03. Februar 2013, 07:08 Uhr

Job im Freien

Spielplatztester decken Fallen auf

Klettergerüst statt Karriereleiter: Spielplatztester Mario Ladu nimmt Rutschen, Schaukeln, Karussells und Wippen unter die Lupe und entdecken manchen morschen Pfahl. Bei 16.000 Spielunfällen pro Jahr ein verantwortungsvoller Job - mit den Füßen im Sand.

Mario Ladu klettert in seinem Job ganz nach oben - auf dem Klettergerüst. Er steckt kinderkopfgroße Prüfkörper in Seilschlingen und buddelt die Fundamente von Schaukeln frei. Ladu ist Spielplatztester und Geschäftsführer der Firma Spielplatzmobil, die sich um die Kontrolle der Sicherheit auf Spielplätzen kümmert.

"Rund 11.000 Spielplätze von Mittenwald bis Flensburg haben wir 2012 geprüft", sagt Ladu. "Ich denke, wir haben TÜV und Dekra schon lange überholt." Insgesamt gibt es in seiner besonderen Branche rund 80 Firmen in Deutschland.

Ladu ist auf einem Spielplatz in Ingelheim bei Mainz, wo auch sein Unternehmen sitzt. Er steckt einen knallroten Prüfkörper aus Holz durch die Maschen eines Klettergerüstes. Diese Prüfkörper sind genormte Formen, die für bestimmte Körperteile eines Kindes stehen, ein Set kostet im Fachhandel rund 400 Euro. Hier passt's. "Wäre es zu eng, könnten Kinder sich strangulieren", erklärt der gelernte Maschinenbauschlosser. Von den Betreibern der Spielplätze wird der vereidigte Sachverständige öffentlich bestellt.

Tragischer Unfall

In Deutschland toben Kinder auf etwa 800.000 Spielplätzen. "Jedes Jahr werden bundesweit rund 16.000 Spielplatz-Unfälle gemeldet", sagt Ladu. 2002 gab es sogar einen Todesfall: Der vierjähriger Timo stirbt, als er einen morschen Mast erklimmt, der umstürzt und ihn unter sich begräbt. "Der Unfall in Obertshausen hat die Spielplatz-Szene sensibilisiert", sagt Ralf Mandernach, Wiesbadener Filialleiter des kommunalen Haftpflichtversicherers GVV. "Die Gerätehersteller haben reagiert."

Doch immer noch kommt es zu Verletzungen. Ein kleinerer Schmerz bei einem Fehltritt ist laut Ladu noch eine wichtige Lernhilfe für ein Kind. "Damit entwickelt es früh sein Selbstschutzverhalten", sagt Ladu. "Was anderes sind die verdeckten Schäden. Das sind Fallen", erklärt er und gräbt an einem Pfeiler des Klettergerüstes. Alles in Ordnung. "Oft sehen Holzpfähle wegen ihrer Imprägnierung tipptopp aus, sind aber innen morsch."

Auch "Hals- und Fingerfangstellen" bei Geländern, lose Seile mit Strangulationsgefahr, zu weit vorgeschobene Brüstungen, zu steile Rutschen, zu lange Fallhöhen, Sturzgefahr auf hervorstehende Balken, rostige Schaukelketten und zu geringe Geräteabstände registriert Ladu immer wieder.

"Kinder spielen oft anders, als die Gerätehersteller sich das vorstellen. Sie klettern zum Beispiel höher als erwartet oder schaukeln gegeneinander", erläutert Ladu. "Das Gesetz sagt aber, dass die Hersteller mit Fehlanwendungen rechnen müssen." Manche berücksichtigten auch die Körpermaße von Kindern nicht genügend.

"Meiste Zeit auf der Autobahn"

Ladu und seine sechs angestellten Spielplatztester brauchen jeweils meist eine knappe halbe Stunde, um eine Anlage unter die Lupe zu nehmen. In weiteren fünf Minuten entsteht am Laptop mit Textbausteinen der Prüfbericht. Auf seine Analyse können die Betreiber von Spielplätzen dann reagieren und Gefahren entschärfen. "Am Tag schaffe ich rund zehn Spielplätze, 75 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich aber auf der Autobahn", sagt der Prüfer.

750 Euro bekommt er dafür am Tag. 580.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn vor Steuern habe seine Firma 2012 verbucht. "Unsere Auftragsbücher sind voll", sagt er. Zu seinem Angebot zählen auch 10 bis 20 Seminare im Jahr, in denen er Vertreter von Städten, Wohnungsbaugesellschaften und Kitas den kritischen Blick auf die Schaukel beibringt. Hinzu kommt die Beratung schon während der Planung eines Spielplatzes. GVV-Mann Mandernach sagt: "Da ist die Verkehrssicherungspflicht für eine Kommune wichtiger als die Ausbesserung jedes Schlaglochs einer Nebenstraße."

Jens Albes/dpa/mia


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