• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Job im Freien Spielplatztester decken Fallen auf

Spielplatztester bei der Arbeit: Rutschen auf dem Prüfstand Fotos
DPA

Klettergerüst statt Karriereleiter: Spielplatztester Mario Ladu nimmt Rutschen, Schaukeln, Karussells und Wippen unter die Lupe und entdecken manchen morschen Pfahl. Bei 16.000 Spielunfällen pro Jahr ein verantwortungsvoller Job - mit den Füßen im Sand.

Mario Ladu klettert in seinem Job ganz nach oben - auf dem Klettergerüst. Er steckt kinderkopfgroße Prüfkörper in Seilschlingen und buddelt die Fundamente von Schaukeln frei. Ladu ist Spielplatztester und Geschäftsführer der Firma Spielplatzmobil, die sich um die Kontrolle der Sicherheit auf Spielplätzen kümmert.

"Rund 11.000 Spielplätze von Mittenwald bis Flensburg haben wir 2012 geprüft", sagt Ladu. "Ich denke, wir haben TÜV und Dekra schon lange überholt." Insgesamt gibt es in seiner besonderen Branche rund 80 Firmen in Deutschland.

Ladu ist auf einem Spielplatz in Ingelheim bei Mainz, wo auch sein Unternehmen sitzt. Er steckt einen knallroten Prüfkörper aus Holz durch die Maschen eines Klettergerüstes. Diese Prüfkörper sind genormte Formen, die für bestimmte Körperteile eines Kindes stehen, ein Set kostet im Fachhandel rund 400 Euro. Hier passt's. "Wäre es zu eng, könnten Kinder sich strangulieren", erklärt der gelernte Maschinenbauschlosser. Von den Betreibern der Spielplätze wird der vereidigte Sachverständige öffentlich bestellt.

Tragischer Unfall

In Deutschland toben Kinder auf etwa 800.000 Spielplätzen. "Jedes Jahr werden bundesweit rund 16.000 Spielplatz-Unfälle gemeldet", sagt Ladu. 2002 gab es sogar einen Todesfall: Der vierjähriger Timo stirbt, als er einen morschen Mast erklimmt, der umstürzt und ihn unter sich begräbt. "Der Unfall in Obertshausen hat die Spielplatz-Szene sensibilisiert", sagt Ralf Mandernach, Wiesbadener Filialleiter des kommunalen Haftpflichtversicherers GVV. "Die Gerätehersteller haben reagiert."

Doch immer noch kommt es zu Verletzungen. Ein kleinerer Schmerz bei einem Fehltritt ist laut Ladu noch eine wichtige Lernhilfe für ein Kind. "Damit entwickelt es früh sein Selbstschutzverhalten", sagt Ladu. "Was anderes sind die verdeckten Schäden. Das sind Fallen", erklärt er und gräbt an einem Pfeiler des Klettergerüstes. Alles in Ordnung. "Oft sehen Holzpfähle wegen ihrer Imprägnierung tipptopp aus, sind aber innen morsch."

Auch "Hals- und Fingerfangstellen" bei Geländern, lose Seile mit Strangulationsgefahr, zu weit vorgeschobene Brüstungen, zu steile Rutschen, zu lange Fallhöhen, Sturzgefahr auf hervorstehende Balken, rostige Schaukelketten und zu geringe Geräteabstände registriert Ladu immer wieder.

Fotostrecke

75  Bilder
Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht
"Kinder spielen oft anders, als die Gerätehersteller sich das vorstellen. Sie klettern zum Beispiel höher als erwartet oder schaukeln gegeneinander", erläutert Ladu. "Das Gesetz sagt aber, dass die Hersteller mit Fehlanwendungen rechnen müssen." Manche berücksichtigten auch die Körpermaße von Kindern nicht genügend.

"Meiste Zeit auf der Autobahn"

Ladu und seine sechs angestellten Spielplatztester brauchen jeweils meist eine knappe halbe Stunde, um eine Anlage unter die Lupe zu nehmen. In weiteren fünf Minuten entsteht am Laptop mit Textbausteinen der Prüfbericht. Auf seine Analyse können die Betreiber von Spielplätzen dann reagieren und Gefahren entschärfen. "Am Tag schaffe ich rund zehn Spielplätze, 75 Prozent meiner Arbeitszeit verbringe ich aber auf der Autobahn", sagt der Prüfer.

750 Euro bekommt er dafür am Tag. 580.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn vor Steuern habe seine Firma 2012 verbucht. "Unsere Auftragsbücher sind voll", sagt er. Zu seinem Angebot zählen auch 10 bis 20 Seminare im Jahr, in denen er Vertreter von Städten, Wohnungsbaugesellschaften und Kitas den kritischen Blick auf die Schaukel beibringt. Hinzu kommt die Beratung schon während der Planung eines Spielplatzes. GVV-Mann Mandernach sagt: "Da ist die Verkehrssicherungspflicht für eine Kommune wichtiger als die Ausbesserung jedes Schlaglochs einer Nebenstraße."

Jens Albes/dpa/mia

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte nicht übertreiben
Dan13 03.02.2013
bei uns in der nähe hat eine Bürgermeisterin den bau eines Spielplatz verboten. Da sich dieser auf dem Gemeindegrund befände, fürchtet sie im Falle eines Unfalls man könnte die Gemeinde haftbar machen
2. optional
mocalypse 03.02.2013
Bei mir um die Ecke wurde vor Jahren der Sand unter der Schaukel durch Kies ausgetauscht... Was ist daran bitte sicherer?
3. morscher Job
hashemliveloirah 03.02.2013
Zitat von sysopDPAKlettergerüst statt Karriereleiter: Spielplatztester Mario Ladu nimmt Rutschen, Schaukeln, Karussells und Wippen unter die Lupe und entdecken manchen morschen Pfahl. Bei 16.000 Spielunfällen pro Jahr ein verantwortungsvoller Job - mit den Füßen im Sand. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/spielplatztester-pruefen-schaukeln-rutschen-und-gerueste-a-880919.html
Unsere Spielplätze bestanden fast ausschließlich aus "Fallen" mit "morschen Pfählen", "gefährlichen" Stiegen und wackeligen Schaukeln, sumpfigen Wiesen, dunklen Wäldern und metertiefen Bächen - eigentlich dürfte keiner meiner Kindergarten- und Schulkameraden noch am Leben sein. Warum sind wir's doch? Weil nicht jeder F*** einen gutbezahlten "Fachmann" erforderte und ein rostiger Nagel schon mal von der Mama aus dem Fuß gezogen wurde. - Heute kommt das Kindchen mit dem Rettunswagen auf die Intensivstation, - die Kindergärtnerin wird abgemahnt, die Gemeinde wird von den Eltern verklagt, die Gemeinde verklagt den Gerätehersteller ....und ein "Fachmann" (siehe hier) wird für die Gerichtsverhandlung ein Gutachten schreiben.... Mann, hatten wir's gut!
4. ja man fragt sich wie
Dan13 03.02.2013
Zitat von hashemliveloirahUnsere Spielplätze bestanden fast ausschließlich aus "Fallen" mit "morschen Pfählen", "gefährlichen" Stiegen und wackeligen Schaukeln, sumpfigen Wiesen, dunklen Wäldern und metertiefen Bächen - eigentlich dürfte keiner meiner Kindergarten- und Schulkameraden noch am Leben sein. Warum sind wir's doch? Weil nicht jeder F*** einen gutbezahlten "Fachmann" erforderte und ein rostiger Nagel schon mal von der Mama aus dem Fuß gezogen wurde. - Heute kommt das Kindchen mit dem Rettunswagen auf die Intensivstation, - die Kindergärtnerin wird abgemahnt, die Gemeinde wird von den Eltern verklagt, die Gemeinde verklagt den Gerätehersteller ....und ein "Fachmann" (siehe hier) wird für die Gerichtsverhandlung ein Gutachten schreiben.... Mann, hatten wir's gut!
wir das alle überlebt haben. Oder warten Sie liegt es etwa daran das man nun immer einer Schuld haben muss. Es kann einfach nicht mehr angehen das etwas einfach mal passiert ist. Nein ein Schuldiger muss her, koste es was es will.
5. Hä? Spielplatz?
kantundco 03.02.2013
Wir sind früher immer auf die Baustelle in der Nachbarschaft gegangen. "Eltern haften für ihre Kinder" habe ich in dem Zusammenhang immer so verstanden, dass meine Mutter in den Knast muss, wenn sie mich auf der Baustelle erwischen. Ich halte Spielplätze insgesamt für die größte Verarschung. Gebt Kindern ein Verwildertes Grundstück, ein paar Bretter und Nägel und dann ab dafür.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Kuriose Berufe - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Brückeningenieur: Freischwebend mit Hammer
Verwandte Themen

Fotostrecke
Tester im Geheimlabor: Nimm das, Staubsauger

Fotostrecke
Achterbahntester: Ingenieur im Adrenalin-Rausch


Social Networks