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10. Juni 2012, 08:40 Uhr

Kleine Riesen

Rote Laternen schippern von Bremen um die Welt

Auf hoher See muss eine Laterne mehr können als leuchten. Mal ist es klirrend kalt, mal flirrend heiß, dauernd spritzt Salzwasser aufs Gehäuse. Eine kleine Bremer Firma baut Leuchten, die Wind und Wellen trotzen. Und hat damit weltweiten Erfolg.

Nass gespritzt, in Salzwasser getaucht, durchgeschüttelt und erhitzt - die Laternen von Aqua Signal haben einiges hinter sich, bis sie verkauft werden. "Auf hoher See darf eines nicht passieren: Die Lampen dürfen nicht kaputtgehen", sagt Laborleiter Hasso Alexander Schulz, verantwortlich für die Simulationstests bei dem Bremer Schiffslampenhersteller.

Etwa 250.000 Produkte hat Aqua Signal im Angebot: Navigationsleuchten für Containerschiffe, Deckenlampen für Fischerboote, Leuchten für U-Boote, Lichterketten für Kreuzfahrtschiffe und sogar explosionsgeschützte Laternen für Tanker und Ölplattformen. "Einer unserer größten Aufträge war im vergangenen Jahr ein Navy-Flugzeugträger", so Geschäftsführer Jörg Koch-Losekamm. "Den haben wir komplett mit Lampen ausgestattet - vom Flugdeck bis zur Kajüte und Kombüse."

An Bord sind Navigationslampen und Suchscheinwerfer besonders harten Bedingungen ausgesetzt. Es rüttelt, mal ist es klirrend kalt, mal flirrend heiß, und immer wieder spritzt salziges Wasser auf das Gehäuse. Deswegen schickt Schulz jede Neuentwicklung auf einen Testparcours: Die Lampen müssen durch ein Salzbad, auf ein Vibrationsbrett und in einen Temperaturschrank - nur so können sie die strengen Normen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie erfüllen.

Konkurrenz aus China und Korea

Aqua Signal gehört zum norwegischen Konzern Glamox. In Deutschland hat das Bremer Unternehmen rund 80 Prozent Marktanteil, weltweit etwa 25 Prozent. "In unserem speziellen Segment sind wir Weltmarktführer", sagt Koch-Losekamm. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer bestätigt das zwar nicht direkt, doch der Hersteller sei "als erfolgreiches Signaltechnik-Unternehmen bekannt" - ein kleiner Riese auf einem Spezialmarkt.

Konkurrenten haben die Bremer vor allem auf dem asiatischen Markt in China und Korea. Bislang konnten sie sich aber auch dort durchsetzen, einer ihrer größten Kunden ist Mitsubishi in Japan. In Deutschland ist die Meyer Werft in Papenburg ein großer Abnehmer der Laternen. Das größte Geschäft macht Aqua Signal aber mit der Ausstattung von Containerschiffen: Rund die Hälfte des Umsatzes von 34 Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet die Firma mit Lampen für Frachter. 2011 kam Auqa Signal auf einen Gewinn von 4,3 Millionen Euro.

Die Logistikzentrale des Unternehmens ist in Bremen. "Wegen der Nähe zum Meer ist das ein idealer logistischer Standort", sagt Koch-Losekamm. Hier arbeiten rund 150 Werkzeugbauer, Prüftechniker und Lagerarbeiter. Die Glühbirnen kauft Aqua Signal von anderen Unternehmen ein. Zusammengebaut und verpackt werden die Lampen von etwa 100 Mitarbeitern in Teterow in Mecklenburg-Vorpommern.

Um der schwierigen Auftragslage der Schiffsbauer in den vergangenen Jahren entgegenzuwirken, konzentriert sich der Lampenhersteller zunehmend auch auf die Beleuchtung von Windrädern - auch in Offshore-Windparks. "Hier herrschen ähnliche Bedingungen wie auf manchen Containerschiffen", so Laborleiter Schulz. Neue Lampen für die Energieanlagen auf dem offenen Meer müssen also ebenfalls erst mal den Salznebeltest bestehen.

Anja Mia Neumann/dpa/vet

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