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Erste Hilfe Karriere Schlaue Möbelpacker, dumme Ärzte

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Augenoptiker haben einen Intelligenzquotienten von 113, Dachdecker kommen auf 94. Intelligenz beeinflusst die Berufschancen ganz entscheidend. Aber was macht, wer nicht so helle ist? Uta Glaubitz hat ein paar ernüchternde Antworten.

Ist der Mensch zum Arbeiten gemacht? Mit dieser Frage habe ich mich bereits an einen Evolutionsbiologen und an die Kirche gewandt. Diesmal frage ich Dieter E. Zimmer, Autor des Buchs "Ist Intelligenz erblich?". Es dokumentiert den Stand der internationalen Intelligenzforschung anno 2012. Dabei stimmen viele Ergebnisse mit dem überein, was wir im Alltag wahrnehmen. Zum Beispiel schneiden Menschen, die wir für intelligent halten, in Intelligenztests gut ab.

Das klingt erst einmal beruhigend, allerdings nicht unbedingt politisch korrekt. Zum Beispiel, wenn man herausfindet, dass Fördermaßnahmen für Leute mit niedrigem IQ nicht viel helfen. Wer sich für einen Verteidiger der Schwachen hält, nennt das dann oft Diskriminierung. "Es gehört zum politischen Schick, missliebige wissenschaftliche Befunde nicht zur Kenntnis zu nehmen, sondern lieber wegzumobben", so Zimmer.

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Für die Unerschrockenen unter den KarriereSPIEGEL-Lesern einige Ergebnisse: Der IQ ist genetisch bedingt. Umwelteinflüsse haben einen geringeren Effekt, der mit dem Alter auch noch abnimmt. Wenn, sagen wir, Herr Friedrich deutlich intelligenter ist als Frau Berg, dann ist das vererbt, nicht nur, aber überwiegend. Mit Training kann man in Intelligenztests besser abschneiden, aber nicht viel. Mit Förderung kann man den IQ steigern, doch leider hält der Effekt nicht lange vor. Allerdings helfen auch kleine Intelligenzsteigerungen, um mit dem Leben besser zurechtzukommen.

Schlau in der Pubertät, erfolgreich im Job

Der IQ korreliert mit beruflichem Erfolg. Wohlgemerkt: Nicht in jedem Einzelfall, sondern im Durchschnitt. Intelligenz ist Voraussetzung, um Maschinenbauingenieur, Gerichtsmedizinerin oder Philosophieprofessorin zu werden. Allerdings wird die Streuung nach unten hin breiter: In ungelernten Berufen findet sich das gesamte IQ-Spektrum. Unter den untersuchten Truckern einer amerikanischen Studie nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich die IQ-Spannweite von 46 bis zu atemberaubenden 145. Kurz: Ein Schlauer wird leichter Möbelschlepper als ein Dummer Arzt.

Ein hoher IQ in der Pubertät ist der stärkste Prädiktor für beruflichen Erfolg. Status und Bildung der Eltern haben ebenfalls Einfluss. Wobei deren Status und Bildung (im Durchschnitt, nicht im Einzelfall) wiederum von ihrem IQ abhängt, den sie - eben - an ihre Kinder vererbt haben. Ausgleichen kann man mangelnde Intelligenz durch Motivation, Gewissenhaftigkeit, Ausdauer, Extrovertiertheit und Ehrgeiz, alles Begriffe, die wir im Alltag mit beruflichem Erfolg verbinden.

Dennoch bleiben deutlich quantifizierbare Intelligenzunterschiede unter den Berufen. Einige Zahlen, die aus einem Test der Bundesanstalt für Arbeit berechnet wurden: Chemielaboranten kommen auf einen Durchschnitts-IQ von 114, Augenoptiker auf 113, Dachdecker auf 94, Maler und Lackierer auf 90. Eine andere Studie sieht Rechtsanwälte bei einem IQ von durchschnittlich 120, Redaktionsleiter bei 116, Lagerarbeiter bei 94 und Packer bei 88. Linda Gottfredson, Verfasserin der Studie, weist darauf hin, dass die Berufsmöglichkeiten oberhalb eines IQs von 120 fast unbegrenzt sind. Unterhalb von 75 aber gibt es praktisch keine Stellen mehr, mit Ausnahme von betreutem Arbeiten.

Wissensgesellschaft vertieft die Kluft zwischen Dummen und Schlauen

Dazu allerdings gibt es auch wieder Ausnahmen: Um als Model oder Torwart Karriere zu machen, scheint Intelligenz nebensächlich. Ein noch so intelligentes Model wäre nicht erfolgreich, wenn die Maße nicht stimmen. Dasselbe gilt für einen intelligenten Torwart, der nicht schnell genug aus dem Kasten kommt - vielleicht weil er zu lange nachdenkt. Eine Hutmacherin braucht mehr Kreativität, ein Sänger mehr Musikalität; beides ist nicht messbar.

Trotz dieser Einschränkungen strukturiert Intelligenz die gesamte Arbeitswelt. Und daraus ergibt sich ein Problem: So lange der Mensch mit den Herden zieht oder sich mit Ackerbau und Viehzucht niederlässt, gibt es auch für Minderbegabte ausreichend Arbeit: Zäune bauen, Saat säen, Kühe melken, auf die Schafe aufpassen und das Korn einholen.

Der Berufsalltag in einer Industrie- oder gar Wissensgesellschaft aber erfordert abstrakte Intelligenz. Und die braucht man inzwischen sogar für ehemals einfache Arbeit. So gilt die Landwirtschaft heute als eine der weiterbildungsintensivsten Branchen überhaupt. "Wer die Wissensgesellschaft propagiert, muss akzeptieren, dass die Kluft zwischen dumm und schlau dadurch nicht etwa verschwindet, sondern viel sichtbarer wird", so Zimmer. Denn was genetisch bedingt ist, stünde nicht für Optimierungsanstrengungen zur Verfügung. Keine Schulreform, keine Weiterbildung, keine Fördermaßnahme der Agentur für Arbeit könne daran etwas ändern. Arbeiten heißt Denken. Und in dieser Fähigkeit ist kein Homo sapiens dem anderen gleich.

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insgesamt 63 Beiträge
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    Seite 1    
1. Interessant wäre
bambus07 17.07.2012
den Durchschnitts-IQ von Politikern zu ergründen.
2. Statistiken sind was tolles ...
o.m.g. 17.07.2012
zumal sie zunächst von der Stichprobe abhängen und somit von der Herangehensweise bzw. dem gewünschten Ergebnis des Auswertenden abhängen. Ferner sind IQ-Tests Momentaufnahmen und lediglich Vergleichsmittel zur eigenen Peer-Group - also seinen Mitmenschen in derselben Altersgruppe. Dazu kommt noch, dass in den "normalen" IQ-Tests lediglich Teilaspekte der Intelligenz (z.B. Assoziationsvermögen) geprüft werden. D.h. ein Rechtsanwalt mit berufsbedingtem Assoziationsvermögen kommt leichter auf 120 IQ-Punkte als ein Bauleiter, dessen Intelligenz sich auf das 3-dimensionale Denken konzentriert. Langer Rede kurzer Sinn ... ich finde den obigen Artikel erheiternd. Insbesondere die angemerkte "Streuung nach unten" kann ich aus meiner Erfahrung durchaus attestieren ... dieser Fakt lässt sich jedoch nicht an einer Berufsgruppe festmachen :P .
3. Liebe
Tubus 17.07.2012
Zitat von sysopCorbisAugenoptiker haben einen Intelligenzquotienten von 113, Dachdecker kommen auf 94. Intelligenz beeinflusst die Berufschancen ganz entscheidend. Aber was macht, wer nicht so helle ist? Uta Glaubitz hat ein paar ernüchternde Antworten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,844713,00.html
Sehr guter Artikel. Obwohl nicht ganz klar wird, was Intelligenz ist und was Intelligenzteste messen. Aber so sicher sind sich die Psychologen da ja auch nicht. Was zu der bescheidenen Aussage führt: Intelligenz ist was der Intelligenztest misst, d.h. am ehesten wohl eine Fähigkeit zu abstraktem Denken. Klar, dass wird in einer Wissensgesellschaft gebraucht. Dennoch gibt es große Bereiche, wo sog. "soziale Intelligenz" wichtiger ist. Dabei geht es um Kinderbetreuung, Kranken- und Altenpflege, wo vor allem die Fähigkeit zu liebevoller Zuwendung gefragt sind, für die es keine akademischen Graqde braucht, allerdings eine ausreichende Bezahlung
4. IQ in der Pubertät?
a.vomberg 17.07.2012
"Ein hoher IQ in der Pubertät ist der stärkste Prädiktor für beruflichen Erfolg" Wie soll man das nun verstehen? Gibt es Grundschüler die ihre Intelligenz wieder verlieren, und deren IQ dann sinkt?
5. Und ... was ist neu daran?
gifmemore 17.07.2012
Wenn ich das lese, dann frage ich mich.. wie die Intelligenz gemessen wird. Also - wenn sich Akademiker sowas ausdenken - ist es dann nicht für Akademiker auch leichter diesen Test entsprechend besser zu bewältigen. Oder anders formuliert: Ein Fachpaker geht mit 16 von der Schule ab - und macht seinen Job .. Tag ein Tag aus. Ein Rechtsanwalt wiederum - geht 12 bis 13 Jahre lang zur Schule und studiert, beschäftigt sich mit Inhalten, mit Sprache, lernt. Wem fällt es nun leichter einen Test zu machen und die eine oder andere Frage entsprechend so zu beantworten, dass es ein wenig mehr Punkte gibt? Man könnte auch sagen: Wäre der Test auf Italienisch, wie schlau wäre der Rechtsanwalt dann, wenn der Lagerarbeiter aus Neapel kommt? Die Bedingungen sind also ungleich, das gilt perse für solche Tests - denn auch in der Pubertät gibt es bereits Einflüsse vom Elternhaus, die nicht so einfach wegnivelliert werden können. Man kann die Teilnahme an einem Test lernen - sich anpassen. Mich würde es nicht wundern, wenn ein Arzt, der einen realen IQ von 90 hätte (was ja nun auch nicht ach wie schlimm ist) in einem standardisierten IQ Test 150 erreicht. Wobei auch der Zusammenhang von IQ und beruflicher Leistung vielleicht korreliert - aber letztlich auch perse in Frage gestellt werden kann. Denn warum sollte ein Optiker mit einem IQ von 130 - besser sein als einer mit 100? Zu guter Letzt stellt sich die Frage nach IQ Test Trends. Also sind IQ Test von 1920 mit denen von 1960, 1985 und 2012 vergleichbar? Und vielleicht noch ein Gedanke ... was bitte besagt ein hoher IQ Wert eigentlich? Sind das bessere Menschen? Sind sie wichtiger als andere? Wohl kaum! Na klar .. hier geht es mal wieder um Elitenbildung ... ich wage zu bezweifeln, dass Menschen mit einem hohen IQ wirklich mehr drauf haben, als diejenigen mit durchschnittlicher Intelligenz. Denn was nützt einem ein hoher IQ, wenn man in Ghana auf dem Feld arbeiten muss - auch dann wird man nicht verstehen, wie die Weltwirtschaft eigenlich funktioniert, wenn es einem niemand beigebracht hat.
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