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01. April 2012, 08:47 Uhr

Von Beruf Bargeldspürhund

8000 Euro im Überraschungsei

Geld stinkt. Zumindest für Dina. Die Schäferhündin schnüffelt am Frankfurter Flughafen im Auftrag des Zolls nach Bargeld. 42 Millionen Euro werden jedes Jahr geschmuggelt - in Schokoriegeln, Brötchen oder Ketchupflaschen. Doch Dina lässt sich auch von leckeren Gerüchen nicht ablenken.

Wenn sich Dina auf den Hintern setzt, geht für ihr Herrchen die Arbeit los. Dann öffnet Heiko Kraft Koffer und Kisten, durchsucht Jackentaschen und Rucksäcke und findet manchmal: einen Schinken.

Ein Fehlalarm? Kann nahezu ausgeschlossen werden. Denn Dina ist ein echter Profi. Seit zwei Jahren schnüffelt die Schäferhündin am Frankfurter Flughafen im Auftrag des Zolls nach Bargeld, manchmal unterstützt sie auch die Polizei nach Einbrüchen oder Banküberfällen. 361.000 Euro hat sie bisher bei Schmugglern gefunden. Auch im Schinken war Geld drin, eingeklappt wie in einem Cordon Bleu.

42 Millionen Euro geschmuggelt

"Dina ist bislang unserer einziger Bargeldspürhund. Aber wir bilden bis zum Ende des Jahres noch zwei weitere aus", sagt Zoll-Hundeführer Kraft. Er patrouilliert mit Dina meistens in der Ankunfthalle, denn dann sind die Passagiere schon am Zoll vorbei: "Wenn wir sie jetzt mit mehr als 10.000 Euro erwischen, können sie nichts mehr abstreiten."

Reisende müssen Bargeld ab 10.000 Euro dem Zoll melden. Im Jahr 2011 wurde am Frankfurter Flughafen mindestens 1700 Mal gegen die Vorschrift verstoßen, 42 Millionen Euro wurden nicht angemeldet, so der Zoll. Die erwischten Schmuggler mussten Bußgelder in Höhe von sieben Millionen Euro zahlen.

Spannend seien vor allem Flüge von und nach Asien, Afrika und dem Nahen Osten, "da wird mittlerweile am meisten geschmuggelt"", sagt Kraft. Die Schmuggler seien bei der Wahl ihrer Verstecke sehr kreativ: "Früher haben Schmuggler das Geld am Körper getragen, aber mittlerweile hat sich der Einsatz von Bargeldspürhunden herumgesprochen." Deswegen versteckten Schmuggler ihr Geld häufiger im Gepäck - in Toilettenpapierrollen, Schokoladenriegeln, Ketchupflaschen oder Brötchen. "Neulich haben wir sechs Überraschungseier gefunden, in jedem waren 8000 Euro", sagt Zöllner Jan Rademacher.

Der Duft der Euronoten

Bargeldspürhunde riechen die speziellen Farbstoffe der Euro-Noten. Trainiert werden sie auf größere Mengen, damit sie nicht bei jedem Fünf-Euro-Schein in der Hosentasche anspringen. Im Gegensatz zu Rauschgiftspürhunden zeigt Dina nicht durch wildes Kratzen oder lautes Bellen einen Fund an, sondern durch ruhiges Hinsetzen, "sonst könnten wir Dina nicht an Personen einsetzen", sagt Kraft.

Die Reaktionen bei den erwischten Passagieren sei immer dieselbe: "Sie schwören so lange, dass sie nicht gegen Zollvorschriften verstoßen haben, bis wir ihnen die 10.000 Euro oder mehr direkt vor die Nase halten."

Madeleine Kling, dapd/vet

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