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Nebenbei verdienen per Handy Der Job liegt auf der Straße

2. Teil: Streetspotr-Gründer im Interview - "Power-User planen richtige Routen"

Werner Hoier (rechts, mit seinem Kollegen Holger Frank): Straßendetektive gesucht Zur Großansicht
streetspotr.com

Werner Hoier (rechts, mit seinem Kollegen Holger Frank): Straßendetektive gesucht

"Geschäftsführer" nennt sich Werner Hoier nicht gern. Einem IT-Start-Up steht das nicht. Schließlich haben sie ja flache Hierarchien bei Streetspotr. Aber einer, sagt er, musste es ja machen.

Zusammen mit acht Kollegen hat Hoier die Firma im Sommer 2011 gegründet. Entwicklung, Design und Marketing stemmten sie selbst, sie wollten die Kosten minimal halten, denn einige arbeiten noch in ihren ursprünglichen Jobs - meist in der App-Entwicklung. Aus dieser Branche kennen sich die acht auch, die meisten sind jünger als 30.

Die Idee: Crowdsourcing. Die vielen mobilen Menschen da draußen lassen sich über ihre Smartphones in mobile Arbeitskräfte umwandeln. Sie können in mittlerweile 20 Städten Jobs erledigen, für die Unternehmen keine Zeit haben und für die sie die "Intelligenz der Masse" nutzen wollen. Vorbild ist der Amazon-Service The Mechanical Turk, den es bereits seit 2005 gibt. Neu daran ist, dass die Jobs passend zum Aufenthaltsort angeboten werden.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hoier, liegen Jobs einfach so auf der Straße?

Hoier: Naja, wir haben uns einfach gedacht, es gibt so viel, was man im Vorübergehen erledigen kann. Und das könnte anderen ja auch etwas wert sein.

SPIEGEL ONLINE: Und, ist es das?

Hoier: Das Projekt läuft gerade erst an, aber wir haben schon einige Kunden, die für die Leistungen der Nutzer bezahlen. Zum Beispiel ein großer Autohersteller, der mit Fotos aus Parkhäusern seine Navigationssysteme füttert.

SPIEGEL ONLINE: Für die Fotos und einige zusätzliche Infos über die Parkhäuser bekommt man fünf Euro, bei anderen Jobs oft weniger. Macht das überhaupt jemand?

Hoier: Ja, wir hatten schon 10.000 Downloads, 500 davon sind Power-User, die planen sich richtige Routen und erledigen 20 bis 30 Spots am Tag. Die anderen machen eher zwei bis fünf in der Woche.

SPIEGEL ONLINE: Für ein paar Euro laden sie Fotos und Infos hoch. Wer bekommt das Material? Kann ich einsehen, wofür das genutzt wird?

Hoier: Die Nutzer geben die Rechte an dem Material ab, im Moment wird es zum Beispiel von Stadtportalen genutzt, zur Generierung von Inhalten oder auch zur Marktforschung. Da kann man nicht mitbestimmen, wofür das verwendet wird. Andererseits sind alle Informationen öffentlich, wie zum Beispiel die Außenansicht eines Cafés. Und schließlich gibt es ja auch Geld,…

SPIEGEL ONLINE: …das die Nutzer in Zukunft auch wieder bei Ihnen ausgeben sollen.

Hoier: Ja, wir planen im Moment, die App für Nutzer zu öffnen. Wer zum Beispiel auf der Suche nach einem bestimmten Gebrauchtwagen ist, kann die anderen Nutzer losschicken und ihnen für Fotos oder Informationen dazu Geld bezahlen. Das ist dann ganz in dem Sinne, was für uns der Name Streetspotr aussagt: nämlich Straßendetektiv zu sein.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg. Am liebsten schreibt die gebürtige Bayerin über alle Themen rund um Gründung und Selbständigkeit und geht im Web und in sozialen Netzwerken auf die Suche nach Wissenswertem zum Arbeitsmarkt 2.0.

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insgesamt 65 Beiträge
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    Seite 1    
1. Abwertung und Ausverkauf von Leistungen...
nurmeinsenf 18.06.2012
Normalerweise müßte man für einen Restauranttest oder ein Foto wohl mehr bezahlen - aber warum, wenn man es auch für 2-3€ von jemandem erledigen lassen kann, der gerade mit seinem Handy dort in der Gegend vorbeigeht. Man kann vermuten, daß nicht alle dieser Leistungen in "professioneller Qualität" erbracht werden - wer macht sich für den Preis schon viel Aufwand? - aber offenbar wird dies gern in Kauf genommen. Für die Macher von "Streetspotr" kann sich das durchaus rechnen - ansonsten sehe ich den Dienst eher als weitere Entwertung von Leistungen.
2. Macht Euch nur alle zu Sklaven
C. Müller-Gödecke 18.06.2012
das ist wieder mal so ein Ding, wo Überschlaue sich was ausdenken und das Prekariat dem hinterherläuft. Albern. In der Zeit hätte die Probandin vielleicht ein wenig "Berlin Alexanderplatz" von Döblin schmökern können ;=)
3. Sie haben völlig recht. Albern.
prontissimo 18.06.2012
Zitat von C. Müller-Gödeckedas ist wieder mal so ein Ding, wo Überschlaue sich was ausdenken und das Prekariat dem hinterherläuft. Albern. In der Zeit hätte die Probandin vielleicht ein wenig "Berlin Alexanderplatz" von Döblin schmökern können ;=)
Bedenklich aber ist, dass in einem ehemals seriösen Medium wie es der Spiegel einmal war ( Augstein sen. läßt grüßen ) solch ein Nonsens Raum für einen Artikel findet. Klar dass jede Menge Doofer dem nachlaufen und es auch nachäffen. Äh, mein handi kann keine app, es kann nur telefonieren.
4.
mark78 18.06.2012
Zitat von nurmeinsenfFür die Macher von "Streetspotr" kann sich das durchaus rechnen - ansonsten sehe ich den Dienst eher als weitere Entwertung von Leistungen.
Ja furchtbar dieser Fortschritt. Unglaublich das sich Autos durchsetzen konnten hatten sie doch die Leistung von Pferdekutschen extrem entwertet. Es ist ja wohl nicht so das man sonst einen Profi Fotographen losgeschickt hätte um die Speise-Karte abphotographieren zu lassen.
5. Immobilienteil
smartphone 18.06.2012
Mal schnell das Rathaus foten Schon erstaunlich , das man für keine 2 Euro das bekommt , wofür ein zB Fotograf locker 1400 Tagessatz bekommt.... Nun , ein Blick in dern Immoteil offenbart ,was da so geboten wird... Mit sowas will man Kunden gewinnen - lächerlich Btw ich will einen SLS , den kann man ja so nebenher zusammenschrauben lassen - ist ja eh Handarbeit , gell . Für 500 Euro ist das doch noch nicht überbezahlt ...
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