Vorurteile unter Ärzten Ich, Halbgott
Radiologen sind geldgierige Geier, Hausärzte halten sich für Leibärzte und Urologen sind die Partyhengste der Medizin: Jede Disziplin des Arztberufs hat ihre eigenen Vorurteile - und alle sind sie wahr. Eine kleine Typologie der weißen Zunft.
Seit auch Ärzte für mehr Geld streiken, wissen es alle: Die Hackordnung dieser Zunft wird nicht durch Können oder Wissen allein, sondern vor auch durch die Gehaltshierarchie definiert. Radiologen sahnen am meisten ab, am miesesten stehen die Hausärzte da.
Vor allem aber wurde bei den Medizinerstreiks deutlich, dass sich die einzelnen Fachrichtungen nicht grün sind. Cowboys und Draufgänger, Partyhengste und Mauerblümchen der Medizin streiten um die Gunst der Patienten. Wir haben uns die Halbgötter im Kittel vorgeknöpft. Hier eine - natürlich - total unfaire Typologie:
Allgemeinmediziner: Der Leibarzt
Ganz unten in der Hierarchie steht der Allgemeinmediziner, vulgo: Hausarzt. Er mag rein finanziell der Loser seiner Zunft sein, nicht auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, aber an seiner Selbstwahrnehmung kratzt das nicht. Im Gegenteil, er fühlt sich als Leibarzt seiner Patienten, er deckt schließlich 20 Fachrichtungen gleichzeitig ab. Motto: Bevor ich jemanden zum Orthopäden schicke, mache ich es selbst! Er ist in einer Machtposition, er ist es, der Patienten an Fachkollegen überweist. Oder nicht. Der Alptraum jedes Allgemeinmediziners: das Schicksal als Durchlauferhitzer, der nur noch Überweisungen schreibt und Rezepte ausstellt.
Kardiologe: Der König der Herzen
Der Kardiologe hält sich für den König seiner Zunft: Schließlich behandelt er mit dem Herzen das wichtigste Organ des menschlichen Körpers. Schiebt er den Herzkatheter in Richtung Infarkt, weiß er: Er arbeitet im Zentrum allen Seins, greift in den natürlichen Lauf der Dinge ein. Dass Kardiologen was Besseres sind, zeigen sie auch in ihrem Freizeitgebaren: Sie spielen typischerweise Tennis und tummeln sich, so oft es geht, in luxuriösen Hotelanlagen. Sie sind, wenn man so will, die Jurastudenten unter den Ärzten.
Psychiater: Erst mal reden
Psychiater erkennt man an ihren Cordjacketts. Obwohl sie eine medizinische Ausbildung haben wie alle anderen, werden sie von den meisten Ärzten nicht als Ärzte wahrgenommen. Sie haben schließlich keine Ahnung von "echten" Krankheiten. Sondern wollen immer erst mal reden. Im Gegenzug halten Psychiater ihre Kollegen für verbohrt, weil sie psychosomatische Zusammenhänge nicht erkennen wollen. Fallbeispiel: Ein Patient kommt mit Atembeschwerden ins Krankenhaus, der Internist diagnostiziert Asthma und verschreibt Cortison. Der Psychiater weiß, dass kurz hintereinander die Mutter des Patienten erstickt und der Opa an einer Lungenerkrankung verstorben ist, und verordnet eine Psychotherapie. Na, was hilft?
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