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Studie zu Schreibtisch-Sitzern Neun Lümmelpositionen fürs Büro

Schreibtischtäter: Neun Arten, vor dem Bildschirm zu hängen Fotos
Steelcase

Wer sich unbemerkt wähnt, hängt häufig krumm über seinem Schreibtisch. Ein amerikanischer Möbelhersteller hat jetzt die Sitzhaltungen im Büro erforscht. Das Ergebnis: Ob in den USA, Europa oder Asien - neun Positionen tauchen immer wieder auf.

Wenn James Ludwig zu Hause in Michigan im Homeoffice arbeitet, sitzt er in der "Smart Lean"-Position. Den Körper weit nach hinten gelehnt, ein Bein rechtwinklig über das Knie des anderen geschlagen. Er weiß: Es ist die Position Nr. 6 in seiner Aufstellung der neun Sitzpositionen, die Menschen in Büros einnehmen.

Ludwig ist Designchef bei Steelcase, einem Hersteller von Büromöbeln. Als die US-Firma kürzlich einen neuen Bürostuhl plante, fragte Ludwig sich: Wie sitzen die Menschen eigentlich? Mit seinen Mitarbeitern besuchte er Büros in Nordamerika, Europa und Asien. 2000 Menschen in elf Ländern beobachteten sie an ihren Arbeitsplätzen und suchten nach Sitz-Mustern.

Da alle immer "brav aussehen wollen", galt es, so unscheinbar wie möglich zu ermitteln. "Manchmal sind wir nur durchgelaufen, manchmal haben wir Fotos von den Menschen gemacht oder sie gefilmt", erzählt Ludwig. Seine Studie sei schon fast anthropologisch, findet er. Die Einsichten in das Sitzverhalten von Schreibtischarbeitern übersetzte das Steelcase-Team schließlich in neun typische Positionen, denen sie passende Namen gaben.

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16  Bilder
Schreibtische im weltweiten Vergleich: Grünzeug, Kitsch und Autoschlüssel
Position 9 nannten sie "The Strunch": Oberkörper nach vorn geneigt, eine Hand stützt den Kopf, die andere bedient die Maus. Position 3 tauften sie "The Text": Ein Bein ist über das andere geschlagen, eine Hand hält ein Smartphone, die andere tippt. Wer welche Position einnimmt, hängt auch von Geschlecht und Beruf ab. Viele junge Frauen zum Beispiel nehmen gern Position 4, "The Cocoon", ein: Der Körper ist weit zurückgelehnt, die Beine sind angewinkelt, die Füße stehen auf der Sitzfläche des Stuhls. Diese Position sei auch eine Frage der Körpergröße, sagt Ludwig: "Ein 55-jähriger Wirtschaftsspezialist in New York kriegt das ja gar nicht hin."

Hinzu kommt: Im kalifornischen Silicon Valley ziehen die Leute bei der Arbeit oft ihre Schuhe aus. Das befördere die Haltungen "Cocoon" und "Smart Lean", so Ludwig: "An der Wall Street sehen wir das weniger, denn die Stiefeletten würden sich in den Stoff spießen." Ganz anders ist Position 8, "The Take It In": Die Beine sind ausgestreckt, der Körper liegt fast auf dem Stuhl, die Arme hängen schlaff herunter. "Das beobachte ich bei vielen jungen Männern, die fokussierte Arbeit machen, zeichnen oder mit CAD-Programmen arbeiten", sagt Ludwig.

Auch wenn die meisten Menschen einen Großteil ihrer Arbeitszeit in einer dieser neun Positionen verbringen, sind längst nicht alle dieser Haltungen gesund. Wer zum Beispiel in "The Trance" sitzt, ist zwar konzentriert, lümmelt aber mit rundem Rücken vor dem PC, den Kopf auf eine Hand gestützt. "Das sollen also keine Vorschläge sein", sagt Ludwig. Im Gegenteil: "Gestern habe ich mit meiner 14-jährige Tochter geschimpft: 'Hey, you're doing the trance!'"

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. und doch fehlen nen paar
Frodoger 12.03.2013
Es fehlen alle positionen wo die Leute die Beine verknoten. Und alle die im Schneidersitz auf dem Stuhl sitzen
2. Statik und Dynamik
sixtymirror 12.03.2013
Ergonomische Erkenntnisse werden nicht beschrieben. Also, wie sollte man sich bei der Arbeit nun wirklich hinsetzen. Ich vermute, dass es am besten ist, wenn man die Position möglichst of wechselt, und auch die Einstellungen des Sessels auch hin und wieder ändert. So viel ich weiß, kommt es doch darauf an, statische Muskelarbeit zu reduzieren, also eine belastende Haltung nicht zu lange einzunehmen. Wahrscheinlich müsste man auch zwischendurch auch mal kurzzeitig irgendwelche gymnastischen Dehnübungen machen (Pausen sowieso). Dynamische Muskelarbeit (Bewegung) ist gut, statische Muskelarbeit (Zwangshaltung) ist schlecht. So habe ich es mal gelernt.
3. Wie macht man es richtig?
sixtymirror 12.03.2013
Wenn man die Abbildungen so betrachtet, fällt auf, dass fast niemand in einer Position sitzt, die man als »vorbildlich« bezeichnen kann. Vielleicht sollte man alle mal im Laufe des Tages durchspielen. Ich werde die Abbildungen ausdrucken und am Arbeitsplatz bereitlegen.
4. Chauvinismus
posten 12.03.2013
wieder mal.Wieso wird Position 4 meist nicht von Männer eingenommen ! M W sind gleich - das wissen wir schließlich genau. Ich fordere eine geschlechtsneutrale Untersuchnung !
5.
spoonium 12.03.2013
Ach, wer Sitzpositionen anhand von Laptops oder Tablets bestimmt, den kann ich ohnehin nicht ernst nehmen.
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