Von Kristian Klooß
Apple-Chef Tim Cook war einer, RIM-Chef Torsten Heins ebenfalls, und auch McDonald's-Boss Don Thompson weiß nur zu gut, dass der COO-Posten ein Sprungbrett für die eigene Karriere sein kann. Zumindest in Übersee, in Deutschland fragt man eher mal: Was bitte macht ein COO?
Einen so genannten Chief Operating Officer gibt es in vielen angelsächsischen Konzernen, und er hat eine Schlüsselposition: Er kümmert sich um das Alltagsgeschäft, während der Vorstandsvorsitzende, der CEO, die großen Entwicklungslinien des Unternehmens vorgibt. Zu den COO-Aufgaben gehört die Kostenkontrolle in der Fertigung, die Planung von Personal und Material sowie teilweise die Personalführung.
Das Berufsbild des modernen Chief Operating Officer und die Karriereperspektiven, die mit dieser Vorstandsposition verbunden sind, haben die Berater von Ernst & Young kürzlich in einer weltweiten Studie ("The DNA of the COO") unter mehr als 300 COOs und rund 50 weiteren Managern auf vergleichbarer Ebene erfragt.
Verhinderte Strategen
Eine wesentliche Erkenntnis: Chief Operating Officer haben zwar das Potenzial, die strategische Ausrichtung ihres Unternehmens mitzubestimmen: Weltweit 65 Prozent der befragten Top-Manager wollen den COO ihres Unternehmens stärker in strategische Entscheidungen eingebunden wissen. Bislang aber wird erst die Hälfte der COOs in die Strategieentwicklung wirklich eingebunden.
Krystian Pracz, Advisory Markets Leader Deutschland, Schweiz, Österreich bei Ernst & Young, begründet dies damit, dass die meisten COOs vor allem für den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts verantwortlich seien. Dabei würden ihre Rolle und ihr Potenzial bisher häufig verkannt. "Damit sich dies ändert, müssen sie jedoch stärker strategisch und möglichst als Sparringspartner des CEO eingebunden werden", sagt Pracz.
COOs wollen oft höher hinaus als CFOs und CIOs
Dass dies durchaus dem Selbstbild moderner COOs entspricht, ist eine zweite Erkenntnis der Berater von Ernst & Young. Denn COOs sind im Vergleich zu ihren Vorstandskollegen, also etwa den CFOs (Finanzen) oder CIOs (Computersysteme), häufiger unzufrieden mit ihrer Position. Weshalb sie danach streben, weiter aufzusteigen: 40 Prozent der befragten Chief Operating Officer erwarten, dass sie in den kommenden fünf Jahren zum CEO gemacht werden. Lediglich ein Drittel sieht die bisherige COO-Position als finales Karriereziel.
Eine weitere Erkenntnis der Studienautoren ist der starke Wandel der Rolle des COOs in den vergangenen Jahren. Ein Drittel aller Befragten gibt an, dass die Aufgaben im Unternehmen in den vergangenen Jahren komplexer und schwieriger geworden sind. Zudem sehen 30 Prozent ihre Rolle im Managementteam als eine der anspruchsvollsten an. Dieses Selbstbild bestätigt die Hälfte der Vorstandskollegen, die an der Befragung teilgenommen haben.
Die konkrete Rolle des COO zu umschreiben, fällt indes auch Ernst & Young-Berater Krystian Pracz schwer. "Es ist meist der am wenigsten definierte Vorstandstitel", sagt er und lacht. Ein roter Faden lasse sich dennoch ziehen.
Gefragt sind vorausschauende Pragmatiker
Unternehmenskrisen träten heute häufiger auf, Produkt- und Konkunjunkturzyklen seien kürzer - das erfordere schnellere Reaktionsfähigkeit als früher. "Der vorausschauende Pragmatiker ist heute mehr gefragt als vor zwanzig Jahren", sagt Pracz. Als Beispiel nennt er krisenbedingte Entscheidungen über fixe und variable Kosten. Dann müssen sie schnell Personal aufstocken - oder rausschmeißen.
Das bei solchen Entscheidungen vor allem ausgeprägte Führungsqualitäten und überdurchschnittliche zwischenmenschliche Fähigkeiten gefragt sind, ist eine weitere Kernaussage der Ernst & Young-Studie. Immer wieder sind es COOs, die solch einschneidende Veränderungen organisieren und rechtfertigen müssen. 87 Prozent der Befragten sehen daher Softskills als maßgeblich an.
Dennoch ist der Posten des Chief Operating Officer noch vergleichsweise selten in europäischen Konzernführungen anzutreffen. Ein Verhältnis, das sich laut Studie seit Jahren verschiebt. Gab es im Jahr 2000 noch in der Hälfte aller Fortune-500-Unternehmen einen COO im Management-Board, beschäftigt heute nur noch ein Drittel der weltweit größten Konzerne einen COO. Entgegen dem globalen Trend steigt gleichzeitig die Zahl der COOs in Europa. Diese in der Alten Welt traditionell wenig verbreitete Vorstandsposition wird mittlerweile von 37 der 97 größten Unternehmen in der Eurozone und Großbritannien besetzt. Den Grund für die den Bedeutungsgewinn des COO-Postens in Europa sieht Ernst & Young-Berater Pracz in der Internationalisierung der Konzerne.
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