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Die Souffleuse Der Anker in Reihe eins

Souffleurin: Flüstern ist ihr Job Fotos
Fritz Habekuß

Ist das jetzt eine Kunstpause oder ein Texthänger? Jutta Schneider kann's unterscheiden. Die Souffleuse am Bochumer Theater weiß genau, wann sie Schauspielern helfen muss und wann sie besser still ist. Am meisten Arbeit hat sie aber lange vor der Premiere.

Ihre 27 Jahre als Souffleuse am Bochumer Schauspielhaus reichen Jutta Schneider noch nicht mal bis zur Hüfte. Ein Stapel mit allen Stücken, die sie je betreut hat, liegt in ihrem grauen Metallspind. Von ganz oben greift sie sich jetzt den Text zu Shakespeares "König Richard der Dritte" und geht auf die Probe.

Ihr Platz ist in der ersten Reihe, auf Stuhl Nummer 52. Während der Vorstellungen wird Jutta Schneider ein fester Anker für die Schauspieler sein, das Netz, das sie auffängt, bevor sie ins Fallen geraten - auch wenn das in den Vorstellungen nur recht selten vorkommt. "Während der Vorstellungen habe ich eher wenig zu tun. Da bin ich vor allem eine psychologische Stütze", sagt Schneider.

Einmal in zehn Vorstellungen, schätzt sie, muss sie eingreifen und mit dem Text helfen. Trotzdem muss sie während jeder Minute wach sein: Improvisiert der Schauspieler gerade nur ein wenig oder hat er den Faden verloren? Ist das eine Kunstpause oder eine Gedächtnislücke? In solchen Momenten steige ihr Adrenalinspiegel ziemlich stark, erzählt sie.

"Ich mag die Spannung, wenn es brenzlig wird"

Am meisten zu tun hat Jutta Schneider während der Proben. Jeder Schauspieler arbeitet anders. Manche kommen mit perfekt gelerntem Text, andere weigern sich, auch nur ein Wort zu lernen, bevor sie die Szene kennen. Jutta Schneider, 57, ruft während der Proben von Shakespeares "König Richard der Dritte" ständig auf die Bühne, gibt Einsätze und korrigiert: "Ich mag diese Spannung, wenn es brenzlig wird und ich ständig etwas reingeben muss."

Dem Richard-Hauptdarsteller Paul Herwig hilft sie dabei, den Text zu lernen. Wenn gerade einmal ein paar Minuten Ruhe sind und Regisseur Roger Vontobel zum Beispiel hinter den Kulissen am Video feilt, kommt er hinunter und setzt sich neben Jutta Schneider. Während Herwig leise seinen Text murmelt, unterbricht ihn die Souffleuse. "Da bin ich gnadenlos und korrigiere jeden Kleinigkeit", sagt sie.

Zu ihrem Beruf kam Jutta Schneider eher durch Zufall. Erst studierte sie auf Lehramt, brach ab und tingelte dann durch die Welt. Irgendwann kam ihre Mutter mit einem Zeitungs-Text: "Flüstern ist mein Beruf". Das wäre doch was! Sie versuchte ihr Glück, las eine Probe - und ist seitdem aus der ersten Reihe nicht mehr wegzudenken.

Eine gute halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn kommt Jutta Schneider ins Theater, raucht eine oder zwei selbstgedrehte Zigaretten und legt ihre Jacke in den Spind. Von dort nimmt sie ihr Textbuch, eine kleine Leselampe und geht in den Zuschauerraum. Dann überschlägt sie die Beine und wartet auf den Beginn des Stücks. Wenn das Licht im Saal herunter gedimmt wird, knipst Jutta Schneider ihr Lämpchen an.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Fritz Habekuß (Jahrgang 1990) studiert Wissenschaftsjournalismus, Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und arbeitet als freier Journalist.

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
testthewest 24.11.2012
Zitat von sysopIst das jetzt eine Kunstpause oder ein Texthänger? Jutta Schneider kann's unterscheiden. Die Souffleuse am Bochumer Theater weiß genau, wann sie Schauspielern helfen muss und wann sie besser still ist. Am meisten Arbeit hat sie aber lange vor der Premiere. So arbeitet ein Souffleur am Bochumer Theater - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/so-arbeitet-ein-souffleur-am-bochumer-theater-a-863184.html)
Hm, der Autor muss sich die Kritik gefallen lassen, dass der Inhalt des Textes sehr mau ist. Man erfährt nur, dass die Frau in Reihe 1 sitzt, manchmal nervös ist und den Job bekommen hat, weil ihre Mutter eine Anzeige in der Zeitung gelesen hat. Des weiteren scheint seine "Bio" doch etwas komisch: "KarriereSPIEGEL-Autor Fritz Habekuß (Jahrgang 1990) studiert Wissenschaftsjournalismus, Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und arbeitet als freier Journalist." D.h. er studiert mit 22 3 Studiengänge gleichzeitig und zwar auch Medizin! Kaum zu glauben, dass er das wirklich gleichzeitig macht und dann noch Zeit für den freien Journalisten hat, es sei denn er schreibt so Texte in 15min, sendete sie SPON und mehr Zeit braucht dieser Job nicht. Also ich fänds sinnvoll, all die Studiengänge denen er momentan nicht mehr folgt mit der Vergangenheitsform zu betexten - und wenn mir der Seitenhieb erlaubt ist, seine Tätigkeit als freier Journalist ist hoffentlich auch bald Vergangenheit.
2. Super!
nouse 24.11.2012
Toller Job mit viel Verantwortung. Artikel ist toll geschrieben und wirkt sehr authentisch.
3. Nur angekratzt
cvosshl 24.11.2012
Als Theatermensch habe ich mich sehr auf diese Reihe gefreut. Ziemlich enttäuschend finde ich das Ergebnis, es wirkt schlecht gearbeitet und die wirklich wichtigen Themen im Theaterbereich wie die Ungerechtigkeiten beim Verdienst, oder wechselnden Arbeitgeber werden nicht besprochen. Schade und handwerklich wirklich schwach!
4.
kolya33 24.11.2012
@testthewest: Muss das sein, einen jungen Autor, der sich offensichtlich viel vorgenommen hat, derartig hinterrücks anzugreifen? Und zwar ausschließlich aufgrund Ihrer eigenen Unterstellungen. Geht's noch? @sysop: Wann kommt endlich die Möglichkeit, Kommentare zu bewerten und bei entsprechend schlechtem Ranking von der Bildfläche verschwinden zu lassen? Das geht doch bei Anderen auch, die mit denselben selbstgerechten Schreibtischtätern zu tun haben.
5.
EvaCC 24.11.2012
Woher weiß Jutta Schneider denn, ob gerade eine Kunstpause oder ein Texthänger passiert? Diese Info hätte mich nach dem Vorspann am meisten interessiert! Schade, dass der Text sie schuldig bleibt. Sonst ein interessantes Thema, man hätte gerne noch mehr von der Souffleuse erfahren.
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