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Armutsfalle Schauspielerei Willkommen in der Rollenlotterie

Ruhm und Glamour? Von wegen: Auf die meisten Schauspieler warten mickrige Gagen und ein unstetes Leben. Wie es in der Traumbranche wirklich zugeht, zeigen Gespräche mit Jungstars wie David Kross und Max Riemelt, mit erfahrenen Darstellern wie Christian Kahrmann und Florian David Fitz.

Schauspielerin Ninja Böhlke: "Dieses unsichere Leben, das ging nicht mehr" Zur Großansicht
Ninja Böhlke

Schauspielerin Ninja Böhlke: "Dieses unsichere Leben, das ging nicht mehr"

An einem grauen Januarmorgen beschloss Ninja Böhlke, ihren Lebenstraum aufzugeben. Zu viele Enttäuschungen, zu wenig Geld - mit 26 gestand sie sich ein, dass die Schauspielerei nicht der richtige Beruf für sie ist: "Ich habe das geliebt, aber dieses unsichere Leben, immer abhängig zu sein von Engagements, nie richtig kalkulieren zu können, das ging nicht mehr."

Dabei hatte sie alles mitgebracht, was eine angehende Schauspielerin braucht: Drei Jahre studierte sie an einer privaten Schauspielschule in Hamburg, war schon in der Schule in Theater-AGs, musizierte, spielte an Kindertheatern. "Es gab manchmal kleine Engagements für Theaterrollen, aber eben nicht regelmäßig." Hinzu kam die prekäre Bezahlung, Urlaube und Nebenjobs waren kaum drin, jederzeit konnte ja ein Angebot reinflattern. Für Ninja Böhlke stand fest: Das war's dann.

Bei kaum einem Beruf klaffen Anspruch und Wirklichkeit so auseinander. Die staatlichen Schauspielschulen werden mit Bewerbungen geflutet, die Etats aber zugleich immer weiter gekürzt. Zuletzt kämpften Berliner Studenten rabiat um den Erhalt der renommierten Ernst-Busch-Schule - bis zum Störmanöver bei "Günther Jauch".Es rumort im Schauspielgewerbe. Allenthalben werden Produktionsetats gedrosselt, Gagen der Künstler gedrückt, reguläre Tarife durch Sondergagen, Rückstellungen und Buy-out-Klauseln ausgehebelt. Zuletzt musste auch die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die für Künstler und Produzenten die Zweitverwertungsrechte wahrnimmt, ihr System umstellen. Die meisten Schauspieler verloren so 90 Prozent der Ausschüttungen, mit denen sie fest gerechnet hatten.

Arbeitslosengeld ist für Schauspieler wegen ihrer unsteten Beschäftigung ein Dauerproblem, wie auch die staatliche Rente - betriebliche Altersvorsorge existiert praktisch nicht. Die meisten sind froh, wenn sie auf zehn Drehtage pro Jahr kommen. Die Gage pro Drehtag liegt meist bei 800 bis 1000 Euro brutto. Was selten bezahlt wird: Anreise, Übernachtung, Proben. Was so gut wie nie bezahlt wird: Vorsprechen, Drehbücher lesen, Netzwerken, Pressearbeit, Unterricht, Nachsynchronisieren.

Seit SPIEGEL ONLINE vor zwei Jahren über die Schauspieler-Misere berichtete, hat sich die Lage weiter verschärft - und es trifft keineswegs nur den Nachwuchs, wie Treffen mit jungen und erfahrenen Künstlern, mit Regisseuren und Agenten zeigen.

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insgesamt 118 Beiträge
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1.
moev 12.06.2012
Zitat von sysopNinja Böhlke Ruhm und Glamour? Von wegen: Auf die meisten Schauspieler warten mickrige Gagen und ein unstetes Leben. Wie es in der Traumbranche wirklich zugeht, zeigen Gespräche mit Jungstars wie David Kross und Max Riemelt, mit erfahrenen Darstellern wie Christian Kahrmann und Florian David Fitz. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,838053,00.html
Was soll man sagen? Willkommen in der Wirklichkeit und das Leben ist kein Ponyhof, blablabla Die wenigsten können mit dem was sie gerne möchten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die meisten haben das auch schnell kapiert und machen eine Sache in der sie gut sind, die Geld bringt und die sie vielleicht nicht wirklich mögen und haben ihr Vergnügen dann mit dem verdienten Geld in der Freizeit. Das Arbeit Spaß machen sollte ist ein schöner Vorsatz, aber leider nur selten zu verwirklichen.
2. Kulturnation Deutschland - Künstler/Kreative im Hartz4Knast
existenzrecht 12.06.2012
Auch renommierten Schauspielern wird eine Grundsicherung als Grundvergütung unbezahlt in Anspruch genommener Arbeitsleistungen in Kommunikations- und Sozialisierungsprozessen verweigert.
3. Skeptisch
Positives Denken 12.06.2012
Zitat von sysopNinja Böhlke Ruhm und Glamour? Von wegen: Auf die meisten Schauspieler warten mickrige Gagen und ein unstetes Leben. Wie es in der Traumbranche wirklich zugeht, zeigen Gespräche mit Jungstars wie David Kross und Max Riemelt, mit erfahrenen Darstellern wie Christian Kahrmann und Florian David Fitz. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,838053,00.html
Ich bin da doch ein wenig skeptisch, denn ich würde die betroffenen Schauspieler gerne fragen, warum sie zwischen den TV- und Filmaufträgen nicht in Werbespot mitwirken oder auf der Theaterbühne stehen. Man sollte auch bedenken: es gab wohl kaum so viele Arbeitsmöglichkeiten für Schauspieler in Deutschland wie heute! ARD und ZDF strahlen fast gar keine ausländischen Fernsehproduktionen mehr aus, und auch die Privatsender zeigen sehr viel "made in Germany".
4. Mein Mitleid
Eluis 12.06.2012
Zitat von sysopNinja Böhlke Ruhm und Glamour? Von wegen: Auf die meisten Schauspieler warten mickrige Gagen und ein unstetes Leben. Wie es in der Traumbranche wirklich zugeht, zeigen Gespräche mit Jungstars wie David Kross und Max Riemelt, mit erfahrenen Darstellern wie Christian Kahrmann und Florian David Fitz. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,838053,00.html
hält sich in Anbetracht der gebotenen Darbietungen im GEZ-zwangsgebührenfinanzierten Umfeld doch sehr stark in Grenzen.
5. Genau aus diesem Grund...
sappelkopp 12.06.2012
Zitat von moevWas soll man sagen? Willkommen in der Wirklichkeit und das Leben ist kein Ponyhof, blablabla Die wenigsten können mit dem was sie gerne möchten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die meisten haben das auch schnell kapiert und machen eine Sache in der sie gut sind, die Geld bringt und die sie vielleicht nicht wirklich mögen und haben ihr Vergnügen dann mit dem verdienten Geld in der Freizeit. Das Arbeit Spaß machen sollte ist ein schöner Vorsatz, aber leider nur selten zu verwirklichen.
...sind ja soviele Menschen krank. Weil sie das machen, was sie halbwegs können und was Geld bringt. Dann haben sie Herzinfarkte, Bluthochdruck und Burn-Out und sind über Jahrzehnte unzufrieden, sitzen abends mit 'nem Bier vor dem Fernseher und meinen sie würden leben. Aber das, was sie wirklich gern machen würden, würden sie sogar mit Spaß machen, wären wahrscheinlich glücklicher. Ich habe lieber Spaß und weniger Geld, als nur des Geldes wegen ein Job zu machen, um Dinge zu kaufen, die man eh nicht wirklich braucht. Und an alle Schauspieler: Es ist gut, dass Ihr Eure Träume lebt, denn man lebt nur einmal.
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