ThemaBürolebenRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Motivation im Home Office Liebe deinen Schweinehund wie dich selbst

Zur Großansicht
DDP

Tipp-Sammlungen für Telearbeiter verstoßen gegen jedes Tierschutzgesetz. Da werden ganze Rudel von inneren Schweinehunden besiegt, an die Kette gelegt oder zumindest überlistet. Falsch! Der Schweinehund ist dein Freund - acht Tipps, wie das Home Office seinen Schrecken verliert.

1. Im Home Office: Teilen und (sich be-)herrschen

Viele Menschen, die jeden Tag das Haus verlassen, ins Büro fahren, arbeiten und wieder nach Hause fahren, klagen über Vorgesetzte, über Kollegen, Routinen und Druck von außen. Sobald sie einen Teil der Arbeit ins Home Office verlagern, klagen sie, dass ihnen Vorgesetzte, Kollegen, Routinen und Druck von außen fehlen.

Ja, was denn nun? Die geordneten Verhältnisse im Unternehmen machen offensichtlich genauso wenig glücklich wie die vermeintlich grenzenlose Freiheit am Schreibtisch daheim. Der Grund ist, dass sich nicht jede Aufgabe überall gleich gut erledigen lässt. Eine knifflige Projektpräsentation vorzubereiten, gelingt im stillen Privatkämmerlein eher als im Unternehmen, wo alle paar Minuten ein Kollege vorbeischaut. Dagegen ist ein Brainstorming in trauter Einsamkeit recht zäh.

Telearbeiter müssen deshalb genau festlegen, welche Aufgabe an welchen Ort gehört. Und sie müssen klare Absprachen mit Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und sich selbst treffen, um diese Geschäftsverteilung durchzuhalten.

2. Ordnung schaffen - aber mit Augenmaß

Viele Tipps und Tricks zur Organisation im Home Office sind eher technischer Natur: Arbeitsplatz und Wohnbereich räumlich trennen; Schreibtisch regelmäßig aufräumen; Kleidung wie fürs "normale" Büro wählen; Tagesplan mit festen Zeiten aufstellen; Pausen bestimmen; keine Ablenkungen durch Fernsehen oder Internet-Spiele; Routinen einrichten, etwa immer zuerst die Post bearbeiten. Hinzu kommen Patentrezepte wie die "3 x 3 Regel", nach der jeden Tag drei vordringliche Aufgaben, drei weniger wichtige und drei Bonus-Aufgaben zu erledigen sind.

Alle diese Empfehlungen sind für sich genommen berechtigt, aber sie bringen nicht jeden Menschen weiter - schon gar nicht in ihrer Gesamtheit. Richtig ist, je nach individuellem Arbeitsstil nur so viel Struktur zu schaffen, dass die Vorteile des freien Arbeitens zu Hause erhalten bleiben. Verderben Sie es sich nicht mit Ihrem inneren Schweinehund: Der braucht schließlich Auslauf.

3. Top-Equipment für Top-Leistung

Pannen mit dem PC, der Telefonanlage oder dem Auto verursachen Stress. Das Home Office nach dem Stand der Technik auszustatten, ist natürlich im Interesse des Unternehmens, aber nicht jeder Vorgesetzte winkt teure Neuanschaffungen locker durch.

Dennoch müssen Telearbeiter hartnäckig sein und dafür sorgen, dass ihr Heimarbeitsplatz mit dem Büro im Unternehmen mithält. Dies schließt Unterstützung durch den Firmen-Support ein, etwa bei der Einrichtung des Computers.

4. Richtig Pause machen

Genüsslich am heimatlichen Schreibtisch vor sich hinwerkeln und auch mal die Beine hochlegen - das geht natürlich, darf aber nicht Gewohnheit werden. Wer die fehlende Kontrolle missbraucht, betrügt sich und sein Unternehmen um Erfolgserlebnisse. Und wird das Privileg des Home Office rasch wieder einbüßen.

Besser ist es, die "Zeithoheit" sinnvoll zu nutzen und Pausen so zu planen, dass sie das Privatleben aufwerten, ohne die betrieblichen Abläufe zu stören. Also nicht gerade dann auf den Anrufbeantworter umschalten, wenn erfahrungsgemäß die meisten Kollegen aus dem Unternehmen durchklingeln.

Gute Pausennutzung bedeutet auch, Dinge zu tun, die sich im Unternehmen nur schwer verwirklichen lassen, beispielsweise Ausdauersport. Körperliche Fitness steigert das allgemeine Wohlbefinden, schafft Abwechslung, bringt Erfolgserlebnisse mit sich, lässt Ideen fließen.

5. Nicht ausbeuten lassen

Der Druck, den man sich selbst macht, ist größer als der Druck von außen. Deshalb muss das Arbeitskontingent zu Hause realistisch bemessen sein. Es nützt nichts, Projekte anzunehmen, deren Abarbeitung nicht sicher ist oder nur mit Abstrichen bei der Qualität gewährleistet werden kann.

Freizeit und Urlaub sind nicht verhandelbar, auch nicht um den Preis einer Beförderung oder Gehaltserhöhung. Der Schweinehund darf gegenüber dem Chef ruhig mal die Zähne fletschen.

6. Clever netzwerken

Auch wer ein Einzelgänger ist, kann durch die Zusammenarbeit mit anderen lernen. Manche Telearbeiter begehen den Fehler, dass sie den Kreis möglicher Kontakte zu eng ziehen. So schmoren immer dieselben Kollegen in einem Saft. Für den Job bringt das wenig, auch nicht für das private Umfeld.

Erfrischender ist es, übergreifende "Netzwerke" zu spannen, etwa indem ein Journalist Kontakte zu Hochschulprofessoren knüpft, die als Experten seine Recherchen unterstützen.

7. Bestätigung suchen

Das Gefühl mancher Telearbeiter, vom "normalen" Jobleben abgeschnitten zu sein, rührt daher, dass sie zu Hause wenig Feedback erhalten. Da ist niemand, der sich für einen Rat bedankt oder auch mal Kritik übt. "Wenn jemand eine starke internale Kontrollüberzeugung hat sowie von der Sache, die er oder sie macht, sehr überzeugt ist, braucht er wenig Druck von außen, denn der innere Antrieb ist vorhanden", sagt Brigitte Böhi, Karriereberaterin im schweizerischen Zug.

Wer nicht derart in sich selbst ruht, sollte Kollegen im Unternehmen anrufen und sie um Feedback bitten. Gut ist ein telefonischer "Jour fixe". Auch wenn gerade nichts "anliegt", bleibt man so über aktuelle Projekte im Unternehmen, Knatsch und Tratsch auf dem Laufenden.

8. Kopf hoch!

Telearbeiter kämpfen oft gegen Vorurteile von Verwandten, Freunden, Nachbarn, die sich "richtige" Arbeit nur von neun bis fünf und in einem fernen Bürogebäude vorstellen können. "Hast du denn regelmäßig zu tun?" - "Ist das nicht ein herrliches Leben - kein Chef und immer auf dem Balkon?" Solche Fragen nerven, sind aber selten böse gemeint.

Dagegen helfen ein dickes Fell und verbale Konter: "Heute mache ich Feierabend, wenn ich fertig bin. Früher, als ich noch kein Home Office hatte, bin ich aus dem Büro geschlichen, wenn Chef und Kollegen gerade weggeguckt haben."

Kerstin Krüger
Christoph Stehr aus Hilden pflegt als freier Journalist ein freundliches Verhältnis zu seinem inneren Schweinehund. Der Beitrag erschien zuerst auf Monster.de.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Softwerker mit Home Office
JaIchBinEs 25.03.2012
Ich kann dem Artikel voll zustimmen. Zwar bin ich als Freiberufler etwas außen vor, aber die Möglichkeiten, den richtigen Zeit- und Ortspunkt für die Arbeit wählen zu können, ist als „Softwerker“ Gold wert. Wenn ich ein komplexes Netzwerkprotokoll für ein Projekt entwerfen soll, sind Anrufe und andere Störungen hinderlich. Manchmal verlege ich sogar Tätigkeiten mit hohen Konzentrationbedarf auf den lärmfreien Sonntag vormittag. Natürlich kann ich Test und Validierung nur an der Hardware beim Kunden durchführen, wo ich dann fachlich und mental gut vorbereitet erscheine. Als „teurer Externer“ möchte ich auch die produktivarmen Zeiten minimieren, z.B. sinnfreie Besprechungen, die seit der New Economy eine zahlenmäßige Inflation erfahren haben. Auch meine Anreise (z.Zt. 2x2.5 Std.) spricht für öfteres Home Office.
2. Alternative Coworking
SozialRomantiker 25.03.2012
Auch Coworking Spaces können eine Alternative sein für 2-3 Tage / Woche. Denn einen Nachteil hat man da auf jeden Fall: Kosten und Zeit für die Anreise sowie die Kosten für die Nutzung und eine gewisse Ablenkung. Aber zur Vermeidung des "Die Decke fällt mir auf den Kopf"-Syndroms ebenso ein guter Tipp wie zum Austauschen und Netzwerken mit anderen Freien.
3. Weichgespült und
alangasi 25.03.2012
an der Realität vorbei... Ich mache seit X-Jahren Homeoffice und über die wirklichen Vorteile, z.B. dann arbeiten wenn man leistungsfähig ist und die wirklichen Nachteile z.B zuviel arbeiten weil Lebensmittelpunkt gleich Arbeitsmittelpunkt ist, lese ich hier nicht. Unerfahrener Schreiber aber Ziel erreicht Monster.de tauch namentlich hier auf...
4. Nicht der Schweinehund...
artfreak 25.03.2012
... ist zu verklagen. Meist hindern mich, seit fünf Jahren bereits im Home-Office agierend, ganz andere Plagen am konzentrierten Arbeiten: Das Gefühl jederzeit für alle erreichbar zu sein, weil ich ja sowieso zu Hause sitze (und vermeintlich die Füße auf dem Tisch liegen habe, um Däumchen zu drehen). Die wichtigsten Arbeiten, zu denen ich viel Ruhe benötige, erledige ich am Sonntag. Ein geregeler Arbeitstag ist meist nicht zu erwarten, da hilft auch keine Planung. Vorteil: Ich kann mir die Pausen so legen, wie ich möchte, nebenbei Dinge erledigen, die andere dann im Feierabendstress tun müssen. Dennoch fehlt der Austausch mit Kollegen. Was ist schon perfekt? Der Artikel ist es nicht; er geht an der Realität vorbei. Meinen Urlaub muss ich lange im voraus planen mit dem entsprechenden Mehr an Arbeitspensum, weil es niemanden gibt, der mich in der Abwesenheit vertreten könnte. Gleiches gilt natürlich auch im Krankheitsfall. Da muss - dicker Kopf wegen Erklätung / Grippe hin oder her - dennoch das Minimum an Anwesenheit gegeben sein. Und dafür dar man dann keine Anerkennung erwarten, dass es doch irgendwie geklappt hat!
5. Das ist wahr
salmo 25.03.2012
Zitat von artfreak... ist zu verklagen. Meist hindern mich, seit fünf Jahren bereits im Home-Office agierend, ganz andere Plagen am konzentrierten Arbeiten: Das Gefühl jederzeit für alle erreichbar zu sein, weil ich ja sowieso zu Hause sitze (und vermeintlich die Füße auf dem Tisch liegen habe, um Däumchen zu drehen). Die wichtigsten Arbeiten, zu denen ich viel Ruhe benötige, erledige ich am Sonntag. Ein geregeler Arbeitstag ist meist nicht zu erwarten, da hilft auch keine Planung. Vorteil: Ich kann mir die Pausen so legen, wie ich möchte, nebenbei Dinge erledigen, die andere dann im Feierabendstress tun müssen. Dennoch fehlt der Austausch mit Kollegen. Was ist schon perfekt? Der Artikel ist es nicht; er geht an der Realität vorbei. Meinen Urlaub muss ich lange im voraus planen mit dem entsprechenden Mehr an Arbeitspensum, weil es niemanden gibt, der mich in der Abwesenheit vertreten könnte. Gleiches gilt natürlich auch im Krankheitsfall. Da muss - dicker Kopf wegen Erklätung / Grippe hin oder her - dennoch das Minimum an Anwesenheit gegeben sein. Und dafür dar man dann keine Anerkennung erwarten, dass es doch irgendwie geklappt hat!
[QUOTE=artfreak;9885713]... ist zu verklagen. Meist hindern mich, seit fünf Jahren bereits im Home-Office agierend, ganz andere Plagen am konzentrierten Arbeiten: Das Gefühl jederzeit für alle erreichbar zu sein, weil ich ja sowieso zu Hause sitze (und vermeintlich die Füße auf dem Tisch liegen habe, um Däumchen zu drehen). Das Schlimmste ist echt die Meinung von Familie und Freunden, man wäre ja eh zuhause und könnte dann ja schnell mal dies und das erledigen und dann sauer sind wenn man sagt ich hab zu tun. Aber ich würde nie wieder tauschen. Allein der Lebensqualitätsgewinn nicht mehr 2mal am Tag im Stau zu stehen ist unermesslich - von ein paar anderen Vorteilen mal abgesehen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Büroleben
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Laptop-Arbeiter auf Tour: Vor- und Nachteile der beliebtesten Arbeitsorte

Die schlimmsten Chef-Sprüche (6)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Verwandte Themen
Fotostrecke
Jobs abseits der Firma: Die Einzelkämpfer - völlig losgelöst

Fotostrecke
Stechuhren-Galerie: Wie die Stechuhren ticken lernten

Social Networks