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Recycling-Ware für den guten Zweck Shoppen hilft!

Fotostrecke: Upcycling: So wird aus Müll Design Fotos
Billy & Hells

Bilderrahmen aus Treibholz oder Handtaschen aus Ledersofas - Upcycler machen Neuware aus Abfällen. Einige von ihnen verbinden den Verkauf ihrer Luxusware auch noch mit einem guten Zweck. So können modisch geschnittete Mehlsäcke auch das Gewissen der Kunden erleichtern.

Für den einen ist es Schrott, für Benjamin Rüggeberg eine kleine Goldgrube. Altes, modriges und oft feuchtes Holz, das irgendwo am Straßenrand von Kapstadt herumliegt. Etwa alle zwei Monate bekommt der 39-Jährige eine Containerladung aus Südafrika geliefert.

In Deutschland verkauft er das Holz als Bilderrahmen. Von Postkarten- bis Postergröße stapeln sich gut 2000 Stück im Lager seiner Firma Cape Times. Es sind alles Unikate mit, im wahrsten Sinne des Wortes, Ecken und Kanten und abgewetzten, scheckigen Oberflächen. "Diesen Look kriegt man synthetisch gar nicht hin", sagt Rüggeberg, der von Menschen lebt, die ihre Wohnungseinrichtung nicht in schwedischen Möbelhäusern kaufen wollen, sondern gezielt in kleinen, feinen Ateliers wie seinem. Die Interieur mögen, das auf alt gemacht aussieht.

Nur sind die Holzrahmen von Cape Times wirklich alt. "Das ist authentisch", findet der Mann, der selbst in Südafrika aufgewachsen ist. "Die einzige Bearbeitung besteht darin, dass wir Nägel und Schrauben entfernen, die Rückseite einmal hobeln und das Holz mit einem Mittel gegen Holzwürmer behandeln."

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Edel-Recycling: Möbel aus alten Turngeräten
Die Rahmen kosten, je nach Größe, zwischen 35 und 249 Euro und sind begehrt. Trotzdem hat Benjamin Rüggeberg vier Jahre gebraucht, bis er von seinem Geschäft leben konnte. Nicht ohne Grund: Das Holz kauft er verhältnismäßig teuer ein, weil er sich sozial engagieren will. Sein Lieferant ist die Firma Luna Designs aus Kapstadt. Die lässt das Holz von Obdachlosen einsammeln, nimmt es ihnen für zwei bis vier Euro den Meter ab - für dortige Verhältnisse ein guter Kurs.

"Ich könnte das alles billiger haben", sagt Benjamin Rüggeberg. "Ich könnte nach China gehen und auf alt gemachte Rahmen für einen Spottpreis einkaufen. Jeder Geschäftsmann würde sich an den Kopf fassen!", lacht er. Benjamin Rüggeberg hat seine Berufung gefunden: "Ich will Südafrika modern und jenseits von geschnitzten Giraffen präsentieren und gleichzeitig etwas Gutes tun."

Für diese Handtasche geht ein Kind ein Jahr lang zur Schule

Was Gutes tun - das wollen die Jungunternehmerinnen Andrea Noelle und Annika Busse aus Hamburg auch, und vor allem wollen ihre Kunden das. Denn Beliya, ihr Label für Handtaschen, behauptet: Jeder Kauf ermöglicht einem Kind in Afrika den Schulbesuch für ein Jahr. "Wir haben sechs verschiedene Produkte. Wenn alle gekauft werden, kann ein Kind ein Jahr zur Schule gehen", erklärt Andrea Noelle. "Wenn ein Kunde zum Beispiel den Weekender, unsere große Umhängetasche kauft, deckt der Erlös die Schulgebühren. Ein anderes Teil ermöglicht die Fahrt mit dem Schulbus."

Die Freundinnen stehen in engem Kontakt mit Hilfsorganisationen, wie Steps for Children, einer Initiative, die Vorschulen unter anderem in Namibia gegründet hat und für ihre Leistungen vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde. Beliya konnte nach eigenen Angaben seit der Unternehmensgründung vor sechs Monaten schon 40 Kindern helfen.

Der Haken: Für Andrea Noelle und Annika Busse bleibt vom Geld nichts übrig. Entwicklungshilfe ist ihnen gerade wichtiger als Profit. Sie leben von ihren Ersparnissen, hoffen auf einen Investor, wollen im Sommer bei der Fashion Week in Berlin dabei sein.

Müll von Jil Sander

Die Taschen laufen gut, auch wenn sie streng genommen aus Abfall sind. Gut, es ist Müll von Designern wie Jil Sander. Annika Busse erklärt: "Die Textilien sind Überschüsse aus Prêt-à-Porter-Kollektionen, das Leder von hochwertigen Sofas, die aber nicht verkauft werden, weil sie fehlerhaft sind." Auch weil Beliya günstig an die Stoffe kommt, können kleine Handtaschen teilweise für um die sechzig Euro angeboten werden. Die Unternehmerinnen wollen die Masse ansprechen und damit auch Spendenmuffel.

Wer in den Laden von Christine Mayer nach Berlin-Mitte kommt, ist in der Regel bereit, mehr auszugeben. Bei ihr kostet eine Jacke über 700 Euro, ein T-Shirt um die hundert Euro. Auch sie spendet Geld an Hilfsprojekte, auch sie betreibt Upcycling, und das auf höchstem Niveau. Doch mit dem Unterschied, dass ihre Kunden oft nichts davon wissen. "Ich möchte nicht, dass man meinen Produkten sofort ansieht, was sie ursprünglich einmal waren. Aber natürlich erzähle ich gerne die Geschichten dazu," sagt die Modedesignerin, die sich als Künstlerin sieht. Für ihre Mayer Peace Collection hat sie Militärsäcke von der Bundeswehr verarbeitet oder schwedische Ein-Mann-Zelte.

Eine Schule für Afganistan

"Natürlich geht es mir auch um Nachhaltigkeit. Aber vor allem interessieren mich alte Materialien mit Geschichte. Die haben eine ganz andere Aura. Und das spüren meine Kunden auch." Klar, wer hatte schon mal einen 150 Jahre alten Mehlsack von einer bayerischen Mühle am Körper? In Kleinstarbeit arbeitet Christine Mayer einen Saum ein oder färbt einige Stellen nach. Knopfleisten und Ösen bleiben, wo sie sind.

Das Ergebnis sind modische, taillierte Kleidungsstücke. "Ich spende einen Teil meines Gewinns. In Afghanistan habe ich vor einigen Jahren geholfen, eine Schule mit Bibliothek aufzubauen," erzählt sie, "in Indien unterstütze ich Waisenhäuser." Ihre aktuelle Charity-Aktion kommt einem Projekt in Nepal zugute. Der Gewinn aus dem 98-Euro-Shirt geht komplett an einen befreundeten Arzt vor Ort, der bedürftigen Kindern Hilfe leistet.

Aber nicht alle Charity-Shirts sind upgecyclet. Das letzte war verhältnismäßig unoriginell aus Biobaumwolle. Aber hing immerhin gleich neben Oberteilen aus Algen-Jersey. Denn Müll wird Mayer auch nicht mehr hinterher geschmissen: "Die Zeiten sind langsam vorbei. Immer mehr Designer wollen Abfall haben."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Sarah J. Tschernigow ist freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Ressourcenschonung beginnt mit Modeverzicht.....
zensorsliebling 19.04.2013
Wer seine Bedarfsgegenstände nach Nutzwert und Langlebigkeit anstelle modischer Kriterien auswählt schon Ressourcen und Geldbeutel. Gerade Frauen fahren besonders häufig auf modische Trends ab und erneuern permanent Kleidung, Schuhe, Handtaschen, Möbel.... Neuerdings "hat man" sogar Kochmesser in Frühlingsfarben. Wie bescheuert darf man sein? Soll ich jetzt meine hochwertigen, lebenslang nutzbaren Kochmesser verschrotten und mir mistige frühlingsfarbene Messer mit Blechklinge kaufen?
2. Leider...
EvenD 19.04.2013
...sind die Klamotten auf den ersten Bildern so mit Photoshop verfälscht, das man sich garkein ordentliches Bild machen kann...in "echt" sehen die Teile nämlich ziemlich fad und, nun...billig aus...schade drum.
3. Ich könnte kotzen
ComLark 22.04.2013
klingt ja alles ganz toll, aber die 100 Turngeräte sind einfach nur ein Witz. Im Gegensatz zum Taschen aus Capri-Sonne-Pakungen sehen sieh allerdings ganz gut aus (Retro-Leder ;-) ). Viel wichtiger wäre es allerdings den im zig tausend Tonnen-Bereich liegenden Plastikmüll gar nicht erst entstehen zu lassen. Wenn sich hier ein paar Leute sich eine Barren-Bar zugelegt haben die 20-30 Jahre lange als Turngerät genutzt wurde ist das vielleicht ganz schön, da das Ding noch eine weitere Nutzung erfährt aber das Verhältnis von Ressourcenverbrauch/Zeitnutzen ist schon ziemlich gut. Wenn man danach in den Supermarkt geht und jedes Gemüse einzeln in Plastiktüten Ressourcen/Nutzen Verhältnis =Katastrophe. Ich finde es irgendwie erbärmlich, dass diese Leute denken, das hilft. Helfen würden ein Plastiktütenverbot nur noch Papiertüten aus Altpapier. Eine Verpackungssteuer. Transport teurer machen, was ist das für ein ökologischer Bullshit die Krabben zum pulen nach Marokko zu karren? Nur weil da die Arbeitskraft n paar Cent billiger ist. Nebenbei gehen 8 Tanks Diesel für Fahrt und Kühlung drauf. Wenn ich bei Äpfeln lese "Herkunftsland: Neuseeland" top wahrscheinlich auch Luft-Cargo ja? Interessant waren auch die Wege des Pferdefleisches des letzten Lebensmittelskandals. Für jedes Kilo Fleisch noch mal ein Liter Benzin fürs rumkarren und es ist trotzdem noch billiger also hier "normales" Fleisch zu produzieren. Ja Leute macht weiter so, kauft euch Möbel auf denen schon eure Eltern rumgeturnt sind und fühlt euch mal richtig geil denn ich tut was für die Umwelt! Dann noch schnell in den Cayenne und beim Supermarkt ein halbes Kilo Verpackungsmüll kaufen, das dann auch bitte in die gelbe Tonne, zur (thermischen) Verwertung ins nächste Stahlwerk. Hach mit gutem Gewissen lässt sichs eben leben.
4. Upcycling ist sinnvoll
Recycling-Vielfalt 07.12.2013
Wir betreiben selbst einen Online-Shop für Mode- und Wohnaccessoires aus recycelten Materialien (http://www.recycling-vielfalt.de/shop/de/Taschen-und-Taeschchen/l-KAT05). Diese Produkte sind eine wichtige Alternative zu herkömmlicher Massenware. Wichtig wäre in jedem Fall ein Trend hin zu mehr Bescheidenheit. Wir leben in einer Welt, in der das tägliche Konsumieren von Modeartikeln fast wie eine Droge wirkt. Aber wenn schon Konsum, dann sind Upcycling-Produkte doch auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Persönlich wäre es mir lieber – vor allem im Hinblick auf die Generation unserer Kinder – wenn der permanenten Neuproduktion mit ihrer Rohstoffverschwendung etwas entgegengesetzt werden könnte. Aber solange das nicht der Fall ist, halte ich es für eine gute Sache, Plastiktüten oder Planen-Reste in Form von Taschen oder anderen Modeartikeln einer neuen langlebigen Verwendung zuzuführen. Diese Tüten landen schon einmal nicht als Mikropartikel irgendwo an unseren Stränden. Zumindest vorerst nicht.
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"Heute würden wir einiges anders machen", sagen die Gründer von "fairliebt". Vor allem hätte eine Strategie ihnen geholfen, Entscheidungen nicht nur nach dem Bauchgefühl zu treffen. Die Drauflos-Methode hat sich für die beiden als Eigentor entpuppt: Immer nur das zu tun, was gerade anfiel, machte eine gründliche Unternehmensplanung und Zielgruppenanalyse unmöglich. Die Frage "Wo will ich hin?" sollte man sich ganz am Anfang einer Firmengründung stellen.
Kaufmännisches Know-How
Rechnen ist wichtig - zu der Erkenntnis kamen die "fairliebt"-Gründer zu spät: "Uns hat vieles interessiert, aber nicht die dezidierte Auseinandersetzung mit der grauen Welt der Zahlen", sagt Mathias Ahrberg. "Eine Buchhaltung gab es nur für die Steuer. Wir dachten: Schließlich hat man ja alles im Kopf und kennt die eigenen Zahlungsströme." Neugründern empfiehlt der BWL-Stundet ein gutes Warenwirtschaftssystem. "Das liefert überschaubare Daten und hilft bei der Strategiegenerierung."
Qualität
Das A und O bei einem eigenen Label ist die Qualität. Die Designerin Anna Fuchs empfiehlt zwar, mit dem Budget gut zu haushalten, jedoch solle man niemals Qualitätseinbußen beim Produkt akzeptieren. Der Leitsatz "Not macht erfinderisch" sei richtig, gelte aber vor allem für die Bereiche Marketing und PR. Bei Rohstoffen, Lieferanten und Produzenten sollte man keine Abstriche machen.
Zielgruppe
"Warum brauchen Menschen Kleider?", fragt Anna Fuchs. "Um sie Anzuziehen, am besten jeden Tag." Deshalb sollte die Zielgruppe, der man seine Kleider verkaufen will, sehr gut gewählt sein. Dabei spielen nicht nur Alter und Figur eine Rolle, sondern auch das soziale Umfeld und die Kaufkraft der potentiellen Kunden. Wichtig findet Anna Fuchs außerdem einen eigenen Laden, in dem der Designer seine Sachen selbst präsentiert. "Das schafft Nähe zu den Kunden und Kundinnen: Man erfährt, worauf es ihnen ankommt."
Netzwerken
Bei jeder Neu-Gründung ist am Anfang das Geld knapp, daher ist es unumgänglich, die Ressourcen im Bekanntenkreis anzuzapfen. Bezahlte Profis seinen zuverlässiger und natürlich oft auch kompetenter, sagt Mathias Ahrberg: Echte Models sagen ein Fotoshooting nicht kurz vorher ab. Ahrberg erzählt von mündlichen Absprachen, an die sich am Ende niemand mehr erinnerte. Deshalb: lieber schriftliche Verträge machen. Anna Fuchs rät, Freunde nur anzuheuern, wenn auch für sie durch den Deal Vorteile entstehen: Der Fotograf kann die Bilder in seiner Mappe verwenden, das Model bekommt eine kostenlose Sedcard und Produktionskosten werden selbstverständlich erstattet.


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