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Warsteiner-Chefin Catharina Cramer Smart, blond, trinkfest

Warsteiner-Brauerei: Catharina Cramer, die Bierprinzessin Fotos
Warsteiner Brauerei

In der Männerwelt der Bierbrauer hatte sie einen schwierigen Start, doch inzwischen hat die junge Chefin ihren Platz gefunden. Seit gut fünf Jahren führt Catharina Cramer die Traditionsmarke Warsteiner - auch wenn ihr Vater mit fast 70 Jahren im Familienunternehmen weiter kräftig mitmischt.

Catharina Cramer hat genau zwei Facetten, nicht mehr. Das könnte man zumindest glauben, wenn man Texte über die 34-jährige Chefin der Warsteiner-Brauerei liest. Entweder ist sie die hübsche Bierprinzessin, die wenig Ahnung hat, aber die Haare schön. Oder die smarte Traumfrau, bodenständig trotz Glamour-Faktor.

Ihr Büro vereint diese beiden Gegensätze jedenfalls perfekt: Von hier fällt der Blick auf das beschauliche Warstein mit gut 9000 Einwohnern. Schiefergedeckte Häuser ziehen sich den Hügel hinauf, einen Steinwurf entfernt ragt die Kirche aus dem Ortsbild heraus. Dort will Catharina Cramer in diesem Jahr heiraten, die Boulevardpresse hat ihr Interesse schon angemeldet.

Das Büro ist ziemlich hip. Eingerichtet hat sie es selbst, zusammen mit einem Innenarchitekten. Der weiße, runde Konferenztisch ist auf Hochglanz poliert, die Bücher, Magazine und Designer-Sessel in einer Lounge-Ecke würden jedem Szene-Café Ehre machen. Am anderen Ende wartet der Nierenschreibtisch, ebenfalls weiß und klaviergelackt. Er gehörte einmal ihrem Vater. Albert Cramer hat dort Entscheidungen getroffen, die die Marke Warsteiner sehr erfolgreich machten.

Warsteiner ist eine Großbrauerei mit 2200 Mitarbeitern, seit der Gründung 1753 im Familienbesitz der Cramer-Dynastie, mittlerweile in der neunten Generation. Catharina Cramer führt gemeinsam mit ihrem Vater das Traditionsunternehmen, das zwei turbulente Jahrzehnte hinter sich hat - mit viel Wechsel im Management und juristischen Querelen, mit Kampf gegen den Ansturm internationaler Bierbrauer, Dosenpfand und dem Trend zu alkoholfreien Bieren. Und auch mit üblen Gerüchten über angebliche Scientology-Verbindungen, die der Brauerei sehr schadeten und gegen die sich Albert Cramer mit allen Mitteln wehrte, unter anderem mit großformatigen Zeitungsanzeigen "Rufmörder gesucht".

Die Schwestern hatten andere Pläne, die Jüngste wurde gefragt

Ab 1985 als Alleininhaber baute Cramer das Brauerei-Imperium der Cramer-Gruppe aus, setzte auf den Export und lehnte Übernahmeangebote ab. Der gelernte Marketingmann schaffte es, das Vorzeigeprodukt seiner Brauerei zur "Königin" unter den Bieren zu pimpen, zum "einzig Wahren". Aber nach dem Höhenflug der frühen neunziger Jahre schwächelte der Konzern lange. Trotz Premium-Image hatte Warsteiner mit Absatzrückgängen zu kämpfen, die Konkurrenz setzte der Stammmarke stark zu. 2010 konnte der Abwärtstrend gestoppt werden; 2011 schrumpfte der Warsteiner-Absatz laut einem "Handelsblatt"-Bericht erneut. Albert Cramer führte sein Unternehmen also durch schwierige Zeiten. Auch mit 69 Jahren hat der Patriarch nichts von seinem Machtbewusstsein eingebüßt.

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Familienbande: Mein Vater, der Boss
Eine Hoffnungsträgerin war die jüngste Tochter Catharina, als Vater Albert Cramer sie bei den Jubiläumsfeierlichkeiten 2003 als spätere Konzernchefin präsentierte. Nach Abschluss ihres Studium in London, Praktika und ersten Berufserfahrungen stieg sie dann richtig ins Unternehmen ein. Schnell bekam sie Gegenwind zu spüren, bei ihrem ersten offiziellen Termin 2005: Die damals 27-Jährige trug unter dem Blazer ein Rockband-Shirt mit der Zeile "Quench my desire" darauf (Still mein Verlangen). Das trug ihr einigen Spott ein, manche fanden den Einstand missglückt. "Dabei war ich spießig angezogen", sagt sie.

Heute ist man vorsichtiger geworden, beim Interview sitzt der Pressesprecher des Unternehmens mit am Tisch. Doch Catharina Cramer wirkt gelöst, sie ist von Anfang an offenherzig, lacht viel und laut und erzählt von ihrer Kindheit in der Brauerei. Das Anwesen der Cramers ist riesig, Holzzäune wie in US-Serien der Siebziger säumen die privaten Straßen. Neben dem Herzstück, der Brauerei, gibt es eine Pferdezucht, einen Caravan-Stellplatz und einen Startplatz für Heißluftballons.

"Du kannst mich duzen!"

Eigentlich war es gar nicht geplant, dass Catharina Cramer einmal die Geschicke der Brauerei übernehmen würde, ihre beiden älteren Schwestern wären eher an der Reihe gewesen. "Ich war zwar traurig, weil ich mich hier immer wohl gefühlt habe, bin aber entspannt geblieben", sagt sie. Doch es kam anders: Ihre Schwestern verzichteten. Als ihr Vater, der Boss, ihr die Unternehmensleitung anbot, musste sie nicht lange überlegen - nur einen Abend. Den verbrachte sie mit ihren Schwestern in einer Kneipe.

Sie beendete das Studium an der European Business School in London mit einer Abschlussarbeit über amerikanische Light-Biere und absolvierte Praktika, bei denen sie etwa Strohhüte auf Ibiza verteilte, Bier in Argentinien vermarktete oder Bankette organisierte. 2005 stieg sie beim Spirituosenhersteller Pernod als Marketingexpertin ein und stieß ein Jahr später an die Spitze der Warsteiner-Gruppe vor, zu der rund 120 Firmen zählen. Übermäßigen Druck spürte Catharina Cramer keinen: "Ich habe vergeblich auf die Panik gewartet."

Die Welt der Brauereien ist eine Welt der Männer, schwierig für eine junge Chefin. Aber bei ihren Mitarbeitern kam Cramer von Anfang an gut an, viele der Älteren duzen sie - "bei manchen habe ich früher auf dem Schoß gesessen". Als ein alter Bekannter sie mit "Hallo, Frau Cramer", begrüßte, widersprach sie heftig: "Hallo? Ich kenne dich noch als kleinen Dötz. Du kannst mich duzen!" "Dötz", das sagt sie tatsächlich.

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Bier-Pionierin: Schichtdienst im Sudhaus
Catharina Cramer liebt ihre Heimat, das Sauerland, erzählt sie, auch wenn sie es genießt, viel unterwegs zu sein: "Ich finde es schön, dass ich weiß, wer meine Brötchen backt und meine Lieblingsleberwurst macht." All das klingt fast zu sehr nach Klischee, aber Cramer setzt noch einen drauf und schwärmt inbrünstig von Schützenfest und Karneval.

"Wenn er mal nicht will, dann will er nicht"

Ihr Vater Albert wird Ende Mai 69 Jahre alt. Auch wenn er sich schon vor längerer Zeit zurückziehen wollte, redet er bei allen Entscheidungen mit - wie so viele Patriarchen, die lange über die normale Altersgrenze hinaus bei Familienunternehmen regieren. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er irgendwann mal ganz aufhört", sagt die Tochter. Während Catharina sich selbst einen emotionalen Führungsstil attestiert, ist Cramer ein Mann der klaren Worte.

Auf einem Foto geht er mit seiner Tochter und zwei Geschäftsführern über das Brauereigelände. Es ist ein dynamisches Bild, Cramer nimmt sich gerade die Sonnenbrille ab, selbst die Krawatte in Warsteiner-Gelb ficht seine Autorität nicht an. Ohne seine Zustimmung geht nichts: "Und wenn er mal nicht will, dann will er nicht", sagt Catharina, die manche Entscheidungen nur mit viel Geduld vorantreiben kann.

Viel Geduld braucht sie auch für die kommenden Monate. Nicht nur, dass sie eine Hochzeit vorzubereiten hat - das nächste große Projekt wartet sortiert nach Jahrgängen zu Hause auf sie. Auch wenn sie wenig Zeit hat, will sie es endlich schaffen, Fotos zu sortieren und aufzukleben. Die Motive: Reise, Freunde und Freizeit. Und natürlich Familie.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Fritz Habekuß (Jahrgang 1990) studiert Wissenschaftsjournalismus, Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und arbeitet als freier Journalist.

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