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14. Juli 2011, 08:46 Uhr

Von Beruf Lichtdesigner

Experten für den schönen Schein

Von Anja Tiedge

Sie mauern nicht, sie malern nicht, und doch gestalten sie - Lichtdesigner machen Räume groß und hell, ohne auch nur eine Wand zu versetzen. Bei der Inszenierung von Stimmungen müssen viele Architekten passen. Lichtdesigner dagegen wissen genau, wie Glühbirne, Halogen & Co. wirken.

"Hier kann man doch nicht Omas alte Lampen aufhängen." Sichtbeton, Glas - Susanne Krögers* Architektenhaus ist zwar ultra-modern, aber gemütlich wollte sie es dennoch haben. "Wo brauchen wir welches Licht, damit es wohnlich wird?", war die Frage, die sich Kröger und ihr Mann beim Bau ihres Eigenheims vor zwei Jahren stellten.

Die Architekten der Villa im vornehmen Hamburger Stadtteil Blankenese konnten den Bauherren damals nicht recht weiterhelfen. "Beim Bau waren sie toll, aber bei der Beleuchtung sind sie schnell an ihre Grenzen gestoßen." Dennoch wollten die Unternehmerin und ihr Mann schon vor dem Baustart entscheiden, wo sie welche Leuchten platzieren. Auf die Empfehlung einer Freundin hin engagierte Kröger deshalb einen Lichtdesigner. Die Planer der Firma Licht 01 entwarfen ein Konzept, dem nur zwei Dinge zugrunde lagen: der Bauplan und der Wunsch der Bauherren, spannungsvolles Licht zu schaffen, das trotzdem wohnlich sein soll.

Das spröde Ergebnis: Eine Zeichnung mit jeder Menge Kreuzen, Kreisen und Sternchen, daneben computergenerierte Bilder von Leuchten und rätselhafte Sätze wie: "Strahler in einem Wandschlitz in der Brüstung versteckt beleuchten die Sichtbeton-Wandflächen oder gegebenenfalls Bilder auf den Wänden."

Die Bauherren waren verwirrt. "Auf dem Papier war nur schwer vorstellbar, wie es einmal aussehen soll." Erst ein Computerprogramm, das Räume und Leuchten auf Grundlage der Zeichnung dreidimensional darstellte, sorgte für mehr Klarheit. "Wir hatten zwar eine ungefähre Vorstellung, wie das Haus samt Beleuchtung aussehen soll. Allein hätten wir das aber nicht umsetzen können", sagt Kröger. "Für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt, mit einem Lichtdesigner zu arbeiten."

Lichtplanung ist Luxus

Die Experten rücken private und gewerbliche Häuser und Wohnungen in das vom Kunden gewünschte Licht. Sie zeigen ihnen, welche Leuchtmittel sie wo einsetzen, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen und planen die zugehörigen Schaltkreise. Für das Design der Leuchten sind sie aber nicht zuständig - anders als viele Kunden annehmen. Denn wie die Lichtquelle aussieht, ist zweitrangig: "Die Lichtwirkung sollte im Vordergrund stehen, nicht das Design der Leuchte", sagt Katja Winkelmann, Mitinhaberin von Licht 01. Auf Wunsch würden sie zwar Modelle vorschlagen, grundsätzlich arbeiten Lichtplaner aber unabhängig von Herstellern.

"In den USA sind bei vielen Bauprojekten Lichtplaner mit im Spiel", sagt Winkelmann. In Deutschland dagegen werde noch vergleichsweise selten danach gefragt, die Branche habe sich erst in den vergangenen 10 bis 15 Jahren entwickelt. Noch immer gilt es als Luxus, Lichtplaner zu Rate zu ziehen, zumal ihre Arbeit nicht günstig ist: Das Beleuchtungskonzept eines Einfamilienhauses kostet mindestens einen Betrag im unteren vierstelligen Bereich. Für Umsetzung, Lampen und Leuchten zahlt man extra. "Die Kosten sind stark vom Aufwand abhängig und davon, wie lange wir ein Projekt begleiten", so Winkelmann.

Jeder Elektriker ein Lichtdesigner?

Ein weiterer Grund, warum viele Bauherren sich schwertun, Lichtdesigner zu engagieren: Man weiß erst einmal nicht, was man bekommt. Denn die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Damit könnte sie theoretisch jeder Elektriker führen.

Winkelmann selbst ist studierte Architektin und lernte Lichtdesign in der Praxis. Ihr Onkel hatte sie auf die Idee gebracht, Architektur mit Lichtplanung zu verbinden - in der Hoffnung, sie würde eines Tages den Elektroinstallationsbetrieb ihres Vaters übernehmen. "Das mit dem Betrieb hat nicht geklappt. Das mit dem Licht schon." 2001 gründete Winkelmann Licht 01.

Heute berät sie gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner und sechs Mitarbeitern ihre Kunden bei der Ausleuchtung von gewerblichen Gebäuden, Arbeitsplätzen und Wohnbereichen. Dabei gibt es durchaus einige Tricks, die universell anwendbar sind. "Im Privatbereich ist es besser, nicht nur eine Lichtquelle in der Raummitte zu haben, sondern mehrere Leuchten im Raum verteilt", sagt Winkelmann. "Die verschiedenen Leuchten wirken als Lichtinseln. Je mehr sich davon im Raum befinden, desto besser lässt sich mit Stimmungen spielen."

Der wichtigste Button: "Alles aus"

Um unterschiedliche Lichtstimmungen zu erzeugen, schwört die Lichtdesignerin zudem auf dimmbare Leuchten. "Wir empfehlen Halogenlampen für den Privatbereich, da sie eine sehr gute Farbwiedergabe haben, dimmbar sind und ein angenehmes brillantes und warmes Licht abgeben." Halogenlampen sparen verglichen mit einer Glühlampe mindestens ein Drittel der Energie, die Lebensdauer ist allerdings geringer als bei Energiesparlampen und LED-Leuchten.

Für Arbeitsplätze eignen sie sich deshalb nicht. "Bürobeleuchtung ist energieaufwändig", sagt Winkelmann. Grund dafür sind die gesetzlichen Vorschriften für die Beleuchtung am Arbeitsplatz: "Es gibt Euro-Normen, die Mindesthelligkeiten fordern." Mit 500 Lux sei etwa die Beleuchtungsstärke laut Norm relativ hoch. "Vielen ist das zu hell, vor allem abends, wenn der Rest des Raums dunkel ist", so die Lichtplanerin.

Die Herausforderung in Büros sei es deshalb, eine gute Lichtqualität sicherzustellen und gleichzeitig energieeffizient und damit wirtschaftlich zu planen. Winkelmann empfiehlt LED-Leuchten für die Grundbeleuchtung im Büro und zusätzliches individuelles Licht für die einzelnen Arbeitsplätze.

LED-Lampen haben zwar die längste Lebensdauer, vielen ist jedoch ihre Farbwiedergabe zu schlecht. Nichts für das Blankeneser Eigenheim: Hier haben die Lichtplaner auf dimmbare Halogenlampen gesetzt, die obendrein zentral steuerbar sind. Für jede Tageszeit haben sie ein eigenes Lichtszenario entwickelt und alle Leuchten darauf eingestellt.

Auf einem Touchscreen kann Kröger alle Leuchten zentral einstellen. Sie muss sich dafür allerdings durch ein beachtliches Menü klicken. Den wichtigsten Button, sagt Kröger, findet sie aber auf Anhieb. "Alles aus" steht darauf.

* Name geändert

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