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27. Dezember 2012, 11:07 Uhr

Krisenvorbereitung

Die meisten Firmen wollen ihre Mitarbeiter halten

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Das kommende Jahr wird wirtschaftlich schwierig, darauf bereiten Ökonomen die Öffentlichkeit seit Wochen vor. Doch noch droht keine neue Jobmisere. Über 70 Prozent der Unternehmen planen auch in der Krise keine Entlassungen.

Was tun, wenn in einer Konjunkturkrise die Aufträge ausbleiben? Oft war die Antwort in den vergangenen Jahrzehnten ebenso schlicht wie schlimm: entlassen, was das Zeug hält. Die Belegschaft durfte erst dann wieder wachsen, wenn die Geschäfte besser liefen. Den gekündigten Kollegen nützte das meist wenig, sie waren ihren Job ja los. Und die Unternehmen trugen oft auch einen Schaden davon, denn fürs Wachstum im anschließenden Boom fehlten erfahrene Mitarbeiter.

Es scheint, als wolle es die deutsche Wirtschaft in der anrollenden Flaute schlauer machen. 71 Prozent der Personalchefs deutscher Unternehmen gehen davon aus, dass sie den Bestand der Stammbelegschaft nicht antasten werden, auch wenn die Geschäfte 2013 schlechter laufen. Vielmehr wollen sie im großen Stil Überstunden abbauen, wenn es nichts für die Mitarbeiter zu tun gibt.

Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts und der Personalvermittlung Randstad hervor, bei der Führungskräfte aus rund tausend Unternehmen Auskunft über ihre Personalplanung gegeben haben. Die Studie liegt SPIEGEL ONLINE exklusiv vor.

Demnach wollen 75 Prozent der Betriebe Überstunden abbauen, 52 Prozent in der kommenden Schwächephase die gut gefüllten Arbeitszeitkonten ihrer Mitarbeiter leeren. So können kurzfristig nicht benötigte Mitarbeiter bei vollem Gehalt nach Hause geschickt werden: Die bezahlte Arbeitsleistung haben sie längst erbracht und auf dem Konto angespart.

Auch Kurzarbeit dürfte laut 46 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle spielen. Allerdings konnten in diesem Punkt rund 20 Prozent noch gar keine Angaben machen. Verständlich, denn dazu müssen diverse arbeitsrechtliche Bedingungen erfüllt sein. Damit die Gehaltsausfälle der Mitarbeiter durch ein Kurzarbeitergeld der Arbeitsagentur teilweise ausgeglichen werden, muss das Unternehmen Kurzarbeit beantragen.

In der letzten Konjunkturkrise von 2008 hatte die Bundesregierung das Volumen der Kurzarbeit massiv ausgedehnt. Diese Maßnahme gilt heute als einer der Gründe, weshalb bereits damals der Beschäftigungsabbau geringer ausfiel als in früheren Konjunkturflauten.

Am deutlichsten dürften einen Konjunktureinbruch die Leiharbeiter zu spüren bekommen, die in den Unternehmen arbeiten. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe wollen 71 Prozent der Befragten zuerst diese Beschäftigten nach Hause schicken - sie bleiben dann aber weiter beim Verleiher beschäftigt. Ansonsten unterscheiden sich die Werte zwischen den Branchen wenig.

Die Umfrage wurde im Rahmen der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung durchgeführt. Dabei möchten Ifo und Randstad wissen, wie sich der Einsatz von Instrumenten zur flexiblen Gestaltung von Arbeit entwickelt, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit.

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