Der Familiennachwuchs ist da, und zwar ein Töchterchen - wenn der Chef diese gute Nachricht im Büro verkündet, könnte für weibliche Angestellte eine Gehaltserhöhung nahen. Wissenschaftler aus Dänemark und den USA sind auf verblüffende Veränderungen gestoßen: Die Bezahlung von Frauen in dänischen Unternehmen mit zehn bis fünfzig Mitarbeitern steigt um durchschnittlich 3,2 Prozent, nachdem der Chef zum ersten Mal Vater einer Tochter geworden ist.
So deutlich gilt das aber nur bei erstgeborenen kleinen Däninnen. Hatte der Boss zuvor bereits eine Tochter zu Hause, bekommen die Mitarbeiterinnen bei der Geburt eines weiteren Mädchens nur noch ein Prozent mehr Gehalt. War der Chef schon Vater eines Sohnes, gibt es im Schnitt immerhin 1,4 Prozent mehr Geld für die Frauen. Dabei gilt: Je wichtiger ihre Stellung im Unternehmen, desto höher das Gehaltsplus. Bei Chefinnen konnten die Forscher keinen Zusammenhang zwischen der Geburt einer Tochter und den Gehältern der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entdecken.
Als Grund vermuten die Wissenschaftler ein gestiegenes Einfühlungsvermögen der frischgebackenen Väter: Sie erkennen in Mitarbeiterinnen in gehobenen Positionen ihre Tochter, beziehungsweise die Rolle, die sie später einmal haben könnte.
Dänemark, Paradies für Datensammler
Einen Haken hat die Studie: Was passiert, wenn Jungs geboren werden, haben die Forscher nicht untersucht. Sie sind allein der Frage nachgegangen, wie sich die Geburt einer Tochter des Chefs auf die Gehälter von männlichen und weiblichen Angestellten auswirkt.
Die Gehälterstudie ist ein gemeinsames Projekt eines Forschertrios: Michael S. Dahl von der Universität im dänischen Aalborg, Christian L. Dezsö von der University of Maryland und David Gaddis Ross von der Columbia Business School in New York. Sie haben die Daten von fast 16.000 Firmenchefs und mehr als 734.000 Angestellten analysiert.
Die Untersuchung basiert auf personenbezogenen Mikrodaten aus der dänischen Datenbank für Arbeitsmarktforschung, kurz IDA. Sie gibt nicht nur Auskunft über Einkommen, Ausbildung und Beruf, sondern auch über Anzahl und Alter der Kinder, Berufserfahrung, Gesundheitszustand oder Medikamenteneinnahme.
Da in Dänemark jeder Einwohner über 18 Jahre eine eigene Identifikationsnummer hat, können verschiedene Statistiken problemlos zusammengeführt werden. Die IDA-Daten stammen in erster Linie aus Lohn- und Einkommensteuererklärungen, aber auch aus anderen Statistiken etwa über Intelligenzquotienten, die bei Musterungen ermittelt wurden. Zugang zu den dänischen Daten haben nur Wissenschaftler und Mitarbeiter staatlicher Institutionen, zum Beispiel des Wirtschaftsministeriums. Sie müssen genau begründen, wozu sie welche Angaben verwenden wollen.
vet
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