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Nebenbei verdienen per Handy Der Job liegt auf der Straße

Ein Arzttermin, ein paar Besorgungen, dazwischen Leerlauf - ein lauer Nachmittag. Eine neue App hilft jetzt, die tote Zeit in Bares umzuwandeln. Maria Huber macht den Selbstversuch, laufend Geld zu verdienen: Sie fotografiert Parkhäuser, testet Pizza - und ist am Ende so ausgepowert wie ihr Handy.

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Streetspotr: Als Straßendetektiv unterwegs
Vor ein paar Jahren war Heimarbeit mal ein riesiges Thema. Heute kann man schnell mal einen Minijob unterwegs erledigen - schließlich wird im Smartphone-Zeitalter ja sowieso alles mobil. Das haben sich zumindest die Entwickler von Streetspotr gedacht, einem Start-up aus Nordbayern. Das Angebot: Verdiene unterwegs, während du irgendwo wartest, nebenher Geld.

Das will ich ausprobieren. Ich lade die App herunter. Eine Karte zeigt, wo die verschiedenen Spots - so heißen die Minijobs - liegen. Die werden von Partnerunternehmen von Streetspotr ausgeschrieben: Man muss fotografieren oder Informationen sammeln. Ist man vor Ort, kann man den Job annehmen und erledigen. Wenn das Unternehmen die Information bekommen hat, meldet es sich bei Streetspotr; dort wird die Zahlung des Honorars auf das PayPal-Konto des Nutzers angewiesen.

Klingt nach der perfekten Lösung für den Nachmittag, den ich vor mir habe. Ein Arzttermin, eine Beratung beim Mieterschutzbund, außerdem will ich ein Geburtstagsgeschenk besorgen. Da ich selbständig bin, ist das ein halber Tag, an dem ich kein Geld verdienen kann. Warum nicht als mobile Arbeitskraft in meiner Wahlheimat Hamburg etwas dazuverdienen, so wie das rund 10.000 Streetspotr in Deutschland tun?

Als erstes steht der Arzttermin an. Ich gehe etwas früher los, um zu sehen, ob sich schon ein bisschen Geld verdienen lässt. Tatsächlich ploppt ein Spot in der Nähe auf, mit nur geringem Umweg zur U-Bahn. "Speis-o-grafiert" nennt er sich und soll mir immerhin 1,50 Euro bescheren. Ich nehme an.

Ist das Restaurant noch da?

Nun tauchen auf dem Smartphone die Anweisungen auf. Zunächst muss man bestätigen, dass sich ein bestimmtes Restaurant noch an diesem Platz befindet: Haken dran. Dann soll die Speisekarte fotografiert werden. Nur wenn sie gut lesbar ist, darf sie im Schaukasten geknipst werden - hier gehe ich lieber in das Restaurant, frage höflich nach und darf bei gutem Licht die Karte aufnehmen. "Job erledigt!", sagt mein Handy. Ich bin stolz und fühle mich sehr fleißig und effektiv.

Das Gefühl hält so lange, bis mir wieder einfällt, dass damit nur 1,50 Euro verdient sind. Andererseits: Der Job hat gerade mal vier Minuten gedauert und lag quasi auf dem Weg.

Für den Arzttermin muss ich in die Mönckebergstraße, öffne während der Fahrt die App und sehe, dass an den Landungsbrücken gleich zwei Jobs zu haben sind. Ein paar Minuten habe ich noch - da die Haltestelle auf dem Weg liegt, muss ich nur kurz aus der Bahn springen und kann mit der nächsten weiterfahren.

Der erste Job: "Überprüfen Sie, ob alle Fahrkartenautomaten funktionieren." Mist, alle Automaten sind intakt. Den Job annehmen und 2,50 Euro verdienen kann man nur, wenn eins der Geräte kaputt ist. So hat's nur Zeit gekostet.

Manche Arbeiten werden einfach gar nicht bezahlt

Der zweite Job läuft besser: ein Foto von der Station und eine Beschreibung, wie voll es da ist. Ich mache rasch einen Schnappschuss, pausiere den Job und springe in die Bahn. Dort kann ich ihn wieder aufrufen und die restlichen Infos ausfüllen. Immerhin: In zwei Minuten ist ein Euro verdient.

Der Arztbesuch ist vorbei. Der Nächste, bitte! Der Termin beim Mieterschutzbund ist erst in anderthalb Stunden. Direkt vor meiner Nase, am Rathausplatz, zeigt die App zwei Aufgaben an. Einmal: zu Starbucks gehen. Eine Außenaufnahme ist schnell gemacht, doch dann sind zahlreiche detaillierte Angaben zu Aufteilung, Design und Ausstattung gefordert. Da ich sowieso Lust auf einen Kaffee habe, erledige ich das bei einem Espresso. Fünf Minuten später: "Job erledigt!" Bilanz: 3,50 Euro verdient, 2,50 Euro ausgegeben.

Und jetzt: Ich soll das Rathaus fotografieren. Das dauert mit Hochladen nicht mal eine Minute, allerdings gibt es dafür auch kein Geld, nur so genannte StreetPoints. Die bringen einem Ruhm und Ehre in der Streetspotr-Gemeinde, heben den Status und können später zu besser bezahlten Aufgaben und vielleicht Buchgutscheinen oder Ähnlichem führen. Na ja, immerhin.

Außerdem muss man eine Handvoll von diesen unbezahlten Spots erledigen, damit die bezahlten in der Kartenansicht überhaupt angezeigt werden. So will das Unternehmen überprüfen, ob man zuverlässig arbeitet. Die meisten sind mit nur einem Klick verbunden und schnell erledigt. Für den Test hat mir Streetspotr diese Aufgabe erlassen.

Präzise Anleitung fürs Pizzatesten

Immer noch eine Dreiviertelstunde Zeit. Ich fahre nach Altona, vielleicht findet sich dort ja noch etwas. Mehrere Spots ploppen auf, einer interessiert mich besonders. Ich soll auf einem Spielplatz Mängel dokumentieren. Dafür fahre ich ein paar Stationen mit dem Bus, ich muss ja sowieso Zeit totschlagen. Dort fotografiere ich den überquellenden Mülleimer und ein rot beschmiertes Klettergerüst. Außerdem werden Altersbeschränkungen und Öffnungszeiten abgefragt. Beides ist nicht angegeben. Trotzdem bekomme ich 2,50 Euro für vier Minuten.

Der Termin ist erledigt, das Geburtstagsgeschenk besorgt. Ich kann es nicht lassen und schaue noch mal auf die Karte. In dem Parkhaus direkt bei der U-Bahn-Station gibt es einen Spot, der fünf Euro bringen soll. Den lasse ich mir nicht entgehen, fotografiere die Preise und Öffnungszeiten, beschreibe die Ebenen. Das dauert sieben Minuten.

Einer geht noch. Ich habe Hunger, und der Job "pizza-licious" ist bei einem Italiener in Eimsbüttel zu erledigen. Ich verabrede mich mit meinem Freund, ein Glas Wein begleitet mich bei der letzten Aufgabe des Tages: Pizza testen.

Während die im Ofen backt, ziehe ich Bilanz: In insgesamt 63 Minuten habe ich 21 Euro verdient. Obwohl das Handy voll aufgeladen war, ist es nun so ausgepowert wie ich. Der Tag war auf jeden Fall anstrengender, als er es ohne die Jobs gewesen wäre.

Das Parkhaus war der lukrativste Job, gemessen an der Zeit, die Pizza der schlechteste, obwohl man 7,50 Euro bekommt und beim Italiener sitzt. Weiterer Nachteil: Ich musste die günstigste Pizza testen, die Margherita. Dabei hätte ich so gern die mit Rucola und Parmaschinken gehabt.

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insgesamt 65 Beiträge
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    Seite 1    
1. Abwertung und Ausverkauf von Leistungen...
nurmeinsenf 18.06.2012
Normalerweise müßte man für einen Restauranttest oder ein Foto wohl mehr bezahlen - aber warum, wenn man es auch für 2-3€ von jemandem erledigen lassen kann, der gerade mit seinem Handy dort in der Gegend vorbeigeht. Man kann vermuten, daß nicht alle dieser Leistungen in "professioneller Qualität" erbracht werden - wer macht sich für den Preis schon viel Aufwand? - aber offenbar wird dies gern in Kauf genommen. Für die Macher von "Streetspotr" kann sich das durchaus rechnen - ansonsten sehe ich den Dienst eher als weitere Entwertung von Leistungen.
2. Macht Euch nur alle zu Sklaven
C. Müller-Gödecke 18.06.2012
das ist wieder mal so ein Ding, wo Überschlaue sich was ausdenken und das Prekariat dem hinterherläuft. Albern. In der Zeit hätte die Probandin vielleicht ein wenig "Berlin Alexanderplatz" von Döblin schmökern können ;=)
3. Sie haben völlig recht. Albern.
prontissimo 18.06.2012
Zitat von C. Müller-Gödeckedas ist wieder mal so ein Ding, wo Überschlaue sich was ausdenken und das Prekariat dem hinterherläuft. Albern. In der Zeit hätte die Probandin vielleicht ein wenig "Berlin Alexanderplatz" von Döblin schmökern können ;=)
Bedenklich aber ist, dass in einem ehemals seriösen Medium wie es der Spiegel einmal war ( Augstein sen. läßt grüßen ) solch ein Nonsens Raum für einen Artikel findet. Klar dass jede Menge Doofer dem nachlaufen und es auch nachäffen. Äh, mein handi kann keine app, es kann nur telefonieren.
4.
mark78 18.06.2012
Zitat von nurmeinsenfNormalerweise müßte man für einen Restauranttest oder ein Foto wohl mehr bezahlen - aber warum, wenn man es auch für 2-3€ von jemandem erledigen lassen kann, der gerade mit seinem Handy dort in der Gegend vorbeigeht. Man kann vermuten, daß nicht alle dieser Leistungen in "professioneller Qualität" erbracht werden - wer macht sich für den Preis schon viel Aufwand? - aber offenbar wird dies gern in Kauf genommen. Für die Macher von "Streetspotr" kann sich das durchaus rechnen - ansonsten sehe ich den Dienst eher als weitere Entwertung von Leistungen.
Ja furchtbar dieser Fortschritt. Unglaublich das sich Autos durchsetzen konnten hatten sie doch die Leistung von Pferdekutschen extrem entwertet. Es ist ja wohl nicht so das man sonst einen Profi Fotographen losgeschickt hätte um die Speise-Karte abphotographieren zu lassen.
5. Immobilienteil
smartphone 18.06.2012
Mal schnell das Rathaus foten Schon erstaunlich , das man für keine 2 Euro das bekommt , wofür ein zB Fotograf locker 1400 Tagessatz bekommt.... Nun , ein Blick in dern Immoteil offenbart ,was da so geboten wird... Mit sowas will man Kunden gewinnen - lächerlich Btw ich will einen SLS , den kann man ja so nebenher zusammenschrauben lassen - ist ja eh Handarbeit , gell . Für 500 Euro ist das doch noch nicht überbezahlt ...
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