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Wenn Unternehmer sterben Der letzte Makler

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Stefan Schreyger

Bestattermakler Stefan Schreyger: Schon ein Firmenname kann wertvoll sein

Wer macht weiter, wenn es einen Unternehmer nicht mehr gibt? Darüber denken Chefs selten nach. Jedes Jahr schließen rund 5000 deutsche Familienbetriebe, weil sie keinen Nachfolger finden. Bei Bestattern ist die Suche besonders schwierig, ihnen hilft Bestattermakler Stefan Schreyger.

Sein Beruf ist noch krisensicherer als der seiner Kunden: Stefan Schreyger ist Bestattermakler. Er sucht Nachfolger, wenn Firmenchefs sterben - und ist dabei spezialisiert auf Bestattungsunternehmen. "Einmal bekam ich einen verzweifelten Anruf von einem Malermeister, der über Nacht zu dem Betrieb seines verstorbenen Onkels kam", erzählt Schreyger.

Der Wert eines Bestattungsunternehmens besteht zum größten Teil aus dem Namen: Nur 20 Prozent machen Einrichtung und Räume aus, 80 Prozent des Preises bezahlen Käufer allein dafür, dass sie etwa den Namen "Bestattungen Fam. Mayer" übernehmen. "Es gibt keine Branche, in der die Kundentreue höher ist: Wo vor elf Jahren der Opa beerdigt wurde, geht man heute auch mit der Oma hin", so Schreyger. Darum sei der Name fast unbezahlbar, eine Neugründung habe kaum Überlebenschancen.

Je nach Fall empfiehlt Schreyger Verkauf oder Verpachtung, er organisiert die Übergabe, hilft bei Steuerfragen - und unterstützt manchmal Bestatter, die ihr Unternehmen zu Lebzeiten abgeben wollen, ein Hobby als Ersatz für den 24-Stunden-Job zu finden.

Betriebsende, weil es keinen Nachfolger gibt

Schreyger betreibt das Geschäft seit neun Jahren. Zuvor war er Berater bei einer großen Firma, dann machte er sich mit einem Partner selbständig. Sie berieten das Grünflächenamt, kamen dadurch ans kommunale Bestattungswesen, an die Friedhofsverwaltung. So gerieten sie an den ersten Fall mit "Nachfolgeproblematik". Als 2004 die gesetzlichen Krankenkassen das Sterbegeld abschafften, war die Branche im Umbruch: "Das war eine Take-off-Phase", sagt Schreyger.

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Kuriose Todesanzeigen: "Und am Anfang war er so beliebt..."
Wie wichtig für Unternehmer die zeitige Suche nach einem Nachfolger ist, zeigt ein Blick auf die Statistik: Jedes Jahr müssen in Deutschland mehr als 5000 Familienbetriebe schließen, weil sich kein Nachfolger finden lässt, ermittelte das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Und in drei von zehn Fällen werden Unternehmen kurzfristig und unvorbereitet übertragen, so eine Studie im Auftrag der Hamburger Handelskammer.

Von den befragten Hamburger Unternehmern hatte nur jeder zweite Vorsorge für den Fall getroffen, dass er seine Firma nicht mehr leiten kann. Dabei verbessert eine frühzeitige Nachfolgeregelung sogar das qualitative Rating, das von den Banken und Sparkassen für eine Kreditvergabe zugrunde gelegt wird.

Besser, ein Notfallkoffer steht parat

Die Hamburger Handelskammer empfiehlt, einen Notfallkoffer zu packen. Denn mit der Benennung eines Stellvertreters allein ist es nicht getan: Er braucht auch Vollmachten für Konten, Passwörter für Computer, Schlüssel für Büros; er muss wissen, wo der Aktenordner mit den Rechnungen steht und wie die Telefonnummer des Lieferanten lautet.

Bei Rechtsanwälten muss die Nachfolge besonders schnell geklärt werden, damit wichtige Fristen nicht verstreichen. "In den meisten Fällen übernehmen Anwälte, die mit dem Verstorbenen zusammengearbeitet haben, die Mandate", sagt Hartmut Scharmer, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Hamburg. Im Notfall muss die Rechtsanwaltskammer einschreiten und einen sogenannten Kanzleiabwickler benennen, der die Fälle des Verstorbenen übernimmt. Diese Aufgabe kann jeden Anwalt treffen - wer nicht will, darf aber absagen.

300 bis 400 Akten müsse man in die Hand nehmen, um alle Mandate eines verstorbenen Anwalts abzuarbeiten, schätzt Hille Bartels. Die Hamburgerin hat Erfahrung als Kanzleiabwicklerin. "Man ist dann der andere Anwalt", sagt sie.

Bezahlt werden Kanzleiabwickler nicht nach der Gebührentabelle für Rechtsanwälte, sondern nach Zeit. Das Honorar, das nach Abschluss eines Mandats fällig wird, geht auf ein Konto der Erben. Sie bezahlen dann den zuvor mit der Anwaltskammer vereinbarten Stundensatz an den Abwickler. Das kann sich finanziell für ihn lohnen - oder auch nicht. "Die Motivation liegt sicherlich in der Hoffnung, dass die Mandanten in Zukunft wiederkommen", sagt Bartels.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Maria Huber (Jahrgang 1983) ist freie Journalistin in Hamburg. Am liebsten schreibt die gebürtige Bayerin über alle Themen rund um Gründung und Selbständigkeit und geht im Web und in sozialen Netzwerken auf die Suche nach Wissenswertem zum Arbeitsmarkt 2.0.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Ich grüsse Sie Frau Huber Part-1
shovelbolle 29.10.2011
Sie haben in der Tat ein sehr, sehr wichtiges Thema angeschnitten, welches auch in den Medien sträflich vernachlässigt wird. Warum Sie sich aber eine solch` exotische Branche herausgesucht haben wird wohl Ihr Geheimnis bleiben. Schade, denn Sie hätten Recherchematerial für ein Buch der Größe eines Brockhauses sammeln können, hätten Sie sich auf einen irgendein geläufiges Handwerk konzentriert. Denn dieses Problem existiert überall. Lassen wir das. Ich bin Teilhaber eines Kleinunternehmens mit 62 Arbeitnehmern (davon bis zu 8 "Leiharbeitern" und 11 Teilzeitbeschäftigten) in der Gas-Wasser-Heizungsbranche. Zu dieser Teilhaberschaft bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen: Rein zufällig. Dem Senior sein Sohn und vermeintlicher Nachfolger verstarb völlig unerwartet und da stand er nun obwohl er auch aus gesundheitlichen Gründen sich in seinen wohlverdienten Ruhestand zurückziehen wollte. Seine damaligen Anfragen an Handwerkskammern in ganz Deutschland, Banken , Anwaltschaften, Unternehmerbörsen verliefen alle im Nirvana obwohl er es tatsächlich hartnäckig versuchte denn er wollte die damals knapp 20 Angestellten nicht auf die Strasse setzen (solche Leute gibt es noch ...). Meine Ankunft könnte eine Westernfilm bestens beschreiben: Ein Fremder kommt zufällig in einer einsamem Gegend durch ein Dorf und kommt in der einzigen Wirtschaft mit dem Senior ins Gespräch ... Das war vor 12 Jahren und schon damals machte ich dem Senior klar daß ich in wenigen Jahren diese Örtlichkeit wieder verlassen werde. Ich weiß daß er es hoffte daß meine Frau und ihre Kinder meinen "Wandertrieb" mich sesshaft machen würde aber dem ist nicht so. Als meine Familie und ich vor 2 Jahren die Vorabzusage für die Immigration nach Kanada bekamen (Stichtag 1.April 2012) fing ich an einen Nachfolger zu suchen: IHK, Banken, Anwaltschaften, Unternehmerbörsen. Es kam nichts zurück. Daraufhin schaltete ich in verschiedenen Zeitungen Anzeigen in ganz Deutschland und natürlich kamen verschiedene Anfragen. Das meiste allerdings waren Anwälte, Unternehmensberater und Banken die sich den inzwischen florienden Betrieb unter den Nagel reisen wollten. Niemand von diesen sogenannten Profis die mit ihren dicken Leasingfahrzeugen auf dem Parkplatz vorfuhren konnte mich (uns) überzeugen. Keine dieser "Profis" war daran interessiert den Betrieb weiterzuführen. Aber die Handwerkskammern waren diejenigen die mich am meisten enttäuschten. Anfragen von Privatpersonen waren ebenso traurig. Es gab vernünftige und ermutigende Personen allerdings sind meine Anforderungen klar umrissen: Schuldenfrei, Meisterbrief, polizeilich einwandfreies Führungszeugnis, maximal 45 Jahre alt und wenn möglich ein paar Mark auf dem Sparkonto. Weiter musste mir der Bewerber ein Konzept ,eine Geschäftsidee definieren können wie er oder sie den Betrieb steuern will. Das waren die Eckdaten. Schlußendlich fand unsere Ortsvorsteherin einen Kandidaten in 450Km Entfernung. Zufall. Reiner Zufall. Wir alle sind sehr glücklich einen Nachfolger für mich gefunden zu haben vorallem unser Dorf. Alle sogenannten Programme die angeboten werden sind nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt sind ! Der Wille ist schon da aber wenn ich bei Handwerkskammer in XY oder der genössischen Bank in ABC zurückrief musste ich immer erst eine Zeitlang am Telefon warten und der relevante Mitarbeiter(in) wusste kaum etwas von der Angelegenheit und musste sich erst einarbeiten. Traurig.
2. Ich grüsse Sie Frau Huber Part-2
shovelbolle 29.10.2011
Wissen Sie wie es in Kanada abläuft ? Meine Familie und ich haben uns eine bestimmte Gegend in einer bestimmte Provinz ausgesucht. Mehrere (Kurz-)Urlaubsaufenthalte später fand ich eine Option für eine Geschäftspartnerschaft mit einem alteingesessenen Betrieb. Ich besuchte also das "Chamber of Commerce" um ein paar Fragen zu klären. Die Reaktion war umwerfend und peinlich zugleich: Ich saß noch nicht einmal richtig im Wartezimmer und der Bürgermeister und sein Vize kamen hereingestürzt und schüttelten mir den Arm wund. Erst 5 Stunden später wurde ich mit ebensoviel Händeschütteln und einer Rundfahrt mit dem Vizebürgermeister in der 18.000 Seelen Gemeinde wieder verabschiedet. Mir wurden beide Bankmanager, der Vorsitzende der Handelskammer,der Notar, die 5 Manager der grösseren Firmen persönlich vorgestellt. Später wurden uns die Schuldirektoren(innen), der Elternrat, der örtliche Polizeichef und der Chefarzt der örtlichern Klinik vorgestellt. Und seitdem bekomme ich und jedes Mitglied meiner Familie ein Grußkarte zum Geburtstag ! Ich bin kein Millionär aber ich bringe es schon in den 6-stelligen Bereich (Einnahmen aus dem Hausverkauf mitgerechnet) und der Betrieb in dem ich quasi schon Teilhaber bin hat im Moment 8 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von
3. Solange für jedem Mist in diesem Land
HappyLuckyStrike 29.10.2011
ein Meisterbrief benötigt wird - ein durchaus mittelalterliches Konzept - wird´s halt nichts mit der Zukunft. Gute Nacht.
4. Tatsächlich ein Problem...
muwe6161 29.10.2011
Eine Börse, in welcher sich potentielle Nachfolger und Unternehmer auf der Suche nach Nachfolger treffen, wäre in der Tat nützlich. Ein einfaches Dispositiv (z.B 3 Monate unbezshltes Trainee-Programm) könnte Abwickler erkennen und ausschalten. Meine (schlechte) Lösung war eine Ankündigung der Betriebsschliessung innert 5 Jahren und der schrittweise Abbau/Outsourcing der Aufträge. Platzierung der Mitarbeiter zusammen mit Aufträgen in Partnerbetrieben. Mein persönliches Ideal ist allerdings ein Buyout der Mitarbeiter des Betriebes.
5. Hold Your Fire
rudolf_mendt 29.10.2011
Ich kenne allerdings auch die Gegenbeispiele. Schlecht geführte Betriebe mit jeder Menge Leichen im Keller. Um Fünf vor Zwölf macht man sich halbherzig Gedanken um die Nachfolge, weil man lebt ja ewig. Ach ja, und ein paar Millionen müssen's aber sein... Ansonsten kann ich für einen schnellen Überblick mal die Unternehmensbörse der örtlichen IHK empfehlen.
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