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Dienst nach Vorschrift Lernen vom Kollegen Faultier

Faultierbaby Camillo, acht Monate alt: Lieblingssport Gähnen Zur Großansicht
DPA

Faultierbaby Camillo, acht Monate alt: Lieblingssport Gähnen

Die Fleißigen beobachten sie heimlich aus der Ferne: Die Kollegen, die nie mehr machen, als sie müssen - und der Chef findet sie trotzdem toll. Aber dumm sind erfolgreiche Faultiere nicht. Denn Müßiggang im Job funktioniert nur mit einer ausgeklügelten Strategie.

Bei der Powerpoint-Präsentation vor dem Chef glänzen sie. Doch kaum ist der Vorgesetzte nicht da, verabschieden sie sich in den Biergarten: die Faultiere unter den Kollegen. Die Fleißigen beneiden sie. Gerne würden sie auch einmal einen Gang im Job herunterschalten. Stattdessen sitzen sie abends länger im Büro und arbeiten.

Doch längst nicht jeder kommt im Job mit halbem Einsatz durch, warnt die Autorin Susanne Reinker, die einen Ratgeber für faule Arbeitnehmer geschrieben hat. Um nicht negativ aufzufallen, brauchen Faultiere eine ausgeklügelte Strategie.

Die Wahrheit ist doch die: "Der Leistungsgedanke hat ausgedient", sagt Reinker. In vielen Firmen machten nicht die Fleißigen Karriere, sondern jene, die ein gutes Image haben. Um das aufzubauen, bedarf es sehr viel mehr Faktoren als reiner Fachkompetenz. Die Faultiere unter den Kollegen verstünden es, als guter und zuverlässiger Arbeitnehmer zu gelten - mit minimalem Arbeitseinsatz.

Wer mit halbem Einsatz durch das Arbeitsleben gehen will, sollte aber zunächst eine grundlegende Frage für sich klären: "Was ist für mich Erfolg?", rät Reinker. Wer eine steile Karriere plant, mit viel Geld, Prestige und Macht, darf sich nicht auf die faule Haut legen. Das gilt besonders für den Berufsanfang.

"Wer aber von seinem Job ein sicheres Auskommen, ein bequemes Leben und dabei noch Spaß an der Arbeit erwartet, fährt mit der Faultier-Strategie extrem gut", sagt Reinker. Sie ist überzeugt: In der Mehrheit der Jobs führen 70 bis 80 Prozent Arbeitseinsatz zum Erfolg - 150 Prozent sind nicht immer notwendig.

Planung ist alles

Doch wie kommen Mitarbeiter mit Faulheit durch? Um stressfrei durchs Arbeitsleben zu gehen, sind die Bequemen meist exzellente Neinsager - eine Verhaltensweise, die besonders Frauen schwerfällt, weiß der Unternehmensberater Raimund Milz aus Hannover. Kommt der Chef kurz vor Feierabend mit einer Kundenanfrage auf sie zu, bleiben erfolgreiche Faulpelze nicht selbst länger im Büro. Sie gehen zum pflichtbewussten Kollegen vom Nebentisch, der im Gegensatz zu ihnen einfach nicht Nein sagen kann, und fragen, ob er ihnen nicht "mal eben" helfen könne. Schon sind sie die Arbeit los - und können dem Chef am nächsten Tag stolz verkünden, dass die Sache erledigt ist.

Um mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel zu erreichen, braucht es zudem ein gutes Zeitmanagement. "Planung ist alles", erklärt Berater Milz. Die Faultiere unter den Kollegen nehmen sich häufig die Freiheit heraus, für bestimmte Stunden weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar zu sein. In dieser Zeit arbeiten sie konzentriert - und können so abends früher nach Hause gehen.

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Aufzugtypen: Diesen Kollegen begegnen Sie im Fahrstuhl
Dazu müssen Faultiere immer pünktlich sein, über gutes Benehmen verfügen und einen aufgeräumten Schreibtisch. Klar, das sei ein alter Hut, so Reinker. Aber der gute Eindruck ist nach außen alles. Wer diese Kriterien erfüllt, gelte oft schon als kompetent und zuverlässig.

Erfolgreich bequem zu sein, erfordere außerdem, sich an die Standards und Regeln des Betriebs zu halten. Das bedeute: immer und jederzeit loyal zum Chef zu sein und ihn im Zweifel auch einmal in den Schutz zu nehmen. "Das hat nichts mit Schleimerei oder Opportunismus zu tun, sondern mit gesundem Pragmatismus", erklärt Reinker. Wer sich mit dem Chef gut versteht, kann es sich leisten, entspannt zu sein.

Tarnung ist das halbe Büro-Leben

Die Faultiere unter den Kollegen sind außerdem in der Regel äußerst umgängliche Zeitgenossen. "Die Menschen wollen schließlich Harmonie", sagt Reinker. Wer im Betrieb wohlgelitten ist, kann es sich eher erlauben, auch mal einen Gang herunterzuschalten. Charmanten Kollegen schlägt man weniger schnell eine Bitte ab als dem müffelnden Muffkopf.

Eines dürfen bequeme Kollegen ganz sicher nicht sein - Perfektionisten. Faultiere wissen: "In 20 Prozent der Zeit kann ich 80 Prozent der Arbeit ganz ordentlich erledigen. Wenn ich perfekte Arbeit abgeben will, muss ich die restlichen 80 Prozent Zeit auch noch reinbuttern", erklärt Reinker. Oft merke der Chef gar nicht, dass ein Mitarbeiter die Arbeit noch viel besser hätte machen können - sie verzichten deshalb von vorneherein auf Perfektion.

Dazu sind Faultiere Meister darin, Unwichtiges wegzulassen. Am besten führten Mitarbeiter die altbewährte To-do-Liste, empfiehlt der Zeitmanagement-Experte Professor Lothar Seiwert: "Aufgaben, die ich immer wieder aufschiebe, können nicht so wichtig sein." Faultiere verstehen es, sie dann konsequent wegzulassen. Und bloß nicht vom Chef verunsichern lassen, wenn der wieder Druck macht. Oft wolle er selbst bloß einen Zeitpuffer haben. Das weiß das schlaue Faultier aber.

Durch konsequentes Zeitmanagement bleibt Mitarbeitern dann Zeit für den verdeckten Müßiggang. Und den kann das geschickte Faultier auch im Büro pflegen. Dabei ist die richtige Tarnung alles, weiß Reinker. Sie sorgt dafür, dass Mitarbeiter für Außenstehende stets beschäftigt aussehen, wenn sie es im Büro tatsächlich gerade etwas langsamer angehen lassen. So ist es eben, das Faultier, etwas bequemer, aber ganz bestimmt nicht blöd.

Britta Schmeis/dpa/end

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insgesamt 12 Beiträge
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    Seite 1    
1. Tricks der Faultiere
Baur.eta 30.07.2013
Wir haben hier einen Kollegen. Sein Schalter ist geöffnet, trotzdem gehen die Kunden an die anderen Schalter. Der Grund: Der Kollege hällt sich ständig den Telefonhörer am Ohr.So sieht er beschäftigt aus, Kunden wollen ihn nicht unterbrechen und er kann in Ruhe im Net surfen (da ja niemand am Telefon ist und ihn auch niemand anrufen kann)
2. Tricks der Faultiere
Baur.eta 30.07.2013
Wir haben hier einen Kollegen. Sein Schalter ist geöffnet, trotzdem gehen die Kunden an die anderen Schalter. Der Grund: Der Kollege hällt sich ständig den Telefonhörer am Ohr.So sieht er beschäftigt aus, Kunden wollen ihn nicht unterbrechen und er kann in Ruhe im Net surfen (da ja niemand am Telefon ist und ihn auch niemand anrufen kann)
3. noch ein Tipp
mebschmw 30.07.2013
Das Geheimnis sind schnelle Bewegungen. Zumindest auf den Fluren. Wenn man vom Kaffeeklatsch im Zimmer A zum Kaffeeklatsch in Zimmer B hastet - immer mit schnellen Bewegungen. Man muss extrem beschäftigt aussehen. Gerne mit Akten oder Werkzeug getarnt. Und wenn man seine Faulheit perfekt tarnen will und einen guten Ruf haben will: Alle Anfragen und Probleme prompt klären, wenn diese an einen persönlich herangetragen wurden. Egal, ob man sie selbst erledigt oder deligiert, die Antwort muss kurzfristig und eigeninitiativ erfolgen. Dann fühlt sich der Kollege oder Chef ernst genommen und man wirkt fleißig. Und niemals ein Feedback vergessen! Alle Arbeiten hingegen, welche unpersönlich im Pool liegen und an deren Bearbeitung nur allgemeines Interesse herrscht, kann auch die Allgemeinheit ohne die Faulen erledigen. Solche Arbeiten sollte der Faule meiden wie der Teufel das Weihwasser! Lob und Dank werfen sie nicht ab.
4. Die sieben Faulen - eine Bremer Saga
Grafsteiner 30.07.2013
Die waren als Jungmänner in die Welt ausgeschwärmt, hatten viel gelernt und als sie den Hof übernahmen, arbeiteten sie mit diesen Methoden und hatten immer Zeit. Zum grossen Ärger der sich abschuftenden Nachbarn, die allerdings noch genügend Zeit hatten, sich über die die Mäuler zu zerreissen. Das sit wie bei den Fischweiber. Die einen verkaufen, während die anderen nur tratschen. Es geht nicht darum, immer überfordert zu wirken, es geht darum seine Ressourcen effektiv einzusetzen und mit der Arbeitsmenge so schnell wie möglich fertig zu werden. Mit Intelligenz. Zum Neid der Kollegen, die darüber nur böse sprechen. Aber die sprechen sowieso über jeden nur böse. Und füllen damit ihre Zeit.
5. Gesunder Pragmatismus?
archie21 30.07.2013
Zitat von sysop"Das hat nichts mit Schleimerei oder Opportunismus zu tun, sondern mit gesundem Pragmatismus", erklärt Reinker. Wer sich mit dem Chef gut versteht, kann es sich leisten, entspannt zu sein.
hat nichts mit Schleimerei und Opportunismus zu tun? Man könnte diese Begriffe in dem Zusammenhang auch als identisch bezeichnen, die Beschreibung des "Loyalitätsverhältnisses" ist geradezu charakteristisch. Nur bevorzugt die Buchautorin Susanne Reinker die euphemistische Variante "Pragmatismus" statt "Opportunismus", weil es nun einmal besser klingt. Ein mißliebig gewordener Kollege wird vom Chef gemobbt? Klar, mitmachen, das erfordert die Loyalität (und der "Pragmatismus"). Leider versuchen alle möglichen "Ratgeber" (im Interesse von wem eigentlich?) kriecherisches und überangepasstes Verhalten als richtig und "pragmatisch" hinzustellen. Wie man es richtig macht, haben Manning und Snowden gerade exemplarisch gezeigt. Die "pragmatische" Variante führt geradewegs in die Kriminalität und den Totalitarismus.
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