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Der Lichtdesigner Herr über Knöpfe und Regler

Lichtdesigner am Theater: Licht aus, Spot an Fotos
Fritz Habekuß

Was im Film die Kamera besorgt, schafft im Theater das Licht. Es lenkt die Aufmerksamkeit der Zuschauer, öffnet Räume, schafft Stimmungen. Der Bochumer Lichtdesigner Bernd Felder spielt auf der Tastatur seines Pultes wie andere auf einem Klavier.

Im Gewirr aus Abkürzungen, Knöpfen, Reglern, Einstellungen und Leuchtfeldern ist Bernd Felder zu Hause. Der Lichtdesigner des Schauspielhauses Bochum sitzt mit einem Kollegen vor dem monströsen Pult mitten im Zuschauerraum und probt. Ein einfacher Klick, schon rotieren die acht "moving lights" über den Köpfen der Zuschauer mit einem leisen Sirren um ihre eigene Achse und tauchen die Bühne in ein gleichmäßiges, warmes Licht. Ein Klick und ein paar Drehungen später ist der Scheinwerfer hart auf den Thron von Shakespeares "König Richard der Dritte" fokussiert.

Bernd Felder ist der Mann, der das Geschehen auf der Bühne mit dem richtigen Licht unterstützt. Macht er seine Arbeit gut, dann geht das Licht mit dem Geschehen auf der Bühne Hand in Hand und unterstreicht, was die Szene sagen soll. "Ich biete dem Regisseur ein Licht an und erfülle seine Wünsche", sagt Felder.

Er sagt von sich, dass er am liebsten aus dem Bauch heraus arbeite. Das geht aber nur, weil Felder seine Technik im Schlaf beherrscht und genau weiß, wie er bestimmte Stimmungen erzeugt: Wo stehen die Scheinwerfer, welche Farbfolien habe ich zur Auswahl, ist der Winkel günstig? "Technik ist das A und O", stellt Felder klar, der über viele Umwege zu seinem heutigen Beruf gekommen ist.

Hoch über der Bühne

Seine ersten Erfahrungen am Theater machte der gebürtige Bochumer in der Kantine des Schauspielhauses. Er musste mehrere Stunden warten, bis irgendwann ein Bühnenmeister für ihn Verwendung fand und er eine Stunde aufräumen konnte. Das war 1979. Seitdem hat er mal hier und mal dort ausgeholfen, war Pförtner und irgendwie irgendwann alles.

Dann kam er in die Beleuchtungsabteilung. Heute, mehr als 30 Jahre nach den ersten Wartestunden in der Kantine, ist Felder einer von zwei Leitern der Abteilung "Beleuchtung und Video" und noch immer begeistert von seiner Arbeit, das wird bei einem Rundgang deutlich.

Der Lichtdesigner kennt die spektakulärsten Ecken des riesigen Hauses: Über eine steile Treppe gelangt er in den Raum mit dem Verfolger-Scheinwerfer, einem der wenigen, die auch während der Vorstellung noch manuell bedient werden. Die Bühne erscheint von hier oben ziemlich klein. Eine staubige Stiege ein paar Meter weiter wähnt man sich auf einmal in einer anderen Welt, würde Feldner nicht mit einem Lächeln vorneweg stapfen.

Über schmale Holzplanken, die über die Decke des Zuschauerraums führen, gelangt man zur nächsten Scheinwerfer-Armada, diesmal direkt über der Bühne. "Das ist nicht schlecht, oder?", fragt er mit einem Lächeln, geht weiter und setzt noch einen drauf: 27 Meter über der Bühne, auf dem Schnürboden, ist alles voller Seilzüge, dicke Taue sind gespannt. Ein guter Platz, um über die Illusionsmaschine Theater nachzudenken.

Doch dafür ist gerade keine Zeit, Bernd Felder muss wieder nach unten, die Probe geht weiter. Bis zur Premiere wird sein Konzept stehen. Während ein Kollege von ihm die Vorstellung "fährt" und nacheinander die Lichteinstellungen abspielt, sitzt Felder - mehr oder minder entspannt - im Zuschauerraum. Seine Arbeit ist getan, das Stück geht nun auf die Reise. Natürlich im richtigen Licht.

Was im Film die Kamera besorgt, schafft im Theater das Licht. Es lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, öffnet Räume und schafft Stimmungen. Aus hunderttausenden Watt ein Lichtkonzept zu entwickeln, ist die Aufgabe von Lichtdesigner Bernd Felder. Auf der Tastatur seines Lichtpultes spielt er wie andere auf einem Klavier.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Fritz Habekuß (Jahrgang 1990) studiert Wissenschaftsjournalismus, Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und arbeitet als freier Journalist.

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insgesamt 1 Beitrag
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1. Glückwunsch
theater-mensch 17.11.2012
Sehr geehrter Herr Habekuss, Ihre Serie ist eine große Freude. Bitte nicht aufhören!
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