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Erste Hilfe Karriere Angst vor dem neuen Boss

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Alles paletti im Job - und dann wird der Chef ausgewechselt. Wie sorgt man dafür, dass bisherige Leistungen nicht in Vergessenheit geraten? Karriereberater Martin Wehrle rät zu einem Zwischenzeugnis vom alten Vorgesetzten. Und zu geschicktem Umgang mit Insiderwissen.

Viele Jahre habe ich für denselben Abteilungsleiter gearbeitet. Er hat mich geschätzt und gefördert. Doch nun wechselte er die Firma, und ein neuer Vorgesetzter wurde installiert. Ich habe das Gefühl, dass ich wieder bei null anfangen muss, zumal der neue Chef gar nicht über Maßstäbe verfügt, um meine Arbeit zu beurteilen. Wie soll ich ihm klarmachen, was ich in der Vergangenheit alles für die Firma geleistet habe - auch mit Blick darauf, dass ich irgendwann ein ordentliches Arbeitszeugnis brauche? Wie stärke ich meine Position? (Jörg P., Betriebswirt)

Offenbar hat Ihr Unternehmen einen schweren, wenn auch nicht untypischen Fehler begangen: Ihr alter Vorgesetzter ist zum Quartalsende gegangen und sein Nachfolger zum Quartalsanfang gekommen. Wie dumm! Statt dass der alte Chef den neuen einarbeitet, statt dass er ihn von seinen Erfahrungen profitieren lässt, entschwindet er mit seinem kompletten Wissen. Alles, was er über die Mitarbeiter, die Abläufe und die heimlichen Spielregeln wusste, geht dem Unternehmen verloren.

Wichtig wäre es für Sie gewesen, sich ein Zwischenzeugnis vom scheidenden Vorgesetzten geben zu lassen. Dieses Zeugnis sichert Sie ab, denn ein dort festgehaltener Leistungsstand darf bei einem späteren Endzeugnis nicht auf den Kopf gestellt werden. Außerdem kann dieses Zeugnis dem neuen Vorgesetzten eine erste Orientierung geben. Wenn er die Zeugnisse der Mitarbeiter vergleicht, wird ihm auffallen, welche sein Vorgänger besonders geschätzt hat. So bleiben Ihnen zwar nicht die Pluspunkte erhalten, aber immerhin nehmen Sie Vorschusslorbeeren mit.

Der Neue ist selbst unsicher

Entscheidend ist, welchen Eindruck Ihr neuer Chef selbst gewinnt. Ruhen Sie sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit aus, sondern finden Sie im Gespräch mit ihm heraus, woran er Ihre Arbeit messen will. Sollten ihm - wie Sie meinen - die Maßstäbe dazu fehlen, ist es Ihre Aufgabe, ihm solche zu vermitteln. Lassen Sie ihn wissen, was Ihre Arbeit zum Abteilungsergebnis beiträgt und wie er selbst davon profitiert. Und denken Sie daran, ihn bei wichtigen Mails in CC zu setzen. Er muss sehen, dass Sie nicht irgendein Mitarbeiter sind, sondern ein Leistungsträger.

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Eigeninitiative hebt Sie von der Masse ab: Bringen Sie Ideen ein, schieben Sie Projekte an, tun Sie mehr als gefordert. Wer die Arbeitsbälle nicht nur retourniert, wenn sie auf sein Feld fallen, sondern sie selbst aufschlägt, gilt als aktiv und zielstrebig - erst recht, wenn Ihr Chef seinen Nutzen versteht.

Falls Ihr Vorgesetzter aus einer anderen Firma kommt: Berücksichtigen Sie, dass Ihre komplette Firma Neuland für ihn ist, dessen Gesetze und Gepflogenheiten er nicht kennt. Nutzen Sie die Chance, ihm ein paar Zusammenhänge aufzuzeigen, zum Beispiel wie sich die Abläufe zwischen den Abteilungen gestalten, oder ihm wichtige Beziehungsgeflechte zu erläutern, etwa mit wem sein Vorgänger ein gutes Verhältnis hatte und mit wem es Ärger gab.

Dadurch beweisen Sie Empathie und Loyalität, denn Sie versetzen sich in seine Lage und geben ihm wichtige Informationen weiter. Eine solche Kombination aus fachlicher und sozialer Kompetenz wird Ihrem Chef schnell deutlich machen, dass Sie ein wichtiger Mitarbeiter sind.

Am Ende noch eine Warnung: Immer wieder erlebe ich, dass Vorgesetzte bei ihrem Einstieg den neuen Besen spielen und Altes beiseite fegen wollen. Da werden die Lieblingsprojekte des Vorgängers schon mal gekillt und seine Lieblingsmitarbeiter ins zweite Glied verbannt. Dass Ihr Ex-Chef Sie seinem Nachfolger nicht ans Herz gelegt hat - das kann auch ein Vorteil sein.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. optional
BüroCowboy 30.07.2012
Vielen Dank für diesen unfassbar informativen Artikel. Der Vorschlag den Vorgesetzten bei wichtigen Mails in CC zu setzen ist schlichtweg g e n i a l. Leider befinde ich mich selbst nicht in der Lage solch ausgeklügelte Strategien auszubauen. Wäre ich doch nur Journalist für SPON, dann wäre das Leben um Einiges leichter.
2.
cs01 30.07.2012
Zitat von BüroCowboyVielen Dank für diesen unfassbar informativen Artikel. Der Vorschlag den Vorgesetzten bei wichtigen Mails in CC zu setzen ist schlichtweg g e n i a l. Leider befinde ich mich selbst nicht in der Lage solch ausgeklügelte Strategien auszubauen. Wäre ich doch nur Journalist für SPON, dann wäre das Leben um Einiges leichter.
Was erwarten Sie von einem solchen Artikel? Die perfekte Strategie für jede Situation? Das Allheilmittel?
3. Erwartungen
chb_74 30.07.2012
Zitat von cs01Was erwarten Sie von einem solchen Artikel? Die perfekte Strategie für jede Situation? Das Allheilmittel?
Zumindest sollte man mehr ewarten können als solche belanglosen Gemeinplätze. Wenn ein neuer Vorgesetzter kommt, gibt es seit jeher in Sachen Information 2 Möglichkeiten: 1. Man informiert ihn möglichst umfassend, damit er schnell begreift, wie der Hase läuft. Vorteil: man kann selbst recht schnell in Ruhe weiterarbeiten wie bisher und kann ihn im eigenen Sinn etwas beeinflussen bei der Sicht auf die Dinge. 2. Man enthält ihm alle wesentlichen Informationen vor. Vorteil: man wird lange Zeit für ihn sehr wichtig sein. Nachteil: wenn er die Strategie durchschaut, ist man vermutlich die längste Zeit für ihn wichtig gewesen. Letztlich ist das aber kein sensationell neues Wissen, sondern alt bekannten Strategien...
4. Einfach...
blowup 30.07.2012
...Stromberg fragen. Der weiß, wie sowas geht. Wie man sich selbst in bestem Licht präsentiert und im selbsen Gespräch gleich noch ein paar Kollegen anschwärzt.
5. Dumm nur
bafibo 30.07.2012
wenn der neue Chef durch Protektion an seinen Posten gekommen ist, alle Hilfsangebote abwehrt, von Erklärungen nur die Hälfte versteht und die auch noch falsch. Da geht sehr schnell jeglicher Respekt verloren. Zum Glück hatte die Firma irgendwann ein Einsehen ... nur traurig für diesen ehemaligen Chef. Personalverantwortung bekommt er so schnell nicht wieder - nicht in dieser Firma.
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Martin Wehrle (Jahrgang 1970) war Manager, bevor er Karriereberater und Gehaltscoach wurde. Sein jüngstes Buch ist der Spiegel-Bestseller "Ich arbeite in einem Irrenhaus".
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