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Trickfilmprofi bei Pixar Ein Traumjob im Hightech-Spielzeugladen

Haarige, schleimige, knallbunte Figuren, 227.000 Zeichnungen und superschnelle Rechner - die Arbeit bei Pixar ist besonders. Vier Jahre lang tricksten Spezialisten am neuen Film "Monster Uni". Ein geduldiger Deutscher half mit. Ein hochgiftiger Tausendfüßler auch.

Wenn Michael Honsel aus Würzburg an seinen Job denkt, dann dreht sich sofort ein kunterbuntes Gedankenkarussell: Der Wahlkalifornier mit Hawaii-T-Shirt arbeitet in einem ganz besonderen Laden, der kalifornischen Animationsschmiede von Pixar. Für ihn ein "Traumjob". Honsel, 28, ist Absolvent der Brandenburger Akademie für digitale Medienproduktion. Und er ist Character Technical Director von "Monster Uni", dem neuen Pixar-Spielfilm, der seit Donnerstag in Deutschlands Kinos läuft.

Honsels Aufgabe: Nach gezeichneten Vorlagen baut er im Computer dreidimensionale Modelle und programmiert den digitalen Film-Figuren beim Rigging-Prozess zig Kontrollpunkte an den Körper. "Als ob ich Fäden an Marionetten knüpfe, die dann später von den Animatoren bewegt werden und den Charakteren die typischen Bewegungen und Gesichtsausdrücke verleihen", erklärt er.

Sein Arbeitsplatz ist eine bunte Mischung aus Spielzeugladen, Kunstgalerie und schnellen Supercomputern, die viele High-Tech-Betriebe auch gern hätten. Das Trickfilmmekka Pixar bei San Francisco, das Apple-Computer-Gründer Steve Jobs vor über 25 Jahren von Lucasfilm kaufte, hat die Zeichentrickwelt revolutioniert, mit dreidimensionalen Hits wie "Toy Story", "Die Monster AG", "Findet Nemo" und "Oben" .

40 Charaktere, 400 Monster, drei Millionen Haare

Auf dem Pixar-Gelände schreiten Besucher und Mitarbeiter zunächst durch ein künstliches Tor mit der Aufschrift "Monsters University" - als würde man den Campus einer Elite-Universität betreten. Mike und Sulley, die Hauptcharaktere aus "Monster AG" und "Monster Uni", grüßen als überlebensgroße Figuren am Eingang der riesigen Animationsfabrik. Drinnen in einer Lounge-Ecke gemütliche Sofas, Tischtennisplatten, Tischfußball, in den hellen Fluren und Büros jede Menge Platz für bunte Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der Pixar-Lieblinge.

"Toy Story" wurde 1995 als erster Spielfilm komplett am Computer erzeugt und als Meilenstein in der Filmgeschichte gefeiert. Mit "Die Monster AG" ging Pixar 2002 noch einen Schritt weiter. Das haarige Monster Sulley, von Beruf Kinderschreck, hatte dank ausgefeilter Computertechnik über drei Millionen Haare in seinem flauschigen Pelz.

Damals arbeiteten 600 Künstler und Ingenieure in der Trick-Hochburg, heute sind es doppelt so viele. Das Team um Story Supervisor Kelsey Mann hat Jahre in die Geschichte der "Monster"-Charaktere gesteckt. 227.000 Zeichnungen hätten sie gemacht, mehr als für jeden anderen Pixar-Film, erzählt Mann. Der Originalfilm hatte 40 Charaktere, jetzt sind es über 400 haarige, schleimige und kunterbunte Monster. Blitzschnell skizziert Mann am Computer den einäugigen Mike mit ängstlichem Gesicht. "Die Zuschauer sollen sich mit unseren Figuren identifizieren, auch wenn es nur ein kleiner grüner Augapfel ist", grinst der Zeichner.

Giftiger Tausendfüßler im Büro, zur Inspiration

Als Produktionsdesigner ist Ricky Nierva für den Look des Films zuständig. Möglichst echt soll es wirken. So holte sich Nierva einen lebendigen hochgiftigen Tausendfüßler aus Südamerika ins Büro, als Vorbild für die unheimliche Dekanin Hardscrabble, Leiterin der Fakultät für Angst und Schrecken.

"Das war total eklig", erzählt der Filmemacher. "Biologen warnten uns vor schmerzhaften Bissen." Aber sie konnten bei dem lebendigen Exemplar jede Bewegung für ihr animiertes braunrotes Monster abschauen.

Hinter der lockeren Pixar-Fassade steckt monströs viel Arbeit. Wenige Sekunden lange Sequenzen erforderten am Computer wochenlange Bastelei. "Man muss viel Durchhaltevermögen und Geduld haben", sagt Michael Honsel. "Das sieht hier alles nach sehr viel Spaß aus, aber es ist natürlich total viel Arbeit."

Der gebürtige Bayer ist längst von Monstern auf Dinosaurier umgestiegen. Um die geht es in Pixars nächstem Film "The Good Dinosaur", der 2014 in die Kinos kommen soll.

Barbara Munker/dpa/jon

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