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Pinselmacher Ein haariger Job

Pinselmacher: Dicke Borsten für feine Striche Fotos
DPA

12.000 Euro für ein Kilogramm Haare - das Feuerwiesel aus Sibirien trägt einen wertvollen Schweif. Mit den Härchen lässt sich besonders gut malen. Eine Nürnberger Firma verarbeitet Tierhaare zu Pinseln aller Art. Jedes Büschel wird von Hand gebunden.

Orangefarbene Säcke voller Rinderohren, Wieselschwänze und Ziegenhaar - den Schatz der Nürnberger Firma Defet erkennt man erst auf den zweiten Blick. Bis zu 12.000 Euro kostet ein Kilogramm Feuerwieselhaare, aus denen die beliebten Kolinsky-Rotmarderpinsel gefertigt werden. Entsprechend gut sind die Stoffbeutel gesichert: Holzkisten schützen sie vor Maden, dicke Gitterstäbe an den Kellerfenstern vor Dieben. Doch es ist nicht nur der finanzielle Verlust, den die Pinselfirma fürchtet. Die Haare sind nur schwer zu bekommen.

Um jederzeit alle rund 5000 Pinsel aus ihrem Sortiment liefern zu können, hortet das Unternehmen das bis zu Eineinhalbfache des Jahresbedarfs. Aus dem Schweif eines Feuerwiesels können nur 1,5 Gramm Haare gewonnen werden - das langt für gerade einmal drei Pinsel der Stärke acht, die jedes Kind in seinem Wasserfarbkasten hat. Gerade für die Schulen kommen jedoch viele Pinsel wegen der niedrigen Produktionskosten inzwischen aus China.

Das Zentrum der europäischen Pinselindustrie ist in der Region Nürnberg, genauer gesagt rund um Bechhofen an der Heide. Rund 30 Hersteller haben dort noch immer ihren Sitz, die meisten produzieren in Handarbeit. So auch die Nürnberger Firma Defet. Zielsicher packt Pinselmacher Horst Freisler ein Büschel Haare, steckt es in einen kleinen Messingköcher und schlägt ihn auf den Marmortisch. So sortieren sich die Haare und werden nicht statisch aufgeladen. Mit einer blitzschnellen Handbewegung zieht Freisler die Haare heraus - und runde, spitze, breite oder gefächerte Pinsel kommen zum Vorschein.

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"Die Pinselform wird nicht rausgeschnitten, sondern rausgeformt", sagt Defet-Vetriebschef Gerhard Schering. Nur so behielten die Haare ihre natürliche, feine Spitze. Die Ausbildung zum Pinselmacher dauert drei Jahre, eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. Die Bezahlung ist eher mau: Selbst im dritten Lehrjahr gibt es nur 600 Euro brutto.

Mit den Lippen hält Freisler einen Faden fest, den er geschickt um das Büschel wickelt. Dann steckt er es in die metallene Zwinge, die den Pinselkopf später mit dem Stiel verbinden wird. Noch ein paar kräftige Striche mit einem Kamm, so dass die lockeren Haare davonfliegen - und schon greift sich Freisler das nächste Büschel.

Die Hoch-Zeit ist vorbei

1200 Euro kostet der teuerste Pinsel des Unternehmens. Knapp vier Fünftel des Umsatzes macht Defet mit Künstlerbedarf, den Rest mit Kosmetikpinseln - ein wachsender Markt. Das bestätigt Hans Zahn, Geschäftsstellenleiter des Verbands der Deutschen Pinsel- und Bürstenhersteller. "Im Moment laufen Kosmetikpinsel sehr gut. Im Schulbereich ist es etwas schlechter, vor allem im Billigbereich ist der Wettbewerb aus China extrem hoch", sagt er.

Künstler seien meist besonders treue Kunden. Und auch viele Kreative aus dem Ausland vertrauten auf die deutsche Markenware. Problematischer sei die Lage bei Pinseln und Bürsten zum Streichen von Wänden - wenn da eine Baumarktkette zur Konkurrenz wechsele, könne die betroffene Firma das nur schwer kompensieren, sagt Zahn.

So mancher Pinselhersteller verschwand in den vergangenen Jahren in der Insolvenz. Andere fanden keinen Nachfolger für den in Rente gehenden Inhaber. "Die Hoch-Zeit der Branche ist vorbei", sagt Zahn. Wer sich eine Nische suche und investiere, habe aber oft Erfolg.

Defet hat neben der manuellen eine maschinelle Fertigung eingeführt, um den wachsenden Markt von Pinseln mit synthetischen Haaren zu bedienen. Inzwischen kommt rund die Hälfte aller Pinsel aus den selbst konstruierten Maschinen. "Der Wind weht schon seit zehn, 15 Jahren ziemlich stark", sagt Geschäftsführer Hermann Meyer. "Diejenigen, die sich darauf eingestellt haben, haben auch gute Chancen, sich am Markt zu behaupten."

Elke Richter/dpa/vet

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
LeToubib 08.09.2012
Was soll man ueber den Beruf des Pinselmachers schreiben, ausser dass er einer der wenigen ist, bei denen Milzbrand eine anerkannte Berufskrankheit darstellt - insbesondere bei der Verarbeitung von Haaren aus dem Osten ...
2.
neu_ab 09.09.2012
Ich finde, die Künstler sollten mit Kunstfasern malen & helfen, diese armen Tiere zu verschonen.
3. ...
btsvschorse 10.09.2012
Zitat von neu_abIch finde, die Künstler sollten mit Kunstfasern malen & helfen, diese armen Tiere zu verschonen.
kunstfasern sind nun mal richtig mist um damit farben und auch lacke richtig aufzutragen. Da sind Haare und Borsten nun mal deutlich besser. und solange es keine alternativen gibt, die funktionieren.... mich ärgert mehr, dass 600€ ausbildungsvergütung als geringer Verdienst bezeichnet werden. da bekommt die masse der deutschen azubis weniger und genügend leute verdienen auch im arbeitsleben nicht mehr...
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