ThemaKündigungenRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

US-Angestellter Wegen 10 Cent gefeuert - nach 50 Jahren

Wells Fargo in Woodbury, Minnesota: Was der Kutscher wohl verbrochen hatte... Zur Großansicht
AFP

Wells Fargo in Woodbury, Minnesota: Was der Kutscher wohl verbrochen hatte...

Richard Eggers war Bankangestellter, aber hatte etwas auf dem Kerbholz: Er hat in einem Waschsalon mit einem falschen 10-Cent-Stück bezahlt. Sein Arbeitgeber Wells Fargo kündigte ihm jetzt deshalb - ein halbes Jahrhundert nach dem Vergehen.

Es war eine filigrane Arbeit und doch so simpel, dass kriminelle Geldfälscher wohl kaum auf die Idee kommen würden: Ein Stück Karton, ausgeschnitten in der exakten Größe einer Zehn-Cent-Münze, passgenau für den Münzschlund einer Waschmaschine. Richard Eggers bastelte die kleine Fälschung 1963, er war damals 19 Jahre alt. Dass er wegen dieser Jugendsünde fast 50 Jahre später seinen Job verlieren würde, hätte er sich sicherlich nicht träumen lassen. Grundlage ist eine neue Beschäftigungsrichtlinie in den USA.

Vermutlich hatte Eggers, heute 68 Jahre alt, keine Ahnung, wo ihn sein beruflicher Werdegang hinbringen würde. Zuletzt arbeitete er in der Kundenbetreuung des Finanzdienstleisters Wells Fargo in Des Moines im US-Staat Iowa. Dieser setzte ihn nun kurzerhand wegen seines Vergehens auf die Straße, mit dem Hinweis auf die neue Beschäftigungsrichtlinie, die seit Mai 2011 gilt.

Landesweit erging es seit Inkrafttreten der Richtlinie laut Informationen von Fachanwälten Tausenden Arbeitnehmern so wie Richard Eggers. Die Regelung ermöglicht es, Mitarbeiter aufgrund von gerichtlich nachgewiesenen Vergehen wie Datendiebstahl, Geldwäsche und Betrug zu entlassen. Sie wird kontrolliert vom US-Einlagensicherungsfonds FDIC.

Fotostrecke

59  Bilder
Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt
Die Regelung zielt vor allem auf Mitarbeiter auf Führungsebene, deren betrügerisches Handeln weitreichende Folgen haben könne, gibt Leonard Bates zu bedenken, ein Fachanwalt aus Des Moines, der mit solchen Fällen betraut ist. Allerdings drohen den Banken drakonische Strafen, bis zu einer Million Dollar pro Tag, weshalb sie lieber übervorsichtig agieren.

Gerichtsunterlagen belegen Eggers kleinen Betrug im Waschsalon. Zwei Tage musste er damals ins Gefängnis - für zehn Cent bereits eine krachende Strafe. Es sei ein "dummer Trick" gewesen, sagt er heute. Seine Entlassung will er nicht einfach so hinnehmen, schließlich hat er sieben Jahre für Wells Fargo ohne Probleme gearbeitet.

Möglicherweise kann er mit Hilfe eines speziellen Programms der FDIC seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen, um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Legt man die Regeln streng aus, stehen seine Chancen schlecht, denn demnach darf er für sein Vergehen nicht im Gefängnis gesessen haben. Eine Prüfung seines Einzelfalls hat Eggers dennoch beantragt, schließlich liegt sein Fall fast 50 Jahre zurück. Die FDIC machte jedoch keine Angaben, wie viele solcher Anträge sie im Jahr bearbeitet.

dapd/mamk

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Kündigungen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen



Verwandte Themen

"Was kosten Sie? Sie müssen weg"

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil



Social Networks