• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Kreativitätsseminare im Test Geisterbahn statt Geistesblitz

Vorsicht: Nicht alle Kreativitäts-Seminare sind eine gute Idee Zur Großansicht
Corbis

Vorsicht: Nicht alle Kreativitäts-Seminare sind eine gute Idee

Einfallsreichtum kann man lernen, aber nicht kaufen. Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt: Manch teures Kreativseminar ist sein Geld nicht wert.

Kreativität steckt in jedem - bei den einen liegt sie lediglich etwas verborgener als den anderen. Mit den richtigen Techniken kann es gelingen, verschüttetes Potential frei zu legen und das eigene Hirn zu neuen Höchstleistungen zu bringen. Die Gretchenfrage dabei ist: Wie lernt man kreativ?

Nicht unbedingt in teuren Seminaren, so zumindest die Antwort der Stiftung Warentest. Diese testete zehn unterschiedliche Kurse zum Thema. Das Ergebnis: Die Kurse privater Anbieter waren teuer (zwischen 975 und 1730 Euro für jeweils zwei Tage). Und die Qualität schwankte zwischen Geisterbahn und Geistesblitz. Günstige E-Learning-Kurse lehnten die Tester allesamt als unbefriedigend ab - einsam vor dem Bildschirm lässt sich Ideenreichtum kaum generieren. Sind es doch gerade bei diesem Thema der Trainer und die Teilnehmer, die Inspiration vermitteln.

Fotostrecke

12  Bilder
Teambuilding-Seminare: Die tun nix, die wollen nur spielen
So bot der Testsieger, die "Kreativitätswerkstatt" von Eisberg Seminare, laut Stiftung Warentest mitreißenden Unterricht. Die Lockerungsübungen fürs Hirn wurden hier intensiv trainiert. "Ich stelle den Teilnehmern viele verschiedene Methoden vor und zeige ihnen, für welche Aufgaben sie sich am besten eignen", erklärt Eisberg-Trainerin Beatris Uhlig. Ihre liebste Methode sei die sogenannte Osborn-Checkliste: "Dabei geht es darum, aus langweiligen Ideen möglichst viel herauszuholen."

Eine Beispielaufgabe: Die Teilnehmer sollen sich für ihre Firma eine Aktion für die Weihnachtszeit ausdenken. Ihnen fällt zunächst nichts kreativeres ein, als eine Weihnachtskarte an die Kunden zu schicken. In zehn bis zwölf Schritten müssen sie nun diesen Gedanken erweitern. Einmal soll die Aktion kleiner sein, einmal größer: "Manche Teilnehmer wollten am Ende Plätzchen mit persönlichen Grüßen backen, andere einen Chor gründen oder ein Daumenkino basteln", berichtet Uhlig. Nach maximal einer halben Stunde hätten alle die langweilige Karte durch eine kreativere Idee ersetzt.

In anderen Seminaren dauert es länger bis der kreative Funke überspringt - oder er bleibt ganz aus. Im Seminar "Kreativität im Arbeitsalltag" von Comelio arbeitete der Dozent ziemlich uninspiriert ein Lehrbuch durch, berichteten die Tester. Praktische Übungen habe er kaum angeboten. Dabei machen die den Unterschied, am besten ausgeführt in der Gruppe - denn krumme Gedanken beflügeln sich gegenseitig, ein paar Sprüche hin- und hergeworfen und schon entstehen neue Welten in den einzelnen Köpfen.

"Ein guter Einfall ist kein Zufall", so Bernd Weichmann, Professor für Pädagogische Psychologie. Gerade weil viele im Beruf auf Befehl kreativ sein müssen, ist es um so wichtiger, die richtigen Kreativitätstechniken verinnerlicht zu haben und auf Abruf bereit: "Sie funktionieren wie Rezepte, die sich leicht nachkochen lassen". Jeder sollte mehrere Rezepte kennen und je nach Anlass variieren.

Zum Nachkochen die besten Ideen für bessere Ideen:

Andersrum denken

Stellen Sie Ihr Problem auf den Kopf. Statt zu fragen: Wie können wir schneller sein? Heißt es: Wie werden wir langsamer? Kommt manchem erstmal unsinnig vor, hilft nach der ersten Überwindung aber auf die Sprünge zu neuen Lösungswegen.

Perspektive wechseln

Tauschen Sie mit einem Kollegen den Schreibtisch oder setzen Sie sich bei Ihrem eigenen an die andere Seite. Schaut irgendwie alles anders aus? Genau, das soll's auch.

Humor zeigen statt Angst haben

Eine steife, angespannte Atmosphäre ist Gift für Kreativität. Lockerer Umgang mit den Kollegen und vor allem sich selbst hilft, neue Ideen zu entwickeln. Beim Brainstorming beispielsweise wird die oberste Regel immer wieder missachtet: Alles darf gesagt werden und keiner wird kritisiert - geht nicht, gibt's nicht! Junge, kreative und schnelle Unternehmen wie Google und Co machen dies vor in Büros, die besser aussehen als mancher Urlaubs-Club. Aber garantiert nicht wie ein Büro.

Drüber schlafen

Das mach im Schlaf - klar. Denn das Gehirn arbeitet weiter und somit kommen gute Ideen oft nachts. Wichtig: Sofort nach dem Aufwachen notieren.

end

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Warum so kompliziert?
solidcreativity 26.04.2013
Seminare der Preisklasse werden fast ausschließlich von Unternehmen für Ihre MitarbeiterInnen gebucht. Das oberste Ziel des Unternehmens und der Teilnehmer dabei ist nicht, kreativer zu werden oder neue Methoden zu erlernen. Das Kundenbedürfnis ist die Entwicklung innovativer Produkte oder neuartiger, besserer Problemlösungen. Es gibt den schönen Marketing-Lehrsatz "Der Kunde braucht keinen Bohrer, sondern Löcher in der Wand." Um seine Innovationsziele zu erreichen, ist das Erlernen eines bunten Blumenstrausses an Kreativitätstechniken ebenso sinnvoll, wie Bodybuilding, um bei einer Reifenpanne das Fahrzeug anheben zu können. Es gibt geeignete, direktere Wege zum Ziel. Beispiele sind TRIZ und ASIT - also Methoden die beim kreativen Ergebnis ansetzen und nicht bei der Kreativität als Eigenschaft oder Phänomen.
2. Ganz nett
lizard_of_oz 26.04.2013
Zitat von sysopEinfallsreichtum kann man lernen, aber nicht kaufen. Eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt: Manch teures Kreativ-Seminar ist sein Geld nicht wert. Dabei ist es nicht schwer, Ideen zu haben. Testergebnis Stiftung Warentest: Nicht alle Kreativ-Seminare lohnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/testergebnis-stiftung-warentest-nicht-alle-kreativ-seminare-lohnen-a-896587.html)
Übel wird es erst dann, wenn man als Mitarbeiter bei so einem Quatsch mitmachen muss und nicht wahlweise in der Firma bleiben darf. Das wäre dann das erste Mal im Berufsleben, wo ich versuchen wiürde, mir gesund einen Gelben abzuholen. "Eine steife, angespannte Atmosphäre ist Gift für Kreativität." Quatsch! "Lockerer Umgang mit den Kollegen und vor allem sich selbst hilft, neue Ideen zu entwickeln." Lockerer Umgang mit den Kollegen hilft, dass die jeden Unfug für eine gute Idee halten, einem damit auf den Sack gehn und angefressen sind, wenn man nicht ausführlich erklärt, warum die Idee doch nicht so gut ist. Früher war das Klima Welten steifer, dennoch waren die kreativer und zwar nicht bloß mit der großen Klappe. Das Ursache-Wirkungsprinzip wird geradezu kinderkrippenmäßig vereinfacht. Und wenn Einstein meinte, dass man die Welt mit Kinderaugen sehen solle, dann meinte der, dass man die Welt AUCH (!) mit Kinderaugen sehen soll, aber nicht nur und außerdem gilt das in erster Linie für große Geister wie ihn. Oder hat der sich auch kindisch benommen, hm? Und wenn dann kalkuliert.
3. Nun aber
rosenvater 26.04.2013
Zitat von lizard_of_ozÜbel wird es erst dann, wenn man als Mitarbeiter bei so einem Quatsch mitmachen muss und nicht wahlweise in der Firma bleiben darf. Das wäre dann das erste Mal im Berufsleben, wo ich versuchen wiürde, mir gesund einen Gelben abzuholen. "Eine steife, angespannte Atmosphäre ist Gift für Kreativität." Quatsch! "Lockerer Umgang mit den Kollegen.....
Es geht doch darum, dass die Kollegen sich mit Kreativität gegenseitig inspirieren, das ist immerhin der Motor von Innovation und Weiterentwicklung. Mit soldatischer Strenge und unab´ngebrachter Verwerfung zerstören Sie eine Klima, dass nicht von Grenzen und Denkbarrieren gekennzeichnet ist. Dies führt zur Demotivation und somit zum Ruin Ihres Unternehmens.
4. Kreativität ist
mare56 27.04.2013
das Resultat aus Disziplin und harter Arbeit!
5. Fähigkeiten zur Problemanalyse erwerben
claus-hoeppner 28.04.2013
Wer die Osbornsche Checkliste oder die 40 Inventive Principles Altschullers ohne die Fähigkeit zu gründlichen Problemanalysen anwenden bzw. vermitteln will, handelt wie ein Hütchenspieler. Dann müssen wir uns eben mit Ergebnissen wie der Satzkonstruktion „Hier werden Sie geholfen“ oder auch solchen konstruktiven Lösungen, bei denen die Autoglühbirne nur noch in der Werkstatt gewechselt weren kann, zufrieden geben. Jede vermittelte Methode oder gestartete Aktion hat natütlich ihren Sinn, auch wenn es z.B. nur um das kollektive Abschöpfen wie bei Brainstorming oder bei einem Kreativ-Preisausschreiben geht. TRIZ und ASIT jedoch vermitteln ein gesichtertes Methodengrüst. Unzählige Institutionen, Firmen und Universitäten bieten hierfür weltweit ihre Dienste auch für Distance Learning an. In Zeiten des Internets dürfte es kein Problem sein, sich über diesen Weg zu qualifizieren. - Es sei denn, die Deutsche Telekom setzt sich mit ihrer neuesten Kreativitäts-Attacke zur Begrenzung der Übertragungsrate durch.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Spaß im Büro - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Gadgets fürs Büro: Zehn neue Tipps für Kollegenhasser
Verwandte Themen

Fotostrecke
Actionpainting mit Kollegen: Dick auftragen!


Fotostrecke
Fotostrecke: Teambuilding: Lego für Manager

Social Networks