestellt hat - Ärztefehler bei der Diagnose - 3 Chemo-Phasen waren für die Katz), eine Psychologin und eine Nonne auf das Zimmer geschickt. Beide habe ich, zur Nonne war ich etwas netter als zur Psychotante, nach kurzer Zeit aus dem Raum gebeten. Man hat mir einfach nicht geglaubt, dass ich mit diesem ganzen Zirkus keine Probleme hatte. Viele Ärzte trauen sich einfach nicht, den Patienten ernst zu nehmen und dementsprechend klartext zu reden. Und die Patienten, die ihr eigenes Schicksal gerne mal an die große Glocke hängen, sollten sich auch mal fragen, ob es ihnen wirklich so schlecht geht. Mit 16 kam ich damals noch auf die Kinderstation der Onkologie und dort habe ich Kleinkinder gesehen, die tapferer waren als manch ein älterer Jugendlicher. Diese Eindrücke haben mich geprägt.
3. IQ geht auch ohne EQ
Else Schnibbel-Paula 19.04.2012
Zitat von sysopbringt erst so ab IQ 115 Minimum etwas, darunter (rein emotionale Intelliugenz) bringt es nur Stress. Gefühle sollte der Arzt sich nicht geben, er würde darunter leiden - "Gesundheitsprofis", ich kenne das aus -zig Kliniken, müssen imstande sein, das Geschrei und Geflenne aus dem Nachbarraum auch mal eine halbe Stunde zu ignorieren und in Seelenruhe ihren Kaffe oder Tee zu schluerfen. Und das sind sie ja auch. Mich persönlich macht nur das untröstliche Gejaule von jungen Kätzchen total mürbe ;)
Kann man nur hoffen, dass man im Falle einer ernsten Erkrankung NICHT an den Verfasser dieses Kommentars gerät, von dem anzunehmen ist , dass er ein (dem Klischee entsprechender) Halbgott in weiß ist. Völlig erhaben über "Geflenne und Geschrei" trinkt er in Seelenruhe seinen Kaffee. Sei ihm gegönnt, denn natürlich muss man als Profi in der Lage sein, das Patientenschicksal nicht zum Eigenen zu machen. Anscheinend fehlt ihm aber die emotionale Intelligenz um den Unterschied zwischen Empathie und MitLEID zu kennen. Und die Fach- und Methodenkompetenz um zu wissen, dass es durchaus möglich ist "sich Gefühle zu geben", dem Patienten mit der nötigen menschlichen Wärme zu begegnen und dennoch sich abzugrenzen um selber NICHT daran kaputt zu gehen.
4.
LeToubib 19.04.2012
"Im Studium lernt man das ja nicht!" Ich kann diesen daemlichen Satz nicht mehr hoeren: Was machten die frischgebackenen Aeskulapjuenger eigentlich in ihrem Praktischen Jahr? Kaffeetrinken mit den kranken Schwestern oder im OP "die Haken und das Maul halten", wie es zu meiner Zeit der Leitende Oberarzt des Departements Allgemeinchirurgie so "schoen" meinte?
5. Intuitiv....
juergw. 19.04.2012
Zitat von sysopMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen. Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,827909,00.html)
merkt es doch ein jeder wenn es zu Ende geht.Wer will schon die Wahrheit hören.Opa aufgeschnitten-alles voller Metastasen-wieder alles zugemacht und Opa versichert das alles Gut wird.Nach drei Monaten verstorben.In einem anderem Fall einfach umgefallen und Tot-Herzstillstand-vielleicht noch die gnädigste Art abzutreten. Darumm bei Zeiten das Leben geniessen-staune in den Todesanzeigen wie viele schon nach meinem Jahrgang wesendlich jünger ,schon dahin gehen müssen.
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