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Betriebsrenten Wenn der Chef die Rente zahlt

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Ist für einen guten Zweck: Der Fiskus fördert die Zahlung von Betriebsrenten

Die Renten sind sicher... wirklich? Gelassener in die Zukunft blicken können Angestellte mit Betriebsrenten. Gut jeder dritte Arbeitgeber bietet eines der Modelle an. Welche Variante die beste ist und worauf man achten muss - ein Überblick über die möglichen Zusatzversorgungen.

Betriebsrenten sind eine gute Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Das Schöne daran: Häufig gibt der Chef etwas dazu. Insgesamt gibt es fünf Modelle, eine Betriebsrente zu organisieren: Direktversicherung, Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse und Pensionsfonds.

Der Arbeitgeber entscheidet, welche Variante er seinen Mitarbeitern anbietet. Oft ist das Modell in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen festgeschrieben. "Betriebsrat oder Personabteilung sind die ersten Ansprechpartner", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest".

Auf eine Direktversicherung haben Arbeitnehmer gesetzlich Anspruch. Sie entspricht im Prinzip einer Lebensversicherung zugunsten des Arbeitnehmers und seiner Hinterbliebenen und funktioniert über Entgeltumwandlung: Ein Teil des Bruttogehalts fließt an eine Versicherungsgesellschaft, mit der der Arbeitgeber einen Rahmenvertrag abgeschlossen hat.

Steuerfreibetrag von 2688 Euro

Manche Unternehmen geben einen zusätzlichen freiwilligen Zuschuss. "Sie legen zum Beispiel 10 bis 15 Euro pro 100 Euro drauf", sagt Martin Kinkel, der im Auftrag von Personalabteilungen Beschäftigte in Vorsorgefragen berät. Die Firma gibt so einen Teil der Sozialabgaben zurück, die auch sie durch die Direktversicherung spart. Die Aufstockung bringt dem Arbeitnehmer eine höhere Rendite. Ob und wie viel sein Arbeitgeber obendrauf packt, ist Verhandlungssache.

Für die Direktversicherung gilt wie für die anderen Vorsorgemöglichkeiten: Beiträge sind bis zu einer gewissen Höhe steuer- und sozialabgabenfrei. 2012 liegt die Grenze bei 2688 Euro. Hinzu kommen weitere steuerfreie 1800 Euro, auf die jedoch Sozialabgaben gezahlt werden müssen. Bei der Auszahlung von seit 2005 laufenden Verträgen kassieren der Fiskus sowie die Krankenkassen mit.

Bei der Direktzusage verpflichtet sich der Arbeitgeber zur Rentenzahlung an seinen Mitarbeiter. "Der Arbeitgeber wird selbst Träger der betrieblichen Zusatzversorgung", sagt "Finanztest"-Redakteur Theodor Pischke. Dabei beteiligt sich das Unternehmen oft am Beitrag, Mitarbeiter bekommen eine Pensionszusage. Pischke zufolge ist die Direktzusage Grundlage für mehr als die Hälfte aller Betriebsrenten.

Aufpassen beim Arbeitsplatzwechsel

Nach einer Schätzung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin bietet immerhin jede dritte Firma eine Zusatzversorgung an, rund 70 Prozent der Mitarbeiter machen mit. Ein Blick auf die Konditionen lohnt. Unter anderem auf die Frage, ob Ansprüche bei einem Stellenwechsel übertragen werden können. Grundsätzlich gibt es laut Pischke ein Mitnahmerecht für seit 2005 abgeschlossene Direktversicherungen, Verträge bei Pensionskassen und Pensionsfonds, nicht aber für Direktzusagen oder Unterstützungskassen.

Es kommt außerdem auf die sogenannte Unverfallbarkeit an. Das ist die Zeit, ab der die Ansprüche dem Arbeitnehmer sicher sind. Grundregel: Zahlt er allein den Beitrag zur Betriebsrente, ist diese sofort unverfallbar. Zahlt die Firma mit oder übernimmt sie die Leistung ganz, gilt dagegen meist eine Frist von fünf Jahren. Gerechnet wird oft ab dem 25. Geburtstag.

Pensionskassen arbeiten wie Lebensversicherer. Oft sind sie branchen- oder konzernweit organisiert. Ältere Kassen dürfen laut Pischke anders rechnen als Lebensversicherungen. Sie seien entweder nicht an den Garantiezins gebunden oder zögen eine niedrigere Lebenserwartung heran, weil sie eben nur ihre Mitglieder zugrunde legen. Die bekommen dafür eine höhere feste Rentenzusage.

Rente gibt's auch nach einer Pleite

Unterstützungskassen gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. "Wer dort einzahlt, muss stets einen gleich hohen oder gleichmäßig steigenden Beitrag leisten", so die Zeitschrift "Finanztest".

Der Pensionsfonds ist nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge in Heidelberg das jüngste Betriebsrentenmodell. Der Fonds investiert das Geld unter anderem in Aktien. Mitarbeitern, die diese Form nutzen, ist am Ende der Laufzeit zumindest das eingezahlte Kapital sicher. Die Höhe der Rendite hängt von den Gewinnen ab sowie von Zusatzleistungen, etwa Absicherung von Invalidität und Hinterbliebenen.

Wer seine Altersvorsorge ohne Geld finanzieren möchte, kann in Zeitwertkonten investieren. "Überstunden statt Liquidität" nennt Martin Kinkel diese Option. Dabei werden Überstunden am Ende praktisch in Geld umgewandelt, mit dem Arbeitnehmer entweder ihren früheren Rentenbeginn, ein Sabbatical oder eine längere Weiterbildung finanzieren.

Übrigens: Wenn Unternehmen Pleite gehen, bekommen Mitarbeiter trotzdem weiter Betriebsrente. Anstelle des Arbeitgebers springt der Pensionssicherungsverein (PSV) ein. Für Unternehmen ist die Mitgliedschaft Pflicht. Sie zahlen - ähnlich einer Haftpflichtversicherung - regelmäßig Beiträge an den PSV. Auch Zeitwertkonten sind dort abgesichert.

Monika Hillemacher, dpa/vet

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Betriebsrente
d.decas 17.03.2012
Zitat von sysopDie Renten sind sicher... wirklich? Gelassener in die Zukunft blicken können Angestellte mit Betriebsrenten. Gut jeder dritte Arbeitgeber bietet eines der Modelle an. Welche Variante die beste ist und worauf man achten muss - ein Überblick über die möglichen Zusatzversorgungen. Betriebsrenten: Wenn der Chef die Rente zahlt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,821877,00.html)
seit dem Schuldenschnitt bei dem viele Anleger die Hälfte ihrer Einlagen verloren haben denke ich ständig:" was ist schon sicher?" Wenn Frau Merkel vielleicht noch mehr Geld benötigt zu Rettung Griechenland`s- vielleicht heißt es dann auch bei uns -Schuldenschnitt durch Zwangsverordnung- Deine sicher geglaubte Betriebsrente wird halbiert. Ein Schreckgespenst oder Realität???
2. Jawattenu?
Leser161 17.03.2012
Lebenslange Betriebszugehörigkeit? Rente vom Betrieb? Ich dachte das ist sowas von 2. Jahrtausend....
3.
bambuse 17.03.2012
Zitat von sysopDie Renten sind sicher... wirklich? ... und worauf man achten muss Betriebsrenten: Wenn der Chef die Rente zahlt (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,821877,00.html)
Hallo, eine Frage an die Fachleute: Ein Unternehmen schliesst mit dem Betriebsrat einen Tarifvertrag ab. Bestandteil ist eine Direktversicherung für die Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber übernimmt die monatlichen Beiträge gegen einen 1%tigen Gehaltsverzichts ab sofort und für alle Tarifabschlüsse in der Zukunft. Der Arbeitnehmer versteuert diese Beiträge mit seinem Bruttoeinkommen. Ein Arbeitnehmer hat das Rentenalter erreicht und den Auszahlungsbetrag der Versicherung erhalten. Er rechnet überschlägig seine versteuerten Beiträge und die Laufzeit mit dem Garantiezins. Das theoretische Soll ist um einiges höher als der ausgezahlte Betrag. Vermutung: Hier sind die Kosten (Provision und Verwaltung, Zillmerung) vom Arbeitnehmer getragen worden. Dadurch der niedrigere Auszahlungsbetrag. Kann das richtig sein? Der Arbeitnehmer hat durch seinen Gehaltsverzicht nach spätestens 10 Jahren bereits die gesamten Kosten selbst getragen, der Arbeitgeber macht ein Plus bei diesem Deal. Im münchner Bereich gab es einmal Urteile in dieser Sache. Allerdings schlecht mir Google zu finden und dann auch ohne Namen der Rechtsanwälte. Kennt jemand die damals damit betrauten Kanzleien zwecks Kontaktaufnahme? Danke, Gruß
4. Schönwetterthema
genugistgenug 17.03.2012
Zitat von sysopDie Renten sind sicher... wirklich? Gelassener in die Zukunft blicken können Angestellte mit Betriebsrenten. Gut jeder dritte Arbeitgeber bietet eines der Modelle an. Welche Variante die beste ist und worauf man achten muss - ein Überblick über die möglichen Zusatzversorgungen. Betriebsrenten: Wenn der Chef die Rente zahlt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,821877,00.html)
was sollen diese Zusatzrenten noch - wer normal arbeitet, muss froh sein, wenn er die Grundsicherung erreicht und wer aufstocken muss ist böse dran. Denn es gilt: Rente plus Zusatzrente plus evtl. Aufstockung = Grundsicherung (Hartz4)
5.
sogehtdasnicht 17.03.2012
Dake SPON für diesen völlig platten EInblick in das sehr komplexe Betriebsrenten-Thema. Es soll ja Leute geben, da reicht der Lohn grad zum Leben, dann soll man noch vorsorgen. Und sicher, klar. Hmm, als damals Arcandor pleite ging, hat sich der Umlagebeiitrag des Pensionssicherungsvereins mal eben versechsfacht. Daraufhin wollte ganz viele Arbeitgeber ausscheren, weil ihnen das Sicherungsinstrument zu teuer wurde... Was meint ihr, SPON, was los ist, wenn es mal gehäuft Pleiten gibt? Nur gut, dass die Schlecker-Angestellten so gut wie alle so schlecht bezahlt waren, dass es da wohl keine über den PSV abzusichernden BEtriebsrenten gibt, und wenn, dann sind die nicht der Rede wert. Aber was wäre wohl los, wenn zum Beispiel Opel über die Wupper ginge? Oder irgendein anderer Konzern, von dem man das heute noch gar nicht ahnt, der aber in der anstehende Krsie Probleme bekommen wird... Na ja, wollen das mal nicht vertiefen, die Leute sollen mal schöne weiter dran glauben, dass kapitalgedeckte Renten oder Betriebsrenten sicherer als die gesetzliche Renten sind. Wird sich schon von selber rumsprechen, dass das alles das Gleiche ist. (Wenn nicht mehr gearbeitet wird, dann kann man die Alten auch nicht mehr durchfüttern, unabhängig vom Durchführungsweg.)
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