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Stadion-Greenkeeper Der Rasenmähermann

Wolfsburgs Greenkeeper: Der Rasenstreichler Fotos
Jana Jöckel

Mathias Eichners Arbeit wird immer nur mit Füßen getreten: Der Grasspezialist hält im Wolfsburger WM-Stadion den Platz in Schuss. Gelernt hat er Golf-Agrarwirt. Nun entscheidet er darüber, wann der Rasen mal wieder ins Sonnenstudio muss.

"Eigentlich bin ich gar kein Fußballfan", sagt Mathias Eichner und streicht mit der Hand über den frisch geschnittenen Rasen. Der 39-Jährige ist täglich dafür verantwortlich, dass die millionenschweren Bundesliga-Spieler des VfL Wolfsburg in ihrem Stadion und auf dem Trainingsplatz einen perfekt präparierten Untergrund vorfinden. Und nun natürlich die Spielerinnen bei der Frauenfußball WM - am Sonntag spielt Brasilien gegen Norwegen in Wolfsburg.

Mähen, düngen, wässern: "Ich kann mir im Moment keinen schöneren Beruf vorstellen", sagt Eichner. 8000 Quadratmeter ist das Spielfeld der Wolfsburger Arena groß. Dazu kommen die Trainingsplätze. Das schafft Eichner nicht allein. Während der WM hat er ein Team von zwölf Kollegen um sich, im Bundesliga-Alltag sind es sieben. Die typische praktische Gärtnerarbeit verrichtet der gebürtige Leipziger dabei aber schon lange nicht mehr, dafür sind die Mitarbeiter zuständig. "Ich bin mittlerweile mehr Organisator und Koordinator. 50 bis 70 Prozent meiner Arbeitszeit sitze ich im Büro", sagt Eichner.

Den Stadionrasen nimmt er dennoch mehrmals täglich in Augenschein. "Unser Ziel ist es, dass die Spieler auf den Platz gehen und sagen: Hammer", sagt Eichner, der schon bei der WM 2006 in Leipzig und bei der EM 2008 in Basel leitender Greenkeeper war.

Einmal Stadion: 384 Rollen Rasen

Nach der Frauen-WM wird es umgehend mit der Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison weitergehen. Eichner und sein Team sind das ganze Jahr über im Einsatz. "Sommer- und Winterpause gibt es bei uns nicht. Wenn die Spieler mal ein paar Wochen Urlaub haben, können wir Dinge erledigen, die wir im Ligaalltag nicht schaffen", sagt er.

Erst vor wenigen Wochen hat er in der Wolfsburger Arena einen neuen Rasen verlegen lassen. 384 Rollen zu je 800 Kilogramm waren nötig, um die Spielfläche abzudecken. Etwa 150.000 Euro kostet der gesamte Prozess. In der Regel gibt es einmal pro Jahr einen neuen Untergrund. Um seinen Wunschrasen zu finden, ist Eichner zuvor eine Woche quer durch Europa gereist, immer auf der Suche nach den neuesten Rasensorten. Fündig wurde er in Willich bei Düsseldorf.

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So ein schickes Grün will gepflegt werden. Drei- bis viermal in der Woche wird das Gras auf eine Höhe von etwa 2,5 Zentimetern gestutzt. Spezielle Walzen am Mäher rollen dabei gleichzeitig ein vorher geplantes Muster auf das Spielfeld. Zusätzlich wird der Rasen regelmäßig mit Flüssig- und Granulatdünger versorgt. "Im Sommer düngen wir zusätzlich mit Kali, um den Wasserhaushalt des Grases zu minimieren und es widerstandsfähiger zu machen", so Eichner.

Richtig unangenehm wird es für den Greenkeeper erst im Winter. "Starker Regen ist schon ein Problem, aber Schnee ist ein echtes Horrorszenario. Die zwei letzten Winter waren ziemlich heftig", sagt Eichner. Ab einer Schneehöhe von 10 bis 20 Zentimetern stößt die eingebaute Rasenheizung an ihre Grenzen. Dann muss die weiße Schicht von Hand vom Spielfeld geschoben werden.

Wenn die Rasenheizung auch nicht mehr hilft

"Fußballplätze sind im Prinzip pflegeleicht. Herausforderungen sind aber die extremen Bedingungen, wie hohe Spielbelastung, Niederschlag, wenig Wind und vor allem wenig Sonne", sagt Eichner. Vom Spätsommer bis in den Mai wird darum ein spezielles Belichtungssystem auf das Spielfeld gefahren, um den Rasen mit der nötigen UV-Strahlung zu versorgen. "Das Stadiondach lässt in den meisten Monaten kaum Sonne herein. Vor allem die wichtige Morgen- und Abendsonne fehlt. Deswegen nutzen wir dieses System", erklärt Eichner. Mit Beginn der Winterzeit zeigt der Rasen immer stärkere Auflösungserscheinungen.

Wochenendarbeit ist für Eichner und seine Mannschaft normal. Hat der VfL Wolfsburg ein Heimspiel, wird der Rasen noch am Spieltag geschnitten, es werden neue Linien aufgetragen, die vorher entfernten Tore und die Eckfahnen neu aufgestellt. In der Halbzeitpause müssen Löcher auf dem Spielfeld gestopft werden. "Nach dem Spiel brauchen wir dann auch noch einmal drei Stunden, bis alles wieder in einem optimalen Zustand ist. Bei einer WM oder EM wird sogar die Nacht durchgearbeitet", sagt Eichner.

Obwohl sich in seinem Arbeitsleben alles um Fußballplätze dreht, nennt sich Eichner offiziell "Fachagrarwirt Golfplatzpflege". Vom Golf zum Fußball - diesen Weg sind bisher fast alle Stadion-Greenkeeper gegangen. Für den Status des Fachagrarwirts musste Eichner eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen. "Als Quereinsteiger aus der Baubranche musste ich damals erst sechs Jahre Golfplatzpflegepraxis vorweisen, um dann eine entsprechende dreijährige Ausbildung bei der Deula beginnen zu können", sagt Eichner. Die Deula ist eine Lehreinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik. Als Alternative zu den sechs Praxisjahren gilt eine abgeschlossene Ausbildung in einem "grünen Beruf", wie Gärtner, Landwirt, Forstwirt oder Winzer.

Eichners Büro steht zwar mitten auf dem Trainingsplatz, Kontakt zu den Spielern hat er trotzdem selten. "Man grüßt sich, aber das war es dann auch schon. Das Feedback zu meiner Arbeit bekomme ich eher vom Trainerstab", sagt Eichner. Wenn es nach ihm geht, kann das auch so bleiben, Fußball ist ja ohnehin nicht sein Ding. Doch über seinen Job sagt er: "Ich mache genau das, was ich mir immer gewünscht habe."

Autorin Jana Jöckel (Jahrgang 1985) ist freie Mitarbeiterin beim Sport-Informationsdienst in Köln.

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1. Maulwurf
herkurius 01.07.2011
Wie vermeidet man eigentlich bei Fussballrasen, auf Golfplätzen und in Grünanlagen die Maulwurfshügel? Jeder Häuslebesitzer weiß, dass Vergrämungsmethoden nicht helfen, und es ist streng verboten, Maulwürfe zu töten oder auch nur zu vertreiben. (Bei mir haben die putzigen Viecher eigentlich freie Bahn, aber ich bin nett zu Katzen...).
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