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Weiterbildung Wann der Staat Ihren Aufstieg bezahlt

Schmökern für den Job: Man lernt eben nie aus Zur Großansicht
Corbis

Schmökern für den Job: Man lernt eben nie aus

Tausend Euro für eine Weiterbildung: Allein der Preis schreckt viele Berufstätige ab. Dabei gibt es zwei Wege, die Kurse nicht selbst zahlen zu müssen: Entweder man fragt den Chef - oder zapft ein staatliches Förderprogramm an. Man muss nur wissen, welche Töpfe sich lohnen.

Die Rechnung ist einfach: je besser ausgebildet, desto höher meist der Verdienst. Gerade deswegen zahlt es sich auch im Wortsinn für Berufstätige aus, parallel zum Job Schulungen zu belegen, seien es Fremdsprachenkurse, EDV-Lehrgänge oder vielleicht auch eine Weiterbildung zum Ernährungsberater.

Die Anzahl der Erwerbstätigen, die sich fortbilden, dümpelt laut Statistischem Bundesamt seit Jahren bei sieben bis acht Millionen - das sind knapp 20 Prozent. Viele mögen die Kosten abschrecken, die mit solchen Kursen entstehen: Wer ein Fernstudium oder einen Fernlehrgang über mehrere Monate macht, muss schnell ein paar tausend Euro allein für Studiengebühren und Lehrmaterialien zahlen, Fahrt- und Übernachtungskosten kommen oft noch dazu.

Doch Erwerbstätige müssen das nicht allein finanzieren - entweder der Chef zahlt oder der Staat. Genügend bundesweite Fördertöpfe für Berufsbildung gibt es jedenfalls. Den Chef um Unterstützung zu bitten, sei oft der einfachste Weg, erklärt Karriereberaterin Svenja Hofert. Viele Arbeitgeber seien bereit, Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter zu bezahlen oder zumindest zu bezuschussen. Um sie zu überzeugen, müsse man entweder deutlich machen, was die Fortbildung dem Unternehmen konkret bringt. Oder aber, sofern die Fortbildung inhaltlich nicht direkt zum Job passt, könne man es auch über einen Umweg versuchen: mit dem Argument, jene Weiterbildung sei ein großer Motivationsschub für die Arbeit.

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Dieser Weg hat jedoch einen Haken: "Will sich jemand beruflich umorientieren, kann er schlecht den Arbeitgeber nach Geld für seine Weiterbildung fragen", sagt Hofert. Greifen Arbeitgeber für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter tief in die Tasche, müssen viele Arbeitnehmer sich außerdem verpflichten, eine gewisse Zeit im Unternehmen zu bleiben. Solche Bindungsklauseln sind üblich.

Will die Firma nicht zahlen, bleiben immer noch die finanziellen Hilfen vom Staat. "Den richtigen Fördertopf zu finden, ist allerdings eine Sisyphusarbeit", sagt Hofert. Allein vom Bund gibt es sieben unterschiedliche Hilfsprogramme, dazu bietet etwa die Hälfte der Bundesländer noch einmal eigene Varianten an.

Hier die wichtigsten bundesweiten Fördertöpfe im Überblick:

  • Bildungsprämie: Angestellte und Selbstständige, die mindestens 15 Stunden in der Woche arbeiten, können die Bildungsprämie beantragen. Der Staat zahlt einen Zuschuss von 50 Prozent zu allen Weiterbildungen - maximal 500 Euro. Allerdings dürfen die Antragsteller nicht mehr als 20.000 Euro Einkommen pro Jahr zu versteuern haben. Bei Verheirateten sind es 40.000 Euro. Details findet man auf einer Extra-Website des Bundesbildungsministeriums.
  • Bildungsgutschein: Beim Bildungsgutschein trägt der Staat 100 Prozent der Kosten für eine Weiterbildung. Eventuell übernimmt er sogar Fahrt- und Übernachtungskosten, erklärt Felix Magin vom Jobcenter in München. Allerdings haben nur Arbeitslose einen Anspruch auf einen Bildungsgutschein. Und nicht jede Fortbildung wird gefördert: "Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung die Chancen erhöht, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren", so Magin. Infos gibt es bei der Arbeitsagentur am Wohnort.
  • WeGebAU: Die Abkürzung steht für "Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen". Auch hier übernimmt der Staat 100 Prozent der Kosten. Dazu kann ein Lohnzuschuss kommen. Den Antrag können Geringqualifizierte stellen, die seit vier Jahren nicht mehr in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten, sowie alle Arbeitnehmer, die in Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern tätig sind. Ansprechpartner ist ebenfalls die Arbeitsagentur vor Ort.
  • Meister-Bafög: Es funktioniert so ähnlich wie das Studenten-Bafög. Der Staat gewährt ein Darlehen, maximal sind das beim Meister-Bafög 10.226 Euro. Davon gibt der Staat 30,3 Prozent als Zuschuss dazu - den Rest müssen Antragsteller zurückzahlen. Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung einen Umfang von mindestens 400 Unterrichtsstunden hat und dem beruflichen Aufstieg dient. Ansprechpartner sind die Bafög-Ämter vor Ort.
  • Aufstiegsstipendium: Diese Option ist interessant für Personen, die ihre Ausbildung sehr gut abgeschlossen haben und ein Hochschulstudium aufnehmen wollen. Denn vom Aufstiegsstipendium müssen Berufstätige nichts zurückzahlen. Pro Monat können sie für ein Vollzeitstudium 670 Euro bekommen, plus 80 Euro Büchergeld. Bei einem berufsbegleitenden Studium sind es einmalig 2000 Euro im Jahr. Voraussetzung ist, dass Bewerber ihre Ausbildung mit der Note 1,9 oder besser abgeschlossen haben. Außerdem brauchen sie zwei Jahre Berufserfahrung. Ansprechpartner ist die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung.
  • Weiterbildungsstipendium: Gefördert wird nicht nur ein Hochschulstudium, sondern Weiterbildungen vom Handwerksmeister bis zum Intensivsprachkurs. Das Geld muss wie beim Aufstiegsstipendium nicht zurückgezahlt werden. Stipendiaten bekommen maximal 6000 Euro - dazu müssen sie sich an einer Weiterbildung mit einem Eigenanteil von zehn Prozent beteiligen. Bewerber müssen unter 25 Jahre alt sein und besondere Leistungen im Beruf oder in der Ausbildung erbracht haben. Ansprechpartner ist derselbe wie beim Aufstiegsstipendium.

Wer zu viel verdient oder zu alt ist, geht bei den bundesweiten Fördertöpfen jedoch häufig leer aus. "Dann sollte man die Förderprogramme der Länder genau prüfen", rät Hofert. Die gute Nachricht: Die Kosten für eine Weiterbildung können von der Steuer abgesetzt werden. Bis zu 1000 Euro erkennt das Finanzamt bei Arbeitnehmern pauschal als Werbungskosten an.

dpa/hae

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insgesamt 38 Beiträge
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1.
marthaimschnee 29.03.2013
Und wo ist da was jetzt interessant? Schön und gut, nicht alles selber zahlen zu müssen, aber wie bei allen Förderungen (siehe EU) steht ein oft nicht aufzubringender Eigenanteil im Weg. Und die Chefs stehen gerade bei gering qualifiziertem Personal immer häufiger auf dem Standpunkt, die Arbeit bezahlen zu wollen, nicht die Person, die dahinter steht. Und selbst auf höherem Bildungsniveau will man zwar gerne Ingenieure beschäftigen, aber den Ingenieur nicht als solchen bezahlen, sondern danach, welche zum Teil absurd anspruchslosen Aufgaben man ihn machen läßt. Und der reine Wert von "Arbeit" ist in den letzten Jahren deutlich unter die für den Arbeitnehmer wirtschaftliche Grenze gefallen! All die Aufstocker machen das überdeutlich.
2. WeGebAU ist nicht korrekt dargestellt
electricmist 29.03.2013
Den Antrag stellt der Arbeitgeber, da der Arbeitgeber die Förderung für seinen Mitarbeiter zum Erhalt des Arbeitsverhältnisses erhält. Den Weg zur Agentur kann sich der Mitarbeiter also sparen, da er die Förderung nicht alleine klären kann. Man muss auch hier gemeinsam mit dem Arbeitgeber klären
3.
Stäffelesrutscher 29.03.2013
Zitat von sysopDie gute Nachricht: Die Kosten für eine Weiterbildung können von der Steuer abgesetzt werden. Bis zu 1000 Euro erkennt das Finanzamt bei Arbeitnehmern pauschal als Werbungskosten an. Weiterbildung: So bekommt man Geld von Chef und Staat - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/weiterbildung-so-bekommt-man-geld-von-chef-und-staat-a-891306.html)
Jeder der beiden Sätze ist für sich genommen korrekt. Aber durch ihre Kombination entsteht bestenfalls eine Null-Information und schlimmstenfalls Verwirrung. Also: Wer für seinen Job Ausgaben (»Werbungskosten«) von bis zu 1.000 Euro jährlich hat, kann sich das detaillierte Auflisten dieser Ausgaben sparen, denn der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro wird automatisch gewährt - der Zusatz »bis zu« wird nur dann wirksam, wenn der Arbeitnehmer weniger als 1.000 Euro brutto im Jahr verdient hat, dann wird sozusagen 1:1 gerechnet, so dass beispielsweise bei 800 Euro jährlichem Steuerbrutto nur 800 Euro Arbeitnehmerpauschbetrag gegengerechnet werden mit dem Ergebnis, dass die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit gleich Null sind. Das ist auch Sinn der Übung, denn mit diesem Pauschbetrag kann man keine steuerlichen Verluste produzieren. Aber sinnvoll wäre gewesen, darauf hinzuweisen, dass solche Weiterbildungskosten nur dann als Werbungskosten in unbegrenzter Höhe anerkannt werden, wenn sie nach einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem anerkannten Studienabschluss (wozu sogar der Bachelor gehört) entstehen oder aber die Weiterbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses erfolgt (wenn also beispielsweise einen der Chef zur Akademie schickt). Wenn aber der ungelernte Lagerarbeiter oder Medienfuzzi (das kann beispielsweise ein Abiturient sein, der erstmal jobbt) ein (Teilzeit-, Fern-)Studium aufnimmt, handelt es sich gemäß der Denkweise von Herrn Schäuble und der Mehrheit aus Bundestag und Bundesrat nicht um eine berufliche Qualifizierung, sondern um eine Privatangelegenheit, die als Sonderausgabe eingestuft wird und nur bis zu 6.000 Euro jährlich angerechnet wird. Die Entscheider stützen sich dabei auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahre 1937, dem zufolge »die Erlangung der für den Lebenskampf notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten grundsätzlich der privaten Lebensführung zugehört«. Der Bundesfinanzhof versucht seit über 10 Jahren, diese faschistische »Lebenskampf-These« auf den Müllhaufen der Geschichte zu schmeißen, aber Bundestag und Bundesrat bestehen immer wieder auf dieser Doktrin. Die Auswirkungen bekommen einerseits Menschen mit sündhaft teurer Ausbildung zu spüren (z. B. Verkehrspiloten) und andererseits Arbeitslose, deren Weiterbildungskosten höher sind als der Arbeitslohn, den sie vielleicht während einiger Monate noch erzielt haben oder durch eine geringfügigen Job noch erzielen: wird die Weiterbildung als Werbungskosten eingestuft, entstehen Verluste, die auf andere Steuerjahre übertragen werden können, so dass auf diese Weise Steuern gespart werden. Wird die Weiterbildung als Erstausbildung definiert, gibt es keine Verluste und keine Übertragung. Also spart man auch keine Steuern.
4. sehe ich auch so
hinzkunz001 29.03.2013
Zitat von marthaimschneeUnd wo ist da was jetzt interessant? Schön und gut, nicht alles selber zahlen zu müssen, aber wie bei allen Förderungen (siehe EU) steht ein oft nicht aufzubringender Eigenanteil im Weg. Und die Chefs stehen gerade bei gering qualifiziertem Personal immer häufiger auf dem Standpunkt, die Arbeit bezahlen zu wollen, nicht die Person, die dahinter steht. Und selbst auf höherem Bildungsniveau will man zwar gerne Ingenieure beschäftigen, aber den Ingenieur nicht als solchen bezahlen, sondern danach, welche zum Teil absurd anspruchslosen Aufgaben man ihn machen läßt. Und der reine Wert von "Arbeit" ist in den letzten Jahren deutlich unter die für den Arbeitnehmer wirtschaftliche Grenze gefallen! All die Aufstocker machen das überdeutlich.
deswegen habe ich D auch vor Jahren verlassen, in einer US Firma sind Foerderungen normal, das ist teil des gesamtpackets, man muss sich auch nicht verpflichten X Jahre in der Firma zu bleiben. Ich lebe in Irland und hab die letzten 12 jahre nur in US Firmen gearbeitet, nur um meine eigene weiterbildung foranzutreiben. In D fast undenkbar.
5. Die Bildungsprämie
kielerin78@icqmail.com 29.03.2013
kriegt nicht jeder. Man bekommt die nicht, wenn man studieren geht an einer Präsenzuniversität. Sie gilt v.a. nur für berufliche Weiterbildungen. Ich bleib auf meinen Kosten mal wieder allein sitzen: Studienbeiträge, Büchergeld, Exkursionen, allein dies Semester kostet mich der Spaß insgesamt so 500 Euro, weil ich eine Exkursion mitmache. Ich bekomm NULL Euro. Ich kann leider auch nicht so viel steuerlich absetzen, da man ja weniger Steuern zahlt als andere. Von daher ist das viel komplizierter als man denkt: für ein reguläres Studium bekommt man nichts. Bafög ggf. bis zum Erreichen der Altersgrenze.
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