Von Anja Tiedge
"Ich klettere in riesige Schnellkochtöpfe und messe dort Temperaturen", sagt Jens Schütt, wenn er einem Laien erläutert, was er beruflich macht. Das ist etwas vereinfacht, denn zum Zeitpunkt der Messung ist er den Töpfen längst entstiegen, in denen es dann bis zu 135 Grad heiß ist. Sein offizieller Titel wirft allerdings bei vielen Fachfremden Fragen auf: Schütt ist Sachverständiger für die thermische Haltbarmachung von Nasskonserven.
Der studierte Lebensmitteltechnologe prüft, ob Konserven ausreichend erhitzt werden, damit sich in ihnen keine Keime vermehren können. Hersteller von Fertiggerichten, Dosenfisch oder eingemachten Pfirsichen heuern den selbstständigen Unternehmer an, um ihre Fertigungsprozesse zu kontrollieren. Der rückt den Konserven mit hochpräzisen Thermometern, sogenannten Temperaturdatenloggern, zu Leibe. 40.000 Euro hat Schütt in die sensiblen Messgeräte investiert, mit denen er den jeweils kältesten und wärmsten Punkt im Riesenkochtopf, dem sogenannten Autoklav, ermittelt. "Bleiben die Dosen zu kalt, werden Mikroorganismen nicht vollständig abgetötet. Werden sie zu heiß, leidet der Inhalt."
Schütt ist nicht der einzige Konservenexperte in Deutschland. Aber der einzige mit Ritterschlag, wie er sagt. Bundesweit gibt es keinen anderen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Nasskonserven. Die Lizenz zum Gelddrucken sei das aber nicht. "Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften zur Konservierung von Lebensmitteln", so der Unternehmer. Hersteller engagieren ihn auf freiwilliger Basis. "Nach der Messung kann ich Produzenten zwar sagen, wenn etwas nicht stimmt. Ob sie dann tatsächlich etwas ändern, liegt aber an ihnen." Es gebe seltene Fälle, in denen Kunden sich unbelehrbar zeigen, so der 42-Jährige Familienvater. "Um deren Produkte mache ich im Supermarkt einen großen Bogen."

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