ThemaLöhne und GehälterRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Chef vs. Mitarbeiter Wie Sie beim Gehaltspoker punkten

Zur Großansicht
DDP

"Ja, aber..." So klingt ein Vorgesetzter, wenn er nach einer Gehaltserhöhung gefragt wird. Was dann kommt, ist meist vorhersehbar: "Die Kassen sind leer, da könnte ja jeder kommen." Viele Einwände kann man gut kontern - mit ein bisschen Vorbereitung.

Die Verhandlung war schnell vorbei. "Mit Ihrer übertariflichen Zulage gehören Sie bereits zu den Top-Verdienern", sagte der Forschungsleiter eines Biotech-Unternehmens zu dem Laborchemiker. "Über Gehalt reden wir erst wieder, wenn eine Beförderung ansteht. Das ist bei uns so üblich."

Der Mitarbeiter bekam einen roten Kopf: "Das wusste ich nicht, nichts für ungut" - und tschüs. Er erfuhr erst später, dass sein Chef geblufft hatte. Die übertarifliche Zulage lag völlig im Rahmen, außerdem war es keineswegs "bei uns so üblich", Gehaltserhöhungen allein an Beförderungen zu koppeln.

Der Chemiker hätte bloß vorher den Betriebsrat zu fragen brauchen, wo er in seiner Tarifgruppe stand, und das Gespräch wäre anders verlaufen. Hinterher traute er sich nicht mehr, seinem Chef den Bluff nachzuweisen.

Wer in ein Gehaltsgespräch geht, muss auf Widerstand gefasst sein. Führungskräfte werden daran gemessen, dass sie mit ihrem Budget haushalten. Nadelstreifen und Spendierhosen passen nicht zusammen. Deshalb reicht es nicht, wenn Mitarbeiter zur Vorbereitung des Gesprächs nur auf ihre Leistungen und ihr Potential schauen. "Überlegen Sie sich mögliche Einwände Ihres Gesprächspartners und bereiten Sie zu jedem Punkt mehrere Gegenargumente vor", empfiehlt Uta Michels, Business-Coach in Schwelm.

Die beliebtesten Einwände der Chefs - und wie Sie gekonnt kontern:

"Die Kassen sind leer."

Lässt sich auch in wirtschaftlich guten Zeiten behaupten, denn frühere Verluste können nachwirken oder große Investitionen stehen bevor oder der Wettbewerb hat sich verschärft oder, oder, oder. "Lassen Sie sich nicht gleich abschrecken, sondern studieren Sie im Vorfeld sorgfältig die Bilanz Ihrer Firma", sagt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Dann können Sie Ihrem Chef darlegen, dass die Firma so und so viel Gewinn gemacht hat und Sie an diesem Erfolg nicht ganz unbeteiligt waren."

"Meinen Sie wirklich, dass Ihre Leistungen eine solche Gehaltsforderung rechtfertigen?"

Ein Versuch, den Mitarbeiter zu verunsichern. Er soll sich ertappt fühlen, denn offensichtlich überschätzt er seinen Wert für das Unternehmen. Die beste Reaktion ist nachzuhaken, was mit den Leistungen nicht stimmt. Dabei sachlich bleiben.

"Eine Gehaltserhöhung würde das Klima im Team gefährden."

Dazu müsste sie erst einmal öffentlich werden und das ist unwahrscheinlich. Das Argument "gleiches Geld für gleiche Arbeit" widerspricht allem, was man über die Praxis in Unternehmen weiß. Es sticht vor allem dann nicht, wenn Mitarbeiter unterschiedliche Aufgaben erfüllen. "Es empfiehlt sich allerdings, nur so auf diesen Punkt hinzuweisen, dass die Kollegen nicht herabgesetzt werden", sagt Hesse.

"Heute fragen Sie, und morgen kommt die ganze Abteilung."

Auch hier gilt, dass über Gehalt in der Regel nicht viel geredet wird - viele Unternehmen verpflichten ihre Mitarbeiter sogar vertraglich zu Stillschweigen. Und wenn doch etwas durchsickert: Pech für den Vorgesetzten. Im Gehaltsgespräch sollte der Konter natürlich etwas netter formuliert sein. "Verweisen sie darauf, dass sich Ihre Situation nicht auf die der anderen Kollegen übertragen lässt", rät Hesse - folglich kann es auch keine "Nachahmer" geben.

"Andere wären froh, wenn sie einen Job hätten. Denken Sie nur an die Millionen Arbeitslose."

Das Spiel mit der Angst ist durchsichtig. "Auf diese Art von Argumentation sollten Sie nicht eingehen", sagt Hesse. "Bekräftigen Sie noch einmal, dass Ihre Leistungen und Erfolge eine bessere Bezahlung rechtfertigen."

"Am besten kommen Sie in einem Jahr wieder - dann ist mehr drin."

Wer's glaubt … Gegen die Hinhaltetaktik wendet der Mitarbeiter am besten ein, dass er eigentlich schon im vergangenen Jahr mehr Geld verlangen, dann aber zunächst den Abschluss eines wichtigen Projekts abwarten wollte. So rückt er dezent seine Erfolge in den Vordergrund. Auf keinen Fall darf er den Vorschlag annehmen, denn sonst hat er wirklich ein Jahr Sendepause. Lieber Zähne zeigen und gleich einen Termin innerhalb der nächsten drei Monate anbieten.

Christoph Stehr ist freier Journalist in Hilden. Sein Beitrag erschien zuerst auf Monster.de.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Stäffelesrutscher 18.03.2012
Zitat von sysopDDP"Ja, aber..." So klingt ein Vorgesetzter, wenn er nach einer Gehaltserhöhung gefragt wird. Was dann kommt, ist meist vorhersehbar: "Die Kassen sind leer, da könnte ja jeder kommen." Viele Einwände kann man gut kontern - mit ein bisschen Vorbereitung. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,746987,00.html
Tja - fragt sich, wie motiviert der von seinem Chef verarschte Chemiker dann noch sein wird, etwa wenn's um Überstunden geht - oder ob er sich schon mal diskret bei der Konkurrenz umguckt. Das vergessen diese Geizkrägen in Nadelstreifen ...
2.
Soordhin 18.03.2012
Ich muss ehrlich sagen dass ich froh bin nach Tariflohn bezahlt zu werden, da muss ich mir dieses Geschachere nicht geben. Jedes Jahr ne Gehaltssteigerung durch einen fest gesetzten Stufensprung, zusätzlich dass was die Gewerkschaft raushandelt. Und keine unliebsamen Verhandlungen mit irgendeinem Chef.
3. was mich an diesen Karriereartikeln am meisten stört
ms66 18.03.2012
Zitat von sysopDDP"Ja, aber..." So klingt ein Vorgesetzter, wenn er nach einer Gehaltserhöhung gefragt wird. Was dann kommt, ist meist vorhersehbar: "Die Kassen sind leer, da könnte ja jeder kommen." Viele Einwände kann man gut kontern - mit ein bisschen Vorbereitung. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,746987,00.html
ist, wenn diese von Jüngelchen geschrieben werden, die sich noch niemals selber im Leben in einem Firmenumfeld um eine Gehaltserhöhung kümmern mussten. Als freier Journalist steht man zwar ständig, und dauernd in Konkurrenz, aber das ist dann doch, mit Verlaub, etwas anderes, als in einem Unternehmen sich im ständigen Wettbewerb zu seinen Kollegen zu befinden, und den "Feind", sprich Chef, ständig vor der Nase zu haben. Netter Versuch ..., hilft vielleicht manchen, aber etwas mehr praktisch erfahrener Hintergrund würde dem Artikel mehr Glaubwürdigkeit verschaffen.
4. Alle austauschbar
Seraphan 18.03.2012
Zitat von StäffelesrutscherTja - fragt sich, wie motiviert der von seinem Chef verarschte Chemiker dann noch sein wird, etwa wenn's um Überstunden geht - oder ob er sich schon mal diskret bei der Konkurrenz umguckt. Das vergessen diese Geizkrägen in Nadelstreifen ...
Das interessiert diese "Geizkrägen" in Nadelstreifen überhaupt nicht. Der Chemiker, wie Sie, wie ich, sind allesamt austauschbar. Wenn es nicht passt, können Sie gehen, ohne dass eine Träne nachgeweint würde. Nein, es ist sogar eine Chance für den Geizkragen, noch ein wenig an Gehaltskosten bei den Verhandlungen mit dem Nachfolger zu sparen. Wie nachhaltig diese Einstellung ist, ist diskutabel.
5. so ein quatsch
Bubba 18.03.2012
Zitat von sysopDDP"Ja, aber..." So klingt ein Vorgesetzter, wenn er nach einer Gehaltserhöhung gefragt wird. Was dann kommt, ist meist vorhersehbar: "Die Kassen sind leer, da könnte ja jeder kommen." Viele Einwände kann man gut kontern - mit ein bisschen Vorbereitung. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,746987,00.html
seit jahren schreiben allen vom gleichen artiekel ab. das ist wie mit den geschmackszonen auf den zunge, die es nie gab.... einfach nur quatsch... vielleicht kommt mal einer auf die idee, ein paar ratschlaege aufzuschreiben, die funktioniert haben. oder vielleicht geht das gar nicht, da befoerderungen umd gehaelter so willkuerlich sind und mit tatsaechlicher leistung so wenig zu tun haben. auf der war for talent spielt sich eigentlich nur in der presse und der personalabteilungenab. in der linie gibt es ihn nicht...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Löhne und Gehälter
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH