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Schikane am Arbeitsplatz Wie Sie Ihren Chef verklagen

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4. Teil: So kämpfen Sie vor Gericht

Wenn alle Versuche fehlschlagen, das Problem innerbetrieblich zu lösen, können Sie sich externe Hilfe holen. Machen Sie sich allerdings bewusst, dass Sie nun wirklich ganz schwere Geschütze auffahren und sich entsprechend noch besser vorbereiten müssen. Gehen Sie Ihre Situation noch einmal genau durch: Haben Sie genügend Zeugen und Belege, die Ihre Anschuldigungen stützen? Haben Sie einen Rechtsvertreter mit vertrauenswürdiger Vita?

Können Sie alle Fragen mit Ja beantworten, ist jetzt der Zeitpunkt, dem Geschäftsführer Ihres Unternehmens und dem Vorgesetzten, der Sie quält, eine Unterlassungsklage zuzusenden. Dafür übergeben Sie Ihrem Anwalt alle Belege und Dokumente und sagen ihm, was Ihr Vorgesetzter künftig unterlassen soll. Ihr Rechtsvertreter stellt eine entsprechende Klage aus und sendet sie an das zuständige Arbeitsgericht in Ihrer Region.

Dieses beraumt zunächst einen sogenannten Gütetermin an: eine Verhandlung mit dem Ziel einer Einigung. Der Arbeitgeber kann sich verpflichten, der Unterlassungsforderung nachzukommen. In diesem Fall entstehen keine Gerichtskosten. Die Anwaltskosten trägt ohnehin jede Partei selbst.

Bei einer Verurteilung drohen dem Chef ernste Konsequenzen

Ist eine gütliche Einigung nicht möglich, macht das Gericht einen zweiten Termin und stellt am Ende der Verhandlung ein Urteil aus. Dafür sind unter anderem folgende Fragen ausschlaggebend: Ist der Mitarbeiter überempfindlich oder die Arbeitsatmosphäre tatsächlich unerträglich? Wie groß ist die Gefahr, dass sich das in der Unterlassungsklage erwähnte Problem wiederholt?

Gibt das Gericht dem Angestellten recht, ist der Vorgesetzte verpflichtet, sein belastendes Verhalten abzustellen. Verstößt er gegen diese Auflage, zahlt er bis zu 25.000 Euro Strafe. Das Geld bekommt nicht der Angestellte, sondern der Staat.

Bei extremen Formen von Belästigung und Beleidigung können Sie noch drastischere Mittel ergreifen. "Wenn Sie Ihr Chef vor großem Publikum mit besonders schlimmen sexistischen oder rassistischen Sprüchen quält, ist möglicherweise eine Strafanzeige angemessen", sagt Arbeitsrechtler Nägele.

In diesem Fall befasst sich die Staatsanwaltschaft mit Ihrem Problem, und Sie müssen all Ihre Anschuldigungen akribisch belegen. Bei einer Verurteilung drohen Ihrem Chef äußerst ernste Konsequenzen: Möglich sind eine Geldstrafe in Höhe von bis zu einem Jahresgehalt, ein Vorstrafen-Eintrag im Zentralregister und theoretisch auch eine Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr. "Letztere ist allerdings extrem unwahrscheinlich", sagt Nägele.

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insgesamt 31 Beiträge
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1.
honschi 30.05.2012
Sehr interessanter Artikel, leider existiert bei uns im Unternehmen weder ein Betriebsrat noch eine Personalabteilung an die ich mich wenden könnte. Diese Konstellation ist bei den großen Discountern üblich.
2. ohne
Asirdahan 30.05.2012
Zitat von sysopCorbisWas tun, wenn der Vorgesetzte einem Mitarbeiter den Job zur Hölle macht? Ständige Beleidigungen und Schikanen muss niemand ohnmächtig hinnehmen. Es gibt Auswege aus dem Dilemma: Mit Strategien von der Anti-Mobbing-Allianz bis zur Klage können Sie sich wehren. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,835344,00.html
Was heißt, ständige Schikanen und Beleidigungen? Schon eine einzige Beleidigung muss ich nicht hinnehmen. Am Ende läuft doch alles darauf hinaus, ob und wie ich mich wehre. Dann kann ich das auch gleich nach der ersten Beleidigung tun. Jeder muss wissen, welchen Druck er aushält. Ich persönlich bin immer dafür, auch dem Chef auf Augenhöhe zu begegnen. Wer mich beleidigt, der bekommt auch von mir scharfe Worte zu hören. Anders kann es zwischen erwachsenen Menschen nicht ablaufen. Das allererste Schlucken einer Demütigung ist der fatale Abstieg in die Unterwürfigkeit. Der Chef hat in Grenzen das Recht, mir meine Arbeit vorzuschreiben. In Grenzen, damit meine ich, wenn ich ein Spezialgebiet bearbeite, von dem er keine Ahnung hat, dann sollte auch er sich in Bescheidenheit üben. Im Umgang zwischen Mensch zu Mensch hat er sich mir gegenüber höflich zu verhalten, auch wenn er mich kritisiert. Etwas anderes muss ich mir nicht gefallen lassen. Leider ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt in manchen Branchen derart, dass die Arbeitnehmer sich ins duldende ohnmächtige Schweigen verkriechen müssen, bis sie platzen. Dann ist es meistens zu spät für eine vernünftige Regelung.
3. Warum gleich verklagen
talackova 30.05.2012
Zitat von sysopCorbisWas tun, wenn der Vorgesetzte einem Mitarbeiter den Job zur Hölle macht? Ständige Beleidigungen und Schikanen muss niemand ohnmächtig hinnehmen. Es gibt Auswege aus dem Dilemma: Mit Strategien von der Anti-Mobbing-Allianz bis zur Klage können Sie sich wehren. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,835344,00.html
Abmahnunen an den Arbeitgeber sind ein wunderbaren Mittel, um aus der dreimonatigen Sperre für Arbeitslosengeld bei eigener Kündigung herauszukommen.
4. Artikel sehr problematisch
ernstmoritzarndt 30.05.2012
a.) Mobbing stellt eine drastische Missachtung der Arbeitnehmerrechte dar und gehört geahndet. b.) Wenn ein Chef denn verurteilt wird zur Unterlassung (das ist im Artikel falsch dargestellt) wird verurteilt zur Unterlassung bei Meidung von Ordnungsgeld bis zu € 250.000,-- ersatzweise ordnungshaft oder Ordnungshaft. c.) Das ist zu kurz gekommen: Es muß Material gesammelt werden, auf die gründlichste Art und Weise, das hat extrem substantiell zu geschehen, Zusammenhänge zwischen einzelnen Vorgängen herstellen. Immer wieder: substantielles Material. Es gibt bisher kaum erfolgreiche Mobbingprozesse. Diese bleiben meistens wegen unvollständiger Materialsammlungen stecken. Am besten ist es, wenn ich eine "Linie" des Fehlverhaltens darstellen kann, wie im Falle des bekannten Leiturteils des Thüringischen LAG. Ohne die Entscheidung läuft nichts. d.) Unterstützung von Kolleginnen/Kollegen meistens sehr problematisch. Die haben Angst, selbst in die Schußlinie zu geraten.
5. gekündigt, arbeitslos und dann?
john789 30.05.2012
Was wird wohl der zuständige Bearbeiter der Arge sagen? Man habe selbst gekündigt, also erstmal 3-monatige Streichung der Arbeitslosenhilfe!! Etwaige "Beweise", die man über den Chef gesammelt hat, werden nicht anerkannt, also muss man doch wieder klagen, diesmal gegen die Arge, um an sein Recht zu kommen. Da kann man auch gleich gegen den eigenen Chef klagen. So oder so, es geht an die Substanz, finanziell wie psychisch. Darf man entsprechendes, eindeutiges Verhalten seines Chefs eigentlich heimlich filmen? Nicht zur Veröffentlichung, sondern den Film dann einem Notar oder so zur Aufbewahrung geben bis zur Gerichtsverhandlung?
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