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Tipps fürs Vorstellungsgespräch "Was sind Ihre größten Schwächen?"

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Corbis

Bewerbungsgespräch: Die Angst sitzt mit am Tisch - auf beiden Seiten

Über die Stelle weiß man Bescheid, das Unternehmen kennt man, den eigenen Lebenslauf sowieso - besser kann man sich auf ein Vorstellungsgespräch nicht vorbereiten? Doch! Anne Jacoby und Florian Vollmers geben Antworten auf fünf Klassiker der fiesen Personalerfragen.

Bei Vorstellungsgesprächen sitzt die Angst mit am Tisch - auf beiden Seiten. Nicht nur für Bewerber steht viel auf dem Spiel, auch Personaler zittern: Ist dieser Kandidat der Richtige fürs Unternehmen? Oder ruiniert er den Laden? Und kostet mich am Ende noch den eigenen Job?

Wer die sozialen und ökonomischen Hintergründe eines Jobinterviews durchschaut, nimmt der Personaler-Show den Zauber: Sie sehen sich das Spiel gewissermaßen von außen an. Sie spielen mit, gehen aber nicht unter.

Dass der Erfolg eines Vorstellungsgesprächs zu einem großen Teil von Ihrer Persönlichkeit abhängt, können Sie überall lesen. Damit wird eine Botschaft stark gemacht, die gegenüber Bewerbern geradezu unverschämt ist: "Wenn Sie im Vorstellungsgespräch scheitern, dann stimmt wohl etwas mit Ihrer Persönlichkeit nicht!"

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Fakt ist, dass sich Personaler überhaupt nicht darüber einig sind, was Persönlichkeit im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs überhaupt bedeutet. Die einen tippen auf "Sympathie, Vertrauenswürdigkeit, Teamfähigkeit", die anderen fragen nach "Eigenschaften, Hobbys, Vorlieben", wieder andere nach "Offenheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit". Auf dieser Grundlage lässt sich kein Urteil über die Persönlichkeit eines Bewerbers fällen.

Wittern nach dem Stallgeruch

Personaler nehmen im Vorstellungsgespräch vielmehr eine Art Milieucheck vor. Sie wittern Ihren Stallgeruch und vergleichen diesen mit dem eigenen und mit dem im Unternehmen. Wer das richtige Markenetikett im Jackett trägt oder das richtige Auto im Hof parkt, ist da klar im Vorteil. Also ist alles nur Glückssache oder Zufall? Aus zwei Gründen nicht:

Erstens: Wir können vor dem Gespräch in Erfahrung bringen, welches Marken-Set und welcher Habitus im Unternehmen angesagt sind. Meistens haben wir das ohnehin im Gespür. Wenn nicht: Internetauftritt, Broschüren, Gebäude, Messeauftritte, Mitarbeiter unter die Lupe nehmen.

Zweitens: Wir können zwar nicht beeinflussen, wie die Spiegelneuronen unseres Gegenübers auf uns anspringen, aber wir können beeinflussen, ob sie überhaupt anspringen. Das ist entscheidender als der erste Eindruck. Und das funktioniert, indem wir bewusst einen guten Draht herstellen zu unserem Gegenüber. Vor allem durch einen direkten Blickkontakt, der Offenheit signalisiert.

Die Kriterien der Personaler sind simpel: Der Auftritt des Bewerbers muss zum Unternehmen passen. Echt und locker sein, das klingt deshalb nur im ersten Augenblick überzeugend. Im Jobinterview hat jede Frage einen Hintergrund - und eine bestmögliche Antwort. Spielen Sie das Spiel mit!

Hier unsere Spielanleitung für die fünf Lieblingsfragen der Personaler:

"Würden Sie sich bitte kurz vorstellen?"

Oder anders gefragt: "Wer sind Sie denn überhaupt?!" Der Job-Interviewer will Sie als Menschen kennenlernen. Eine Selbstpräsentation verrät viel darüber, wie ein Bewerber sich selbst einschätzt. Und es ist ein Test Ihrer Souveränität: Sind Sie in der Lage, die wichtigsten Fakten zu ihrer Person und ihrer beruflichen Qualifikation vollständig, gut verständlich und knapp zusammenzufassen?

Legen Sie sich unbedingt etwas für diese Art offener Fragen zurecht, denn dass Sie "etwas von sich" erzählen sollen, wird in jedem Fall auf Sie zukommen. Fangen Sie mit der beruflichen Seite an und erwähnen Sie erst später - wenn überhaupt - etwas aus Ihrem Privatleben.

"Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?"

Fangen Sie selbstbewusst mit Ihren Stärken an und geben Sie dafür konkrete Beispiele. Versuchen Sie ruhig, der fiesen Frage nach den Schwächen auszuweichen. Klappt das nicht, nennen sie einige harmlose negative Eigenschaften, die sich leicht bewältigen lassen, wie das Fehlen einer Fremdsprache. Mit dieser Frage will der Arbeitgeber testen, ob Sie begriffen haben, worauf es bei der ausgeschriebenen Stelle ankommt.

Was sich dabei im Kopf des Personalers abspielt: Hält der Kandidat sich für einen Alleskönner, der alle anderen Mitarbeiter in die Tasche steckt? (Dann wollen wir ihn nicht.) Oder hat er kein Selbstbewusstsein und traut sich die neue Stelle eigentlich gar nicht zu? (Dann wollen wir ihn auch nicht.) Oder kann er sich selbst, seine Arbeitsleistung und die Anforderungen des neuen Jobs realistisch einschätzen? (Dann kommt er in Frage.)

"Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?"

Der Arbeitgeber will mit dieser Frage Ihre Motivation testen. Banale Antworten sind daher tabu: "Weil ich einen Job brauche" oder "Ich habe Ihre Anzeige gesehen und gedacht, ich könnte mich ja mal bewerben". Vielmehr sollten Sie deutlich machen, dass Sie sich ausführlich mit dem Unternehmen beschäftigt haben, die Produkte und Neuheiten kennen, und dass Sie unbedingt dort arbeiten möchten. Beschreiben Sie Ihre bisherigen Joberfahrungen und ihre Ausbildung als Vorbereitung für genau diese Stelle.

"Warum sollten wir gerade Sie einstellen?"

Die Frage ist unterschwellig provokativ und meint zwischen den Zeilen: "Na, jetzt überzeugen Sie uns mal, dass Sie's drauf haben!" Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben Sie innerlich bei der Überzeugung, dass Sie auf die ausgeschriebene Stelle genau passen und die richtigen Fähigkeiten mitbringen.

In Ihrer Antwort sollten Sie bisher gewonnene Erfahrungen mit den Anforderungen des Jobs geschickt verknüpfen, zum Beispiel so: "Sie brauchen dieses - das habe ich in jenem Job gelernt und erfolgreich umgesetzt, indem ich dieses und jenes Projekt betreut habe." Sollten Sie in einem Bereich noch keine Erfahrung mitbringen, bekunden Sie ihr Interesse an einer Weiterbildung.

"Welche Hobbys haben Sie?"

Hier findet ein Milieucheck statt. Überlegen Sie sich genau, was Sie von sich preisgeben wollen. Wenn Sie "Marathon" sagen (das kommt in der Automobilindustrie oft gut an), dann sollten Sie tatsächlich über derartige Erfahrungen verfügen. Und wenn Sie "Golf" oder "Segeln" angeben, um sich in einer entsprechenden Gesellschaftsschicht zu verorten, dann sollten Sie Ahnung von der Materie haben. Es kann gut sein, dass Ihnen jemand mit ähnlichen Interessen gegenüber sitzt. Der merkt schnell, wenn Sie eigentlich gar nicht mitreden können.

  • Anne Jacoby ist freie Journalistin in Frankfurt am Main. Sie schreibt Bücher und Beiträge zu den Themen Management, Bewerbung und Persönlichkeits­entwicklung, wobei sie immer wieder Befunde aus Soziologie und Philosophie mit der Praxis der Ökonomie verbindet. Florian Vollmers ist freier Journalist in Bremen und schreibt seit zehn Jahren regelmäßig zu den Themen Wirtschaft, Bildung und Bewerbung.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. optional
leo321 14.07.2012
Das richtige Markenetikett im Jacket und Kenntnisse in Golf. Es kann nicht gut gehen mit Deutschland, wenn das die Kriterien für einen Job mit Verantwortung sind.
2.
Melankun 14.07.2012
Zitat von sysopÜber die Stelle weiß man Bescheid, das Unternehmen kennt man, den eigenen Lebenslauf sowieso - besser kann man sich auf ein Vorstellungsgespräch nicht vorbereiten? Doch! Anne Jacoby und Florian Vollmers geben Antworten auf fünf Klassiker der fiesen Personalerfragen. Vorstellungsgespräch: Antworten auf fünf fiese Personalerfragen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,844095,00.html)
Von welcher Branche wird hier eigentlich geredet? Buisness? Handwerk? Sozialer Bereich? Bewerbe ich mich auf eine Führungsposition bei Siemens oder als Reisebürokaufmann im Laden an der Ecke? Um Irritationen zu vermeiden wäre es bei zukünftigen Artikeln nett, den Adressatenkreis mal im vorhinein einzugrenzen. Ich mag mich ja täuschen, aber ich glaube nicht, dass derartig Zielgruppen spezifische Artikel die Mehrheit aller Leser betrifft. Im Zweifelsfall werden hierdurch sogar völlig falsche Infos vermittelt. So wurde ich im Bewerbungsgespräch für die Stelle eines Suchtberaters ebenfalls nach meinen Schwächen gefragt. Hätte ich dort die vorgeschlagene Strategie verfolgt, hätte ich die Anstellung ganz sicher nicht bekommen. In Teilen (!) des Sozialen Bereichs ist es entscheidend das Team davon zu überzeugen, dass man ein realistisches Selbstbild besitzt. Wer da bezüglich seiner, immer vorhandenen, Schwächen rumeiert kann sich sicher sein, dass sofort gnadenlos nachgehakt wird. Entscheidend ist in diesem Fall nicht, welche Schwächen ich habe, sondern vielmehr wie ich mit diesen umzugehen pflege. In meinem Fall deutete ich beispielsweise den Begriff "Schwächen" wortwörtlich zu "Baustellen" um - im Sinne von: "Ich bin ein Mensch mit Fehlern aber bemüht mich stetig zu verbessern um das Bestmögliche zu erreichen."
3. Staerken und Schwaechen
karl.hahne 14.07.2012
Die beste Antwort auf Staerken/Schwaechen ist die Erkenntnis dass diese beiden eng beieinander liegen -- unsere groessten Staerken werden zu unseren groessten Schwaechen wenn wir nicht aufpassen. Diese Erkenntnis im Einstellungsgespraech anzubringen zeigt Reife und gutes Selbstverstaendnis, beides gewuenschte Qualitaeten.
4. Fremdsprach - ist doch unwichtig und ein Klacks
ATLien 14.07.2012
"Klappt das nicht, nennen sie einige harmlose negative Eigenschaften, die sich leicht bewältigen lassen, wie das Fehlen einer Fremdsprache." Erstens kann ich mir nichts schnelleres vorstellen als mal eben eine Fremdsprache zu lernen und zweitens in welchem Beruf braucht man denn heute noch Fremdsprachenkenntnisse? Klingt bloed? Naja SPON halt...
5. Kleine Verbesserung:
Dark Enginseer 14.07.2012
"Weil mich das Aufgabengebiet in der betreffenden Stelle reizt. Und zwar wegen: - ... Außerdem halte ich mich für qualifiziert für diese Aufgaben weil: - ... Eigentlich bewerbe ich mich nie bei einer Firma, sondern auf Stellenbeschreibungen die mich interessieren und auf Aufgaben die mich herausfordern und an denen ich wachsen kann. Ihre Firma macht allerdings so wie sie sich darstellt einen guten Eindruck auf mich [evtl. begründen, Produktqualität, Marktposition, "guter Ruf", schicke Räumlichkeiten, angenehme Atmosphäre, Zusatzleistungen für Mitarbeiter, etc.], weswegen ich auch abgesehen von der rein fachlichen Perspektive, die mir die Stelle bietet sehr gerne bei Ihnen anfangen würde." Ist vielleicht eine bessere Antwort, weil sie zeigt, daß man sich nicht alleine aus Prestigegründen oder wegen gutem Gehalt dort bewirbt, sondern weil einen die Arbeit interessiert. Nichts motiviert einen Arbeitnehmer so sehr, wie eine Arbeit, die er mag und motivierte Mitarbeiter sind das A & O für eine funktionierende Firma. Das weiß auch ein Abteilungsleiter und ein guter Personaler. Nervös bin ich bei Vorstellungsgesprächen nicht, schließlich weiß ich was ich kann -und was nicht. Im Gespräch sehe ich dann schon, ob ich mich für geeignet halte. Wenn ja, dann gelingt es mir in den meisten Fällen auch die andere Seite davon zu überzeugen. ;-) Eigentlich reicht eine optimistische Grundeinstellung und Selbstvertrauen ohne Überheblichkeit oder zu starke Selbstüberschätzung. Ein wenig davon schadet nicht, schließlich wollen Firmen Leute, die wenn es sein muß auch mit bisher unbekannten Problemstellungen umgehen und fertigwerden können.
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