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Büroalltag Hurra, wir haben Betriebsfeier!

Mit den lieben Kollegen: Betriebsfeiern machen Spaß und fördern den Zusammenhalt bei der Arbeit, trotzdem sollte man immer den richtigen Abstand einhalten Zur Großansicht
Corbis

Mit den lieben Kollegen: Betriebsfeiern machen Spaß und fördern den Zusammenhalt bei der Arbeit, trotzdem sollte man immer den richtigen Abstand einhalten

Mit dem Chef einen lasziven Tango schieben, dem Nervtöter mal den Marsch blasen und auf Betriebskosten schlemmen? Keine guten Ideen für die Betriebsfeier. Managementberater Rüdiger Klepsch gibt Tipps, wie der Abend mit den Kollegen dagegen richtig Freude machen kann.

Betriebsfeiern machen Spaß! Jedenfalls meistens. Menschen sind soziale Wesen, auch die Kollegen. Sie möchten sich gerne auch einmal auf einer anderen, nicht beruflichen Ebene begegnen - anstatt ständig nur funktional zusammen zu arbeiten. Betriebsfeiern fördern Motivation und Zusammenhalt am Arbeitsplatz und sind eigentlich eine gute Idee. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Gefahren eines Betriebsfestes liegen auf der Hand: Es tut so, als sei es Freizeit - aber egal, was Sie als Mitarbeiter dort machen, alle Kollegen bekommen es mit. Betriebsfeste prägen Ihren Ruf, Ihr Image. Damit beantwortet sich auch die erste Frage, die man sich bei Betriebsfesten stellen kann, von selbst: Sollen Sie da wirklich hingehen? Aber ja! Wer nicht hingeht, sagt damit: An euch Kollegen habe ich kein Interesse.

Nächste Frage: Wie kleiden Sie sich? Darüber entscheidet im Wesentlichen der Ort. Wenn Sie wollen, dass Ihre Person und nicht nur Ihre Kleidung in Erinnerung bleibt, werden Sie die auffälligsten Teile lieber im Schrank hängen lassen. Mehr Stoff verleiht mehr Autorität.

Sie sind auf dem Fest angekommen. Und nun? Nach einiger Zeit bekommen Sie Hunger und gehen ans Buffet. Sieht alles lecker aus. Aber Achtung, ein proppenvoller Teller wirkt gierig und unkultiviert. Vielleicht halten Sie diesen Hinweis für übertrieben - aber Menschen neigen leider dazu, von einer beobachteten Eigenschaft auf andere, nicht beobachtete zu schließen. Dann wird schnell aus einem grob wirkenden Menschen einer, der außerdem nicht in der Lage ist, differenziert zu denken, der auch nicht intelligent, sondern höchstens bauernschlau ist. Klingt weit hergeholt, ist aber völlig alltäglich.

Erzeugen Sie keinen Dichtestress

Ob Sie beim Betriebsfest Freude habe, entscheiden am Ende die Gespräche - die mehr oder weniger gelungene Kommunikation. Dampfplaudern ohne zuzuhören macht niemandem Spaß und ist selten witzig. Aber zum Mauerblümchen müssen Sie sich auch nicht machen. Verkriechen Sie sich nicht in einer Ecke, sondern schauen Sie freundlich in die Runde, suchen Sie den Blickkontakt auch zu Kollegen, die Sie gar nicht so kennen, bieten Sie kleine Gespräche an. Worum es geht, ist gar nicht so entscheidend. Nonverbale Signale sind viel einflussreicher als die gesprochenen Worte. Das Wichtigste ist ein echtes Interesse am Gegenüber.

Am Tisch, an der Bar und beim Small Talk ist es hilfreich, immer den richtigen Abstand einzuhalten. Wie der aussieht, muss man vorsichtig herausfinden. Jeder Mensch hat vier Distanzzonen:

  • Die "intime Distanz", für enge Freunde und Familie, liegt bei etwa 50 Zentimeter.
  • Die "persönliche Distanz" schwankt zwischen einem halben und einem Meter. In ihr bewegen sich vertraute Personen wie Freunde und enge Kollegen.
  • Die "gesellschaftliche Distanz" zu allen anderen Menschen liegt zwischen einem und zwei Metern.
  • Die "öffentliche Distanz" (mehr als zwei Meter) sollte bei Vorträgen oder anderen öffentlichen Ereignissen gewahrt werden.

Vermeiden Sie es, Ihrem Gesprächspartner zu sehr auf die Pelle zu rücken. Sie können leicht für "Dichtestress" sorgen, indem sie seine Distanzschwelle überschreiten - und dann hört er nicht mehr richtig zu. Dichtestress sorgt für das Gefühl: Ich will hier raus!

Reden Sie doch mal mit dem Chef

Auf einer Betriebsfeier bietet es sich an, sich einen Gesprächspartner zu suchen, mit dem Sie sonst wenig reden. Vielleicht Ihren Chef? Aber fangen Sie bloß nicht an, ihm nach dem Mund zu reden. Auch Fragen nach Ihrer persönlichen Karriere sind ein Bumerang.

Ein kurzweiliger Small Talk ist ein Zeichen von Selbstsicherheit und Höflichkeit. Aber angenommen, das Gespräch geht immer weiter und wird zusehends persönlicher - seien Sie gnädig mit Ihrem Gesprächspartner: Zu viel Privates löst Fremdschämen aus.

Die große Falle auf jeder Betriebsfeier kann der Alkohol werden. Mit einem Schwips kommen Menschen auf komische Ideen. Sie wollen dem Kollegen endlich mal richtig die Meinung sagen - das kann zu fatalen Karriereknicks führen. Es gilt der einfache Wahlspruch: Kein Besäufnis in der Nähe Ihres Vorgesetzten und Ihrer Kollegen.

Mit dem Alkohol kommen die komischen Ideen

Frauen stehen dabei ungerechterweise noch stärker unter Beobachtung als Männer. Bei beiden Geschlechtern verstärkt der Alkohol die sowieso vorhandenen Gefühle: Aggressive werden aggressiver, Wütende werden wütender, sexuell Angeregte werden angeregter.

Zwar finden sich die meisten Paare am Arbeitsplatz, aber muss das unbedingt auf dem Betriebsfest ausgelebt werden? Ein kleiner Flirt ist nicht schlimm, aber eine öffentliche Anmache schadet beiden Beteiligten. Die Augen der Kollegen verfolgen alles sehr aufmerksam: redliche, aber auch rüde Annäherungsversuche. Beide sind ein dankbares Thema für den Flurfunk der nächsten Tage.

Bei all diesen Überlegungen denken Sie aber vor allem an eins: Vergessen Sie das Feiern nicht!

Leseraufruf
Corbis
Haben Sie Probleme im Büro?

Jeder kennt sie, die kleinen Ärgernisse des Büroalltags. Die Kollegen tratschen, statt zu arbeiten, der Chef hat von Tuten und Blasen keine Ahnung - und für Sauberkeit in der Kaffeeküche fühlt sich keiner zuständig.

Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann schildern Sie uns Ihre Bürosorgen per E-Mail , gern auch anonym. Managementberater Dr. Rüdiger Klepsch nimmt sich des Problems an - und gibt Tipps, wie Sie die Situation am besten meistern.

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Zum Autor
  • Rüdiger Klepsch
    Rüdiger Klepsch arbeitet seit 1990 als Managementberater (Dr. Klepsch & Partner). Er hilft Führungskräften und Mitarbeitern, ihre kommunikativen und sozialen Fertigkeiten zu verbessern. Zuvor war der studierte Psychologe als Psychotherapeut am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg tätig.
  • www.klepsch-partner.de

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